Beten

Die Kraft des Gebets in Verfolgung

„Ich hatte jede Hoffnung verloren. Ich war von Angst und Bitterkeit erfüllt. Ich fühlte mich verlassen und abgelehnt“, erinnert sich Martina an die Zeit, nachdem ihr Ehemann, Pastor Joseph Kura, am 30. Juni 2016 auf grausame Weise ermordet worden war. Doch heute kann sie sagen: „Gott hat meinen Kummer weggenommen und mir wieder Lachen und Freude zurückgegeben.“ Die Familie ist ein Beispiel dafür, wie Jesus die Gebete von Christen wie Ihnen gebraucht, um verfolgte Christen in Trauer und Verzweiflung zu trösten und wiederaufzurichten.
 

Martina
Martina


Hanna*, eine Mitarbeiterin von Open Doors, berichtet: „Bei meinem ersten Besuch bei der Witwe und ihren sieben Kindern, nur wenige Tage nach Pastor Josephs Tod, saß Martina umringt von ihren Kindern auf dem Boden, die Augen rot und geschwollen vom Weinen. Ihre ganze Welt war aus den Fugen geraten.“ Christen in Deutschland und anderen Ländern folgten dem Aufruf von Open Doors, für Martina Kura und ihre Kinder zu beten. Und bei ihren nächsten Besuchen in der Ein-Zimmer-Hütte von Familie Kura brachte Hanna ermutigende Karten von Christen aus vielen Ländern mit, die Martina und ihren Kindern zeigten, dass sie nicht vergessen sind. Vier Jahre später ist Hanna mit dabei, als Martina ein Fest feiert, um das neue Haus, das die Familie mit Unterstützung von Open Doors bauen konnte, zu beziehen und es zugleich ihrem Herrn Jesus Christus zu weihen: „Dieses Haus hat Gott mir gegeben, damit ich andere Witwen ermutigen kann, an Gott festzuhalten und die Hoffnung nicht aufzugeben.“ Es ist ein fröhlicher Tag voller Lieder zur Ehre Gottes und Tränen der Dankbarkeit. „Ich kann bezeugen, dass Gott die Gebete seiner Kinder hört und sie zu seiner vollkommenen Zeit beantwortet“, sagt Hanna nach diesem bewegenden Besuch.
 

Gott dringt bis in finstere Kerker

„Du musst sehen, dass der Tod der einzige Weg zu sein scheint, meine Qualen zu beenden“, schrieb Alexander Ogorodnikov 1986 an seine Mutter. „Ich habe bereits die schwere Sünde begangen, einen Selbstmordversuch zu unternehmen ... Also bitte ich dich noch einmal – appelliere an das Präsidium des Obersten Sowjets, mir etwas Gnade zu zeigen und meine Hinrichtung durch ein Erschießungskommando anzuordnen, um die Aussicht auf lebenslange, schmerzhaft langsame Folter zu beenden.“
 

Alexander Ogorodnikov
Alexander Ogorodnikov


Mehr als sieben Jahre in sowjetischen Gefangenenlagern hatten Alexander gebrochen. Weil er sich für die Verbreitung des christlichen Glaubens eingesetzt hatte, wurde er verhaftet und war die meiste Zeit davon im Arbeitslager Perm 36 in Sibirien inhaftiert. Zwangsarbeit, Einzelhaft und andere Haftstrapazen zermürbten ihn. Isoliert von der Welt und seinen Mitgefangenen, in düsteren, eiskalten Zellen, seiner Bibel und Notizbücher beraubt, systematisch gedemütigt, bei schlechter Gesundheit, nachdem er fast sein Augenlicht und die meisten seiner Zähne verloren hatte, war das Schwerste für Alexander das Gefühl, vergessen zu sein. Doch er war nicht vergessen: Während Alexander seine dunkelsten Stunden erlebte, berief Jesus Menschen, für ihn zu beten, unter anderem durch eine Gebetskampagne von Open Doors.
 

