Nachrichten

Indien: Uttarakhand verschärft Gesetz zur Religionsfreiheit

Christliche Leiter sehen Verfassungsbruch und warnen vor Konsequenzen für religiöse Minderheiten

(Open Doors, Kelkheim) – Das Kabinett des Bundesstaates Uttarakhand hat am 13. August eine Novelle des „Gesetzes zur Religionsfreiheit“ gebilligt. Indischen Medienberichte zufolge ähnelt es dem Anti-Bekehrungs-Gesetz von Uttar Pradesh, das im Juli 2024 geändert und verabschiedet wurde. Lokale Kontaktpersonen von Open Doors warnen vor den Konsequenzen für Christen und Gemeinden.

Mann mit rotem T-Shirt betet in einem Gottesdienst
Bei einem Gottesdienst in Indien – immer wieder missbrauchen Hindu-Extremisten die Anti-Bekehrungs-Gesetze, um christliche Versammlungen als „Bekehrungstreffen“ zu verleumden und gegen sie vorzugehen

Religionswechsel wird kriminalisiert

Anti-Bekehrungs-Gesetze erschweren oder verbieten Bürgern den Übertritt von einer Religion zu einer anderen. Aktuell haben zwölf indische Bundesstaaten solche Gesetze erlassen. Zur Begründung wird in der Regel auf die Notwendigkeit verwiesen, die Bevölkerung vor erzwungenen oder mit Täuschung oder unlauteren Versprechungen herbeigeführten Konversionen zu schützen; immer wieder wird vor religiösen Gruppen gewarnt, die für den Wechsel einer Glaubensüberzeugung werben. Das Anti-Bekehrungs-Gesetz von Uttarakhand ist offiziell als „Uttarakhand Freedom of Religion Act, 2018“ bekannt.

 

Laut dem Nachrichtenportal The Hindu hat das Kabinett von Uttarakhand am 13. August 2025 die zweite Änderung des „Freedom of Religion (Amendment) Bill 2025“ gebilligt, die das Gesetz weiter verschärft. Es wurde 2018 erlassen und 2022 schon einmal geändert; die jüngste Novelle soll in der am 19. August 2025 begonnenen Monsun-Sitzungsperiode der Landesversammlung eingebracht werden. Es sieht strengere Strafen und weiter gefasste Definitionen für Zwangsbekehrungen vor.

Einige Elemente der Gesetzesänderung

  • Strafen: Die Haftstrafen reichen von 3 Jahren bis zu lebenslänglicher Haft.
  • Definition von „unlauteren Versprechungen“: Dazu gehören Geschenke, materielle Vorteile, eine Anstellung, die Beschwörung göttlichen Missfallens sowie die Kritik an einer Religion bei gleichzeitiger Werbung für eine andere, auch in den sozialen/digitalen Medien.
  • Erweiterte Definition von „Opfer“ [von Zwangsbekehrungen]: Jetzt werden auch Erziehungsberechtigte und gesetzliche Erben der betroffenen Person einbezogen.
  • Opfer von Zwangsbekehrungen erhalten im Rahmen einer speziellen staatlichen Regelung kostenlosen Rechtsbeistand, Unterkunft, Unterhalt, medizinische Versorgung und Diskretion.
  • Verhaftungen können ohne Haftbefehl vorgenommen werden. Kaution wird nur gewährt, wenn das Gericht davon überzeugt ist, dass die angeklagte Person unschuldig ist oder wahrscheinlich nicht wieder straffällig wird.
  • Die Förderung oder Anstiftung zur Bekehrung über soziale Medien, Messaging-Apps oder andere digitale Mittel wird unter Strafe gestellt.
  • Wenn die Bekehrung aus dem Ausland finanziert wird, drohen 14 Jahre Haft und Geldstrafen von bis zu 1 Mio. Indischen Rupien (umgerechnet fast 10.000 Euro).
  • Beweislastumkehr: Die Beweislast liegt jetzt bei der angeklagten Person.

