Persönliche Berichte

Myanmar: Vergebung baut Brücken

Freude bei Christen und Staunen bei Buddhisten, weil Pastor Lwin keine Rache wollte

(Open Doors, Kelkheim) – Als der Mönch Pastor Lwin* erblickte, der gerade mit Herrn Naing* Tee trank, schrie er ihn an: „Was machst du hier?“ Die Anwesenheit eines christlichen Pastors auf dem Gelände „seiner“ Schule versetzte ihn dermaßen in Zorn, dass der Mönch einen Kessel mit kochend heißem Wasser nach Pastor Lwin warf und ihn an Gesicht und Hals traf.

Symbolbild: Buddhistischer Mönch in Myanmar
Symbolbild: Buddhistischer Mönch in Myanmar

Getroffen von einem Kessel mit heißem Wasser

Während Myanmar seit dem Militärputsch im Februar immer stärker im Chaos versinkt, beten die Christen dort weiter für ihr Land und begegnen ihren Landesleuten mit der Botschaft der Versöhnung durch Jesus Christus. Einer von ihnen ist Pastor Lwin, selbst ein ehemaliger Buddhist, der in einer stark vom Buddhismus geprägten Gegend lebt und arbeitet. Im Juni besuchte er seinen buddhistischen Bekannten Herrn Naing, der in einer Schule arbeitet. Herr Naing servierte Pastor Lwin Tee und die beiden begannen eine angeregte Unterhaltung. Währenddessen kam der für die Schule zuständige Mönch wütend und aufgebracht aus seinem Wohnbereich, weil er sich durch das Gespräch der Männer in seinem Schlaf gestört fühlte. Wutentbrannt begann er, Gegenstände in seiner Reichweite zu zerschlagen, und warf schließlich den heißen Wasserkessel nach Pastor Lwin. Dieser wurde zwar nur leicht verletzt, musste sich aber nach dem Vorfall medizinische Hilfe suchen.

„Ich möchte keine Vergeltung“

Kurz darauf reichte Pastor Lwin beim leitenden Mönch der Ortsgemeinde und bei den lokalen Behörden eine Beschwerde wegen des Angriffs ein in der Hoffnung, dass dadurch die Misshandlungen für Christen in Zukunft abnehmen würden. Christen im mehrheitlich buddhistischen Myanmar erleben häufig Verfolgung und Schikanen durch buddhistische Mönche und ihr soziales Umfeld. Pastor Lwin hatte einige Zeit vor dem Angriff an einem Training zur Vorbereitung auf Verfolgung teilgenommen, das zu den Schulungsangeboten von Open Doors in Myanmar und vielen anderen Ländern zählt.

Ein paar Tage nach dem Vorfall rief Herr Naing Pastor Lwin an und teilte ihm mit, dass der Mönch, der ihn angegriffen hatte, gemaßregelt worden sei. Anschließend bat der Mönch den Pastor um Entschuldigung für sein Verhalten. Als der leitende Mönch Pastor Lwin fragte, welche Strafe der Mönch erhalten sollte, antwortete er: „Ich möchte keine Vergeltung üben.“ Seine Bereitschaft, zu vergeben und Güte statt Rache zu zeigen, brachte ihm bei den Mönchen Respekt und Anerkennung ein. Auch die Christen und anderen Pastoren, die für Pastor Lwin gebetet hatten, waren hocherfreut.

„Ich lerne aus der Bibel, wie man auf Verfolgung reagiert“

Als Min Naing*, ein Partner von Open Doors, Pastor Lwin fragte, warum er so reagiert habe, antwortete Pastor Lwin: „Ich lerne aus der Bibel, wie man auf Verfolgung reagiert. Außerdem bin ich Pastor und ich verstehe, dass es falsch wäre, Vergeltung zu üben. In diesem Fall hatte ich das Gefühl, dass der Mönch so gehandelt hat, weil er Jesus nicht kennt. Ich vergebe der Person, die mich angegriffen hat, weil sie Gott nicht kennt. Ich habe das Gefühl, dass die Person nicht wusste, was falsch war, und ihren Ärger nicht kontrollieren konnte.“

*Name geändert

Bitte beten Sie für die Christen in Myanmar!

  • Danken Sie für die Bewahrung von Pastor Lwin und vor allem für seine Vergebungsbereitschaft.
  • Beten Sie, dass sein Vorbild viele Buddhisten neugierig werden lässt und sie mehr über den Glauben der Christen erfahren wollen.
  • Beten Sie für ein Ende des Bürgerkriegs in Myanmar.
  • Beten Sie, dass auch viele andere Christen in Myanmar in der gegenwärtigen schweren Lage dem Beispiel Jesu folgen und zum Frieden im Land beitragen.

Vielen Dank für Ihr Gebet

Unser Gebet macht einen Unterschied – wie viel es unseren verfolgten Geschwistern bedeutet, lesen Sie hier

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