Länderprofil Ägypten

Ägypten

17
Weltverfolgungsindex
2018
Flagge Ägypten
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Arabische Republik
Platz Vorjahr
21
ISO
EG
Karte Ägypten
Karte Ägypten
Christen
9,52
Bevölkerung
95.22
Islamische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Privatleben: 11.300
Familienleben: 12.800
Gesellschaftliches Leben: 12.200
Leben im Staat: 11.700
Kirchliches Leben: 9.500
Auftreten von Gewalt: 12.400
Länderprofil Ägypten

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

70 Punkte / Platz 17 (WVI 2017: 65 Punkte / Platz 21)

Von wem Verfolgung ausgeht

Christen sind in Ägypten eine Minderheit in einem Land, in dem fast 90 % der Bevölkerung dem Islam angehören. Vorurteile und Voreingenommenheit gegenüber Christen in Ägypten haben eine lange Geschichte und Christen im Land wurden seit dem Aufkommen des Islam in der Region als Bürger zweiter Klasse behandelt. Diese gesellschaftliche Ausgrenzung und Marginalisierung hat sich noch verschlimmert, seitdem islamistische Gruppen vor allem im 20. Jahrhundert im Land aktiv wurden. Der Einfluss solcher Gruppen hat die alltägliche Verfolgung verschärft, die sich gegen Christen in ihrem Dorf, in ihrer Nachbarschaft und am Arbeitsplatz richtet. Seitdem der islamistische Präsident Mohammed Mursi im Juli 2013 von der Armee abgesetzt wurde, sind islamistische Gruppen bei ihren Angriffen gegen Christen, denen sie vorwerfen, seine Absetzung unterstützt zu haben, noch gewalttätiger geworden. Der „Islamische Staat“ (IS) speziell in Ägypten hat geschworen, Krieg gegen Christen zu führen, und mehrere gewalttätige Angriffe gegen Christen in verschiedenen Teilen des Landes ausgeführt. Neben islamistischen Gruppen und der breiteren Gesellschaft tragen die geringe Wertschätzung des ägyptischen Staats für Grundrechte wie Religionsfreiheit und die weit verbreitete Korruption im Land zur Verfolgung von Christen bei.

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen

Ägyptische Christen leiden auf unterschiedliche Weise unter Verfolgung. Christen mit muslimischem Hintergrund haben große Schwierigkeiten, ihren Glauben zu leben, da sie enormem Druck vonseiten ihrer (Groß-)Familie ausgesetzt sind, zum Islam zurückzukehren. Der Staat macht es ihnen zudem fast unmöglich, eine offizielle Anerkennung ihres Glaubenswechsels zu erhalten. Alle Christen haben Schwierigkeiten, einen Ort für gemeinsame Gottesdienste zu finden oder zu bauen. Die Schwierigkeiten ergeben sich sowohl aus staatlichen und administrativen Restriktionen als auch aus Feindseligkeit vonseiten der Gesellschaft und gelegentlich gegen christliche Kirchen gerichteter Gewalt. Christen sind an ihrem Arbeitsplatz und im Alltag im öffentlichen Raum mit Diskriminierung und Übergriffen konfrontiert, insbesondere christliche Frauen. Die Lehren extremistischer Imame, die zu Feindseligkeit und Gewalt gegen Christen aufhetzen, tragen ebenfalls zum Leiden der Christen bei, da diese oft sehr negativ dargestellt werden. Dies verursacht vor allem bei Kindern psychische Traumata. Darüber hinaus haben im vergangenen Jahr mehrere gewalttätige Angriffe, die auf Christen abzielten, viele Christen getötet und verletzt.

