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Ägypten: Anhaltende Benachteiligung von Christen

Angriffe, Willkür und unfaire Gerichtsverfahren sind weiterhin Alltag - Open Doors bittet um Gebet

(Open Doors) - Dem regierenden Militärrat Ägyptens ist es bislang nicht gelungen, die christliche Minderheit vor Benachteiligung zu schützen. Mehrere Vorfälle zeigen, dass Gerechtigkeit und Gleichbehandlung für Christen in Ägypten offenbar noch in weiter Ferne liegen. Das brutale Vorgehen einer Gruppe salafistischer Muslime, die einen Christen zum Islam bekehren wollten, endete mit einem Freispruch für die Angreifer. Immer häufiger spielen bei Übergriffen sogenannte "Versöhnungstreffen" eine Rolle - die jedoch eher zum Nachteil der Christen ausgehen. Das Hilfswerk Open Doors ruft dazu auf, für die bedrängten Christen in Ägypten zu beten, damit sie in dieser Bedrängnis ermutigt und gestärkt werden. Heute haben die ersten Präsidentschaftswahlen seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Hosni Mubarak im Februar 2011 begonnen.

Hier eine Botschaft eines Christen aus Ägypten:

"Viele Ägypter blicken mit gemischten Gefühlen auf die Wahl und nicht nur Christen, sondern auch Millionen von Muslimen sind besorgt über den Machtgewinn islamischer Kräfte. Das neue ägyptische Parlament besteht jetzt schon zur Mehrheit - fast 75 Prozent - aus Islamisten. Ein weiterer Sieg würde das gesamte Land unter eine fanatische islamische politische Macht bringen. Als Christen sollten wir in dieser Zeit ganz besonders den Herrn anrufen und ihn bitten, uns durch diese kritische Zeit zu führen."

Bitte beten Sie für die Christen in Ägypten, denn auch in den vergangenen Wochen kam es wieder zu Übergriffen.

Ägypten I: Sprachschule in Assuan angegriffen

Ägypten: Graffiti an der Außenwand einer Trinkhalle in Kairo/Open DoorsAm 4. März griffen etwa 1.500 Bewohner des Dorfes Abu Al-Reesh die privat betriebene öffentliche Sprachschule "Notre Dame Language School" in der Provinz Assuan an. Die Männer skandierten dabei islamische Parolen und schwangen Schwerter und Messer. Der Mob hielt über Stunden zwei Nonnen im Gästehaus in Geiselhaft und bezichtigte sie, eine Kirche zu bauen. Nur mit Mühe konnten die Frauen nach acht Stunden von der Polizei befreit und die Gebäude nach deren Plünderung gesichert werden.

Ein "Versöhnungstreffen" am 25. März zwischen den Angreifern und der Schulverwaltung endete zum Nachteil für die Christen. Auch der Gouverneur, Geheimdienstmitarbeiter und Vertreter der Polizei waren anwesend. Nach Angaben des Schulleiters sei das Treffen lediglich der Versuch gewesen, Erpressung zu legalisieren. Denn die Muslime hatten als Friedensangebot gefordert, dass Magdy Melad, Manager der Schule, einen Teil des Landes auf die Angreifer überschreibt. Dies hat er verweigert, da er keinen Präzedenzfall schaffen wollte: "Wenn wir hier nachgeben, werden sie uns alles nehmen", so Melad. Aus Angst vor weiterer Gewalt sah er sich jedoch gezwungen, einem Verzicht auf die Strafverfolgung der Schulangreifer zuzustimmen. Dies bedeutet jedoch eine Einbuße der Rechte der Christen. Noch gehört das Gästehaus der Schule, doch ist es fast leer geräumt und darf unter Strafandrohung nicht mehr benutzt werden. "Versöhnungstreffen" dieser Art werden in ganz Ägypten zur Wiederherstellung der Ruhe nach Angriffen abgehalten. Sie basieren zu einem gewissen Grad auf traditionellen Ratsversammlungen arabischer Stämme und waren unter der Regierung Mubaraks üblich. Menschenrechtsaktivisten sehen darin jedoch vielmehr einen Weg, um Minderheiten dazu zu bringen, ihre Rechte aufzugeben. (Foto: Graffiti in Kairo/Open Doors)

