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(Open Doors, Kelkheim) – Im zentralen Hochland von Vietnam gerät eine 2025 entstandene christliche Gemeinde immer stärker unter Druck. Seitdem die Behörden im vergangenen August von der Existenz der Gruppe erfahren haben, versuchen sie durch Drohungen, umfassende Kontrolle und Schikanen ihre Treffen zu unterbinden. Einige Christen haben sich deshalb zurückgezogen, andere halten unbeirrt am Glauben fest.
Im Februar 2025 begann A Giang*, Pastor und Angehöriger einer der lokalen Volksgruppen, das Dorf gemeinsam mit seiner Frau zu besuchen. Die Bewohner verehrten Ahnen und beteten zahlreiche Götter an. Auf die Verkündigung des Evangeliums hin entschlossen sich 43 Dorfbewohner, Jesus nachzufolgen. Einer von ihnen, A Mung*, stellte sein Haus für gemeinsame Treffen zur Verfügung.
Im August 2025 wurden die lokalen Behörden auf die Zusammenkünfte aufmerksam. Polizisten und Sicherheitsbeamte suchten daraufhin Christen in ihren Häusern auf, sprachen Drohungen aus und verboten jegliche christliche Versammlung im Dorf. Seit Oktober 2025 kam es während der sonntäglichen Gottesdienste mehrfach zu Razzien. Polizisten verhörten Teilnehmer und sprachen weitreichende Drohungen aus: Sollten die Versammlungen weitergehen, werde man A Mungs Haus abreißen; Christen würden ihre Sozialleistungen verlieren [darunter den Status als bedürftiger Haushalt, die Krankenversicherung und andere staatliche Unterstützungsleistungen]. Der anwesende Pastor Giang wurde des Dorfes verwiesen und aufgefordert, nur in dem für ihn offiziell registrierten Gebiet zu predigen.
Zum Hintergrund: Die vietnamesische Regierung hat in den Jahren 2024 und 2025 durch neue gesetzliche Maßnahmen die staatliche Kontrolle über religiöse und ethnische Gruppen verschärft. Religiöse Versammlungen müssen demnach an offiziell genehmigten Orten stattfinden, wofür ein Nachweis über die rechtmäßige Nutzung der Räumlichkeiten erforderlich ist. Religiöse Gruppen sind zudem verpflichtet, ihre Aktivitäten zu registrieren, detaillierte Finanzberichte vorzulegen – insbesondere über ausländische Spenden – und Änderungen in Bezug auf Personal oder Standort unverzüglich zu melden.
Seit kurzem verfolgen die Behörden in dem Dorf jedoch eine neue Strategie: Ein lokaler Partner von Open Doors berichtet, dass Polizeibeamte regelmäßig ohne Durchsuchungsbefehl A Mungs Haus betreten, die Räume und sein Eigentum inspizieren sowie ein- bis zweimal pro Woche lange „Gespräche“ von ein bis zwei Stunden Dauer mit ihm führen. „Sie sagen, sie wollten sich nur mit mir unterhalten, aber jeder weiß, dass es uns Angst einjagen soll“, sagt A Mung. Die Behörden haben zudem seine Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Für jede weitere Reise muss er angeben, wohin er fährt, wen er treffen will und warum.
Für seine Familie sind die Besuche eine große Belastung. „Anfangs hatten die Kinder große Angst“, erzählt er. „Sie verstanden nicht, warum Fremde plötzlich unser Haus betreten und sich so umsehen durften.“ Im Laufe der Zeit hat die Familie jedoch gelernt, die regelmäßigen Übergriffe zu ertragen und sie als Teil ihres Familienalltags zu betrachten. Dennoch bleibt das Gefühl, ständig beobachtet zu werden.
Infolge der Schikanen sank die Teilnehmerzahl bei den Treffen der Hauskirche von 17 auf mittlerweile 10 Christen. Die wiederholten Störungen haben A Mungs Haus von einem privaten Ort des Gebets und der Gemeinschaft in einen Raum verwandelt, in dem ständiger Druck herrscht.
Vietnam wird nicht auf dem Weltverfolgungsindex 2026 gelistet – anders als in den vergangenen zehn Jahren. Es zählt jedoch weiterhin zum Kreis der Länder mit einem hohen Maß an Christenverfolgung.
*Name geändert
Quelle: Open Doors
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