Länderprofil Sri Lanka

Sri Lanka

30
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge Sri Lanka
Hauptreligion
Buddhismus
Platz Vorjahr
46
ISO
LK
Karte Sri Lanka
Christen
1,99
Bevölkerung
21.02
Religiös motivierter Nationalismus
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 11.500
Familienleben: 9.000
Gesellschaftliches Leben: 11.000
Leben im Staat: 10.900
Kirchliches Leben: 9.600
Auftreten von Gewalt: 13.100

Länderprofil Sri Lanka

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 30 / 65 Punkte (WVI 2019: Platz 46 / 58 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. November 2018 – 31. Oktober 2019

Zusammenfassung

Christen buddhistischer oder hinduistischer Herkunft leiden unter der stärksten Verfolgung. Von ihrer Familie und ihrem sozialen Umfeld werden sie schikaniert, diskriminiert und ausgegrenzt. Sie werden unter Druck gesetzt, ihren christlichen Glauben zu widerrufen, da ihr Glaubenswechsel als Verrat betrachtet wird: Von allen Singhalesen (der Mehrheit der Bevölkerung in Sri Lanka) wird erwartet, dass sie Buddhisten sind. Ebenso wird unter der tamilischen Minderheit im Nordosten des Landes erwartet, dass jeder Tamile Hindu ist. Ausgenommen sind hiervon die Mitglieder der traditionellen Kirchen. Die christliche Minderheit wird teilweise toleriert, christliche Konvertiten jedoch nicht. Zudem geraten protestantische Freikirchen häufig ins Visier von Nachbarn – oftmals vereint mit buddhistischen Mönchen und lokalen Beamten –, die sie auffordern, Kirchengebäude, die sie als illegal ansehen, zu schließen. Immer wieder führt dies dazu, dass sich Mobs bilden, die gegen Kirchen protestieren und sie angreifen, besonders in ländlichen Gebieten. Solche Berichte gibt es aus allen Regionen des Inselstaats. Dieses seit langem bestehende Verfolgungsmuster wurde erschüttert, als eine kaum bekannte islamisch-extremistische Gruppe am Ostersonntag 2019 schwere Anschläge verübte. Die Selbstmordanschläge richteten sich gegen drei christliche Kirchen und drei internationale Hotels und kosteten 259 Menschen das Leben, die meisten davon Christen.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Am 21. April 2019 griffen Selbstmordattentäter einer kaum bekannten islamisch-extremistischen Gruppe zwei katholische und eine protestantische Kirche sowie drei Luxushotels in Colombo, Negombo und dem an der Ostküste gelegenen Batticaloa an. Sie planten ihre Anschläge so, dass sie auf die Ostergottesdienste fielen. 259 Menschen starben, der Großteil von ihnen waren Christen. Das macht den Vorfall zu einem der größten koordinierten Terroranschläge seit dem 11. September 2001. Diese Selbstmordanschläge sind in Sri Lanka beispiellos.
  • Am 24. März 2019 fand während des Sonntagnachmittag-Gottesdienstes außerhalb des Geländes der Christ Gospel Church in Ja-Ela im Distrikt Gampaha in der Westprovinz ein Massenprotest statt. Etwa 2.000 Einwohner der Stadt, angeführt von einer Vereinigung von Händlern, verteilten Flugblätter und sammelten Unterschriften für eine Petition, in der sie für die Beseitigung der Kirche warben. Dies ist ein typischeres Beispiel für Christenverfolgung in Sri Lanka, in die häufig kleinere Mobs involviert sind.
  • An den meisten staatlichen Schulen gibt es keinen christlichen Religionsunterricht und so sind christliche Schüler gezwungen, am buddhistischen oder hinduistischen Unterricht teilzunehmen. Es gab zudem Berichte, nach denen Kinder gezwungen wurden, an buddhistischen Ritualen teilzunehmen.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 65 Punkten belegt Sri Lanka den 30. Platz auf dem Weltverfolgungsindex 2020.

Dies ist ein Anstieg von sieben Punkten gegenüber den 58 Punkten des vorigen Jahres. Dabei stieg allein die Punktzahl im Bereich „Auftreten von Gewalt“ um rund sechs Punkte gegenüber dem Vorjahr; aufgrund der Anschläge am Ostersonntag 2019 wurde die Maximalpunktzahl für die Frage nach den für ihren Glauben getöteten Christen erreicht. Außerdem erhöhte sich der Druck auf Christen in den Bereichen „Privatleben“ und „Familienleben“ (insbesondere für Christen mit buddhistischem, muslimischem und hinduistischem Hintergrund).

2. Triebkräfte der Verfolgung

Religiös motivierter Nationalismus

Die Demokratische Sozialistische Republik Sri Lanka ist ein säkularer Staat. Dennoch räumt die Verfassung dem Buddhismus den ersten Platz ein und sieht ihn augenscheinlich als Staatsreligion an. Kapitel 2 der Verfassung erklärt: „Die Republik Sri Lanka soll dem Buddhismus den obersten Platz einräumen und dementsprechend soll es die Pflicht des Staates sein, die Buddha Sasana (buddhistische Lehre) zu schützen und zu fördern, während gleichzeitig sichergestellt wird, dass allen Religionen die Rechte der Artikel 10 und 14 (1) (e) zugestanden werden.“ Diese Vorschrift aus Artikel 9 wurde sowohl in der 19. Verfassungsänderung von 2015 als auch in der 2017 vorgeschlagenen 20. Verfassungsänderung unverändert stehen gelassen. Die Rechte in Bezug auf Religions- und Glaubensfreiheit, die in den Artikeln 10 und 14 zugesichert werden, können allerdings eingeschränkt werden, was auch auf subtile Weise geschieht, wie im Abschnitt „Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt“ aufgezeigt wird.

Die Idee einer Vorherrschaft des Buddhismus ist immer noch eine weitverbreitete Vorstellung im Land. Von allen Singhalesen wird erwartet, dass sie Buddhisten sind. Deswegen werden nicht nur tamilische Christen als Bürger zweiter Klasse behandelt, sondern auch singhalesische Christen misstrauisch beäugt und regelmäßig beleidigt und angegriffen. Täter sind nicht nur, was schon der Name „Ministerium für Buddha Sasana, kulturelle und religiöse Angelegenheiten“ vermuten lässt, staatliche Behörden, sondern auch buddhistische Mönche und lokale Behörden.

