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China: Pekings größte Hauskirche im Visier der Behörden

Überwachung, Anklagen und Razzien setzen Christen immer stärker unter Druck

(Open Doors, Kelkheim) – Zwei Pastoren der Pekinger Zionskirche, Jiafu Qie und Chunzi Huang, wurden in den letzten Wochen verhaftet und jeweils für mindestens 10 Tage festgehalten. Das gab die Kirche jetzt in ihrem Gebetsbrief bekannt. Sie wurde im Jahr 2018 offiziell geschlossen und ihre Mitglieder auch danach unter behördlichen Druck gesetzt. Verschiedene Berichte belegen übereinstimmend die wachsende Einschränkung der Religionsfreiheit im Land.

Bild mit Symbolcharakter: Drei-Selbst-Kirche in Peking mit kaum sichtbarem Kreuz (Archivbild)
Bild mit Symbolcharakter: Drei-Selbst-Kirche in Peking mit kaum sichtbarem Kreuz (Archivbild)

Verhaftungen als Warnung an leitenden Pastor

Jiafu Qie wurde am 28. April von seinem Haus zur Polizeistation im Bezirk Changping gebracht und befindet sich inzwischen wieder in Freiheit. Chunzi Huangs Verhaftung erfolgte am 1. Mai, wurde jedoch erst auf Nachfrage ihrer Schwester bei der Polizei bestätigt. Am folgenden Tag teilte die Polizei der Familie mit, dass sie in eine Hafteinrichtung verlegt wurde, um dort 10 Tage in Verwaltungshaft zu verbringen. Open Doors liegen keine weiteren Informationen über ihren Verbleib vor.

Die Zionskirche, mit 1.500 Mitgliedern Pekings größte inoffizielle „Hauskirche“, wurde im September 2018 offiziell geschlossen. Auslöser hierfür war die Weigerung der Verantwortlichen, Überwachungskameras im Versammlungsraum zu installieren; dies war ihnen von den Behörden zur Auflage gemacht worden. Dennoch setzte die Kirche ihre Aktivitäten fort. „Die Verhaftung der beiden Pastoren ist wahrscheinlich als Warnung für ihren leitenden Pastor, Ezra Jin, gedacht“, vermutet ein lokaler Partner von Open Doors, dessen Name aus Sicherheitsgründen nicht genannt werden kann. Jin sei trotz der Schließung sehr aktiv im Dienst geblieben. „Er ist derjenige, der unsere Gebete braucht.“

Berichte belegen übereinstimmend wachsende Einschränkungen der Religionsfreiheit

Die Hilfsorganisation ChinaAid listet in ihrem kürzlich veröffentlichten Jahresbericht 2020 eine Reihe von Maßnahmen auf, mit denen chinesische Behörden die Christen unter Druck setzen. Erwähnt werden eine Zunahme der Anklagen gegen Christen aufgrund von „Gefährdung der nationalen Sicherheit“ sowie eine verstärkte Überwachung der Kirchen.

Während es definitiv eine verstärkte Überwachung von Chinas Christen gab, sagte ein lokaler Partner von Open Doors, es sei zu früh, um von einer Zunahme von Fällen zu sprechen, bei denen Christen beschuldigt werden, die nationale Sicherheit zu gefährden. „Soweit ich weiß, gab es im vergangenen Jahr nicht mehr als fünf Fälle, in denen Christen wegen ‚Untergrabung der Staatsgewalt‘ angeklagt wurden“, sagte der Partner.

Open Doors weist in seinem aktuellen Länderbericht zu China auf die seit dem 1. Februar 2020 geltenden neuen „Regeln für die Organisation der Religion, ihre Riten, die Auswahl ihrer Leiter und die Einstellung von Personal“ hin. Es gibt zahlreiche Berichte über Razzien und Schließungen von Kirchen – sowohl bei Drei-Selbst-Kirchen als auch bei Hauskirchen im ganzen Land. Dabei werden Eigentum und christliche Materialien (einschließlich Bibeln) beschlagnahmt, Razzien durchgeführt, Geldstrafen verhängt und Kirchenleiter verhaftet.

Die US-Kommission für internationale Religionsfreiheit (USCIRF) setzte China jüngst für ein weiteres Jahr auf die Liste der „Countries of Particular Concern“. In ihrem im April veröffentlichten Bericht stellt auch sie fest, dass die chinesischen Behörden „Mitglieder von protestantischen Hauskirchen, die sich weigern, der staatlich sanktionierten ‚Drei-Selbst-Patriotischen Bewegung‘ beizutreten, schikanierten, festnahmen und ins Gefängnis steckten“.

Auf dem Weltverfolgungsindex 2021 steht China an 17. Stelle der Länder, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

Quellen: ChinaAid, USCIRF, Open Doors

Bitte beten Sie für die Christen in China:

  • Danken Sie für das erstaunliche Wachstum der Gemeinde Jesu in China; diese Entwicklung dürfte ein wesentlicher Grund für die restriktiven Maßnahmen der Regierung sein.
  • Beten Sie für die Zion-Kirche und ihre Pastoren.
  • Beten Sie für die Verantwortlichen der verschiedenen Kirchen, dass sie angesichts immer neuer Einschränkungen ihren Dienst weiterführen und sich nicht einschüchtern lassen. Beten Sie um viel Kreativität und göttliche Weisheit, um auf die Herausforderungen zu reagieren.
  • Beten Sie für alle Christen, dass sie angesichts zunehmender Überwachung und Drohungen im Glauben stark werden und Jesus unerschütterlich nachfolgen.

Vielen Dank für Ihr Gebet

Unser Gebet macht einen Unterschied – wie viel es unseren verfolgten Geschwistern bedeutet, lesen Sie hier

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