Beten

Was ist, wenn Gott nicht zu hören scheint?

Ein Gespräch mit Markus Rode

Die Intensität der Christenverfolgung nimmt von Jahr zu Jahr zu. Angesichts dieser Tatsache mag die Frage aufkommen, ob das Gebet für verfolgte Christen überhaupt etwas ausrichtet. Markus Rode ist als Leiter von Open Doors Deutschland häufig mit dieser und anderen Fragen konfrontiert und hat mit Mitarbeitern darüber gesprochen, wie er damit umgeht.
 

Hört Gott jedes unserer Gebete?

Ja! Gott ist ein liebender Gott und Liebe ist eine Beziehungssache. Weil Gott uns aus Liebe geschaffen hat, ist er daran interessiert, was wir zu sagen haben. Wenn ein liebender Gott ein Ziel mit dieser Welt hat, dann muss es für ihn das Größte sein, wenn seine Geschöpfe sich ihm zuwenden und von ihm erwarten, dass sie wie Kinder kommen dürfen. Gott wird hören und er wird handeln. Vielleicht nicht immer so, wie wir gebetet haben, aber immer in unserem Sinne. Wir Menschen wollen Sicherheit. Das ist unser Problem. Wir wollen wissen: Wie kann ich sicher sein? Jesus möchte Vertrauen. Vertrauen bedeutet, dass ich Dinge noch nicht sehe, aber Gott vertraue, dass er das Richtige damit macht. Beziehung hat etwas mit Liebe und Vertrauen zu tun. Vertrauen hat etwas mit Erwarten zu tun – Erwarten, dass Gott hört und handelt. Gott steht zu seinem Wort. Gebet ist ein Vertrauensbeweis.
 

Warum nimmt aber das Maß der Christenverfolgung von Jahr zu Jahr zu? Bewirkt unser Gebet etwa nicht, dass Verfolgung aufhört?

Wenn man möchte, dass Verfolgung aufhört, muss man aufhören, Jesus zu bekennen. In Johannes 15,20 sagt Jesus: „Deshalb werden sie euch verfolgen, wie sie mich verfolgt haben.“ Das bedeutet, dass wir biblisch gesprochen nicht von dieser Welt sind. Sonst würde die Welt uns als ihre Kinder lieben. Das ist die Jesus-DNA: Wenn wir Jesus bekennen, werden wir verfolgt werden. Wenn Christen nicht mehr Salz und Licht sind, dann haben sie ihre Jesus-DNA verloren. Dann gibt es aber auch keine Hoffnung mehr an den hoffnungslosesten Plätzen dieser Welt.

„Beziehung hat etwas mit Liebe und Vertrauen zu tun. Vertrauen hat etwas mit Erwarten zu tun – Erwarten, dass Gott hört und handelt. Gott steht zu seinem Wort. Gebet ist ein Vertrauensbeweis.“

Kann man dann überhaupt für verfolgte Christen beten, wenn Verfolgung normal ist?

Es ist entscheidend, dass wir verfolgte Christen in der Verfolgung nicht allein lassen. Wir als Christen sind dazu aufgerufen, unsere verfolgten Geschwister zu unterstützen. Und ihre erste Bitte an uns lautet: „Bitte betet für uns.“ Wir sollen nicht beten, dass die Verfolgung aufhört, sondern dass die Christen im Glauben an Jesus standhaft bleiben und den hoffnungslosen Menschen in ihrer Umgebung das Evangelium weitergeben können.

Wir denken vielleicht, was wir tun, ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber Jesus kann aus unserem Wenigen viel machen. Wir sollten erwarten, dass Jesus unseren gemeinsamen Einsatz multipliziert und weit mehr an uns und unseren verfolgten Geschwistern tun kann, als wir jemals von ihm erbitten oder uns auch nur ausdenken können. So mächtig ist die Kraft, mit der er durch uns wirkt (Epheser 3,20). Das Schönste, was wir immer wieder von verfolgten Christen hören, ist: „Danke, dass ihr für uns gebetet habt!“ Sie spüren unsere Gebete und berichten, wie Jesus darauf geantwortet hat. Das ist für mich eine große Motivation, noch mehr zu beten.
 

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