Um den Buddhismus Sri Lankas zu verstehen, ist es hilfreich, das traditionelle Dreieck Sri Lankas zu verstehen: Das singhalesische Leben hat drei Bezugspunkte, nämlich den Tempel, das Dorf und den See (als Symbol für Bewässerung und Landwirtschaft). Nichts sollte in dieses Dreieck eindringen; daher wird alles, was von außerhalb kommt, mit Misstrauen betrachtet. Die buddhistischen Gruppen Sri Lankas beschäftigen sich daher weniger mit den philosophischen Themen des Buddhismus, die im Westen so populär sind, sondern eher mit dem Kampf darum, dieses traditionelle Dreieck zu bewahren. Alle Aktivitäten, an denen extremistische Gruppen und einheimische Mönche beteiligt sind, können als Versuche gesehen werden, alles abzuwehren, was aus dieser Sicht die Gesellschaft bedroht. Alle gewalttätigen Zusammenstöße und Ausschreitungen gegen die muslimische Minderheit (wie sie sich im Jahr 2014 ereigneten und, in geringerem Maße, im März 2018) sowie alle Angriffe gegen Christen liegen in diesem Beharren auf den Erhalt des Dreiecks begründet.

Islamische Unterdrückung

Das Verfolgungsmuster in vorangegangenen Berichtszeiträumen zeigt, dass die Triebkraft „Islamische Unterdrückung“ schwach war und am stärksten von der eher geringen Anzahl von Christen muslimischer Herkunft wahrgenommen wurde. Seitdem jedoch islamisch-extremistische Randgruppen im April 2019 Selbstmordanschläge gegen drei Kirchen verübten, hat diese Triebkraft der Verfolgung an Einfluss gewonnen. Die Haupttriebkraft der Verfolgung in Sri Lanka ist aber nach wie vor „Religiös motivierter Nationalismus“ und die muslimische Gemeinschaft steht aufgrund des scharfen Vorgehens gegen extremistische Muslime und jeden, der mit militanten islamischen Gruppen in Verbindung steht, unter hohem Druck. Es bleibt abzuwarten, ob sich das Verfolgungsmuster im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 wieder zum vorherigen Stand zurückbewegt oder ob es sich dauerhaft ändert.

3. Verfolger

Ausgehend von Religiös motiviertem Nationalismus

  • Regierungsbeamte: Regierungsbeamte (meist lokale Beamte, Polizisten und Provinzräte), insbesondere in überwiegend buddhistisch geprägten Orten, sind weiterhin stark an der Verfolgung von Christen beteiligt, sei es durch aktives Handeln oder durch Unterlassung von Schutzmaßnahmen. Häufig stoßen Regierungsbeamte Christenverfolgung an, indem sie einfach auf die Forderungen lokaler buddhistischer Mönche und Mobs eingehen. Es gab jedoch auch Fälle, in denen Regierungsbeamte das verfassungsmäßige Recht bekräftigten, dass Christen Gottesdienste feiern dürfen. Das kam aber eher selten vor.
  • Anführer ethnischer Gruppen und nichtchristliche religiöse Leiter: Die Hauptverfolger sind extremistische buddhistische Bewegungen, häufig auf der lokalen Ebene. Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2020 sind diese Bewegungen wieder in Erscheinung getreten, nachdem sie seit den Wahlen im Jahr 2015 weniger sichtbar gewesen waren. Sie beanspruchen Sri Lanka als buddhistische, singhalesische Nation und konzentrieren sich derzeit vor allem auf ihren Kampf gegen die muslimische Minderheit. Die Bodu-Bala-Sena-Bewegung (BBS; „buddhistische Streitmacht“) hat sich in eine politische Partei umgewandelt, die bis jetzt aber auf politischem Gebiet nicht viel Einfluss erlangen konnte. Anführer singhalesischer Gruppen, die in vielen Fällen mit der extremistischen Gruppe in Kontakt stehen, fordern den Schutz der singhalesischen Mehrheit. Buddhistische Mönche treten ebenfalls als Verfolger auf. Junge buddhistische Leiter nutzen soziale Medien, um den Hass auf religiöse Minderheiten im Land zu schüren. Zudem gewinnen extremistische buddhistische Gruppen wie etwa „Mahason Balakaya“ (die aus Mönchen besteht) an Bedeutung. In jüngster Zeit gewinnen zudem in den hauptsächlich von Hindus bewohnten Gebieten im Nordosten des Landes extremistische hinduistische Gruppen an Einfluss, welche sich der RSS-Bewegung zurechnen, die in Indien als starker Verfolger von Christen bekannt ist.
  • Die eigene (Groß-)Familie und gewöhnliche Bürger: Familienangehörige sowie Dorfvorsteher und das soziale Umfeld in ländlichen Gegenden beschimpfen christliche Konvertiten oftmals und verlangen von ihnen, ihre Dörfer zu verlassen. Christliche Konvertiten werden stark unter Druck gesetzt, zu ihrem früheren Glauben zurückzukehren. Auf Christen, die keinen anderen religiösen Hintergrund haben, wird Druck ausgeübt, das Dorf zu verlassen oder sich zumindest nicht mehr mit anderen Christen zu treffen. Solche Berichte gibt es auch aus der hinduistischen (tamilischen) Minderheitsregion im Nordosten Sri Lankas.
  • Politische Parteien: Politische Parteien neigen dazu, sich Rufen nach dem Schutz des buddhistischen Erbes des Landes anzuschließen, da dies Stimmen sichert. Die Triebkraft Religiös motivierter Nationalismus erstarkte im Berichtszeitraum 2020; im Wahlkampf nahmen die politischen Parteien nationalistische und ausschließende Positionen ein. Dies wird höchstwahrscheinlich auch bei den bevorstehenden Parlamentswahlen so sein.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: In ihren Bemühungen um eine reine Form des Buddhismus in Sri Lanka und besonders in den Dörfern rufen Gruppen wie BBS ebenfalls zu Gewalt auf. Dies geschieht manchmal direkt und manchmal verschleiert.

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Eine islamisch-extremistische Randgruppe beging am Ostersonntag 2019 Selbstmordattentate auf drei Kirchen und drei Hotels. Zwar gingen die Behörden unmittelbar danach hart gegen die Gruppe vor, dennoch wurden weitere Drohungen gegen Kirchen ausgesprochen. Es ist nicht völlig klar, ob es in Sri Lanka weitere islamisch-extremistische Gruppen oder vor allem Einzeltäter gibt.

