Vom Koranlehrer zum Evangelisten

Früher brannte er eine Kirche nieder, heute brennt er für Jesus: Abdu* ist ein ermutigendes Beispiel, dass Gott selbst die härtesten Herzen verändern kann. Dabei fing diese Wandlung im Verborgenen an: Jesus begegnete Abdu in einem Traum.

 

Äthiopien, vor 17 Jahren. Abdu und vier Männer aus seiner Moschee schmiedeten einen dunklen Plan: In wenigen Tagen wollten sie eine Kirche niederbrennen. Abdu hatte das schon einmal getan: „Ich spürte ganz stark, dass sie [die Christen] zerstört werden müssen. Ich hätte auch nicht gezögert, zu töten“, sagt er.

Wenige Monate später ging Abdu in genau diese Kirche zum Gottesdienst. Was war passiert? Vier Tage vor dem geplanten Brandanschlag hatte Abdu einen eindrücklichen Traum: Ein Stein erschien ihm und stellte ihm Fragen: „Wer ist der Weg in den Himmel?“ Darauf hatte Abdu – ein Koranlehrer – keine Antwort! Der Stein fuhr fort: „Wer ist Jesus? Ist er nicht das Wort Gottes?“ Abdu wachte zitternd und schweißgebadet auf. Er erzählte seiner Familie von dem Traum. Darunter war auch Abdus Bruder – Er war Christ geworden, weswegen Abdu ihn verachtete und sogar erwog, ihn zu töten. Stattdessen fragte Abdu ihn jetzt um Rat wegen seines Traums. Sein Bruder fing plötzlich an zu weinen. Er sagte zu Abdu: „Der Herr hat sich dir nach all diesen Jahren offenbart. Der Stein ist Jesus.“ Er zitierte die Bibel: „Dieser Jesus ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde, der aber zum Eckstein geworden ist.“ (Apostelgeschichte 4,11).

Da wurde Abdu klar, dass er nicht länger den Islam predigen konnte. Er begann, die Bibel zu lesen, und übergab Jesus sein Leben. Das war riskant für ihn: „Wäre mein Glaube bekannt geworden, hätte ich getötet werden können.“ Also blieb Abdu zunächst Koranlehrer – zumindest äußerlich. In jeder Freitagspredigt in der Moschee sprach er jedoch über „Isa“. (Das ist der Name von Jesus im Koran. Unter Muslimen wird er als Prophet angesehen.) Abdu predigte auf so eine leidenschaftliche und überzeugende Weise, dass sich seine Zuhörer fragten, ob Christen vielleicht recht hatten, wenn sie Jesus anbeteten. „Freitags predigte ich und sonntags gingen sie neugierig zum Gottesdienst in die Kirche“, erzählt Abdu „Innerhalb von vier Monaten kamen 62 meiner Koranschüler zum Glauben an Jesus.“

Ein dunkelhäutiger Mann steht vor einem aufgestellten grünem Handy und spricht in die Kamera. Er hat ein Hemd an und eine schwarze Brille auf.
Abdu evangelisiert live auf Social Media

Folgenreiches Bekenntnis

Abdu war klar geworden, dass er seiner Verwandtschaft von Jesus erzählen musste. „Gott hatte mich mutig gemacht“, sagt er. Schließlich wurden 36 Familienmitglieder Christen. Außerdem schloss sich Abdu öffentlich der Kirche in der Umgebung an. All dies wurde von seinem muslimischen Umfeld als Verrat betrachtet: „Nachdem sie erfahren hatten, dass ich Christ geworden bin, verprügelten sie mich mit Stöcken“, erzählt er. „Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft. Mehrmals brachten sie mich mit Falschanklagen ins Gefängnis. Kamen zu mir nach Hause und nahmen mir meinen Besitz weg. Riefen im Radio zu meiner Ermordung auf. Posteten mein Foto und meine Telefonnummer auf Facebook, damit man mich töten konnte.“

„Ich rechne jeden Tag damit, getötet zu werden“

Die Verfolgung dauert bis heute an und wird immer stärker. Schläge und Angriffe sind für Abdu Normalität geworden. Doch sein Glaube bleibt ungebrochen. Er leitet ein Team, das Evangelisten in verschiedene muslimische Gebiete sendet. Auch Abdu selbst reist regelmäßig, um Christen muslimischer Herkunft in Jüngerschaft anzuleiten und Leiter auszubilden. Außerdem evangelisiert er seit Jahren auf Social Media. Inzwischen ist er vor allem auf der Plattform TikTok aktiv, wo er über 100.000 Abonnenten hat. „Jeden Tag melden sich Menschen bei mir und sagen: ›Durch dein Zeugnis habe ich zu Jesus gefunden.‹ Oder: ›Ich habe dein Video meiner Familie gezeigt und sie haben Jesus angenommen.‹“ Er schätzt, dass durch seinen Dienst inzwischen Tausende Muslime zu Jesus gefunden haben. Lokale Partner von Open Doors unterstützen Abdu dabei. Wie Paulus war Abdu selbst Verfolger der Kirche – und ist heute Evangelist. „Ich rechne jeden Tag damit, getötet zu werden“, sagt er. „Aber wenn ich mit meinem Dienst aufhöre, gehen Menschen verloren. Ich habe eine Verantwortung gegenüber Jesus.“

*Name geändert

 

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