„Indische Verfassung missachtet“

Rahul Singh*, ein lokaler Partner von Open Doors, erklärt: „Früher war Uttarakhand ein weniger religiös polarisierter Staat. Doch seit die Hindutva-Partei [die hindu-extremistische BJP] die Regierung des Bundesstaates bildet, sind religiöse Minderheiten bedroht. Mit der Verschärfung des Gesetzes über Religionsfreiheit wird Artikel 25 der indischen Verfassung, der allen Bürgern das Grundrecht auf Religionsfreiheit gewährt, missachtet. Indiens Bekenntnis zum Säkularismus und zur Religionsfreiheit ist in Gefahr.“ Rahul sagt weiter: „Mehrere Hindutva-geführte Landesregierungen ändern ihre Anti-Bekehrungs-Gesetze. […] Hindutva-Extremisten missbrauchen solche Gesetze und greifen Christen und Kirchen an.“

Christliche Organisationen und Führungspersönlichkeiten haben sich entschieden gegen die Gesetzesänderungen ausgesprochen und sie als diskriminierend und als Verletzung der Religionsfreiheit bezeichnet. Sie befürchten, dass die Gesetze dazu benutzt werden, Einzelpersonen zu schikanieren und gesellschaftliche Spannungen zu schüren.

Priya Sharma*, eine weitere lokale Partnerin von Open Doors, ergänzt: „Von Januar bis Juli 2025 wurden in Uttarakhand mehr als vierzig Verfolgungsfälle gemeldet, bei denen Christen angegriffen, Gottesdienste gestört, Kirchen geschlossen, Pastoren zu Unrecht der Zwangsbekehrung und Diskriminierung beschuldigt wurden. Jedes Gebetstreffen wird als ‚Bekehrungstreffen‘ wahrgenommen. Selbst soziales Engagement wird von Extremisten als ‚Verführung‘ zur religiösen Bekehrung angesehen.“

Auf dem Weltverfolgungsindex 2025 steht Indien an 11. Stelle unter den Ländern, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

*Name geändert

Quellen: The Hindu, The New Indian Express, Open Doors 

Bitte beten Sie für die Christen in Uttarakhand und dem übrigen Indien:

  • Beten Sie um Schutz der Christen und Gemeinden vor weiteren Übergriffen und einer missbräuchlichen Anwendung des Gesetzes.
  • Beten Sie, dass die Christen sich durch die Gesetze nicht einschüchtern lassen, sondern Jesus mutig weiter nachfolgen und sich zu ihm bekennen.
  • Beten Sie für die geistlichen Leiter: dass sie ihren Gemeinden vorangehen und von Gott mit allem ausgerüstet werden, was sie für ihren Dienst brauchen.
  • Beten Sie für die Machthaber und Behörden in Uttarakhand, dass Gottes Geist sie leitet und ihre Augen für die Wahrheit öffnet.

Vielen Dank für Ihr Gebet

Unser Gebet macht einen Unterschied – wie viel es unseren verfolgten Geschwistern bedeutet, lesen Sie hier

Weitere Themen

Länderprofil

Länderprofil Indien

Weltverfolgungsindex 2025: Platz 11. Im Länderprofil lesen Sie, warum und auf welche Weise Christen in Indien verfolgt werden und wie sich das konkret in ihrem Leben äußert.

Meldungen

Meldungen zu Indien

Lesen Sie hier aktuelle Nachrichten und persönliche Berichte verfolgter Christen aus den Ländern des Weltverfolgungsindex, und abonnieren Sie unsere kostenlosen Formate.

Eine Mitarbeiterin von Open Doors betet für eine verfolgte Christin

Gebet ist das Erste, um das verfolgte Christen bitten – besonders wenn wir beten, spüren sie unsere Liebe und Unterstützung. Lassen Sie uns auf diese Bitte antworten!