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Es gibt keine erkennbaren regionalen Brennpunkte, da Angriffe und Schikanen gegen Christen über das ganze Land verteilt sind, wie eine von der Nationalen Christlichen Evangelischen Allianz von Sri Lanka (NCEASL) erstellte Karte zeigt. Schwierigkeiten für Christen hinduistischer Herkunft sind jedoch auf die nördlichen und östlichen Provinzen Sri Lankas beschränkt, in der die hinduistische Minderheit lebt.

5. Betroffene Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Dies sind Gruppen wie die Römisch-Katholische Kirche und die acht Denominationen, die zum Nationalrat der Christen gehören. Sie erleben weniger Verfolgung oder Gewalt, sind aber von der Gesamtatmosphäre der buddhistischen Vorherrschaft betroffen und werden manchmal daran gehindert, Kirchengebäude zu errichten.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Dabei handelt es sich um Christen mit buddhistischem, muslimischem oder hinduistischem Hintergrund. Sie sind mit Feindseligkeit und auch gewalttätigen Angriffen konfrontiert. Konvertiten, die erst vor kurzer Zeit Christen geworden sind, werden von den Menschen in ihrem sozialen Umfeld und ihren Familien meist als Verräter angesehen und daher bedrängt, verbal und körperlich angegriffen und isoliert. Dies passiert zumeist in ländlichen Gebieten und zeigte sich in der Vergangenheit vor allem in den südlichen Provinzen und in den nördlichen Zentralprovinzen des Landes, seit dem Ende des Bürgerkriegs zunehmend auch in den nördlichen und östlichen Provinzen Sri Lankas.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Evangelikale, Baptisten- und Pfingstgemeinden sind oft von gewalttätigen Angriffen betroffen, doch seit den Wahlen von 2015 gehen diese von anderen Tätern aus. Während zuvor die meisten Angriffe von den großen buddhistisch-extremistischen Gruppen ausgingen, werden die Angriffe jetzt meist von buddhistischen Mönchen in Dörfern angeführt und von lokalen Regierungsbeamten, die Christen rechtliche Beschränkungen auferlegen oder gewalttätige Vorfälle gegen sie vertuschen. Zwar haben sich die Verfolger geändert, aber die grundsätzliche Situation bleibt im Großen und Ganzen dieselbe.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

 

Privatleben 11.5
Familienleben 9
Gesellschaftliches Leben 11
Leben im Staat 10.9
Kirchliches Leben 9.6
Auftreten von Gewalt 13.1

 

Grafik: Verfolgungsmuster Sri Lanka

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Insgesamt ist der Druck auf Christen in Sri Lanka hoch geblieben und von durchschnittlich 10,3 Punkten im vergangenen Jahr auf 10,4 Punkte angestiegen.
  • Am stärksten ist der Druck in den Bereichen „Privatleben“, „Gesellschaftliches Leben“ und „Leben im Staat“. Während der Druck im Leben im Staat typisch für Länder ist, die von der Triebkraft Religiös motivierter Nationalismus betroffen sind, weist der Druck im Privatleben und gesellschaftlichen Leben auf die Schwierigkeiten hin, die Christen mit anderem religiösen Hintergrund erleben. Auch im Bereich des kirchlichen Lebens ist die Wertung hoch, was mehrere Vorfälle widerspiegelt, bei denen Mobs (häufig angeführt von buddhistischen Mönchen und oft unterstützt von lokalen Beamten) vor Kirchen auftauchten, Gottesdienste störten und verlangten, dass Kirchen geschlossen werden sollten.
  • Die Punktzahl für Gewalt gegen Christen erhöhte sich von 7,0 Punkten im Vorjahr auf 13,1 Punkte im aktuellen Berichtszeitraum, was auf die Attentate des Ostersonntags 2019 zurückzuführen ist.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

  • Eine Hinwendung zum christlichen Glauben wird abgelehnt: Christen buddhistischer Herkunft erleben Widerstand von ihren Familien und Verwandten. Auch andere Menschen aus ihrem sozialen Umfeld wenden sich gegen sie. Christen muslimischer und hinduistischer Herkunft erleben ebenfalls diese Art von Widerstand.
  • Es ist ein Risiko für Christen, über ihren Glauben mit anderen als mit ihren engsten Familienangehörigen zu sprechen: Für christliche Konvertiten, besonders solche mit muslimischem Hintergrund, ist es riskant, über ihren neuen Glauben zu sprechen. Aber auch andere Christen und Konvertiten mit anderem religiösem Hintergrund, die in überwiegend von Buddhisten und Hindus bewohnten Dörfern leben, haben es sehr schwer, ihren Glauben in ihrem sozialen Umfeld zu teilen. Ein Grund dafür ist die Angst, der „unethischen Konversion“ beschuldigt zu werden. Dieser Begriff ist nicht klar definiert und kann daher missbraucht werden. Extremistische Buddhisten und Hindus werfen dies protestantischen Christen und Christen hinduistischer und buddhistischer Herkunft schnell vor und reichen Petitionen gegen sie ein. Außerdem mobilisieren sie andere Dorfbewohner dazu, gegen Christen vorzugehen. Dies spiegelt sich im Vorwurf von BBS wider, dass Christen „Menschen bekehren und die Nation zugrunde richten“.
  • Es ist für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen: Aufgrund der eben genannten Anschuldigungen sind Christen vor allem in ländlichen Gebieten zurückhaltend, ihren Glauben zu offen zu zeigen, und vermeiden es beispielsweise, Ketten mit Kreuzanhängern zu tragen. Christliche Konvertiten müssen sich in dieser Hinsicht einer noch stärkeren Selbstzensur unterwerfen.
  • Es ist riskant für Christen, ihrem Glauben in schriftlicher Form auf persönliche Weise Ausdruck zu verleihen: Sich zum christlichen Glauben zu bekennen, kann als unethischer Evangelisationsversuch interpretiert werden. Deshalb sind Christen vorsichtig hinsichtlich der Art und Weise, wie sie ihren Glauben weitergeben. Christliche Konvertiten sind in ihren Möglichkeiten diesbezüglich noch eingeschränkter und ziehen es vor, ihren Glauben nicht sichtbar zu leben.

