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Tadschikistan: Empfindliche Strafen für Bibelübersetzung

Behördliche Repressionen beeinträchtigen kirchliches Leben

(Open Doors, Kelkheim) – Vier Leiter protestantischer Kirchen sind wegen ihres Einsatzes für die Erstellung einer neuen Bibelübersetzung zu empfindlichen Geldstrafen verurteilt worden. Sie wurden im Lauf der vergangenen Monate verhängt und unterstreichen die repressive Haltung der Regierung im Bereich der Religionsfreiheit. Auch ein an der Übersetzung beteiligtes Unternehmen wurde unter Druck gesetzt.

Zu Beginn der 1990er-Jahre wurde die Bibel erstmals vollständig in Tadschikisch übersetzt.
Zu Beginn der 1990er-Jahre wurde die Bibel erstmals vollständig in Tadschikisch übersetzt.

Verfügbare Bibelübersetzung enthält Mängel

Das islamisch geprägte Tadschikistan gestattet religiöse Aktivitäten ausschließlich in staatlich genehmigten und überwachten Einrichtungen. Nur ca. 70.000 der 9,3 Mio. Einwohner Tadschikistans sind Christen. Seit den Parlamentswahlen 2015 haben die Behörden den Druck auf sie weiter erhöht, was sich in einer Zunahme von Razzien bei Versammlungen und Verhören von Christen auswirkte. In den 1990er-Jahren wurde in einer Phase relativer politischer Offenheit die erste tadschikische Bibelübersetzung erstellt. Tadschikische Christen monierten jedoch immer wieder die teilweise „archaische“ Sprache und unklare Passagen, so dass vier geistliche Leiter im vergangenen Jahr die Initiative für eine verbesserte Übersetzung ergriffen. Gegen die Männer wurden Geldstrafen zwischen 7.000 und 11.000 Somonis (ca. 640 bis 1.000 Euro) verhängt, „weil sie eine Übersetzung der Bibel ins moderne Tadschikisch veranlasst hatten.“ Das gab ein einheimischer Christ, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben will, gegenüber der in Oslo ansässigen Menschenrechtsorganisation Forum18 an. „Das sind riesige Bußgelder, da eine durchschnittliche monatliche Kollekte in einigen dieser Kirchen etwa 500 Somonis beträgt“, so die Person weiter. Der durchschnittliche Monatslohn in Tadschikistan liegt bei etwa 1.500 Somonis.

Kirchen und Christen als „ausländische Elemente“ betrachtet

An den Übersetzungsarbeiten beteiligt ist unter anderem das tadschikische „Linguatech-Centre“. Auch das Unternehmen geriet durch das Projekt ins Visier der Behörden und erhielt im Oktober Besuch vom staatlichen „Komitee für religiöse Angelegenheiten und die Regulierung von Traditionen, Zeremonien und Ritualen“, bekannt als SCRA. Für Linguatech blieb die Visite jedoch zunächst ohne konkrete Folgen, wie Direktor Kholmakhmad Rajabov gegenüber Forum18 mitteilte: „Wir wurden in keiner Weise bestraft. Wir wurden nur verwarnt, weil wir religiöse Texte übersetzen, aber die SCRA nicht, wie es das Religionsgesetz vorschreibt, im Voraus benachrichtigt hatten.“ In Tadschikistan erfordert die Herstellung, Verteilung, Einfuhr oder Ausfuhr religiöser Literatur und Gegenstände religiöser Natur sowie die Organisation religiöser Aktivitäten eine staatliche Genehmigung.

„Die Behörden wollen keine tadschikischen Kirchen. Deshalb üben sie mit Bußgeldern und anderen Strafen Druck auf sie aus. Sie wollen uns müde machen und zum Aufgeben drängen“, sagte die einheimische Kontaktperson gegenüber Forum18. „Beamte des SCRA sagen uns, dass Christen und Kirchen in Tadschikistan ein ‚ausländisches Element‘ seien.“

Auf dem Weltverfolgungsindex 2020 steht Tadschikistan an 31. Stelle unter den Ländern, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

Quellen: Forum18, Open Doors

Bitte beten Sie für die Christen in Tadschikistan:

  • Beten Sie für die Initiatoren der neuen Bibelübersetzung, dass sie die auferlegten Strafen bewältigen können und sich nicht entmutigen lassen.
  • Beten Sie, dass Jesus auf seine Weise die nötige Überarbeitung der tadschikischen Bibelübersetzung möglich macht.
  • Beten Sie, dass Jesus die tadschikische Gemeinde stärkt, so dass sie ihren Glauben weiterhin mutig ausleben und das Evangelium verbreiten.
  • Beten Sie für die Behörden, dass sie alle Vorurteile gegenüber den Christen ablegen und ihnen mit Wohlwollen begegnen.

 

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