Beispiele

  • Am 19. Juli 2017 wurde ein christlicher ägyptischer Soldat bei der Al-Salaam-Spezialeinheit zu Tode geprügelt. Berichte legen nahe, dass er getötet wurde, weil er der Anweisung seines Vorgesetzten, seine Tattoos von einem Kreuz und christlichen Heiligen zu entfernen, nicht Folge leistete.
  • Mehr als 1.600 Christen leben in dem Dorf Kom El-Loufy in al-Minya. Seit fünf Jahren können sie ihre Kirche nicht wiedereröffnen oder eine neue bauen, weil sie erbitterter Feindseligkeit vonseiten der lokalen muslimischen Bevölkerung ausgesetzt sind und die Behörden sich weigern, die nötige Genehmigung zu erteilen. Mehrere Häuser von Christen wurden niedergebrannt, da der Verdacht bestand, sie könnten als Versammlungsorte für Gottesdienste genutzt werden.
  • Am 25. Mai 2017 wurden 30 Christen (nach anderen Berichten 35) von bewaffneten Angreifern auf dem Weg zum Kloster St. Samuel in Minya getötet. 28 weitere Christen wurden verletzt. Bevor sie das Feuer eröffneten, versuchten die Angreifer, ihre Opfer dazu zu bringen, zum Islam zu konvertieren.
  • Durch zwei Selbstmordanschläge auf Kirchen in Tanta und Alexandria am 9. April 2017 (Palmsonntag) starben 45 Menschen und 100 weitere wurden verletzt. Der IS bekannte sich zu dem Anschlag.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit 70 Punkten steht Ägypten auf Platz 17 des Weltverfolgungsindex (WVI) 2018. Das entspricht einem Anstieg von 5 Punkten gegenüber dem vergangenen Berichtszeitraum. Der deutliche Anstieg der Punktzahl ist auf den insgesamt gestiegenen Druck in allen (für den WVI untersuchten) Lebensbereichen zurückzuführen. Die Punktzahl für den Bereich „Auftreten von Gewalt“ bleibt extrem hoch (wenn auch niedriger als beim WVI 2017), bedingt durch die weit bekannt gewordenen gewalttätigen Angriffe auf Christen im Berichtszeitraum des WVI 2018. Die Angst und der Druck, die durch diese Anschläge in Verbindung mit einer Kampagne, die Christen in Schrecken versetzen soll, erzeugt wurden, haben sich auf fast alle Bereiche christlichen Lebens in Ägypten ausgewirkt.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Die Triebkraft „Islamische Unterdrückung“ hat in Ägypten viele Gesichter. Die islamische Kultur unterstützt eine Sichtweise in der ägyptischen Gesellschaft, wonach Christen als Bürger zweiter Klasse betrachtet werden. Diese Sichtweise verursacht die Diskriminierung von Christen im politischen Bereich und im Umgang mit staatlichen Behörden. Sie schafft zudem ein Umfeld, in dem der Staat nur widerwillig bereit ist, die Grundrechte der Christen anzuerkennen und durchzusetzen. Im Familienleben stehen Christen mit muslimischem Hintergrund unter großem Druck, ihren Glauben zu widerrufen. Auch vonseiten ihrer Nachbarschaft oder am Arbeitsplatz leiden Christen unter Islamischer Unterdrückung. Es gab zudem mehrere gewalttätige Angriffe extremistischer islamischer Gruppen, die auf Christen abzielten. Während sich die Aktivitäten solcher extremistischer Gruppen früher weitgehend auf die Sinai-Halbinsel konzentrierten, hat sich die Zahl der Angriffe dieser Gruppen in anderen Teilen des Landes im Berichtszeitraum des WVI 2018 erhöht.

Diktatorische Paranoia

Der traditionell autoritäre Führungsstil ist vielleicht die einzige Konstante in Ägyptens politischem System, das in nur drei Jahren, zwischen 2011 und 2014, drei Regimewechsel erlebte. Die jeweiligen Machthaber glichen sich in ihrem autoritären Regierungsstil. 2011 wurde die langjährige Diktatur Husni Mubaraks durch massive Proteste der Bevölkerung beendet, was schließlich zur umstrittenen Wahl der Muslimbruderschaft führte. Die von Mohammed Mursi geführte Regierung agierte nicht demokratisch und wurde 2013 durch einen nationalen Aufstand mit Unterstützung des Militärs abgesetzt. Gegenwärtig wird das Land von einer Zivilregierung unter dem früheren General Abd al-Fattah al-Sisi regiert, der bei der Präsidentschaftswahl im Mai 2014 an die Macht kam. Seine Regierung betrachtet die Einhaltung grundlegender Menschenrechte und demokratischen Pluralismus offenbar als nachrangig gegenüber den schwerwiegenden Herausforderungen in den Bereichen Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Sicherheit. In diesem Kontext ist Religionsfreiheit für Christen nicht vollständig gewährleistet.