Selbst die persönliche Anbetung stellt ein Risiko für christliche Konvertiten dar; viele fürchten Anfeindungen aus der eigenen Familie. Es kann für Christen, die mit nichtchristlichen Familienangehörigen zusammenleben, gefährlich sein, christliche Materialien zu besitzen, besonders wenn sie in Gebieten leben, in denen Buddhisten sehr auf den Schutz ihrer Religion bedacht sind. Treffen christlicher Konvertiten (und auch anderer Christen) stehen in der Gefahr, gestört zu werden. Dorfbewohner, Polizeibeamte und lokale buddhistische Mönche überwachen die Aktivitäten der Christen in ihren Dörfern, um herauszufinden, wann sie Angriffe gegen sie anzetteln können, oder um Fehler zu finden, die sie den Christen vorwerfen können.

Familienleben

  • Kinder christlicher Eltern werden dazu gedrängt, am Religionsunterricht der Mehrheitsreligion teilzunehmen: Christliche Kinder an staatlichen Schulen werden üblicherweise dazu gezwungen, buddhistischen und hinduistischen Ritualen beizuwohnen. In manchen Fällen wurden christliche Schüler sogar mit einer Geldstrafe belegt, wenn sie nicht an Ritualen der Mehrheitsreligion teilnahmen. An den Schulen ist Religion ein Pflichtfach. Es ist per Gesetz vorgeschrieben, dass Schulen für jede Religion, der mehr als 15 Schüler angehören, einen Lehrer einstellen müssen, um diese Schüler in ihrem Glauben zu unterweisen. Dies wird von staatlichen Schulen jedoch nicht umgesetzt. Teilweise dem Grund geschuldet, dass es wenige christliche Lehrer und kaum Mittel für deren Bezahlung gibt, sind christliche Kinder meist gezwungen, am Buddhismus- oder Hinduismus-Unterricht teilzunehmen, was zu Schikanen, Mobbing und schlechten Noten führt.
  • Wegen des christlichen Glaubens ihrer Eltern werden Kinder diskriminiert oder schikaniert: Es kommt auch vor, dass christliche Kinder von Lehrern bestraft werden. In einem Fall verweigerte ein Direktor einem protestantischen Schüler die Aufnahme in seine Schule – obwohl die Eltern ihm sagten, dass es sonst keine andere staatliche Schule in der Nähe ihres Dorfes gebe – und gab den Eltern den Rat, ihr Kind zu Hause zu behalten. Es gab noch einige weitere Fälle, in denen protestantischen Kindern die Aufnahme an Schulen verweigert wurde. Christliche Schüler werden zudem oft von ihren Mitschülern gemobbt.
  • Beerdigungen von Christen werden verhindert oder zwangsweise nach nichtchristlichen Riten durchgeführt: Christen dürfen nicht auf einem öffentlichen Friedhof beigesetzt werden. Christliche Bestattungen wurden im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2020 von buddhistischen Mönchen, hinduistischen Dorfbewohnern und sogar von Regierungsbeamten verweigert. Angehörige von verstorbenen Christen werden gezwungen, ihre Lieben an entfernten Orten beizusetzen. Im Juli 2019 wurde berichtet, dass ein Pastor daran gehindert wurde, Beerdigungen auf einem Friedhof durchzuführen, was er seit 2004 getan hatte, ohne dass jemand daran Anstoß genommen hatte. Bei einem anderen Vorfall wurde das Versprechen örtlicher Behörden nicht eingehalten, Christen ein Stück Land für Begräbnisse zur Verfügung zu stellen.
  • Eltern werden daran gehindert, ihre Kinder gemäß ihrem christlichen Glauben aufzuziehen: Christliche Konvertiten haben Schwierigkeiten, ihre Kinder zu Hause nach christlichen Werten zu erziehen, da Verwandte (insbesondere Groß- und Schwiegereltern) viel Einfluss in der Familie/im Klan besitzen. Auch Schulen nehmen Einfluss auf die Kinder. Schulkinder sind buddhistischen oder hinduistischen Traditionen ausgesetzt und in vielen Fällen werden sie gezwungen, an diesen Riten teilzunehmen. Es ist eine Herausforderung für die Eltern, ihren Kindern zu erklären, warum sie an Riten teilnehmen müssen, an die sie nicht glauben oder auf die sie nicht vertrauen.

Evangelikalen und unabhängigen Kirchen wird die Möglichkeit verweigert, Trauungen in ihren Kirchengebäuden abzuhalten und vor allem, diese zu registrieren – was den Kirchen Sri Lankas traditionell erlaubt ist. Christliche Konvertiten erleben Diskriminierung und Schikanierung, werden aber normalerweise nicht unter Druck gesetzt, sich scheiden zu lassen. In dem Versuch, Konvertiten zum christlichen Glauben zurück zu ihrem alten Glauben zu bringen, wird ihnen meist mit der Verweigerung oder dem Verlust der Erbrechte gedroht. Fruchtet die Drohung nicht, verlieren sie tatsächlich ihr Erbrecht und in einigen Fällen auch jegliche Verbindung zu ihren Familien. Trotz dieser Herausforderungen stellt die Änderung der Religion im Personalausweis oder im Reisepass meist kein Problem dar. Daher ist die Punktzahl für diesen Lebensbereich im Vergleich zu anderen Staaten niedriger. Taufen von Erwachsenen stoßen auf Widerstand, besonders wenn sie öffentlich abgehalten werden.

