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Indien: Empörung bei Christen über illegale Datensammlung

Regierung von Madhya Pradesh will alles über Christen wissen – Open Doors begrüßt Forderung nach Untersuchung

(Open Doors) – Die Regierung von Madhya Pradesh hat alle Polizeistationen in dem zentralindischen Bundesstaat angewiesen, Daten über Christen zu sammeln. Wie der Nachrichtendienst Compass Direct meldet, wurde die Anweisung am 23. März erteilt. Gesammelt werden sollten persönliche Daten von Christen wie Alter und Wohnort sowie Informationen über ihre wirtschaftliche Situation und ob sie Gelder aus dem Ausland erhalten. Ebenfalls erfasst werden sollte, wie viele Kirchen und christliche Schulen es in einem Bezirk gibt und wer diese leitet. Hinzu kommen die persönlichen Daten von Pastoren und Gemeindeleitern. Mitte April hatten Medien die Datensammlung bekannt gemacht. Daraufhin stoppte der Oberste Polizeichef des Landes, S. K. Rout, die Aktion, rechtfertigte sie jedoch damit, dass die Erhebung lediglich den Schutz der christlichen Minderheit zum Ziel gehabt habe und hierfür auch erforderlich gewesen sei. Dieser Beteuerung schenkten örtliche Christen keinen Glauben, so Compass Direct. Alle hierfür nötigen Daten lägen auf Bundesebene bereits vor.

Datensammlung ist illegal
"Erhebungen dieser Art, besonders wenn sie von der Polizei durchgeführt werden, stellen eine Selektion nach der Religionszugehörigkeit dar und sind somit illegal", so Dr. John Dayal, Generalsekretär des Gesamtindischen Christenrats AICC. "Die Urheber sind allein der Ministerpräsident des Bundesstaats Madhya Pradesh und sein Innenminister, die ihr Handeln von der RSS bestimmen lassen, der sie beide angehören." Die RSS ist eine hindu-nationalistische Bewegung, deren politischer Arm, die "Bharatiya Janata Party" (BJP), seit 2003 in Madhya Pradesh regiert. Aufgrund eines Gesetzes von 1976 müssen Christen und christliche Organisationen ohnehin alle Gelder, die sie aus dem Ausland erhalten, beim indischen Innenministerium angeben. Sie sind noch dazu verpflichtet darzulegen, wie das Geld ausgegeben wird. Bestürzt zeigt sich auch der Sprecher der Katholischen Bischofskonferenz der Bundesstaaten Madhya Pradesh und Chhattisgarh, Reverend Anand Muttungal: "Wir sind aufgebracht, dass uns die Regierung wie Kriminelle behandeln wollte. Die Polizei hat christliche Leiter vor Ort zuerst mündlich befragt, ohne ihnen eine Kopie der Anordnung zu zeigen. Als ein Priester die Auskunft verweigerte, drohten ihm die Beamten, ihn auf die Wache mitzunehmen."

Untersuchung soll Hintergründe klären
Indien: eine Kirche mit Strohdach im Süden Indiens, darin sitzen Christen zusammen zum GottesdienstÖrtliche Christen fordern nun eine Untersuchung durch die nationale Minderheitenkommission. Geklärt werden soll, ob und warum die Regierung von Madhya Pradesh diese Erhebung angeordnet hat. Das Hilfswerk Open Doors, das sich in Indien für verfolgte Christen einsetzt, begrüßt diese Forderung und ruft die Politik zur genauen Beobachtung auf. Die willkürliche Erhebung von Daten aufgrund der Religionszugehörigkeit widerspricht den internationalen Verpflichtungen, die Indien eingegangen ist. "Dieser Fall zeigt, welche Stimmung derzeit in Indien herrscht", so Dr. Daniel Ottenberg, Leiter des Menschenrechtsreferats bei Open Doors Deutschland (Kelkheim). "Seit Monaten beobachten wir eine Zunahme der Übergriffe auf Christen in mehreren Bundesstaaten. Eine solche Datensammlung kann der Funke sein, an dem sich neue Gewalt entzündet." Im Bundesstaat Gujarat war es aufgrund ähnlicher Erhebungen in den Jahren 1999 und 2000 in mehreren Bezirken zu gewaltsamen Übergriffen auf Christen gekommen. Viele Christen wurden Opfer von Hasskampagnen.


Gebetsanliegen:

  • Beten Sie für die christliche Minderheit in Indien, die fast täglich Diskriminierung und Verfolgung durch Extremisten ausgesetzt ist.
  • Beten Sie um Weisheit für die Pastoren und Gemeindeleiter.
  • Beten Sie, dass es in Madhya Pradesh nach dem Protest von Christen gegen die Datenerhebung nicht zu Unruhen kommt.

QuelleCompass Direct

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