Persönliche Berichte

Nordkorea: „Zuerst einmal geht es darum, zu überleben“

Einblicke in die Herausforderungen eines Mitarbeiters an der Grenze zu Nordkorea

(Open Doors, Kelkheim) – Bei einem Missionseinsatz in Macau (China) vor vielen Jahren traf Peter* erstmals auf nordkoreanische Christen. Ihre drastischen Schilderungen über die dramatische Versorgungslage in ihrer Heimat berührten ihn zutiefst. Damals betete er inständig um „eine Gelegenheit, den hungernden Menschen in Nordkorea zu dienen“. Heute, nach zehn Jahren im Dienst mit Open Doors, geben er und sein Kollege Matthew* im Interview Einblicke in ihre Arbeit.

Straßenszene in einem chinesischen Dorf nahe der Grenze zu Nordkorea (Symbolbild)
Straßenszene in einem chinesischen Dorf nahe der Grenze zu Nordkorea (Symbolbild)

Wie sieht eure Arbeit mit Nordkoreanern aus?

„Das Erste ist die Begegnung mit den Nordkoreanern.“ Peter schildert, wie Kontakte mit nordkoreanischen Besuchern auf der chinesischen Seite der Grenze zustande kommen, Beziehungen entstehen und sich viele für das Evangelium öffnen. „Wenn die Besucher nach Nordkorea zurückkehren, packen wir ein paar kleine Dinge ein, die sie gebrauchen können. Manche kommen wieder zu uns nach China zurück und dann treffen wir uns. Wenn ihr Glaube wächst, werden einige zu Leitern der Untergrundkirche in Nordkorea.“

Ein weiterer Bereich ist die Versorgung von Notleidenden mit Lebensmitteln, immer verbunden mit dem Angebot des Evangeliums von Jesus. So erklärt Peter: „Wir versuchen sie materiell und geistlich so auszustatten, dass sie ihr Leben in Nordkorea fortsetzen können, ohne zu oft nach China kommen zu müssen.“ Und dann ist da die Hilfe für nordkoreanische Christinnen und ihre Familien, die Opfer des Menschenhandels geworden sind: „Immer wieder werden nordkoreanische Frauen gegen ihren Willen an chinesische Haushalte verkauft, um dort zu heiraten und Kinder zu bekommen. Viele von ihnen werden später nach Nordkorea zurückgeschickt, wobei sie ihre Kinder zurücklassen müssen. Wir versuchen, diese Kinder zu unterstützen, indem wir ihnen Stipendien geben und ihnen helfen, im Glauben zu wachsen.“

Was ermutigt euch?

„Was mich besonders ermutigt, sind meine Mitarbeiter“, sagt Peter. Sie sind selbst großen Gefahren und Schwierigkeiten ausgesetzt. „Trotzdem versuchen sie beständig, Kontakt zu den nordkoreanischen Brüdern und Schwestern aufzunehmen, die sie vor Monaten oder Jahren unterrichtet haben, um zu sehen, wie es ihnen geht. Diese Hingabe macht mich glücklich und ermutigt mich für meinen Dienst.“

Was bedeutet es für euch, von den Christen im Untergrund in Nordkorea zu hören?

„Es bedeutet mir sehr viel. In einem geistlich so dürren Land riskieren sie ihr ganzes Leben, um als geheime Christen zu leben“, meint Peter und erzählt, wie diese Christen manchmal kaum etwas darüber wissen, wie man Gottesdienste feiern oder welche Worte man zum Beten benutzen kann. „Aber wenn sie beten, dann legen sie alles vor dem Herrn des Himmels nieder. So wird ihre Anbetung manchmal auch zu einer positiven Herausforderung für mich.“

Möchtet ihr etwas zu den Christen sagen, die eure Arbeit unterstützen?

„Ich glaube, dass Nordkorea zu Gottes Zeitpunkt ein Ort sein wird, an dem Jesus Christus frei angebetet wird. Bis zu diesem Tag betet bitte weiter mit uns, denn wir brauchen euer Gebet für Nordkorea. Es ist ein Land der Trübsal und des Schmerzes“, sagt Peter. Und Matthew ergänzt: „Manchmal fühle ich mich plötzlich sehr ermutigt und gestärkt, was sich mit menschlichen Gedanken nicht erklären lässt. Dank eurer Gebete sind wir in der Lage, unsere Arbeit fortzusetzen, und wir können hier überleben.“

Wie können wir für die Christen in Nordkorea und für euch beten?

  • Betet, dass sich die Verfolgung in den Klang des Lobes verwandelt und Lobpreis das Land erfüllt.
  • Betet für die Menschen, die sich zu Jesus als ihrem Herrn bekennen, dass sie Tag für Tag gestärkt werden.
  • Betet für die Mitarbeiter in der Grenzregion. Es ist schwer für uns, hier längerfristig zu wohnen. Viele werden ausgewiesen oder müssen der Ausweisung zuvorkommen, um ein Einreiseverbot zu vermeiden. Wir brauchen aber eine Lebensgrundlage, wir müssen erst einmal überleben können, bevor wir einen Dienst aufnehmen.
  • Betet um mehr Mitarbeiter. Für all die Projekte brauchen wir vorsichtige, sensible und gut ausgebildete Leute. Viele werden ausgewiesen, angegriffen oder sogar getötet. Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenige Arbeiter.

 

*Name geändert

Vielen Dank für Ihr Gebet

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