Gesellschaftliches Leben

  • Christen werden durch ihr soziales oder privates Umfeld überwacht: Gewöhnlich sind es lokale buddhistische Mönche, die in der Gesellschaft die Ansicht fördern, dass Christen „nicht hierhergehören“. Diese Mönche sind oft selbst von der Ideologie extremistischer Gruppen beeinflusst und wollen die Reinheit des lokalen buddhistischen Dreiecks bewahren (siehe Abschnitt „Religiös motivierter Nationalismus“). Besonders in Gebieten mit mehrheitlich hinduistischer oder buddhistischer Bevölkerung werden Christen scharf beobachtet, eingeschüchtert und sozial ausgegrenzt.
  • Christen werden unter Druck gesetzt, an nichtchristlichen religiösen Zeremonien oder Gemeinschaftsereignissen teilzunehmen: Das soziale Umfeld erwartet von Christen, dass sie an allen einheimischen und nichtchristlichen Zeremonien teilnehmen. Weigern sie sich, werden sie von der Gemeinschaft ausgeschlossen und diskriminiert. Das ist eine besonders große Belastung für christliche Konvertiten, die Gefahr laufen, entdeckt zu werden. Zu Zeiten hinduistischer Feierlichkeiten werden Christen von Hindus geächtet, weil sie nicht an den Aktivitäten teilnehmen.
  • Christen werden von ihrem sozialen Umfeld unter Druck gesetzt, ihrem Glauben abzusagen: Dies gilt insbesondere für christliche Konvertiten in Gebieten, in denen zuvor keine Christen lebten. Aber auch Christen, die keinen anderen religiösen Hintergrund haben, vor allem Protestanten, werden dazu aufgefordert, den buddhistischen Glauben anzunehmen.
  • Christen erfahren wegen ihres Glaubens Benachteiligungen im Bildungsbereich: In einigen Orten wird christlichen Studenten damit gedroht, dass ihnen die Immatrikulation verweigert wird, da sie nicht der Mehrheitsreligion angehören. Einige Fälle von verweigerter Immatrikulation liegen den Gerichten noch unabgeschlossen vor. Um die Zulassung zu staatlichen Schulen und Hochschulen zu erhalten, müssen Kinder aus christlichen Familien bessere Noten haben als Kinder, die der Mehrheitsreligion angehören. Schulen bieten häufig keinen christlichen Religionsunterricht an, obwohl sie gesetzlich dazu verpflichtet sind. Wenn sie es doch tun, stellen sie keine angemessenen Räumlichkeiten zur Verfügung, um ihn durchzuführen.

Christlichen Konvertiten wird regelmäßig der Zugang zu gemeinschaftlich genutzten Ressourcen wie Brunnen und Strom verweigert (oder sie werden diesbezüglich zumindest benachteiligt). Wie bereits in vielen der vorangegangenen Jahre gab es im aktuellen Berichtszeitraum mehrere Vorfälle, bei denen sich Dorfbewohner, buddhistische Mönche oder Nachbarn bei der Polizei oder lokalen Regierungsbeamten über die Aktivitäten von Pastoren und Gemeinden in ländlichen Gebieten beschwerten. Meistens begannen dann die Polizisten damit, die Kirche für eine gewisse Zeit immer wieder zu besuchen oder die Pastoren über ihre Aktivitäten zu befragen. (Im Dezember 2017 fand in einer Stadt eine Posterkampagne gegen eine christliche Mitarbeiterin statt, in der sie und andere Christen mit dem Tod bedroht wurden, sollte sie ihren Dienst nicht einstellen.) Gelegentlich kommt es zu Boykotts gegen von Christen betriebene Geschäfte. Es wurde von mehreren Vorfällen berichtet, bei denen Christen in ländlichen Gegenden die Mitgliedschaft in Bestattungsgesellschaften entzogen wurde. Diese Gesellschaften werden auf Dorfebene gebildet und sind wichtig, um Beerdigungen durchzuführen. Nach den Anschlägen vom Ostersonntag im April 2019 wurden mehrere Pastoren von Polizei und Geheimdienst aufgesucht und auf das Polizeirevier gebeten. Unter dem Vorwand, Schutz für die Gemeinden zu bieten, wurden dann Einzelheiten über die Gemeindemitglieder abgefragt. Der versprochene Polizeischutz kam jedoch in den meisten Fällen nicht zustande.

Leben im Staat

  • Die Verfassung schränkt die Religionsfreiheit, wie sie in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte formuliert ist, ein: Während die Verfassung Sri Lankas in Artikel 10 die Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit und in Artikel 14 (1) (e) die Freiheit der Glaubensausübung verankert, heißt es in Artikel 15 (7), dass die Freiheit der Religionsausübung aus Gründen der nationalen Sicherheit, der öffentlichen Moral und der Gesundheit eingeschränkt werden kann. Des Weiteren besagt Artikel 9 der Verfassung, dass der Buddhismus an erster Stelle stehen soll. Artikel 9 und 15 (7) werden weithin in willkürlicher und voreingenommener Weise gegen Christen eingesetzt. Darüber hinaus fällt die Justiz in Sri Lanka weiterhin einseitige Urteile in Fällen, in denen es um Religionsfreiheit geht – mit diesen beiden Artikeln als Grundlage ihrer Argumentation. Im Juli 2018 entschied das Oberste Gericht in Fall 241/14: „Dieses Gericht muss in jedem Fall die Verfassung des Landes aufrechterhalten und ihr Wirkung verleihen, und wie unsere Verfassung besagt, haben die Bürger des Landes kein von der Verfassung geschütztes Recht, ihre Religion oder ihre Glaubensüberzeugungen zu ‚propagieren‘.“ Dies scheint eine langjährige Praxis rechtlich zu stützen, die internationale Rechtsstandards missachtet.
  • Wer Christen schadet, bleibt absichtlich unbestraft: Täter, die Angriffe gegen Christen anführten, wurden bisher nicht ordnungsgemäß verurteilt. Die Justiz ist sehr voreingenommen: Fälle, bei denen es um Religionsfreiheit geht, haben keine Priorität. In den meisten Fällen drängt die Justiz das christliche Opfer, den Fall beizulegen. Die rasche Freilassung des Generalsekretärs von Bodu Bala Sena nach nur wenigen Monaten Haft (der nicht wegen eines Angriffs auf religiöse Minderheiten, sondern wegen Missachtung des Gerichts verurteilt wurde) schuf im Mai 2019 einen Präzedenzfall und zeigt die vorherrschende Mentalität.
  • Vor Gericht angeklagten Christen wird eine Gleichbehandlung verweigert: In der Regel werden solche Fälle mit einem Zwangsausgleich, einem Bußgeld oder einer Kaution abgeschlossen. Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2020 gab es dazu Berichte aus dem Bezirk Puttalam.
  • Christen wurden beim Kontakt mit Behörden (lokalen Verwaltungen, Regierung, Armee, etc.) wegen ihres Glaubens diskriminiert: Christen werden regelmäßig von Regierungsbeamten benachteiligt. Werden Christen Opfer eines Angriffs von Buddhisten, werden sie auf der Polizeiwache diskriminiert. In den meisten Fällen geben die Polizeibeamten den Christen die Schuld an dem Angriff und schreiben einen Bericht über „Ruhestörung“, in dem sowohl Buddhisten als auch Christen gleichermaßen als Verursacher des Vorfalls festgehalten werden. Viele örtliche Beamte sind ebenfalls voreingenommen: Möchten Christen beispielsweise ein Haus bauen, wird oft die Genehmigung verweigert – selbst wenn alle gesetzlichen Anforderungen erfüllt sind. Es gibt Berichte darüber, dass örtliche Regierungsbeamte sich Mobs anschlossen, die Proteste und Angriffe gegen christliche Gemeindehäuser führten.

