Indien: Ausgestoßen unter den Ausgestoßenen

Der 30-jährige Rupesh* lebt mit seiner Familie in einem abgelegenen Dorf im Westen Indiens. Er stammt aus einer indigenen Volksgruppe, die als sogenannte „registrierte Stammesgemeinschaft“ in der sozialen Hierarchie des Landes ganz unten steht. Als Rupesh sich im Alter von 24 Jahren für ein Leben mit Jesus Christus entschied, wurde er zu einem Ausgestoßenen unter den Ausgestoßenen. Weil er sich von der traditionellen Religion seines Stammes abwandte, erlebte er starke Verfolgung. Dennoch sagt er immer wieder: „Ich habe die Güte des Herrn gesehen.“

Rupeshs Geschichte mit Jesus begann, als sein einjähriger Sohn schwerkrank wurde. Die Ärzte konnten ihm nicht helfen. Rupesh und seine Frau suchten in ihrer Verzweiflung einen Tempel nach dem anderen auf in der Hoffnung, irgendeiner der vielen Götter würde ihr Kind heilen. Doch alle Bemühungen waren umsonst. Dann erzählte einer von Rupeshs Verwandten dem Ehepaar von Jesus Christus und betete für den kleinen Jungen. Das Wunder geschah: Der Gesundheitszustand des Jungen verbesserte sich und schon bald war seine Krankheit komplett verschwunden.
 

Pastor Rupesh
Pastor Rupesh

Rupesh war so erfüllt von Dankbarkeit für die Heilung seines Sohnes, dass er begann, überall davon zu erzählen und Jesus Christus dafür zu preisen. Zudem besuchte die Familie fortan eine kleine Hauskirche in der Nähe ihres Dorfes. Beides war seinen Nachbarn ein Dorn im Auge und sie sagten ihm, er solle damit aufhören. Als er sich durch Drohungen nicht davon abbringen ließ, wurden er und seine Familie auf Anweisung der Dorfältesten aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, doch sie hielten standhaft an Jesus fest. Ihr Zeugnis führte dazu, dass nach und nach auch andere Familien Jesus Christus kennenlernten und ihm ihr Leben anvertrauten, sodass eine kleine Gemeinde entstand.

Angriff während des Gottesdienstes

Diese Entwicklung erregte die Aufmerksamkeit extremistischer Hindus. Zwar waren die christlichen Familien zuvor keine Hindus gewesen, sondern der animistischen Religion ihres Stammes gefolgt. Jedoch befürchten die Hindu-Extremisten einen Machtverlust, wenn sich Angehörige der untersten Gesellschaftsschicht Jesus Christus zuwenden – wenn diese erfahren, wie wertvoll sie sind, verlieren die althergebrachten sozialen Hierarchien für sie an Bedeutung.

Um ein weiteres Wachstum der christlichen Gemeinschaft zu unterbinden, griffen extremistische Hindus sie eines Sonntags während des Gottesdienstes an: „Sie kamen mit einem großen Mob und umstellten die Kirche“, erzählt Rupesh. „Sie verlangten von uns, nicht mehr im Namen Jesu zu beten und stattdessen zu unserem animistischen Glauben zurückzukehren. Uns wurden schlimme Konsequenzen angedroht, sollten wir nicht gehorchen. Etwa 50 der Männer rissen vor unseren Augen die Kirche nieder, während wir nur hilflos zusehen konnten.“ 

