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70 gefangene Christen entlassen

Im ostafrikanischen Eritrea wurden unerwartet am 17. April 70 Christen aus dem Militärgefängnis Mitire entlassen. Wie das Hilfswerk für verfolgte Christen Open Doors erfuhr, sind alle Mitglieder von staatlich nicht anerkannten evangelischen Gemeinden. Die näheren Umstände und auch die Gründe für die Freilassung sind unbekannt. Ihnen soll lediglich gesagt worden sein, sie können nach Hause gehen. Die 70 Freigelassenen, darunter elf Frauen, waren für sechs Monate in Haft, weil sie angeblich ihren Wehrdienst von 18 Monaten nicht beendet haben sollen. Die Christen wurden in Asmara und in Dekemhare, Keren, Massawa und Mendefera verhaftet und ins Militärgefängnis überstellt. Laut Angaben von Kirchenleitern aus Eritrea sollen derzeit noch über 2.800 Christen aufgrund ihres Glaubens landesweit in Polizeistationen, Militärlagern oder Schiffscontainern unter unmenschlichen Bedingungen eingesperrt sein. Viele sitzen seit Monaten oder Jahren ohne offizielle Anklage oder Gerichtsverfahren ein. Auf dem Weltverfolgungsindex des Hilfswerkes belegt Eritrea Platz 9 der Liste der Länder, in denen Christen am meisten verfolgt werden.
Von den über vier Millionen Einwohnern Eritreas sind rund 52 Prozent Christen, darunter ein Prozent Protestanten/Evangelikale, vier Prozent Katholiken und 47 Prozent Orthodoxe. 47 Prozent sind Muslime. Im Mai 2002 erklärte Präsident Issayas Afewerki alle Angehörigen nicht erlaubter Kirchen – darunter 35 evangelikale – zu Staatsfeinden. Nur die orthodoxe und die katholische Kirche sowie die Lutheraner und der Islam sind anerkannt. Seitdem veranlasst die Regierung Kirchenschließungen und verbietet Privatversammlungen.

Folter und landsweite Verhaftungen
Laut einem 95-seitigen Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) vom 16. April würden der Einsatz von Folter, weitreichende Inhaftierungen und ein extrem langer Wehrdienst das Land in eine Menschenrechtskrise führen. Laut Gesetz muss jeder eritreische Bürger von 18 bis 40 Jahren 18 Monate Wehrdienst leisten, aber in der Praxis kann der Dienst bis auf unbestimmte Zeit andauern. Eritrea rechtfertige die andauernde Massenmobilisierung, so HRW, mit Sicherheitsbedenken wegen des zweijährigen Grenzkonflikts mit Äthiopien, der zwischen 1998 und 2000 Zehntausenden Menschen das Leben kostete.

HRW: Eritrea ein riesiges Gefängnis
Immer mehr Menschen würden das ostafrikanische Land verlassen, heißt es in dem Bericht "Service for Life: State Repression and Indefinite Conscription in Eritrea", der schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen durch die eritreische Regierung dokumentiert. Dazu zählen willkürliche Festnahmen, Folter, schreckliche Haftbedingungen, Zwangsarbeit und schwerwiegende Einschränkungen der Bewegungs-, Meinungs- und Glaubensfreiheit. Untersucht wurde zudem die schwierige Situation der Eritreer, die in andere Länder wie Libyen, Sudan, Ägypten und Italien flüchten konnten. "Eritreas Regierung verwandelt das Land in ein riesiges Gefängnis", sagte Georgette Gagnon, Direktorin der Afrika-Abteilung von Human Rights Watch. "Eritrea soll unverzüglich Rechenschaft ablegen über das Verbleiben Hunderter ‚verschwundener' Gefangener und die Gefängnisse für unabhängige Kontrollen öffnen." Der Bericht basiert auf mehr als 50 Interviews in drei Ländern mit eritreischen Opfern und Augenzeugen von Misshandlungen und beschreibt, wie die eritreische Regierung einen enormen Apparat von offiziellen und geheimen Haftanstalten einsetzt, um Tausende Eritreer ohne Anklage oder Prozess festzuhalten. Viele der Gefangenen sind wegen ihrer politischen oder religiösen Ansichten inhaftiert, andere weil sie versucht haben, der unbegrenzten Wehrpflicht zu entkommen oder aus dem Land zu fliehen. Folter, grausame und unmenschliche Behandlung sowie Zwangsarbeit sind sowohl für Wehrdienstleistende als auch für Gefangene alltäglich. Die Haftbedingungen sind erschreckend. Die Gefangenen werden normalerweise in überfüllten, zum Teil unterirdischen Zellen oder in Schiffscontainern festgehalten, in denen tagsüber extrem hohe Temperaturen herrschen und es nachts eiskalt ist.

Wie es im Bericht weiter heißt, hätten die Bewohner Eritreas gefeiert, als ihr Land 1993 nach einem blutigen, 30-jährigen Krieg von Äthiopien unabhängig wurde. Aber die Regierung von Präsident Isayas Afewerki, die Eritrea durch einen großen Teil des außerordentlichen Unabhängigkeitskampfes geführt hat, habe demokratische Freiheitsrechte immer stärker eingeschränkt, besonders nach dem gewaltsamen Vorgehen gegen die politische Opposition und die Medien im Jahr 2001.

Informationen Bericht: Human Rights Watch

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