Eines Nachts war er in eine eiskalte Einzelzelle gesperrt, in der er eigentlich hätte erfrieren müssen. In dieser Situation der Kälte, des Hungers und des nahenden Todes kamen Alexander Zweifel. Hatte Gott ihn verlassen, hatten seine christlichen Glaubensgeschwister und seine Familie ihn vergessen? Waren all die Jahre seines Leidens umsonst gewesen? Er betete. Zunächst im Stillen, dann fing er an, Gott laut anzurufen: »Hast du mich verlassen?« Auf einmal spürte Alexander, wie ihn eine körperliche Wärme einhüllte. Nicht wie von einer Heizung, sondern wie wenn eine Mutter ihr frierendes Kind an sich zieht. »In diesen schrecklichen Momenten in den eisigen Zellen spürte ich körperlich die Wärme eurer Gebete«, schrieb er später. Alexander überlebte und wurde einige Monate nach dem verzweifelten Brief an seine Mutter freigelassen. »Gebet öffnet die Gefängnistüren«, sagte er rückblickend.

 

Helen Berhane
Helen Berhane

 

Auch die Gospelsängerin Helen Berhane aus Eritrea kann bezeugen, wie ihr die Gebetsunterstützung anderer Christen half, in Gefangenschaft und Folter an Jesus festzuhalten. Weil sie von Jesus erzählt und christliche Musik veröffentlicht hatte, wurde sie 2003 verhaftet und war 32 Monate inhaftiert – teilweise in Schiffscontainern, in denen es tagsüber extrem heiß und nachts sehr kalt wird. „Nur weil viele Menschen gebetet haben, kann ich heute leben“, berichtete sie später. „Obwohl ich im Gefängnis nie etwas von diesen Gebeten erfahren habe, habe ich sie trotzdem gespürt. Das waren nicht bloß ein oder zwei Menschen, die für mich gebetet haben. Während der ganzen Qualen konnte ich nur deshalb singen. Ich habe sogar gelacht im Container. Manchmal haben sie mich gefragt: ‚Bist du verrückt? Du kannst im Container lachen?‘ Es war der Friede Gottes. Es ist schwer zu verstehen, aber wir haben den Frieden Gottes erlebt, trotz allem.“

Helen Berhane

„Nur weil viele Menschen gebetet haben,
kann ich heute leben.“

Die Haftstrapazen sind für Shiden* mit seiner Freilassung nicht automatisch vergessen. Er, ebenfalls aus Eritrea, wurde mit Anfang 20 wegen Teilnahme an einem Gottesdienst einer nicht staatlich genehmigten Gemeinde verhaftet. Er verbrachte mehr als ein Jahrzehnt in verschiedenen Gefängnissen, bevor er 2017 schließlich ohne jede Erklärung freigelassen wurde. Seine Mutter berichtet, dass ihr Sohn völlig abgemagert nach Hause zurückgekehrt sei. „Er stotterte, wenn er sprach, und hatte immer wieder mit starken Depressionen zu kämpfen.“ Sein Bruder John* ergänzt: „Wir mussten ihn ständig beobachten, auch nachts, um sicherzustellen, dass er sich nichts antut.“ Viele Christen beteten für Shiden, nachdem Open Doors über ihn berichtet hatte. Mittlerweile geht es ihm besser: „In letzter Zeit ermutigt er mich oft, indem er mich an die Väter des Glaubens in Hebräer 11 erinnert. Er sagt: ‚Ich will dem Herrn dienen, bis ich sterbe; ich will auch ein Held des Glaubens sein‘“, berichtet John. „Die Gebete haben viel bewirkt.“

 

Beharrlich beten

Nicht immer können wir eine schnelle Antwort auf unsere Gebete sehen – im Fall von Shiden dauerte es Jahre, bis eine sichtbare Veränderung eintrat. Bruder Andrew, der Gründer von Open Doors, berichtet in seinem Buch „Der Auftrag“ von einem Treffen mit dem litauischen Evangelisten Joseph Bondarenko kurz nach dem Fall der Sowjetunion. Bruder Andrew war begeistert von den Entwicklungen, seit Open Doors sieben Jahre zuvor eine Gebetskampagne für die Sowjetunion gestartet hatte, doch Josef meinte: „Andrew, hört bitte nicht auf zu beten. Wir beten schon siebzig Jahre lang.“ Jahrzehntelang hatten Christen für eine Öffnung des „Eisernen Vorhangs“ gebetet, und viele erlebten die Erhörung ihrer Gebete nicht mehr. „Du wirst wahrscheinlich nie die Antwort auf dein Gebet sehen, aber das ist nicht das Thema“, meint Bruder Andrew. „Bete, solange Gott dich dazu drängt, solange er dir eine Last aufs Herz legt.“


*Name geändert

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Markus Rode ist als Leiter von Open Doors Deutschland häufig mit dieser und anderen Fragen konfrontiert und hat im Gespräch berichtet, wie er damit umgeht.
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