Konfessioneller Protektionismus

Die Mehrheit der Christen in Ägypten sind koptisch-orthodoxe Christen. Viele von ihnen sehen evangelikale Christen als Gemeinschaft von Splittergruppen und Abweichlern, die sich gegen die Mutterkirche stellen. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass viele orthodoxe Christen die evangelikale Theologie für okkult halten. Evangelikale Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen werden von der orthodoxen Kirche nicht anerkannt. Es gibt sogar viele orthodoxe Bischöfe und Priester, die sich offen und aggressiv gegen die Theologie und die Aktivitäten der örtlichen evangelikalen Kirchen aussprechen und dagegen schreiben. Evangelistische Veranstaltungen, die von evangelikalen Gemeinden geplant werden, stoßen sowohl in Dörfern als auch in Städten auf heftigen Widerstand seitens der lokalen orthodoxen Kirchen. Diejenigen, die die orthodoxe Kirche verlassen, um sich einer anderen christlichen Gemeinde anzuschließen, sehen sich Druck und möglicherweise auch Ausgrenzung vonseiten ihrer Verwandten und Familienangehörigen ausgesetzt.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

Gewöhnliche Bürger, deren Ansichten von intoleranten und extremistischen Imamen geprägt sind, treiben die Verfolgung von Christen maßgeblich voran und sind für den größten Teil des Drucks verantwortlich, dem Christen in ihrem täglichen Leben in ihrer Nachbarschaft und bei der Arbeit ausgesetzt sind. Feindseligkeit aus der Gesellschaft und Vorurteile gegenüber Christen sind in den ärmeren und ländlichen Teilen Ägyptens stärker ausgeprägt. Extremistische islamische Hassprediger spielen auch eine entscheidende Rolle dabei, die Atmosphäre der Intoleranz aufrechtzuerhalten und Feindseligkeit gegenüber Christen zu schüren. Militante islamische Gruppen wie der „Islamische Staat“ (IS) tragen ebenfalls erheblich zur Verfolgung von Christen bei und sind für viele der gewalttätigsten und grausamsten Taten gegen Christen verantwortlich. Regierungsbeamte wirken ebenso als Verfolger, weil sie es versäumen, die Rechte der Christen zu verteidigen, und durch diskriminierende Handlungen die Grundrechte von Christen verletzen.

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

Regierungsbeamte, unter ihnen Justizbeamte, lokale Verwaltungsbeamte sowie Angehörige verschiedener Zweige des Sicherheitsapparates in Ägypten gehören hier zu den Verfolgern. Die Regierung von Präsident al-Sisi versucht, die Unterstützung durch die Mehrheit der Bevölkerung abzusichern und an der Macht zu bleiben. So hat die Regierung trotz gegenteiliger Versprechen die bestehenden Einschränkungen der Religionsfreiheit ägyptischer Christen beibehalten. Kirchliche Leiter werden vom Staat ständig überwacht.

4. Hintergrund

Im heutigen Ägypten gelten die Revolution gegen Präsident Mubarak im Jahr 2011 und die Absetzung seines Nachfolgers, Präsident Mursi, im Jahr 2013 als prägende Momente für die Nation. Die Neigung von Präsident Mursi, verschiedene politische Lager innerhalb des Landes von der Regierung und von Angelegenheiten des öffentlichen Interesses auszuschließen, sowie die weit verbreitete Auffassung, dass seine Regierung inkompetent sei, führten zu Volksdemonstrationen gegen seine Herrschaft. Letztendlich griff die Armee ein, verdrängte Präsident Mursi und ebnete den Weg für den Aufstieg des Feldmarschalls Abd al-Fattah al-Sisi zum neuen starken Mann Ägyptens. Von vielen Ägyptern wurde al-Sisi als Held gefeiert, der Ägypten aus den Klauen der Muslimbruderschaft rettete, während andere argumentieren, dass seine Herrschaft ein sicheres Zeichen für die Rückkehr Ägyptens in die alten Zeiten der von der Armee unterstützten Autokratie sei. Seit dem Machtantritt al-Sisis sind viele der führenden Persönlichkeiten der Muslimbruderschaft, darunter der ehemalige Präsident Mursi, inhaftiert, angeklagt und zum Tode oder zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Es wurde jedoch bisher keines der Todesurteile vollstreckt. Diese Maßnahmen haben die ägyptische Gesellschaft stark polarisiert, da die Muslimbruderschaft bei einem großen Teil der ägyptischen Gesellschaft beliebt ist.

