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Ägypten: Gerichtsurteil lässt Christen hoffen

Mehrjährige Haftstrafen nach Angriff auf christliche Gemeinschaft verhängt

(Open Doors, Kelkheim) – Im oberägyptischen Verwaltungsbezirk al-Minya hat ein Gericht am 15. Juni zehn muslimische Männer schuldig gesprochen, im Mai 2016 einen Angriff auf die christliche Siedlung al-Karm verübt zu haben. Wie Christian Solidarity Worldwide (CSW) berichtet, verhängten die Richter fünfjährige Haftstrafen für die Beklagten. Das Urteil ist im islamisch dominierten Ägypten ein höchst ungewöhnliches Beispiel dafür, dass Behörden sich schützend vor die Christen stellen.

Symbolbild: Christen in Ägypten suchen Zuflucht bei Jesus
Symbolbild: Christen in Ägypten suchen Zuflucht bei Jesus

70-jährige Christin auf offener Straße entkleidet

Im Mai 2016 war es in al-Minya zu Unruhen gekommen, nachdem ein Muslim den 31-jährigen Christen Ashraf Attiya beschuldigt hatte, eine Affäre mit seiner Frau zu haben. Am 20. Mai hatte ein Mob daraufhin mehrere Häuser in der christlichen Siedlung gestürmt, darunter auch Attiyas Elternhaus. Dabei wurde seine 70-jährige Mutter Suad Thabet von den Angreifern auf die Straße gezerrt, verprügelt und in aller Öffentlichkeit vollständig entkleidet – in der herrschenden Kultur eine ungeheuerliche Demütigung. Im Dezember 2020 sprach ein Gericht drei Männer frei, die Suad Thabet wegen des Vorfalls verklagt hatte. Sie hatte daraufhin Berufung eingelegt. Das aktuelle Urteil könnte nach Einschätzung von CSW nun dazu führen, dass auch sie schuldig gesprochen werden.

Die des Ehebruchs beschuldigte Muslima hatte die Affäre vehement abgestritten und erklärt, ihr Ehemann hätte lediglich einen Vorwand gesucht, um eine kostenlose Scheidung ohne weitere Verpflichtungen ihr gegenüber zu ermöglichen.

„Versöhnungsräte“ verhindern Gerechtigkeit

Besonders in Mittel- und Oberägypten werden Christen immer wieder von Mobs angegriffen. Gerüchte über angebliche Blasphemie oder den Bau einer neuen Kirche führen sehr schnell zu Gewaltausbrüchen. Die lokalen Behörden greifen häufig auf den Brauch des sogenannten „Versöhnungsrats“ zurück. Nach Angriffen auf Christen oder Kirchen zwingen die (örtlichen) Behörden die betroffenen Christen oft dazu, vor einem solchen Versöhnungsrat zu erscheinen und von einer Strafanzeige gegen ihre Angreifer abzusehen. Sie müssen den Beschlüssen des Rates zustimmen, die meistens den Tätern zugutekommen und auf Kosten der christlichen Opfer gehen. Manchmal werden die Christen sogar gezwungen, ihre Häuser zu verkaufen und ihr Dorf zu verlassen. Dadurch entsteht ein Klima der Straflosigkeit, das weitere Angriffe begünstigt.

Vor diesem Hintergrund ist das jüngste Gerichtsurteil eine positive Überraschung. Die meisten Täter bleiben nach Angriffen auf Christen ungestraft oder die Gerichtsverfahren ziehen sich über Jahre hin. Warum es im vorliegenden Fall tatsächlich zu einer Verurteilung der Angreifer kam, erklärt ein lokaler christlicher Leiter gegenüber Open Doors: „Dieser Fall hat einen Aufruhr in den sozialen Medien ausgelöst. Besonders der schändliche Angriff auf die ältere Dame ist in der ägyptischen Kultur inakzeptabel; so etwas wird verurteilt und sorgt auch fünf Jahre später noch für Ärger“, sagte er und vermutet: „Das könnte die Justizbehörden und das Büro des Generalstaatsanwalts dazu gezwungen haben, auf ein akzeptables Urteil zu drängen. Es ist jedoch noch ein langer Weg, bis Christen Gerechtigkeit für die kleinen Belästigungen und Konflikte erhalten, denen sie täglich ausgesetzt sind“, sagte er.

Auf dem Weltverfolgungsindex 2021 steht Ägypten an 16. Stelle der Länder, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

Quelle: CSW, Open Doors

Bitte beten Sie für die Christen in Ägypten:

  • Danken Sie für das klare Gerichtsurteil und beten Sie, dass es eine positive Signalwirkung für die Christen entfaltet.

  • Beten Sie um Schutz vor Vergeltungsaktionen gegen die Christen infolge des Urteils.

  • Beten Sie, dass die Christen in dörflichen Regionen insbesondere in Oberägypten sich nicht einschüchtern lassen, sondern im Glauben stark bleiben und Jesus freimütig bezeugen.

Vielen Dank für Ihr Gebet

Unser Gebet macht einen Unterschied – wie viel es unseren verfolgten Geschwistern bedeutet, lesen Sie hier

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