Zuhause vertrieben, bei Jesus angekommen

Geschlagen, auf die Straße gesetzt und allein – weil er begann, Jesus nachzufolgen. Doch in diesem Leid war Jesus Zaid* besonders nah, versorgte ihn und zeigte ihm einen neuen Weg. Heute teilt Zaid mit vielen Menschen das Evangelium. Und das im Jemen – einem der für Christen gefährlichsten Länder der Welt.


Zaid zitterte in der Kälte. Es war schon spät, als der junge Student die Straßen seiner Heimatstadt im Jemen entlanglief. Ohne Ziel irrte er in der Dunkelheit umher, nachdem ihn sein Vater von zuhause hinausgeworfen hatte – sein Körper war völlig erschöpft, aber die Gedanken kreisten im Rekordtempo: Lohnt sich dieser neue Glaube? Ist alles, was ich durchmache, es wert? Er dachte, seine Familie liebe ihn. Aber als sie von seinem neuen Glauben an Jesus erfuhren, schlugen sie ihn – bevor sie ihn fortschickten. „Ich verbrachte diese Nacht auf der Straße“, erinnert sich Zaid. „Ich schlief dort, es gab keinen Ort, wo ich hingehen konnte.“ So plötzlich verlor er die Menschen, die ihm am meisten bedeuteten. So plötzlich verlor er sein vertrautes Heim. Alles war ihm auf einen Schlag entrissen worden. Und doch kehrte er nicht um, denn tief im Inneren wusste er: Ja, Jesus zu kennen, ist alles wert.

Ein Mann hat seine Hände zum Gebet gefaltet und seinen Blick nach oben gerichtet. Im Hintergrund sieht man einen Vorhang durch das ein helles Licht nach außen scheint. In dem Raum ist es ansonsten dunkel.
Zaid

Tiefe Leere

So wie fast alle Menschen im Jemen wuchs Zaid streng muslimisch auf. Er folgte allen Lehren Mohammeds, ging regelmäßig in die Moschee und hielt die verpflichtenden Gebetszeiten gewissenhaft ein. In Internetforen verteidigte er den Islam leidenschaftlich. Wider Erwarten war es aber er selbst, der im Laufe der Zeit ins Zweifeln kam. Er realisierte, dass sein muslimischer Glaube in Angst verwurzelt war: „Wenn du nicht betest, liebt dich Allah nicht“, sagt Zaid. „Mir wurde klar: Ein kleines Missgeschick und Allah würde mich hassen, all meine Mühen zuvor wären umsonst gewesen. Er kann mir wegen eines Ausrutschers den Zugang zum Paradies verwehren.“ Mit 16 Jahren wandte sich Zaid schließlich vom Islam ab, nachdem er lange damit gerungen hatte. Die existenziellen Fragen bohrten sich jedoch weiterhin in sein Herz. Wenn er allein war, wühlte er sich durch Internetforen, um andere Religionen kennenzulernen: „Ich musste Antworten finden, etwas, das diese wachsende Leere füllen konnte.“ Aber er fand nichts, das seine Fragen beantwortete. Zaid wurde Atheist mit der Überzeugung: Nichts hat einen Sinn. Diese neue Lebenseinstellung spiegelte sich in seinem Verhalten wider: „Ich wurde faul, hatte keinen Lebenssinn. Ich fluchte, geriet in schlechte Gesellschaft und die Leere wurde nur größer“, sagt Zaid. „Mein psychischer Zustand verschlechterte sich. Ich nahm schließlich Drogen und schmuggelte sie auch. Ich war vollkommen verloren.“