Die Revolution gegen Mubaraks Regime hatte ihren Ursprung in einer Unzufriedenheit mit der sozioökonomischen Situation im Land und wurde vor allem von der Jugend der größeren Städte getragen. Etwa 40 % der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze von 2 US-Dollar pro Tag. Ägypten ist eines der neun Länder weltweit mit den höchsten Raten von Analphabeten; mehr als 30 % der Erwachsenen können nicht lesen oder schreiben. Die Regierung von Präsident al-Sisi hat einen ehrgeizigen Plan zur Wiederbelebung der ägyptischen Wirtschaft und zur Schaffung von dringend benötigtem Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätzen auf den Weg gebracht. Anfänglich fand der Plan der Regierung viele internationale Geldgeber, vor allem aus den ölreichen Golfstaaten, aber die politischen und sicherheitspolitischen Krisen in Ägypten und der umliegenden Region scheinen diese Bemühungen zunichte gemacht zu haben.

Der Islam ist die dominierende Religion in Ägypten. Schätzungsweise knapp 90 % der Bevölkerung sind Muslime, und praktisch alle ägyptischen Muslime sind sunnitische Muslime. Obwohl das Christentum tiefe Wurzeln in Ägypten hat, die Jahrhunderte vor das Aufkommen des Islam in Nordafrika zurückreichen, werden Christen im modernen Ägypten oft marginalisiert und als Bürger zweiter Klasse behandelt. Präsident al-Sisi hat Wissenschaftler der Al-Azhar-Universität (die sunnitischen Muslimen als das älteste und renommierteste Zentrum für fortgeschrittene islamische Studien gilt) aufgefordert, extremistische Lehren zu bekämpfen und Reformen in der islamischen Lehre einzuleiten. Vor allem in ländlichen und verarmten Gebieten gewinnen extremistische Imame und weniger tolerante Formen des Islam an Bedeutung. Die Regierung bemüht sich, diesem Trend entgegenzuwirken, war aber bisher nicht sehr erfolgreich. Die Umgebung ist Christen in Ägypten nach wie vor feindlich gesinnt.

Andere religiöse Gruppen, die in Ägypten Verfolgung erleben, sind schiitische Muslime, Bahai, Mormonen und Zeugen Jehovas. Besonders schiitische Muslime werden von extremistischen sunnitischen Kämpfern angegriffen, was es für sie gefährlich macht, ihren Glauben offen zu leben. Mormonen, Bahai und Zeugen Jehovas wird die Anerkennung durch die Behörden verweigert, was es ihnen erschwert, Gotteshäuser zu haben. Der missionarische Eifer und entsprechende Aktivitäten solcher Gruppen gelten als illegal und so sind die Anhänger sowohl vonseiten der Staatsbeamten als auch der Gesellschaft, einschließlich Ägyptern mit christlichem Hintergrund, mit Feindseligkeit konfrontiert.

5. Betroffene Kategorien von Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Die größte Kirche dieser Kategorie ist die koptische Gemeinschaft, deren Mitglieder größtenteils orthodox sind. Es gibt auch gut etablierte protestantische Gemeinschaften im gesamten Land. Die zahlenmäßig starke koptische Minderheit genießt trotz erheblicher Schwierigkeiten (wie Diskriminierung bei der Ausbildung, Gesundheitsversorgung und Gesetzgebung, die das Gemeindeleben erheblich einschränkt) ein gewisses Maß an Toleranz seitens des Staates und der muslimischen Bevölkerung aufgrund ihrer historischen Präsenz und Größe (von geschätzten 10-11 Millionen Mitgliedern). In den letzten Jahren hat sich die Lage jedoch verschlechtert, da auch Christen traditioneller Kirchen von ihren Nachbarn sowie islamisch-extremistischen Gruppierungen angegriffen wurden.

Christen muslimischer Herkunft (Konvertiten)

Es gibt eine kleine, aber wachsende Gemeinschaft von Christen muslimischer Herkunft, die die Hauptlast der Verfolgung tragen, zumeist durch die eigene Familie. Diese bestraft sie dafür, dass sie den Islam verlassen haben, oft durch physische Gewalt oder Vertreibung aus dem Haus. Sowohl Christen muslimischer Herkunft als auch koptische Christen sind im ganzen Land anzutreffen, letztere am stärksten in Oberägypten, Kairo und Alexandria. Das Maß an Verfolgung ist im gesamten Land etwa gleich stark. Christliche Konvertiten bilden häufig protestantische Freikirchen.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 11.300
Familienleben: 12.800
Gesellschaftliches Leben: 12.200
Leben im Staat: 11.700
Kirchliches Leben: 9.500
Auftreten von Gewalt: 12.400