Der Druck auf Christen in diesem Lebensbereich ist nach wie vor beträchtlich, zumal die Regierung dazu tendiert, den Buddhismus und den buddhistischen Nationalismus zu unterstützen. Die wenigen Christen, die Regierungsposten innehaben oder mit der Regierung zusammenarbeiten, erleben Diskriminierung von Nationalisten.

In den Medien werden Christen negativ dargestellt. Es gibt ein übliches Muster vor gewaltsamen Angriffen: Der Angreifer veröffentlicht falsche Anschuldigungen in den Medien (z. B. die Behauptung, ein Pastor erzwinge Glaubenswechsel), welche wiederum den Angriff rechtfertigen. In vielen Fällen werden Christen und christliche Menschenrechtsorganisationen beschuldigt, „soziale Unruhe“ zu stiften (man erinnere sich zum besseren Verständnis an das „buddhistische Dreieck“). Positiv ist, dass Pastoren sich weiterhin trauen, Klagen einzureichen und ihre verfassungsmäßigen Rechte einzufordern. Das Ergebnis hat jedoch meist keinen großen Wert.

Kirchliches Leben

  • Kirchliche Aktivitäten werden überwacht, ver- bzw. behindert oder gestört: Mobs, Mönche, Dorfbewohner, Polizei und lokale Behörden unterbrechen weiterhin die Treffen von Christen, stellen die Rechtmäßigkeit ihrer Aktivitäten infrage und bringen diese Fälle vor die höheren Autoritäten. Oft werden christliche Dorfbewohner aufgefordert, all ihre Aktivitäten einzustellen und/oder das Dorf zu verlassen.
  • Es ist schwierig, als Kirche eine Registrierung oder einen Rechtsstatus zu bekommen: Die Registrierung wird oft als Druckmittel gegen christliche Kirchen benutzt. Ein 2008 veröffentlichtes Rundschreiben des Ministeriums für Buddha Sasana, kulturelle und religiöse Angelegenheiten findet immer noch Anwendung. Es verlangt von religiösen Gemeinschaften, Gotteshäuser registrieren zu lassen, und fordert eine vorherige Genehmigung für alle Neubauten. Obwohl dieses Rundschreiben keine Rechtsgültigkeit besitzt und sowieso nur für Kirchen gelten würde, die nach 2008 eröffnet wurden, benutzen lokale Behörden, buddhistische Mönche und Mobs dieses Schreiben, um ihre manchmal sehr gewalttätigen Aktionen gegen Christen zu rechtfertigen. In der derzeitigen Situation schenken lokale Behörden und Gerichte Pastoren auch dann kein Gehör, wenn diese sich über die Anwendung des Rundschreibens beschweren. Der Oberste Gerichtshof schränkte die Religionsfreiheit (im Fall Nr. SCFR 92/2016 vom Juni 2017) zudem ein, als er bezüglich des Rundschreibens entschied: „Es kann als Gesetz angesehen und daher auf alle Gemeinschaften angewendet werden.“ Das US-Außenministerium erklärt in seinem Bericht von 2018 zur internationalen Religionsfreiheit auf Seite 7: „Die Abteilung für christliche religiöse Angelegenheiten startete im Jahr 2016 eine öffentliche Aufklärungskampagne, um lokale Gemeinden nicht konfessionsgebundener Gruppen zu ermutigen, sich als religiöse Organisationen eintragen zu lassen. Doch bis zum Jahresende hatte die Regierung keine neuen Gruppen registriert, weil laut Beamten eine politische Entscheidung darüber noch ausstand, ob das Ministerium diese Gruppen registrieren würde oder nicht. Stattdessen fuhren nichtregistrierte, freie christliche Gruppen damit fort, kommerzielle Stiftungen, Rechtsgesellschaften oder Nichtregierungsorganisationen zu gründen, um am Geschäftsverkehr teilnehmen zu können, Bankkonten zu eröffnen und Land zu erwerben. Ohne formale Anerkennung über das Registrierungsverfahren konnten nicht konfessionsgebundene Kirchen nach eigener Aussage jedoch keine Visa für religiöse Mitarbeiter für den Besuch von Geistlichen finanzieren und sahen sich Einschränkungen beim Abhalten von Versammlungen oder dem Bau neuer Kirchengebäude gegenüber.“ Nachdem 2015 eine neue Regierung gewählt worden war, richtete sie im Ministerium für religiöse Angelegenheiten eine Abteilung für christliche Angelegenheiten ein. Damit erkannte die Regierung zum ersten Mal an, dass Christen eine eigenständige Einheit sind. Evangelikale Christen werden jedoch von dieser Regierungsstelle nicht anerkannt und systematisch diskriminiert.
  • Christliche Gemeinschaften werden daran gehindert, Kirchengebäude zu bauen oder zu renovieren, oder Ansprüche auf historische Kirchengebäude geltend zu machen, die ihnen zuvor genommen worden waren: Es bleibt sehr schwierig, ein Kirchengebäude in einer ländlichen Gegend zu bauen oder zu renovieren, da es das sri-lankische Dreieck stört (welches im Abschnitt „Religiös motivierter Nationalismus“ beschrieben wurde). Auch wenn die Pastoren und die Kirche alle gesetzlichen Bestimmungen und Abläufe befolgen, werden Baupläne häufig nicht genehmigt. In den meisten Fällen informiert der Regierungsbeamte den lokalen buddhistischen Tempel oder die Dorfältesten über den vorgelegten Bauplan. Daraufhin reichen die Dörfer bei der Regierung Petitionen ein, in denen sie fordern, dass der Bauplan nicht genehmigt werden solle. Im Gegenzug nutzen die Regierungsbeamten diese Petitionen als Vorwand und verweigern die Genehmigung mit der Begründung, dass sie durch ihre Genehmigung Disharmonie innerhalb der Gemeinschaft schaffen würden. Sie handeln damit über ihre Befugnisse hinaus, doch die Genehmigung wird trotzdem verweigert. Daher sind eine Mehrzahl der neueren, meist protestantischen Freikirchen Hauskirchen. Wie das US-Außenministerium in seinem Bericht von 2018 zur internationalen Religionsfreiheit verzeichnet, wächst die Zahl dieser Gruppen.
  • Es ist für Kirchen und christliche Organisationen riskant, ihre Stimme gegen Verfolger zu erheben: Dies führt in der Regel nur zu mehr Diskriminierung und/oder weiteren Angriffen. Es gab sogar Fälle, in denen Christen das Land für einige Zeit verlassen mussten, weil sie sich zu deutlich geäußert hatten.

