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China: Öffentliche Datenbank erfasst Kirchenleiter

Immer mehr Systeme zur Überwachung und Regulierung religiöser Aktivitäten

(Open Doors, Kelkheim) – Das Staatliche Amt für Religiöse Angelegenheiten Chinas hat am 23. Mai ein neues „Abfragesystem für den islamischen, katholischen und christlichen Klerus“ freigeschaltet. Ziel des Systems ist es laut offiziellen Angaben, „die Offenheit der religiösen Angelegenheiten sowie die Identifizierung und Verwaltung von Geistlichen zu fördern“. Damit wächst jedoch gleichzeitig der Druck auf die Leiter der zahlreichen nicht registrierten Hauskirchen.

Service eines fürsorglichen Staates oder Überwachsungsinstrument? Die Einstiegsseite zur neuen Datenbank (Fotomontage)
Service eines fürsorglichen Staates oder Überwachsungsinstrument? Die Einstiegsseite zur neuen Datenbank (Fotomontage)

Lieber illegal als registriert

Die Online-Datenbank enthält Angaben wie Name, Foto und Kirchenzugehörigkeit aller Kirchenleiter, die bei einer der staatlich anerkannten religiösen Institutionen registriert sind; dies sind vor allem Gemeinden der Drei-Selbst-Kirche, einer Dachorganisation der protestantischen Kirchen. In einer Erklärung auf ihrer Website schreibt die Organisation, die Datenbank biete der Öffentlichkeit Informationen über „Geistliche, die nach geltendem Recht anerkannt und registriert wurden“. Die Nutzung der Datenbank – auch wenn es nur um eine Abfrage geht – setzt die Angabe der eigenen Handynummer voraus, kann also nicht anonym geschehen.

Bereits Anfang des Jahres wurden ähnliche Datenbanken für buddhistische und taoistische Geistliche eingeführt, um unter anderem „Betrugsfälle im Zusammenhang mit falschem religiösen Personal zu bekämpfen“, wie es hieß. Yuhua* erforscht als lokale Kontaktperson von Open Doors die Situation der Christen in China und ordnet die neue Datenbank so ein: „Es mag den Anschein erwecken, als biete das System den Kirchen Schutz, aber in Wirklichkeit werden alle ihre Aktivitäten überwacht. Ein Hauskirchenleiter geht lieber das Risiko ein, als ‚illegales religiöses Personal‘ abgestempelt zu werden, als sich in dem System zu registrieren.“

Viele Mosaiksteine bilden ein zunehmend restriktives Umfeld

Laut Thomas Müller, Analyst bei „World Watch Research“ von Open Doors, wären die Folgen jedoch zunächst eher indirekter Natur: „Es könnte zum Beispiel Bemühungen zur Verbreitung des Evangeliums ‚ausbremsen‘, wenn die Zuhörer anfangen, erst einmal in der Datenbank nachzuschauen, ob die Pastoren registriert sind“, sagte er und fügte hinzu: „Sie ist jedoch ein weiterer Mosaikstein in einem für Christen zunehmend restriktiven Umfeld.“

Dazu gehören auch immer neue Auflagen für Gemeinden, wie jüngst in der Provinz Zhejiang, wo Kirchen verpflichtet wurden, für den Kommunismus zu werben – immerhin eine Ideologie, die die Existenz Gottes leugnet. Im März wurden Christen in einigen Teilen der Provinz Henan mit einer „Smart Religion App“ konfrontiert, die von ihnen verlangt, sich zu registrieren, bevor sie eine kirchliche Versammlung besuchen. Immer wieder geraten christliche Leiter ins Visier der Behörden, wobei es zu den unterschiedlichsten Anschuldigungen kommt. So wurde am 24. Mai ein Pastor in Shunde, Provinz Guangdong, zusammen mit drei seiner Mitarbeiter wegen des Verdachts auf „illegale Geschäfte“ verhaftet.

Nach dem Motto „ein Bürger, eine Akte“ werden in China derzeit Systeme entwickelt und implementiert, die eine Vielzahl von Daten und Datenbanken durchforsten und den Behörden eine einzige umfassende Akte über jeden Einwohner zur Verfügung stellen können.

Auf dem Weltverfolgungsindex 2023 belegt China den 16. Platz unter den Ländern, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

*Name geändert

Quelle: Open Doors

Bitte beten Sie für die Christen in China!

  • Beten Sie für die Verantwortlichen der Gemeinden, dass sie trotz des wachsenden Drucks mutig und gelassen ihren Dienst gemäß ihrer Berufung fortführen.
  • Beten Sie für alle Christen um Schutz vor staatlichen Übergriffen und vor Einschüchterung durch die staatlichen Überwachungsbemühungen.
  • Beten Sie, dass die Verbreitung des Evangeliums in China nicht gehindert wird, sondern weiterhin viele Menschen zum Glauben an Jesus finden.
  • Beten Sie für die Beamten, die für die Überwachung der Christen zuständig sind: dass Gottes Geist auch sie berührt und sie den Christen wohlwollend begegnen.

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