„Wie kannst du es wagen …!“ 

Aber die Christen gaben nicht auf. Obwohl sie wussten, dass sie beobachtet wurden, trafen sie sich weiterhin, wenn auch in kleineren Gruppen. Nur zwei Wochen später folgte der nächste Angriff. Dieselben Männer, welche die Kirche zerstört hatten, kamen nun zu Rupeshs Wohnhaus und umzingelten es. Unter lauten Drohungen forderten sie ihn auf, herauszukommen. „Wie kannst du es wagen, zu missachten, was wir dir befohlen haben!“, riefen sie voller Hass. Rupesh berichtet, was dann geschah: „Ich wurde aus meinem Haus gezerrt. Die Schläge, die meinen Rücken und meinen Bauch trafen, ließen mich vor Schmerz aufschreien. Meine Frau wurde nicht verschont, sie verprügelten auch sie. Ich konnte nichts tun, um sie zu schützen – starke Männer hielten mich von beiden Seiten fest. Während sie mich schlugen, fragten sie mich immer wieder, warum ich mich als Christ bezeichnen würde. Sie sagten: ,Warum gehst du immer noch zur Kirche?’“ Rupeshs Antwort war immer die gleiche: „Jesus ist real. Ich habe die Güte des Herrn gesehen. Er ist gnädig und schenkt Leben.“ 
 

Hinduistischer Tempel
Hinduistischer Tempel

Das Zuhause verloren

Dies verärgerte seine Peiniger nur noch mehr und sie fesselten Rupesh. Andere kletterten auf das Dach seines Hauses und begannen, die Dachziegel herunterzuwerfen. Diese wurden von unten wartenden Männern aufgesammelt und in einen Anhänger geladen. Fassungslos musste Rupesh zuschauen, wie sein Zuhause zerstört wurde. Ohne das Dach war die Bambushütte Wind und Wetter schutzlos ausgesetzt. Mehr als 20 Jahre hatte er darin gelebt und ihm fehlten die Mittel, um sie wiederaufbauen zu können.

Schließlich verbanden die Extremisten Rupesh die Augen und brachten ihn in den Wald. Still betete er um Schutz und dafür, zu seiner Frau zurückkehren und sie trösten zu können. Und Jesus erhörte sein Gebet: Er kann sich nicht mehr an die genauen Details erinnern, aber es kam zu einem Streit zwischen seinen Entführern, woraufhin sie ihn mit einer Warnung laufen ließen. Spät in der Nacht kehrte er zu seiner Familie zurück. Ein anderer Christ nahm sie für ein paar Tage auf, doch da Rupesh fürchtete, dass auch dieses Haus angegriffen werden könnte, baute er aus Zweigen und Blättern eine behelfsmäßige Hütte auf seinem Feld.

„Ich bin mit dir“

Rupesh und die anderen Christen in seinem Dorf werden von den Menschen in ihrem sozialen Umfeld weiterhin stark unter Druck gesetzt. Sie dürfen den Dorfbrunnen nicht benutzen und müssen weite Wege zurücklegen, um Dinge des täglichen Bedarfs kaufen zu können. Die Polizei weigert sich, eine Anzeige gegen seine Angreifer aufzunehmen. Eines Tages war Rupesh so niedergeschlagen, dass er keine Zukunft mehr für sich und seine Familie sah. Da hörte er eine Stimme, die zu ihm sagte: „Lass dich nicht entmutigen – ich bin mit dir.“ Sofort wusste Rupesh, dass Jesus zu ihm gesprochen hatte.

Ein befreundeter Pastor brachte ihn in Kontakt mit einheimischen Partnern von Open Doors, die für ihn beteten und ihm lebensnotwendige Güter brachten. Dabei müssen sie sehr vorsichtig sein, da die Situation im Dorf weiterhin sehr angespannt ist – wenn bekannt würde, dass Rupesh Unterstützung von außerhalb bekommt, könnte ihn das noch mehr gefährden. Doch er ist entschlossen, in seinem Dorf zu bleiben und für seine Nachbarn ein Licht zu sein, um die frohe Botschaft von Jesus Christus auszubreiten. Er bittet um Gebet für sich und die anderen Christen aus seinem Dorf. Dies ist eine große Ermutigung für ihn: „Ich bin nicht allein. Ich habe viele Brüder und Schwestern, die für mich beten werden.“ 

*Name geändert

 

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