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Verprügelt, verlassen, verhört

Die 35-jährige Nadereh* aus dem Iran ist seit neun Jahren Christ. Weil sie den Islam verlassen hat, wurde sie von ihren Eltern und Brüdern verprügelt.

Nadereh ist nicht verheiratet und lebt allein in ihrer Wohnung, die gleichzeitig eine Hausgemeinde für ehemalige Muslime ist. Vom Evangelium hörte sie von einem Studienfreund, doch sie lehnte vehement die christliche Lehre von der Dreieinigkeit Gottes (Vater, Sohn und Heiliger Geist) ab. Doch dann hatte sie mehrere, aufeinanderfolgende Träume.

Im ersten Traum sah sie Jesus auf einem Berg sitzen. Er sagte zu ihr: "Wenn du hungrig bist, dann komm zu mir und ich werde dir Essen geben." In der folgenden Nacht sah sie Jesus in leuchtenden Kleidern; er strahlte so hell, dass sie ihn nicht anschauen konnte. In einem weiteren Traum ging Jesus auf dem Wasser; er streckte seine Hand nach ihr aus und deutete ihr, dass auch sie kommen sollte.

Nadereh erzählte ihrem Freund von diesen Träumen und er zeigte ihr einige Stellen im Neuen Testament, die von solchen Begebenheiten erzählen. Sie war geschockt, denn sie hatte zuvor noch nie ein Neues Testament gesehen, geschweige denn, darin gelesen. Sie war früher eine sehr begeisterte Muslima. In ihrer Heimatstadt galt sie als streng religiöse Anhängerin des Islam. Sie gab Islamstunden für Kinder in ihrer Nachbarschaft und viele Menschen suchten bei ihr Rat und Hilfe.

Nachdem sie vor neun Jahren Christin wurde, las sie nur im Schein ihrer Taschenlampe unter ihrer Bettdecke das Neue Testament. Eine ihrer Schwestern, mit der sie das Zimmer teilte, kroch neugierig eines Tages zu ihr und sie lasen gemeinsam in der Bibel. Auch ihre Schwester wurde Christin. Nach und nach kamen drei ihrer Schwestern zum christlichen Glauben. Doch sie lebten in der ständigen Angst, ihre Eltern könnten entdecken, dass sie den Islam verlassen haben.

Verprügelt, verlassen, verhört
Dann entdeckten ihre Eltern ihre Konversion. Sie und ihre Brüder verprügelten und folterten Nadereh in den nächsten Wochen mehrere Male. Ihre Familie war verärgert, denn sie hatte Schande über sie gebracht. Also verließ Nadereh ihre Familie und zog weg. Als Muslima hatte sie einen guten Job, sie war eine Managerin. Doch als herauskam, dass sie Christin ist, verlor sie ihre Leitungsposition und wurde an eine schlechter bezahlte Stelle versetzt. In einem offiziellen Brief teilte die Firmenleitung den Kollegen mit, warum sie versetzt wurde: Sie sei unrein. Niemand dürfe mehr mit ihr sprechen, sie berühren, mit ihr essen und jeglicher Kontakt zu ihr müsse vermieden werden. Zudem erhielt sie aller zwei Monate Besuch von der Sicherheitspolizei. Die Beamten drohten ihr mit Folter, sie wollten genau wissen, was sie tut und mit wem sie Kontakt hat. Aber Nadereh verriet niemanden.

Bei ihren Kollegen blieb sie weiterhin eine geschätzte Kollegin, denn sie war bekannt für ihren liebevollen Umgang mit Menschen. Deshalb besuchten sie einige weiterhin zu Hause. "So hatte ich Gelegenheit, über meine Situation zu sprechen und eben auch darüber, was mir Jesus bedeutet. Einige stellten mir Fragen über das Christentum", erzählt sie. In ihrer kleinen Hausgemeinde ist sie verantwortlich für den Lobpreis und im Frauendienst involviert. "Viele ehemalige Muslima fühlen sich einsam und brauchen Hilfe und Beistand. Sie fühlen sich wie Bürger 2. Klasse", sagte Nadereh. Vier drogenabhängige Frauen sind neu zur Gemeinde hinzugekommen, um die sich die 35-jährige nun kümmert und ihnen hilft, ihr Leben zu meistern.

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