Für den Gemeindebrief

Nicaragua: Zwei Pastoren zurück aus dem Exil

(Open Doors, Kelkheim) – Seit 2023 zählt Nicaragua zu den 50 Ländern des Weltverfolgungsindex, in denen Christen am härtesten verfolgt werden. Die Regierung von Präsident Ortega regiert zunehmend diktatorisch und hat zwischen 2020 und 2025 mindestens 250 Christen aller Konfessionen ins Exil gezwungen, darunter zahlreiche Pastoren und Priester. Zwei von ihnen durften nun überraschend zu ihren Familien zurückkehren.

Ein Dorf mit einem großen Gebäude liegt in einem Tal
Die Regierung um Präsident Ortega sieht den Einfluss der Kirchen als Bedrohung (Blick über die Dächer von Leon)

Unerwarteter Sinneswandel der Behörden

Rückblick: Für Vicente kam das Exil plötzlich und ohne Vorwarnung. „Ich hatte nie Probleme gehabt, und es gab keine klaren Informationen darüber, was vor sich ging“, erklärt er. Im Dezember 2024 verweigerten die Behörden Vicente bei der Rückkehr von einer Auslandsreise mit seiner Familie die Einreise nach Nicaragua. Einen offiziellen Grund nannten sie nicht. Später erfuhr Vicente durch einen Freund mit Verbindungen zur Regierung, dass Beamte angeblich einen alten Social-Media-Beitrag gefunden hatten, den sie als regimekritisch einstuften. „Mich am Flughafen von meiner Familie verabschieden zu müssen, während ich allein zurückblieb, ohne zu wissen, was als Nächstes passieren würde, war herzzerreißend“, erinnert er sich.

Ähnliches hat auch Aarón erlebt. Als er im Januar 2025 von einem Besuch bei Freunden im Ausland zurückkehrte, wurde ihm die Wiedereinreise nach Nicaragua verweigert – ohne eine offizielle Begründung. Der plötzliche Sinneswandel der Behörden kam für beide völlig unerwartet: „Damit hatten wir nicht gerechnet“, sagt Aarón. „Aber als ich erfuhr, dass ich zurückkehren darf, empfand ich Frieden und Dankbarkeit.“

Laut dem Nachrichtenportal Confidencial haben Dutzende von im Exil lebenden Nicaraguanern kürzlich offizielle Benachrichtigungen erhalten, die ihnen die Rückkehr in ihre Heimat gestatten. Dieser Schritt deutet auf eine mögliche – wenn auch noch ungewisse – Wende in der Migrationspolitik des Regimes hin.

Neustart voller Herausforderungen

Trotz der Freude über die Rückkehr in die Heimat räumen die Pastoren ein, dass weiterhin Unsicherheit herrscht. „Die Lage ist nach wie vor unklar. Ich weiß nicht, was mich erwartet … aber wir vertrauen auf Gott“, sagt Vicente. Nun, da sie wieder in Nicaragua sind, stehen beide Pastoren vor schwierigen Herausforderungen: dem Wiederaufbau ihrer Gemeindearbeit, der Suche nach einer neuen Beschäftigung und der Wiederherstellung des Familienlebens nach Monaten der Trennung.

„Ich habe viele Herausforderungen vor mir: wieder in einer Gemeinde Gott zu dienen, Arbeit zu finden und die verlorene Zeit mit meiner Familie wieder aufzuholen“, erzählt Vicente. Die Pastoren bitten nicht nur um Gebet für sich selbst, sondern auch für die Zukunft Nicaraguas und für andere geistliche Leiter, die nach wie vor nicht in ihre Heimat zurückkehren können.

 

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