Außen ist es dunkel, innen wird es hell

„Das Licht scheint in der Dunkelheit, und die Dunkelheit konnte es nicht auslöschen“, heißt es in Johannes 1,5. Als es in Alicias* Welt dunkel wird, hält die 12-Jährige an dieser Zusage fest. Sie erhebt ihre Stimme zum Lobgesang und erlebt, wie Jesus ihr eine Hoffnung schenkt, die sich nicht ersticken lässt.

 

In ihrem Dorf ist Alicia bekannt dafür, dass sie ihre Gitarre immer dabeihat, egal wohin sie geht. Sie macht gerne Musik – doch nicht einfach nur so. Alicia liebt es, Jesus mit Liedern anzubeten. „Ich singe immer für ihn“, erklärt Alicia, „sogar in meinen Gedanken oder wenn ich alltägliche Dinge erledige.“ Doch in ihrem indigenen Dorf in Oaxaca, Mexiko, kostet das einen hohen Preis. Die Menschen, die hier leben, bezeichnen sich zwar als Christen, doch ihr Glaube ist stark mit dem traditionellen Ahnenglauben ihrer Vorfahren vermischt. „Wenn sie sich zum Gottesdienst treffen, lesen sie nicht die Bibel“, sagt Alicias Mutter. „Sie akzeptieren andere Glaubensrichtungen nur, wenn man trotzdem bei ihren Bräuchen mitmacht.“ Bei ihren Zeremonien verehren die Indigenen Verstorbene und erhoffen sich durch Opfergaben Regen, eine gute Ernte oder Heilung von Krankheit. Ihre Treffen sind so angefüllt mit traditionellen Bräuchen, dass nur wenig Raum für Jesus bleibt – und noch weniger Raum für diejenigen, die entschieden sind, ihn allein anzubeten.

Ein Mädchen lehnt an einer Wand und blickt in die Ferne. Es hat ein blaues Oberteil mit Sonnenblumen darauf an.
Alicia

Unerwünscht

Als Alicias Familie und einige andere Christen sich weigerten, an den Bräuchen teilzunehmen, schlug ihnen die unverhohlene Feindseligkeit ihres Dorfes entgegen. Sie waren in ihrer Nachbarschaft unerwünscht und wurden ausgegrenzt. Frühere Freunde wandten sich gegen sie. „Selbst Verwandte wollten nichts mehr mit uns zu tun haben, weil wir uns weigerten, an den Zeremonien teilzunehmen“, sagt Alicia. In einer Dorfversammlung beriet man über die Bestrafung der Christen: „Sie diskutierten, ob sie unsere Existenz zerstören oder uns bei lebendigem Leib verbrennen sollten. Schließlich haben sie sich darauf geeinigt, uns von der Strom- und Wasserversorgung abzutrennen, und haben unser Land beschlagnahmt“, erinnert sich Alicia. Zusätzlich drohte man den Christen, sie aus dem Dorf zu vertreiben, wenn sie nicht wieder an den indigenen Zeremonien teilnehmen würden.

Unablässig

Wegen ihrer Hingabe an Jesus war der Familie viel genommen worden – doch ihren Lobpreis ließ sie sich nicht rauben. Weil es in ihrem Haus abends kein Licht mehr gab, kam die Familie nun bei Kerzenschein zusammen, um Gott mit Lobliedern anzubeten. Ihre Umstände blieben zunächst unverändert, doch etwas bewegte sich – nicht äußerlich, sondern im Inneren. Eine neue Hoffnung glimmte auf. „Jesus zu loben, hat uns geholfen, zu überwinden“, erklärt Alicia. „Gott hat mir gesagt: ‚Hab keine Angst. Ich bin hier. Ich bin dein Vater und kümmere mich um dich.‘“ Indem sie ihre Perspektive auf Jesus ausrichteten, fanden Alicia und ihre Familie im Verborgenen Trost, Zuversicht und die Stärke, durchzuhalten. „Egal, wie lang es dauern würde, wir wussten, Jesus würde einen Ausweg schaffen“, sagt Alicias Mutter.

Ungebrochen

Nach kurzer Zeit bewahrheitete sich diese Hoffnung: Die Dorfvorsteher stimmten einem Treffen mit den Christen zu. „Sie haben gesagt, dass wir im Dorf bleiben dürfen, wenn wir eine Geldstrafe zahlen“, erinnert sich Alicia. „Für uns war das eine Gebetserhörung!“ Als sie das Geld gezahlt hatten, erhielt die Familie wieder Zugang zu Strom und Wasser. Die Dankbarkeit, mit der Alicias Familie auf diese Zahlungserpressung reagierte, unterstreicht, wie ernst die Situation der Christen im Dorf ist. Bis heute dauert die Verfolgung an. Alicias Familie hat ihr Land nie zurückerhalten. Noch immer leben die Christen unter strengen Auflagen. „Wir können keine Kirche bauen oder offen über unseren Glauben sprechen“, erklärt Alicia. Trotzdem treffen sie sich in ihren Häusern, um Jesus anzubeten und sich gegenseitig zu ermutigen. Auch Alicias Lobgesang bleibt ungebrochen: „Wenn jemand traurig ist, singen wir, um ihn daran zu erinnern, dass Jesus mit uns ist. Wenn wir verzweifelt sind, singen wir, um uns neu auf Gott auszurichten.“ Alicia spielt jeden Sonntag im Lobpreisteam der Hauskirche mit: Die Hoffnung, die Gott ihr im Verborgenen geschenkt hat, kann nun zum Segen für viele werden.

*Name geändert

 

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