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China: Hauskirchen trotzen Überwachung und Restriktionen

Herausforderung Jugendarbeit / Kommunistische Partei weitet Einfluss an Schulen systematisch aus

(Open Doors, Kelkheim) – Seit Ende Januar werden in China gemäß offizieller Regelung Partei-Vertretungen an öffentlichen Schulen etabliert. Sie sollen gewährleisten, dass die Kinder von Anfang an vom Sozialismus gemäß der Lesart von Parteichef Xi Jinping geprägt werden. Minderheiten wie Christen dürfte dies besonders in Konflikte bringen. Gleichzeitig zeigt ein aktueller Einblick in die Situation einiger Hauskirchen, dass diese trotz zahlreicher Restriktionen dem wachsenden Druck bislang standhalten.

Chinesische Christen an einem Tisch hinter Fenstern
Treffen einer Hauskirche: Sich dem wachsamen Auge der chinesischen Behörden zu entziehen, wird immer schwieriger

Digitaler Zahlungsverkehr wird zum Problem für Kirchenleiter

Nach Open Doors vorliegenden Informationen aus Nordost-China führen die dortigen Hauskirchen ihre Zusammenkünfte trotz der immer stärkeren staatlichen Restriktionen fort. Die Dienste dieser offiziell illegalen Kirchen laufen demnach bislang „fast normal“ weiter, sowohl online als auch offline. Die Regierung weiß von der Existenz zahlreicher Hauskirchen und betrachtet sie als „Schandfleck“. Viele von ihnen wurden in der Vergangenheit zwar geduldet, die Kirchenleiter müssen jedoch jederzeit mit starken Repressalien, Strafen und der Zerschlagung der Kirche rechnen.

Schwierigkeiten bereitet den Gemeinschaften nicht zuletzt das Sammeln von Spenden, da dies aufgrund der staatlichen Überwachung nicht mehr über digitale Plattformen stattfinden kann. In China ist der digitale Zahlungsverkehr landesweit verbreitet; selbst in abgelegenen Gebieten verwenden die Bürger aus Bequemlichkeit nur noch selten Bargeld für Transaktionen. Dies war in den letzten Jahren bereits für viele Hauskirchen in China ein Problem. Laut dem Bericht beabsichtigen die Behörden, den Gemeinden ihre Finanzquellen abzuschneiden. Ein Pastor erklärt: „Einige Hauskirchenleiter leiden unter dem Mangel an Einkommen. Das macht ihnen sehr zu schaffen.“

Eine der größten Herausforderungen für die Kirchen besteht darin, Kinder und Jugendliche mit dem Evangelium zu erreichen. Die Teilnahme an geistlichen Veranstaltungen ist für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren verboten. Jede Art von Jugendarbeit muss daher im Verborgenen stattfinden, Veranstaltungen mit vielen Teilnehmern sind in der Regel nicht möglich. „Aber wir loben Gott dafür, dass diese Kinder immer noch biblisches Wissen durch Lieder und Geschichten erlangen können“, sagt einer der Hauskirchenleiter.

Immer stärkere Indoktrination schon an Grundschulen

Kinder und Jugendliche stehen auch im Fokus einer Initiative der Kommunistischen Partei Chinas, die Ende Januar bekanntgegeben wurde. Wie der Nachrichtendienst Bitter Winter berichtet, handelt es sich bei der „Stellungnahme zur Einführung des Systems der Hauptverantwortung für die Leitung von Parteiorganisationen in Grund- und Sekundarschulen“ nach Angaben der Regierung zunächst nur um einen „Test“. Die Maßnahmen sollen jedoch mit sofortiger Wirkung umgesetzt werden.

Sie sehen die Einrichtung von „Parteizellen“ in Grund- und weiterführenden Schulen vor, die direkt an hochrangige Parteikader berichten und mit der Aufsicht über die Schulen betraut werden. Dies umfasst auch grundlegende Ausrichtungsfragen sowie die Einstellung von Lehrkräften und Leitungspersonal. Maßgeblich dafür sind dabei die Vorgaben der „Xi-Jinping-Gedanken zum Sozialismus chinesischer Prägung“ und das Programm der Kommunistischen Partei, berichtet die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua.

„Dies passt in ein seit langem bestehendes Muster der ‚patriotischen‘ Erziehung oder ‚Indoktrination‘, das wir beobachten“, sagt Thomas Müller, Analyst der Forschungsgruppe „World Watch Research“. Obwohl Chinas Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex gegenüber dem Vorjahr unverändert sei, habe sich „die Freiheit der Christen weiter verringert, weil der Staat die kommunistische Ideologie immer stärker betont“, führt Müller aus.

Auf dem Weltverfolgungsindex 2022 belegt China den 17. Platz unter den Ländern, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

Quellen: Bitter Winter, Open Doors

Bitte beten Sie für die Christen in China!

  • Danken Sie für den Mut und den Glauben der Christen in den Hauskirchen, die sich trotz der staatlichen Bedrohung weiterhin treffen.
  • Beten Sie für alle verantwortlichen Mitarbeiter der Gemeinden, dass Jesus sie versorgt und sie ihren Dienst ohne Einschränkungen weiterführen können.
  • Beten Sie besonders für die Kinder und Jugendlichen, dass Gott ihren Geist für die Wahrheit schärft und sie trotz aller staatlichen Bemühungen Jesus erkennen und ihm folgen.

Vielen Dank für Ihr Gebet

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