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(Open Doors, Kelkheim) – Am 2. November feierte die Familie des malaysischen Pastors Raymond Koh seinen 63. Geburtstag in seiner Abwesenheit – fast neun Monate nach seiner Entführung am 13. Februar [Open Doors berichtete]. Bis heute gibt es weder ein Lebenszeichen von ihm noch eine Lösegeldforderung. Die behördlichen Ermittlungen verliefen bislang ergebnislos, richten sich jedoch auch gegen Koh. Malaysias Ruf als liberales und tolerantes muslimisches Land wird zusätzlich getrübt durch den jahrelangen Rechtsstreit um die Verwendung des Wortes „Allah“ durch Christen.
Zwei Monate nach der Entführung erfuhr Kohs Ehefrau Susanna Liew von der Zielrichtung der polizeilichen Ermittlungen: „Ich habe immer dafür geworben, die Polizei einfach ihre Arbeit machen zu lassen, aber ich war schockiert und enttäuscht, als ich die Worte des Polizeichefs las.“ Der hatte in einem Interview mitgeteilt, dass man auch dem Verdacht nachgehe, Koh habe unter Muslimen für den christlichen Glauben geworben. „Jetzt wird gegen das Opfer ermittelt? Wie soll das helfen, ihn wiederzufinden und seine Entführer zur Rechenschaft zu ziehen?“, so Liew weiter. Bei einer Befragung zu den Vorwürfen verwies sie unter anderem darauf, dass ihr Mann Mitarbeiter seiner christlichen Hilfsorganisation angewiesen habe, nicht zur Bekehrung aufzurufen. „In unserer Einführung für freiwillige Helfer haben wir ihnen gesagt, dass wir nicht über Religion sprechen können.“ Es habe ihres Wissens auch nie Beschwerden in dieser Hinsicht gegeben.
Bereits vor neun Jahren begann der Einsatz der malaysischen Christin Jill Ireland für ihr Recht – und damit das Recht aller Christen im Land –, das arabische Wort „Allah“ für „Gott“ zu verwenden. Die juristische Auseinandersetzung entzündete sich an christlichen CDs, die Ireland im Jahr 2008 abgenommen worden waren. 2015 wies das Gericht die Behörden an, die CDs an Ireland zurückzugeben. Sie monierte jedoch, das Gericht sei nicht auf ihr verfassungsmäßiges Recht eingegangen, als Christin das Wort Allah zu nutzen. 60 % der malaysischen Christen sprechen die Hauptsprache des Landes, die „Allah“ als Standardwort für „Gott“ enthält. Irelands Anwalt wies darauf hin, dass die Einführung des Verbots durch die Regierung im Jahr 1986 ohne Rücksprache mit den Christen erfolgt sei und sowohl verfassungswidrig als auch diskriminierend sei. Auch nach Meinung internationaler Experten sei das Wort „Allah“ kein exklusiv islamisches Wort, auch wenn Muslime und Christen unterschiedliches Auffassungen seiner Bedeutung verträten.
In der Tat ist das Wort Allah älter als die Geschichte des Islam selbst. Von malaysischen Christen wurde es bereits vor der Staatsgründung Malaysias verwendet und ist Teil der gängigen Bibelübersetzungen.
Thomas Müller, Analyst von Open Doors, konstatiert: „Gleichgültig wie das Verfahren endet, werden die Christen immer mit dem Gefühl eines Damoklesschwertes leben; denn das Wort Allah ist längst zum politischen Kampfbegriff der islamischen Religionsbehörden und radikaler Gruppierungen geworden.“
Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors nimmt Malaysia aktuell Platz 31 unter den Ländern ein, in denen Christen weltweit wegen ihres Glaubens verfolgt werden.
Quellen: World Watch Monitor, Open Doors
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