Grafik: Verfolgungsmuster Ägypten

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster

  • Der Druck auf Christen hat sich in allen Lebensbereichen verstärkt, sodass der Durchschnittswert von 9,7 (beim WVI 2017) auf 11,5 Punkte angestiegen ist.
  • In allen Lebensbereichen außer im kirchlichen Leben (hoher Druck) ist der Druck auf Christen sehr hoch. Am stärksten ist der Druck in den Bereichen „Familienleben“ und „Gesellschaftliches Leben“.
  • Die Punktzahl für das Auftreten von Gewalt ist noch immer extrem hoch (12,4 Punkte), auch wenn sie niedriger ist als beim WVI 2017 (16,1 Punkte). Der Rückgang der Punktzahl ist auf eine geringere Anzahl von verhafteten Christen und beschädigten Kirchen zurückzuführen. Betrachtet man die Anzahl der getöteten Christen, hat sich die Situation im aktuellen Berichtszeitraum jedoch sogar verschlimmert.

Privatleben

Christen muslimischer Herkunft erfahren zu Hause starke Einschränkungen. Jegliche Form privaten Gottesdienstes ist für sie riskant und sie stehen unter großem Druck, an den täglichen islamischen Gebeten, am Fasten während des Ramadan und anderen Verpflichtungen des islamischen Glaubens teilzunehmen. Im Gegensatz zu Christen muslimischer Herkunft sind koptische Christen wenig oder gar keinem Druck in diesem Lebensbereich ausgesetzt.

Familienleben

Besonders in ländlichen Gebieten werden Christen muslimischer Herkunft vonseiten der (Groß-)Familie enorm unter Druck gesetzt, ihren christlichen Glauben zu widerrufen. Der Druck auf die große koptische Gemeinschaft ist in diesem Lebensbereich sehr viel niedriger, aber der Druck auf christliche Konvertiten kann sogar körperliche Übergriffe und Todesdrohungen beinhalten.

Gesellschaftliches Leben

Ägyptische Christen werden oft vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Feldforscher berichten, dass Christen konstant Diskriminierung in Bereichen wie Justiz, Bildung und der sozialen Grundversorgung erleben und grundsätzlich stärker von Armut betroffen sind. Darüber hinaus müssen sich Christen vermehrt mit „Gerichtsverhandlungen nach Gewohnheitsrecht“ auseinandersetzen, in denen meist Zwistigkeiten zwischen Muslimen und Christen verhandelt werden. In dieser alternativen Form der Rechtsprechung werden Christen in der Regel stark benachteiligt.

Leben im Staat

Die Religionsfreiheit wird vom Staat nicht aufrechterhalten und das ägyptische Rechtssystem ist gegenüber Nichtmuslimen voreingenommen. Es behandelt Christen, besonders Christen muslimischer Herkunft, als Bürger zweiter Klasse und schränkt ihre Möglichkeiten ein, ihren Glauben individuell und in Gemeinschaft zu leben und ihr Leben in Übereinstimmung mit ihrem Glauben zu führen.

Kirchliches Leben

Die Autonomie der Koptisch-Orthodoxen Kirche wird weitestgehend respektiert. Dennoch erleben Christen Hindernisse im Verwaltungsbereich, etwa bei Genehmigungen zum Bau oder der Renovierung von Kirchengebäuden. Diese Hindernisse sind noch schwieriger zu überwinden, seit 2016 ein Gesetz verabschiedet wurde, das provinziellen Behörden bei der Ausstellung von Baugenehmigungen, die auch für Kirchen benötigt werden, willkürliche Macht einräumt.

