Weltverfolgungsindex 2026: Platz 3. Im Länderprofil lesen Sie, warum und auf welche Weise Christen im Jemen verfolgt werden und wie sich das konkret in ihrem Leben äußert.
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Jemen: Zu Besuch im Gefängnis
(Open Doors, Kelkheim) – Zu Beginn des Jahres erschütterte eine beispiellose Serie von über 50 Festnahmen die kleine christliche Gemeinschaft im Jemen. Das betrifft neben den Inhaftierten auch ihre Familien, die oft mit großen Ängsten und tiefem Schmerz konfrontiert sind. Sie wissen, dass Christen als „Verräter des Islams“ im Jemen mit dem Schlimmsten rechnen müssen. Jedes Lebenszeichen, ein Telefonat oder gar ein Besuch im Gefängnis sind seltene Möglichkeiten, die lähmende Ungewissheit zu durchbrechen. Durch Sanad*, die ihren inhaftierten Vater besuchen durfte, haben wir Einblicke aus erster Hand in eine solche Situation.
Sehnsucht stärker als die Angst
Es ist ein sonniger Morgen, und Sanad wird endlich ihren Vater sehen. Anfang Januar wurde er gewaltsam aus seinem Haus verschleppt. Auf dem Weg zum Gefängnis rasen ihre Gedanken: Darf sie ihn berühren? Ihn umarmen? Wie wird er sie ansehen? Wird das Treffen mit ihm sie stärken oder ihr auch das nehmen, was sie noch aufrechthält? Als Sanad den Komplex betritt, schlägt ihr Herz bis zum Hals. Sie umklammert den Stapel Formulare, die alle zur Unterschrift bereitliegen, damit sie ihn endlich sehen kann. Die langwierigen Formalitäten stellen sie auf eine weitere Geduldsprobe.
Aber das ist ihr egal, sie sehnt sich nach ihrem Vater. Immer neue Fragen schießen ihr durch den Kopf: Wie wird er aussehen? Hat er sich rasiert? Hat er abgenommen? Zweifel kommen auf: Vielleicht ist es keine gute Idee, ihn in diesem Zustand zu sehen … Der Ruf des Wachmanns reißt sie aus ihren Gedanken, als sie sich ihren letzten Stempel abholt.
Sieben Minuten durch die Glasscheibe
Sanad wird in einen Raum geführt, in dem mehrere Glaskabinen stehen. In jeder befindet sich auf der rechten Seite eine Art Telefon. Ein Wachmann steht neben ihr, dann kommt ihr Vater mit einem weiteren Wachmann herein. „Er sah krank und müde aus, als wüsste er nicht, was los ist“, erzählt sie.
Sobald ihr Vater auf der anderen Seite der Glasscheibe sitzt, nimmt sie schnell den Hörer ab und ruft seinen Namen. Er antwortet, und sie unterhalten sich ruhig. Die Wachen sind anwesend und hören ihnen zu. Das gesamte Gespräch dauert sieben Minuten. Als die Zeit abgelaufen ist, wird er hinter die graue Wand begleitet, und Sanad steht auf und verlässt den Raum.
Selbst heimliche Treffen sind häufig zu gefährlich
Mindestens 95 Prozent der Christen im Jemen sind christliche Konvertiten muslimischer Herkunft. Treffen sind nur heimlich möglich, doch viele Untergrundkirchen mussten ihre Treffen einstellen. Neben den Behörden droht den Christen bei Entdeckung ihres Glaubens Verfolgung durch ihre Familie bzw. ihren Clan. Bitte beten Sie für die Christen im Jemen!
*Name geändert
Länderinfo Kompakt
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Gebet ist das Erste, um das verfolgte Christen bitten – besonders wenn wir beten, spüren sie unsere Liebe und Unterstützung. Lassen Sie uns auf diese Bitte antworten!