Persönliche Berichte
Sri Lanka

Sri Lanka: „Manchmal lachen wir, manchmal weinen wir“

Zwei Jahre nach den tödlichen Anschlägen am Ostersonntag sind die Erinnerungen frisch

(Open Doors, Kelkheim) – „Dann, während wir unterwegs [zur Kirche] waren, bekam mein Mann einen Anruf. Plötzlich wendete er das Moped und raste zurück in die Richtung, aus der wir gekommen waren. Ich fragte ihn immer wieder, warum und was passiert ist, aber er gab mir keine Antwort. Als wir dann die Brücke passierten, spürte ich plötzlich, wie etwas in mir zersprang, und ich rief: ‚Malki ist im Himmel!‘“

Pastor Kumaran mit Saratha und ihren Kindern Jeremiah und Shemidah
Pastor Kumaran mit Saratha und ihren Kindern Jeremiah und Shemidah

„Ich wusste, dass Malki im Himmel war“

Am Ostersonntag 2019 kamen bei mehreren Selbstmordanschlägen auf Kirchen und Hotels in verschiedenen Städten Sri Lankas 253 Menschen ums Leben. Einer davon war der zwölfjährige Malkiya. Seine Mutter Saratha erinnert sich lebhaft an den Tag und den Anruf. Sie ist sich sicher, dass der Heilige Geist ihr schon früh die innere Gewissheit vom Tod ihres geliebten Sohnes gab, um sie in dem Chaos nach den Explosionen vor quälender Ungewissheit zu bewahren. „Als wir die Kirche erreichten, kamen die Leute herausgerannt. Mein Mann suchte nach einer Möglichkeit, um hineinzugelangen; aber ich versuchte gar nicht erst, nach meinem Sohn zu suchen, weil ich bereits wusste, dass Malki im Himmel war.“

Als unsere Partner die Familie besuchen und Sarathas Schilderungen zuhören, ist der Schmerz in ihren Augen unverkennbar, ihr Lächeln wirkt müde. Dass sie aber endlich über ihre Erinnerungen sprechen kann, ist ein Beleg dafür, dass Gott sein Werk der Heilung und des Trostes begonnen hat.

Malkiyas Vater Kumaran ist Pastor und war nach den Anschlägen damit beschäftigt, die zahlreichen Verletzten aufzusuchen, um für sie zu beten und sie zu trösten. Zur Familie gehören auch der älteste Sohn Jeremiah und Malkiyas jüngere Schwester Shemidah. Sie alle brauchten Monate, um mit dem Verlust von Malkiya zurechtzukommen. Nachdem sie ihre Wohnung anfänglich mit Fotos und anderen Erinnerungsstücken von ihm dekoriert hatten, sind die meisten davon inzwischen wieder verschwunden. Dennoch sagt Pastor Kumaran. „Wenn ich mit etwas beschäftigt bin oder Auto fahre oder sogar wenn ich in der Kirche predige, steigt plötzlich der Schmerz auf und überwältigt mich.“ Er schüttelt langsam den Kopf und sagt: „Gerade gestern, als ich an Malkiya dachte, ging ich einfach zu unserer alten Kirche und stand eine Weile vor dem Tor.“

Lichtblicke und Gottvertrauen

Auch wenn die Erinnerungen für alle Beteiligten schmerzhaft sind, spüren unsere Partner, wie wichtig ihr Besuch ist. Irgendwann im Verlauf des Gesprächs richtet sich der Blick langsam nach vorne und die Stimmung hellt sich auf. Jeremiah hat soeben seine Abschlussprüfungen in der Schule absolviert und wartet auf die Ergebnisse. Auf die Frage, wie es denn gelaufen ist, zuckt er nur mit den Schultern und sagt mit bewusst übertriebener Zuversicht: „Och, war total leicht“; ein Lächeln breitet sich über die Gesichter im Raum aus. Die kleine Shemidah ist begeistert über den Besuch und hat die ganze Zeit gespannt jedem Wort zugehört. Als ihre Eltern Malkiyas Zeugnisse und Zertifikate hervorholen, bringt sie in Windeseile auch ihre herbei. Beim Durchsehen von Fotos mit Malkiya versäumt sie keine Gelegenheit einzuwerfen: „Schaut, das bin ich!“

Am Ende des Besuchs hat sich unter dem Team die Gewissheit verfestigt, dass Gott dabei ist, Malkyias Familie mit Trost und Heilung zu dienen. Wie sich dieser Prozess für die Familie anfühlt? „Es ist wirklich schwierig zu beschreiben, wie es uns in diesen Tagen geht“, sagt Pastor Kumaran, während er nach den richtigen Worten sucht. „Manchmal lachen wir und manchmal weinen wir. Der Schmerz kommt in Wellen.“

Bitte beten Sie für Malkiyas Familie und die anderen von den Anschlägen Betroffenen!

  • Danken Sie Jesus für sein begonnenes Werk der Heilung an Malkiyas Familie.
  • Beten Sie für alle, die mit dem Verlust von geliebten Menschen oder anderen Folgen der Anschläge ringen, dass sie Gottes Trost empfangen und heil werden.
  • Beten Sie, dass die Christen in Sri Lanka den „Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“ empfangen und jede Furcht ablegen können.
  • Beten Sie für die Pastoren und Gemeindeleiter, dass Jesus sie in jeder Hinsicht ausrüstet, seiner Gemeinde zu dienen und ihr mutig voranzugehen.

 

Hinweis: Pastor Kumaran ist einer der Sprecher des diesjährigen Open Doors Tages am 15. Mai. Nähere Infos finden Sie hier.

Vielen Dank für Ihr Gebet

Unser Gebet macht einen Unterschied – wie viel es unseren verfolgten Geschwistern bedeutet, lesen Sie hier

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