Auftreten von Gewalt

Auch wenn der Wert für das Auftreten von Gewalt niedriger ist als beim WVI 2017, sind gewalttätige Angriffe gegen Christen in Ägypten präsenter in den Medien. Auf der einen Seite gab es sowohl mehr Attentate von militanten Gruppierungen, die sich gegen Christen richteten, als auch mehr Tote bei diesen Anschlägen, auf der anderen Seite wurden weniger gewalttätige Angriffe von gewöhnlichen Bürgern registriert und es wurden weniger Christen verhaftet. Die Drohungen und Attentate von extremistischen Gruppen wurden wohlüberlegt inszeniert, um die christliche Gemeinschaft in Angst zu versetzen und die Aktivitäten der Kirchen zu stören. Einige Beispiele dieser Angriffe:

  • Am 12. Dezember 2016 starben etwa 30 Christen bei einem Selbstmordattentat auf die St.-Peter-und-Paul-Kirche in Kairo. Dutzende weitere wurden verletzt.
  • Im Februar 2017 veröffentliche der IS ein Propagandavideo mit dem Schwur, die koptischen Christen in Ägypten auszulöschen und „Kairo zu befreien“.
  • Durch zwei Selbstmordanschläge auf Kirchen in Tanta und Alexandria am 9. April 2017 (Palmsonntag) starben 45 Menschen und 100 weitere wurden verletzt. Der IS bekannte sich zu dem Anschlag.
  • Am 25. Mai 2017 wurden 30 Christen (nach anderen Berichten 35) von bewaffneten Angreifern auf dem Weg zum Kloster St. Samuel in Minya getötet. 28 weitere Christen wurden verletzt. Bevor sie das Feuer eröffneten, versuchten die Angreifer, ihre Opfer dazu zu bringen, zum Islam zu konvertieren.
  • Am 19. Juli 2017 wurde ein christlicher ägyptischer Soldat bei der Al-Salaam-Spezialeinheit zu Tode geprügelt. Berichte legen nahe, dass er getötet wurde, weil er der Anweisung seines Vorgesetzten, seine Tattoos von einem Kreuz und christlichen Heiligen zu entfernen, nicht Folge leistete.
  • Mehr als 1.600 Christen leben in dem Dorf Kom El-Loufy in al-Minya. Seit fünf Jahren können sie ihre Kirche nicht wiedereröffnen oder eine neue bauen, weil sie erbitterter Feindseligkeit vonseiten der lokalen muslimischen Bevölkerung ausgesetzt sind und die Behörden sich weigern, die nötige Genehmigung zu erteilen. Mehrere Häuser von Christen wurden niedergebrannt, da der Verdacht bestand, sie könnten als Versammlungsorte für Gottesdienste genutzt werden.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Frauen sind oft Belästigungen und sexuellen Übergriffen ausgesetzt; manche werden Opfer von Zwangsheiraten, u. a. nach Entführungen. Obwohl solche Missbräuche gängige Praktiken sind, die alle Frauen in Ägypten betreffen, gibt es Berichte, dass christliche Frauen besonders für Ehen nach Entführungen ins Visier genommen werden. Viele der christlichen Mädchen, die in eine Ehe gelockt werden, sind minderjährig und stammen aus wehrlosen Familien. Diese Art von Verfolgung verursacht Trauma und Schmerz in großem Ausmaß für christliche Familien und die christliche Gemeinschaft.

8. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Trotz des Ausnahmezustands, den die Regierung zur Bekämpfung der gewalttätigen Angriffe auf Christen ausgerufen hat, wird das Gefühl der Verwundbarkeit und Unsicherheit, das sich unter den Christen in Ägypten verbreitet hat, auf absehbare Zeit anhalten. Wenn die Angriffe islamisch-extremistischer Kämpfer fortdauern, wird sich der Druck auf die Christen in Ägypten noch erhöhen und die Fähigkeit der ägyptischen Kirche, diese Belastung zu bewältigen, bis an ihre Grenzen geprüft werden. Das Ausmaß, in dem solche Angriffe weitergehen oder zunehmen werden, wird den Verlauf der Verfolgungsdynamik in Ägypten bestimmen. Die gewaltfreien Formen der Verfolgung, die in verschiedenen Lebensbereichen vorherrschen, werden wahrscheinlich ohne große Veränderungen weitergehen.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Ägypten

  • Beten Sie für Christen muslimischer Herkunft, die aus ihrem Zuhause verstoßen wurden, weil sie den Islam verlassen haben. Beten Sie, dass Gott sie versorgt und ihre Herzen tröstet.
  • Beten Sie, dass Gott selbst die Anführer von islamistischen Gruppen zu Jesus führt und dass er sie für seine Zwecke einsetzt.
  • Bitte beten Sie für Christen, die in gesellschaftlichen, politischen und rechtlichen Belangen benachteiligt wurden, dass sie die Situation vertrauensvoll in die Hände Gottes legen.

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