Bericht von Open Doors vor dem Europarat in Straßburg

Unser Pressesprecher berichtete über den mangelnden Schutz religiöser Minderheiten in Deutschland

04.10.2019  – Die Parlamentarische Versammlung des Europarates (PACE) in Straßburg hat in einer Sitzung des Komitees für Migration, Flüchtlinge und Vertriebene unter Vorsitz von Egidijus Vareikis (EVP) vom 1. – 3. Oktober 2019 unter anderem zum Thema „Gewalt und Diskriminierung gegen religiöse Minderheiten in Flüchtlingsunterkünften in Europa“ getagt.

Im Rahmen einer Anhörung von Experten zum Thema wurde Open Doors Deutschland mit Blick auf seine im Oktober 2016 erstellte Erhebung „Mangelnder Schutz religiöser Minderheiten in Deutschland“ gebeten, einen Beitrag zur Tagung beizusteuern.
 

Pressesprecher Ado Greve vor dem Gebäude des Europarats
Ado Greve, Pressesprecher von Open Doors, vor dem Gebäude des Europarats in Straßburg

Hintergrund zur Erhebung von Open Doors

Als 2015 – 2016 hunderttausende Geflüchtete und Migranten nach Deutschland kamen, leisteten auch Christen aus vielen Kirchengemeinden vielfältig und umfangreich Hilfe. Sie informierten dann bald Open Doors über gewaltsame Übergriffe gegen christliche und jesidische Flüchtlinge in den Unterkünften. Diese hatten deswegen bereits selbst bei staatlichen Stellen um Hilfe gebeten, fanden jedoch kein Gehör. Behörden sowie Sicherheitskräfte und Heimbetreiber glaubten den Berichten der Geflüchteten zu religiös motivierten gewaltsamen Übergriffen gegen sie in vielen Fällen nicht. Dass es sogar sehr zahlreiche Übergriffe gegen sie gab, wurde abgestritten. Vielmehr war seitens der Behörden und von Regierungsvertretern über Monate die Rede von nur „vereinzelten Übergriffen“. Entsprechend erfolgten keine oder nur geringe Maßnahmen zum Schutz religiöser Minderheiten in den Flüchtlingsunterkünften.

Daraufhin führte Open Doors Deutschland in Zusammenarbeit mit anderen christlichen Hilfswerken und NGOs von Februar bis September 2016 Interviews mit 743 von Gewalt betroffenen christlichen Flüchtlingen durch. Open Doors erfuhr, dass 83 % von ihnen wegen ihres christlichen Glaubens bereits mehrfach Gewalt seitens anderer Geflüchteter oder Mitarbeiter der Security erlitten hatten. 314 der interviewten Personen hatten sogar Todesdrohungen erhalten.
 

Erweiterung der Maßnahmen zum Schutz religiöser Minderheiten dringend notwendig

Die Ergebnisse der Erhebung vom Oktober 2016 sowie die daraufhin erfolgten Maßnahmen beispielsweise der hessischen Landesregierung konnte Ado Greve, Pressesprecher von Open Doors Deutschland, am 3.10.2019 im Europarat vorstellen. Das Komitee für Migration, Flüchtlinge und Vertriebene wird nun Richtlinien dazu erarbeiten, welche Maßnahmen die Regierungen europäischer Länder aufgefordert sind zu treffen, um zukünftig den Schutz religiöser Minderheiten in Flüchtlingsunterkünften in Europa sicherzustellen.

Eine Erweiterung der Maßnahmen unserer Bundesregierung zum Schutz religiöser Minderheiten und gerade auch von Konvertiten hält Open Doors für dringend notwendig. Religiöse Minderheiten in den Flüchtlingsunterkünften und insbesondere christliche Flüchtlinge hätten 2016 sehr früh Hilfe seitens der Behörden und Regierung erhalten können, wenn man ihren Berichten geglaubt hätte. Und seit 2017 erleben erneut viele Konvertiten aus dem Islam zum christlichen Glauben, die in Gemeinden in Deutschland eine neue geistliche Heimat gefunden haben, dass man ihnen nicht glaubt. Ihr Glaubenswechsel wird in hunderten von Fällen seitens der Behörden als „nicht ernsthaft“ bezeichnet. Deshalb droht vielen von ihnen die Abschiebung in Länder, wo Christen wegen ihres Glaubens schwer verfolgt werden.

 

Zur Erhebung von 2016

 

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