Gottes verborgenes Wirken

Berichte über die andere Seite der Christenverfolgung

Beena

Unter dem Schirm des Höchsten

Beena aus Indien

 

Mit der einen Hand umklammert sie ihre Bibel, in der anderen hält sie ein Taschentuch, mit dem sie sich ab und zu eine Träne von der Wange wischt, während sie ihre Geschichte erzählt. Als Beena* und ihre Familie sich für ein Leben mit Jesus entschieden hatten, dauerte es nicht lange, bis sich Widerstand gegen ihren neuen Glauben regte. Bald schon erhielten sie Drohungen von ihren hinduistischen Nachbarn, sodass Beena ihre Tochter und einen ihrer beiden Söhne zu Verwandten in Sicherheit brachte. Dann kam der Tag, an dem die Situation eskalierte.

Bei der Dorfversammlung wurden Beena und ihr Ehemann beschuldigt, die Regeln des Dorfes gebrochen zu haben, weil sie ihren traditionellen Glauben verlassen hatten und nicht mehr die jährlichen Abgaben für den Hindu-Tempel entrichteten. Dann begannen die Dorfbewohner, sie zu beschimpfen und sie mit Tritten und Schlägen zu traktieren. Ihr 11-jähriger Sohn schrie: „Vater, Mutter, rennt weg von hier! Sie werden euch töten!“
 

Symbolbild: Hindu-Tempel in Indien
Bild: Hindu-Tempel in Indien

Entkommen mit knapper Not

„Einige der Männer begannen, mir die Kleider vom Leib zu reißen. Ich war entsetzt. Ich wusste, sie wollten mich vergewaltigen. Ich flehte sie an: ‘Brüder, tut das nicht!’ Aber sie wollten nicht hören. In diesem Moment kam mein Mann und versuchte, mich zu beschützen. Daraufhin verlagerte sich ihre Wut komplett auf ihn“, berichtet Beena. Es war eine schwere Entscheidung, aber sie wusste, dass sie ihrem Mann nicht helfen konnte – deshalb zog sie schnell ihre Kleider wieder an, packte die Hand ihres Sohnes und rannte um ihr Leben. „Aus dem Augenwinkel sah ich, dass sie die Hände meines Mannes hinter seinem Rücken fesselten und sich anschickten, ihn in den nahegelegenen Tümpel zu werfen, von dem ich wusste, dass er ziemlich tief ist. Sie schrien: ‘Es ist unmöglich, dass er heute entkommt. Er wird sterben! Er wird mit seinem Glauben ertrinken!’“
 

Beena
Bild: Beena

„Oh Herr, bitte rette meinen Mann!“

Tausende Fragen schossen Beena durch den Kopf, während sie weiter rannten und sie verzweifelt nach einem Platz Ausschau hielt, wo sie sich verstecken konnten. Schließlich fanden sie eine kleine Ansammlung von Hütten und klopften an eine Tür. „Ich weiß, es war Gott, der Hilfe möglich machte. Die Tür zur Hütte öffnete sich. Als ich den Besitzern sagte, dass einige Leute uns verfolgten, um uns zu töten, ließen sie uns herein. Sie versteckten uns und erzählten den Angreifern, wir seien in die andere Richtung gelaufen.“ Die Männer suchten weiter nach ihnen, aber dann griff Gott erneut ein, um sie zu beschützen: „All dies ereignete sich gegen vier Uhr nachmittags – es war helllichter Tag. Doch plötzlich wurde es sehr dunkel und es sah so aus, als nahe sich ein schweres Gewitter. Dies brachte die Angreifer dazu, nach Hause zurückzukehren.“


„Sei mir gnädig, Gott, sei mir gnädig! Denn auf dich traut meine Seele, und unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht, bis das Unglück vorübergehe.“ Psalm 57,2
 

Doch noch waren Beena und ihr Sohn nicht in Sicherheit. Mit der Hilfe eines Jungen aus der Nachbarschaft konnten sie in der Nacht zum Haus ihres Pastors fliehen. Sie hatten keine Schuhe an, ihre Füße bluteten und schmerzten. „Mein Sohn hielt meine Hand fest. Er lief weiter und weinte leise. ‘Mein Vater, mein Vater’, murmelte er. Er hatte solche Angst.“ Auch Beena konnte vor Sorge um ihren Ehemann kaum einen klaren Gedanken mehr fassen. Ihr Herz schlug immer schneller. „Oh Herr, bitte rette meinen Mann! Herr Jesus, bitte sende Hilfe! Bitte beschütze meine Familie!“, betete sie.
 

Symbolbild
Bild: Beena und ihr Ehemann

Eine wunderbare Überraschung

Dann erreichten sie das Haus des Pastors. Beena hörte Gesang, offensichtlich fand gerade ein Gottesdienst statt. Auf einmal verspürte sie Freude in ihrem Herzen – es war fast, als sei sie nach Hause gekommen. Allerdings dachte sie gleich wieder an ihren Ehemann und ihre Traurigkeit kam zurück. Doch was sie dann hörte, ließ ihr Herz einen Freudensprung machen: „Es war die Stimme meines Mannes. Zuerst war ich verwirrt und fragte mich, ob ich halluziniere. Wir eilten zur Tür und klopften ungeduldig. Die Tür öffnete sich und das Nächste, was ich sah, war mein Ehemann, umgeben von einer Gruppe von etwa 10 Personen aus meiner Kirche. Sie waren überglücklich, mich und meinen Sohn wohlbehalten ankommen zu sehen. Ich eilte zu meinem Mann und wir drei weinten Freudentränen.“

„Gott hat uns bewahrt“

Jesus hatte Beenas Gebete gehört und durch ein Wunder war es ihrem Mann gelungen, seine Fesseln zu lösen und zu fliehen. Die Familie fand Zuflucht bei einem anderen Christen. Über Partner im Land konnte Open Doors sie praktisch unterstützen und ermutigen. Noch ist keine dauerhafte Lösung gefunden, auch leben die beiden anderen Kinder noch bei den Verwandten. Doch Beena hält trotz aller Verfolgung und Schwierigkeiten an Jesus fest und sagt: „Wir sind durch das Tal des Todesschattens gegangen, und Gott hat uns bewahrt.“

 

*Name geändert

 

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