Auftreten von Gewalt

  • Die Selbstmordanschläge gegen drei christliche Kirchen und drei Hotels am Ostersonntag, dem 21. April 2019, kosteten 259 Menschen das Leben, was sie zu einem der größten islamistischen Anschläge auf Zivilisten seit dem 11. September 2001 macht. Die betroffenen Kirchen waren die katholische Kirche St. Sebastian in Negombo, die katholische Kirche St. Antonius in Colombo und die protestantische Zionskirche in der an der Ostküste gelegenen Stadt Batticaloa. (Die Hotels, die während eines „Osterfrühstücks“ angegriffen wurden, waren das „Shangri-La“, das „Cinnamon Grand“ und „The Kingsbury“.) Alle Angriffe wurden abgestimmt und morgens gegen 8:45 Uhr durchgeführt. Zwei kaum bekannte islamisch-extremistische Gruppen übernahmen die Verantwortung. Das Ausmaß der Verwüstung und des Chaos zeigt sich darin, dass die Behörden die ursprünglich von ihnen angegebene Zahl der Todesopfer nachträglich um mehr als hundert reduzierten.
  • Die drei oben genannten Kirchen wurden von islamistischen Kämpfern angegriffen. Doch was „normale, alltägliche“ Angriffe angeht (insofern man davon sprechen kann), gerieten andere Kirchen auch ins Visier von buddhistischen Mönchen und Mobs.
  • Aus den Distrikten Hambantota und Gampaha wurde davon berichtet, dass Häuser von Pastoren und anderen Christen angegriffen wurden. In den meisten Fällen wurden die Angriffe von Mobs verübt. In einem Fall mussten Christen ihr Dorf verlassen und wagten es für mehrere Monate nicht, zurückzukehren.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Verweigerung des Zugangs zu christlichen Materialien
  • Ausschluss aus der Gemeinschaft
  • Diskriminierung/Schikanierung im Bildungsbereich
  • Zwangsscheidung
  • Zwangsverheiratung
  • Körperliche Gewalt
  • Sexuelle Gewalt
  • Verbale Gewalt

Das Büro des UN-Sonderbeauftragten des Generalsekretärs zu sexueller Gewalt in Konflikten rief die sri-lankische Regierung am 29. Mai 2019 dazu auf, sich angemessen mit Straffreiheit und Verbreitung sexueller Gewalt auseinanderzusetzen: Sexuelle Übergriffe sind eine Waffe, die häufig gegen Frauen eingesetzt wird, unabhängig von ihrer Religion. Christinnen sind aufgrund ihres Glaubens doppelt gefährdet. Verfolgung mit sexuellen Übergriffen in jeglicher Form wird meist als Schande für die gesamte Familie gesehen und beeinflusst auch die Heiratsaussichten im Dorf.

Ist eine christliche Frau oder ein christliches Mädchen bereits Opfer von Verfolgung dieser Art geworden (egal, ob Konvertitin oder nicht), wird ihre Familie ihr nur zögerlich erlauben, weiter in der Gemeinde zu dienen.

Aus kulturellen Gründen ist es für christliche Konvertitinnen schwieriger, ihren Glauben zu leben, als für männliche Konvertiten. Gesetze, welche die muslimische Gemeinschaft betreffen, machen Christinnen muslimischer Herkunft angreifbarer – zum Beispiel das Gesetz zur muslimischen Ehe, das Männern eine bessere Position zuweist. Wenn eine Christin einen muslimischen Hintergrund hat und an ihrem neugefundenen Glauben festhält, ist es wahrscheinlicher, dass sie zur Ehe mit einem Muslim gezwungen wird; insbesondere in malaiischen Familien, in denen arrangierte Ehen weitverbreitet sind. Dass bereits in jungem Alter geheiratet wird, trägt dazu bei, dass ein Glaubenswechsel solche Konsequenzen haben kann.

Frauen und Mädchen unterliegen zudem häufig einer Kleiderordnung und bestimmten Traditionen (beispielsweise dem Tragen religiöser Symbole in hinduistischen Gemeinschaften). Sie sind auch mit verbaler Gewalt konfrontiert, besonders durch buddhistische Mönche und Dorfbewohner.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Ausschluss aus der Gemeinschaft
  • Wirtschaftliche Schikanierung im Berufs-/Geschäftsleben
  • Falsche Anklagen
  • Erzwungene Flucht aus Stadt oder Land
  • Inhaftierung durch die Behörden
  • Körperliche Gewalt
  • Psychische Gewalt
  • Verbale Gewalt

Christliche Leiter tragen oft die Hauptlast bei Angriffen auf Kirchen. Da oft Männer leitende Positionen innehaben, werden sie am häufigsten Opfer körperlicher Gewalt. Vor allem Männer, besonders Pastoren und Gemeindeleiter, werden Ziel von Einschüchterung und Gewalt, weshalb sie häufig gezwungen sind, zu fliehen oder in andere Gebiete umzuziehen. Manche müssen sich auch verstecken, was manchmal zu einer langen Zeit der Trennung von ihrer Familie führt. Christliche Männer und Jungen sind zudem ständig von Entführung und Folter aufgrund ihres Glaubens bedroht. Weil Sri Lanka eine von Männern dominierte, patriarchalische Gesellschaft ist, erzeugt es in ländlichen, geschlossenen Gemeinschaften ein Gefühl von Scham, wenn ein Mann körperlich angegriffen wird.

