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Interview: Junge Außenseiter als Hoffnung iranischer Hauskirchen

Wie Hamid Jugendliche ermutigt, sich in ihren Gemeinden zu engagieren

Wenn der junge Mann redet, sprüht er förmlich vor Energie und Leidenschaft. Hamids Herz schlägt für die Hauskirchen im Iran, für die Jugendlichen dort, von denen viele vom Islam zum christlichen Glauben gekommen sind und dafür, dass das Evangelium auch auf Persisch verkündigt wird. Mit diesem Anliegen bewegt sich Hamid im Iran auf verbotenem Terrain. Schon seit vielen Jahren lebt er im Exil. Dort haben ihn Mitarbeiter von Open Doors getroffen.
 

Symbolbild iranische Jugendliche
Symbolbild

Hamid, du hast deine Jugendzeit in einer Gemeinde im Iran verbracht. Woran erinnerst du dich?

An meine Jugendgruppe jeden Mittwochnachmittag. Meine Freunde und ich hatten großen Spaß beim Fußballspielen auf dem Gemeindegelände. Aber wir lernten auch viel über den Glauben. Wenn ich heute eine biblische Geschichte lese, dann kann ich mich noch genau an die Einheit des Kindergottesdienstes dazu erinnern.

Damit ist es jetzt vorbei, oder? Die iranischen Gemeinden haben es heute schwerer.

Sehr viel schwerer, richtig. Die meisten Persisch sprechenden Gemeinden sind von der Regierung dicht gemacht worden. Ihren Gemeindegliedern ist es aber auch verboten, andere Gemeinden, die traditionellen aramäischen und assyrischen Kirchen, zu besuchen – nur weil sie anderer ethnischen Herkunft sind. Deshalb treffen sich diese Christen, die oft einen muslimischen Hintergrund haben, in Hauskirchen. Und dort gibt es keine Jugendgruppen.

Moment, es gibt keine Jugendgruppen in den Hauskirchen? Warum denn nicht?

Ihr müsst wissen, die meisten Hauskirchen bestehen aus nicht mehr als zwei Familien – da sind einfach nicht genug Jugendliche da, um eine Gruppe zu starten. Wenn eine Hauskirche in Kontakt mit einer zweiten ist, dann organisieren sie manchmal eine Aktion für die jungen Leute beider Gemeinden. Aber meistens sind die Jugendlichen allein unter Erwachsenen in ihrer Hauskirche und bekommen keine altersgemäße Lehre. Viele fühlen sich deshalb als Außenseiter.

Bleiben deshalb manche Jugendliche aus der Hauskirche weg?

Ja, leider. Dabei wäre es gut für sie, weiter zum Gottesdienst zu gehen – durch den Gemeindebesuch wird ihr Glaube stärker. Es ist aber auch gut und wichtig für die Gemeinde, wenn die Jugendlichen in den Hauskirchen bleiben.

Inwiefern? Damit sie die Gemeinden einmal übernehmen können?

Das auch. Aber es ist schon jetzt für die Gemeinden wichtig. Denn nach meiner Erfahrung sind junge Menschen noch etwas mutiger dabei, Fragen zu stellen, als Erwachsene. Gerade für die Hauskirchen, in denen falsche Lehren eine große Gefahr sind, sind solche fragenden Leute wichtig.

Man merkt, du hast ein großes Herz für die Jugendlichen.

Auf jeden Fall! Iranische Jugendliche sind so hungrig nach dem Wort Gottes. Ich will, dass sie mündige Gläubige werden, die Verantwortung in der Kirche übernehmen können. Sie sollen nicht nur in den Gemeindetreffen anwesend sein, sie sollten in Zukunft auch eine entscheidende Rolle in den Hauskirchen spielen. Die Kirche braucht die junge, nachkommende Generation – und zum Glück beginnen mehr und mehr Pastoren von Hauskirchen das auch so zu sehen.

Und trotzdem bist du tausende Kilometer entfernt. Wie kannst du den Jugendlichen da dienen?

Wir begegnen ihnen dort, wo sie sind: online. Zum Beispiel haben wir einen Podcast, den die Jugendlichen hören können, wo immer sie wollen – im Fitnessstudio, im Bus oder auf dem Weg zur Schule. Wir produzieren dafür genau die jugendgemäße christliche Lehre, die sie in ihrer Hauskirche nicht bekommen. Sie lernen aber auch, wie sie mit Verfolgung umgehen können.

Das heißt, das läuft alles online?

Nein, nein. Ich treffe die Jugendlichen auch persönlich – allerdings nur im Geheimen, denn das ist ein großes Sicherheitsrisiko. Manchmal denke ich, ich könnte noch wirkungsvoller arbeiten, würde ich mehr Jugendliche zu unseren geheimen Treffen einladen. Das wäre aber einfach nicht sicher.

Du hast eben vom Umgang mit Verfolgung gesprochen. Wie erleben jugendliche Christen im Iran denn Verfolgung?

Sie werden diskriminiert, wenn herauskommt, dass sie Christen sind. Ich kenne zum Beispiel eine sehr begabte junge Frau, die sich für ein prestigeträchtiges Projekt in ihrer Firma bewarb. Zuerst bekam sie den Job, aber nachdem man herausfand, dass sie Christin ist, wurde sie aus dem Team herausgeworfen und durch einen Muslim ersetzt.

Wie können wir ihnen beistehen und für sie beten?

Bitte betet um Schutz und Bewahrung. Betet, dass die Jugendlichen ihre Identität in Christus finden. Und betet um die Gewissheit, dass sie von anderen Christen nicht vergessen wurden, auch wenn sie sich manchmal allein und isoliert vorkommen.

Vielen Dank, Hamid, für das Interview.

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