Ägypten II: Richter beugt sich massiver Drohung

Wegen angeblicher "Beleidigung des Islam" und "Provozierung von Schülern" verurteilte ein Richter in Assiut am 29. Februar den 49-jährigen Christen Makarem Diab zu sechs Jahren Haft. Nach einer Diskussion über muslimische und christliche Lehren mit seinem muslimischen Kollegen Abd Al Hameed zeigte dieser Diab bei der Polizei wegen Lästerung des Islam an. Beim gerichtlichen Widerspruchstermin am 16. März rief Ankläger Al Hameed muslimische Anwälte zu massiven Krawallen vor dem Gerichtshof auf. Diese stürmten während der Anhörung wütend in den Gerichtssaal und schlugen auf Diabs Anwalt, Ahmed Sayed Gebaly, ein. Der Richter habe das Urteil aus Angst aufrechterhalten, aber sofort einen Berufungstermin festgelegt, sagte Gebaly. Derzeit sitzt Diab im Gefängnis in Assiut.

Ägypten: ein Christ beim Gebet in der Felsenkirche in MokattamÄgypten III: Freispruch für Angreifer

In Oberägypten hat ein Richter alle Anklagen gegen eine Gruppe aus etwa 20 Salafisten abgewiesen. Sie hatten einem Christen ein Ohr abschnitten, um ihn damit zum Übertritt zum Islam zu zwingen. Zuerst bezichtigten sie den 46-jährigen Christen Ayman Anwar Metry, eine Affäre mit einer muslimischen Frau zu haben. Danach forderten sie, dass er das islamische Glaubensbekenntnis (Schahada) sprechen müsse. Weil er sich weigerte und die muslimische Frau die Beziehung abstritt, wurden beide brutal verprügelt und schwer verletzt. Bei einem "Versöhnungstreffen" drohten die Extremisten der Familie von Metry mit dem Tod, falls er seine Klage vor Gericht gegen sie aufrecht halte. Um seine Familie zu schützen, gab Metry nach. Der Richter sprach die Täter am 22. April frei. Salafisten treten für eine strenge Form und konsequente Anwendung islamischer Gesetze wie in der Frühzeit des Islam ein. Seit den 1980er-Jahren sind sie besonders in armen, ländlichen Gegenden des Landes verbreitet und bei den Menschen beliebt wegen ihrer "reinen" islamischen Lehre und ihres sozialen Engagements. (Symbolbild: Open Doors)

Ägypten mit seinen etwa 82 Millionen Einwohnern ist Heimat von ungefähr zehn Millionen Christen - das sind etwa drei Viertel aller Christen des Nahen Ostens. Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors nimmt das Land dieses Jahr Rang 15 ein gegenüber Rang 19 im Vorjahr. Die Lage der Christen hat sich seit dem Umsturz im vorigen Jahr verschlechtert.

Beten Sie jetzt für die Christen in Ägypten – gerade im Hinblick auf die Präsidentschaftswahl.

  • Bitte beten Sie für die Christen Ayman Anwar Metry, Makarem Diab und die Geschwister der Sprachschule und den Manager Magdy Melad.
  • Beten Sie, dass die körperlichen und seelischen Wunden heilen.
  • Beten Sie besonders auch für ihre Familien, die wegen Bedrohung und Ungerechtigkeit sehr leiden.
  • Beten Sie für deren Anwälte. Sie sind Christen und Muslime. Sie setzen sich durch die Vertretung von Christen vor Gericht teils großen Gefahren aus.

Bitte beten Sie bitte für die Bevölkerung und die Präsidentschaftswahl vom 23. bis 24. Mai 2012.

  • Für eine faire und transparente Wahl ohne Gewaltausbrüche.
  • Für einen Präsidenten, der seine Entscheidungen zum Wohle aller Bürger trifft und die Minderheiten im Land schützt.
  • Für eine Regierung, die Frieden und Sicherheit im Land herstellt.
  • Für die Christen in Ägypten, dass sie das Land nicht verlassen, sondern jetzt mithelfen, Gemeinde Jesus zu bauen.
QuelleMeldungen: Compass Direct

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