Jesus im Traum begegnet

Während seiner Internetdebatten hatte Zaid auch mit Christen diskutiert. Er verspottete sie, aber sie reagierten anders, als er erwartet hatte: „Was mich an ihnen faszinierte: Sie antworteten mit Liebe und fluchten nicht zurück!“ Langsam wuchs ein echtes Interesse am christlichen Glauben. Gleichzeitig ging es Zaid mental immer schlechter. Als dann auch noch sein bester Freund starb, war er am Boden zerstört. Voller Verzweiflung betete er an diesem Abend zu Jesus: „Gott der Christen, wenn du existierst, sag es mir, und ich komme zu dir. Wo bist du? Rette mich!“ Noch in der gleichen Nacht erschien ihm Jesus im Traum: „Ich war in einem üppigen, grünen Garten und sah ein helles Licht. Dieses Licht kam auf mich zu, und dann sagte eine Stimme: ›Ich habe die 99 verlassen und bin gekommen, um dich zu retten.‹ Ich schreckte auf“, erzählt Zaid mit Tränen in den Augen. „Dann nahm ich mein Handy, und sobald ich scrollte, erschien ein Foto auf meinem Bildschirm: ein üppiger, grüner Garten und Jesus, umgeben von Schafen. Auf dem Bild standen dieselben Worte, die ich in meinem Traum gehört hatte: ›Er hat die 99 verlassen und ist gekommen, um dich zu retten.‹ In diesem Moment war mir so, als ob die Welt stillstünde.“ Nach diesem Erlebnis wollte Zaid Jesus nachfolgen: „Ich danke Gott, dass er sich mir offenbart hat. Er rettete mich aus der Dunkelheit. Dieser Traum war der Wendepunkt meines Lebens als Atheist, und ich begann mein Leben als Christ.“ Zaid lud sich eine Bibel-App herunter, las darin regelmäßig und lernte Jesus besser kennen. Er suchte online nach christlichen Kontakten – denn im Jemen gibt es keine registrierten Kirchen mehr, sie sind verboten. Alle Christen müssen ihren Glauben im Verborgenen praktizieren. Zaids neue christliche Online-Freunde – darunter ein lokaler Partner von Open Doors – unterstützten ihn im Glauben, sodass er sich bald heimlich taufen ließ. In diesen Monaten veränderte sich Zaids ganze Lebensweise: „Ich wurde eine neue Schöpfung. Jesus befreite mich von meiner Drogensucht, reinigte mich und half mir, negative Gedanken zu bekämpfen. Meine Seele wurde gesund. Je mehr Zeit ich mit Gott verbrachte, desto mehr veränderte er mich.“

Gott versorgt – und Zaid dient

Seine Familie bemerkte bald Zaids Veränderung. Als sein Vater seine Bibel fand, schlug er Zaid und warf ihn aus dem Haus: „Ich verbrachte Tage auf der Straße und schlief auch nachts dort. Aber Jesus hat mich nie verlassen. In dieser schwierigen Zeit hat er für mich gesorgt.“ Denn Zaid fand nach den ersten Tagen immer wieder Leute, bei denen er übernachten durfte. Kurz darauf erklärten sich zwei Freunde bereit, mit ihm gemeinsam in eine neue Wohnung zu ziehen. Damit nicht genug, fand Zaid schnell einen Job und Anschluss in einer Hauskirche. Er unterwies viele Menschen im Glauben und taufte sie. Im Jemen – Platz 3 auf dem Weltverfolgungsindex 2026 – ist Evangelisieren jedoch illegal und kann hart bestraft werden: Schikane, Verhaftung, Gewalt und sogar Tötung durch Stammesführer oder die eigene Familie sind üblich. Doch diese Gefahren halten Zaid nicht davon ab, Menschen von der Frohen Botschaft zu erzählen: „Ich bin von Extremisten umgeben. Aber ich möchte ein Spiegel von Jesus sein. Wenn Gott Gnade schenkt, will ich allen Menschen um mich herum das Wort Gottes verkünden.“ Mithilfe von lokalen Partnern von Open Doors baut Zaid heute seine eigene Jüngerschaftsschule im Jemen auf – einem Land mit dem fast höchsten Ausmaß der Christenverfolgung unserer Zeit. Zaids Vision bleibt dennoch groß: „40.000 aktive Hauskirchen. Wir wollen erreichen, dass es für je 1.000 Jemeniten eine Hauskirche gibt – einen Ort, um Gemeinschaft zu pflegen und zusammen im Glauben zu wachsen.“ Zaid bittet uns um Gebet: „Wir sind sehr ermutigt, wenn wir wissen, dass wir Brüder und Schwestern haben, die für uns beten. Das Stärkste, was wir haben, sind unsere Gebete.“

*Name geändert

 

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