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Ägypten: Übergriffe verzögern Registrierung von Kirchen

Immer wieder Angriffe auf Kirchen und Privatbesitz / Behörden bleiben oftmals untätig

(Open Doors, Kelkheim) – Im August 2016 verabschiedete die ägyptische Regierung ein Gesetz, das den Neubau und die Renovierung von Kirchen erleichtern sollte. Gewaltsame Proteste lokaler Muslime wie zuletzt in der Provinz Minya haben jedoch gezeigt, dass die gesetzlichen Regelungen nicht ausreichen, um Christen eine freie Ausübung ihres Glaubens zu ermöglichen.
 

Neubau einer koptischen Kirche in Kom El-Loufy
Symbolbild: Neubau einer koptischen Kirche in Kom El-Loufy

„Wir wollen keine Kirche in unserem Dorf!“

Etwa 20 Prozent der Bewohner des Dorfes Ezbet Sultan Pasha in der Provinz Minya sind Christen. Die einzige Kirche des Dorfes ist bislang nicht offiziell anerkannt, da dies bis zum Erlass des Gesetzes aus dem Jahr 2016 faktisch unmöglich war. Im vergangenen Juli verbreitete sich im Dorf die Nachricht, die Christen hätten die offizielle Registrierung ihrer Kirche beantragt. Daraufhin kam es mehrfach zu teilweise gewalttätigen Protesten der Muslime. Bei der jüngsten Protestwelle am 24. August – der vierten seit Juli – griff ein aufgebrachter Mob die Kirche an und bewarf sie mit Steinen. Dabei wurden einige Überwachungskameras zerstört. Malak Fayez, ein ortsansässiger Christ, berichtet:

„Sie zogen dann weiter zu dem alten Haus, in dem wir (derzeit) beten, und warfen weiterhin Steine darauf und auf einige Häuser von Kopten nebenan. Dabei wurden einige der Fassaden beschädigt. Die ganze Zeit schrien sie ‚Allahu akbar‘ und skandierten feindselige Parolen gegen die Kirche und die Kopten, wie zum Beispiel: ‚Wir wollen keine Kirche in unserem Dorf‘ und ‚Wir erlauben dir nicht, oh Ungläubiger, an irgendeinem Ort in unserem Dorf zu beten‘. Unterdessen waren die Kopten in ihren Häusern gefangen.“

Herbeigerufene Sicherheitskräfte zerstreuten die Menschenmenge und verhafteten drei Demonstranten, diese wurden jedoch am Folgetag wieder auf freien Fuß gesetzt.

Sicherheitskräfte müssen Registrierung zustimmen

Zu ähnlichen Übergriffen kommt es in Ägypten immer wieder, etwa im oberägyptischen Luxor. Gegenüber dem Nachrichtendienst World Watch Monitor kommentierte ein Beobachter von dort: „Solche muslimischen Mobs, die die Schließung von Kirchen im Prozess der Legalisierung erzwingen, tyrannisieren nicht nur die Christen, sondern auch den Staat. Die fehlende Anwendung des Gesetzes hat eine Gruppe von Hardlinern hervorgebracht, die faktisch über dem Gesetz stehen.“

Tatsächlich scheint der Legalisierungsprozess der Kirche in Ezbet Sultan Pasha zum Stillstand gekommen zu sein. „Das neue Gesetz verlangt die Zustimmung des Gouverneurs und der Sicherheitskräfte. Letztere verweigern jedoch ihre Zustimmung, da die Sicherheitslage dies angeblich nicht zulasse; immerhin musste die Polizei die Kirche schließen“, erklärt ein lokaler Christ die Situation.

Zum Zeitpunkt des Gesetzerlasses warteten 3.500 Kirchen auf eine Legalisierung. Während im Jahr 2018 etwas mehr als 200 Registrierungen erteilt wurden, zeigt das Beispiel aus Ezbet Sultan Pasha, auf welche Schwierigkeiten die Christen in der Praxis treffen.

Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors rangiert Ägypten aktuell an 17. Stelle unter den Ländern, in denen Christen wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

Quellen: Open Doors, World Watch Monitor

Bitte beten Sie für die Christen in Ägypten:

  • Danken Sie für alle bislang erteilten Registrierungen von Kirchen.
  • Beten Sie für die christliche Gemeinschaft in Ezbet Sultan Pasha, dass Jesus ihr seinen Frieden schenkt und sie bewahrt.
  • Beten Sie für die Behörden und Sicherheitskräfte, dass sie die Christen schützen und die Registrierung von Kirchen fördern.

 

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