Die Verfolgung von Männern und Jungen beeinflusst vor allem den Lebensunterhalt christlicher Familien. Besonders in ländlichen Gebieten sind Männer die Hauptverdiener der Familie – die Arbeitsstelle oder die Lebensgrundlage zu verlieren, trifft die gesamte Familie. Die Auswirkungen können selbst Jahre nach dem eigentlichen Vorfall noch spürbar sein.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Buddhistisch-nationalistische Mönche gehen nicht nur stark gegen Christen vor, sondern auch gegen die muslimische Minderheit des Landes. Im März 2018 kam es in der zentral gelegenen Stadt Kandy zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Buddhisten und Muslimen. Die religiöse Komponente dieser Gewalt ist besorgniserregend. Extremistische singhalesisch-buddhistische Mobs führten eine Welle von gewalttätigen Angriffen an, bei denen 49 Geschäfte von Muslimen, 132 Privathäuser und 4 Moscheen beschädigt oder zerstört wurden. 51 Menschen wurden verletzt und zwei Todesopfer gemeldet. Nach den Anschlägen vom Ostersonntag 2019 kam es zu zahlreichen Übergriffen gegen die muslimische Minderheit im Land.

Die hinduistische Minderheit wird ebenfalls weiterhin mit Misstrauen beobachtet. Dies liegt zum Teil an religiösen Vorurteilen, zum Teil an der schmerzlichen Kriegsgeschichte des Landes, in der die hauptsächlich hinduistische Minderheit der Tamilen in den nördlichen und östlichen Provinzen des Landes um Unabhängigkeit kämpfte. (Diese hinduistischen Gemeinschaften werden jedoch auch zunehmend selbst zu Verfolgern – sie verfolgen Christen mit hinduistischem Hintergrund und greifen Kirchen in ihrer Mitte an.)

9. Der Ausblick für Christen

Religiös motivierten Nationalismus

Diese Triebkraft der Verfolgung wird weiterhin eine große Rolle spielen – nicht nur in der Politik Sri Lankas, sondern auch in der Gesellschaft und in Familien. Die Regierung steht vor der immensen Herausforderung, die Wirtschaft am Laufen zu halten. Das Land wählte im November 2019 erneut die Rajapaksa-Familie an die Macht. Ein sichtbares Warnzeichen war bereits der erdrutschartige Sieg der neuen Partei des früheren Präsidenten Rajapaksa („Sri Lanka Podujana Peramuna“, SLPP) bei den lokalen Wahlen im März 2018. Dies zeigt, wie frustriert die Wähler von der Politik der Regierung sind.

Die Selbstmordattentate vom April 2019 verhalfen der Familie Rajapaksa zur Rückkehr an die Macht. Die Menschen sehnen sich nach Sicherheit; viele haben sich daran erinnert, dass das harte Vorgehen der Rajapaksas den Bürgerkrieg im Jahr 2009 beendet hat, und glauben, dass ein solches Durchgreifen das ist, was das Land jetzt braucht. Nach Angaben von Experten für Religionsfreiheit verdoppelten sich die Angriffe auf religiöse Minderheiten während der zehnjährigen Amtszeit des früheren Präsidenten Mahinda Rajapaksa, der nun Premierminister ist, dabei jedoch fast. Früher unterstützte er extremistische buddhistische Gruppen wie BBS und trug zu ihrer Blüte bei. Somit scheint es, als bliebe Versöhnung und ein friedliches Miteinander aller Bürger (einschließlich Minderheiten wie Christen) weiter ein ferner Traum.

Es ist wahrscheinlich, dass Religiös motivierter Nationalismus zunimmt und „Diktatorische Paranoia“ als Triebkraft der Verfolgung erneut auftritt. Ein frühes Zeichen für ein sich bereits wandelndes Klima in der Gesellschaft ist, dass der Chefermittler für organisierte Kriminalität, Nishantha Silva, der auch mit der Untersuchung des Mordes an einem christlichen Journalisten im Jahr 2009 beauftragt wurde, im November 2019 aufgrund von Drohungen aus dem Land floh und in der Schweiz Asyl suchte.

Islamische Unterdrückung

Die Bombenanschläge von Ostern 2019 erinnerten daran, dass Religiös motivierter Nationalismus nicht die einzige Triebkraft der Verfolgung in Sri Lanka ist. Die Behörden reagierten schnell mit einem harten Vorgehen gegen verdächtige Netzwerke islamisch-extremistischer Gruppen und mutmaßliche Unterstützer der Angreifer. Es bleibt abzuwarten, ob es noch mehr Angriffe islamistischer Gruppen oder Einzeltäter geben wird und ob sie sich gegen die christliche Minderheit richten werden. Es könnte passieren, dass sich die muslimische Jugend radikalisiert, wenn die Angriffe auf Muslime andauern und ihnen in der Gesellschaft keine Zukunftsperspektive geboten wird. Wenn das Jahr 2019 Beobachter etwas lehrt, dann die Tatsache, dass man mit Vorhersagen sehr vorsichtig sein muss.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Sri Lanka:

  • Beten Sie für die Überlebenden der Bombenanschläge von Ostern 2019. Drei Kirchen und drei Hotels wurden von islamistischen Extremisten angegriffen; bei den Anschlägen starben mehr als 250 Menschen. Beten Sie um Kraft und Trost für die betroffenen christlichen Gemeinden. Beten Sie für Einheit unter allen Christen in Sri Lanka.
  • Die Christenverfolgung geht hauptsächlich von buddhistischen Extremisten aus. Beten Sie für die Pastoren in Sri Lanka, die verspottet und deren Gottesdienste immer wieder von Nachbarn gestört werden. Bitte beten Sie dafür, dass sie an ihrem Glauben festhalten und dass Jesus sie stärkt, wenn sie sich schwach fühlen.
  • Abgesehen von den Bombenangriffen wird Verfolgung in Sri Lanka immer weniger gewalttätig und nimmt immer stärker administrative und juristische Formen an. Viele Christen und Kirchen kennen ihre Rechte nicht und sind finanziell nicht darauf vorbereitet, Gerichtskosten zu zahlen. So geben sie den Rechtskampf in vielen Fällen auf. Infolgedessen sind sie, selbst wenn sie nicht inhaftiert werden, zumindest vorbestraft, was ihrem Ansehen in der Gesellschaft schaden kann. Beten Sie um Rechtsschutz für die Pastoren in Sri Lanka, damit sie nicht von der Regierung schikaniert werden.

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