Persönliche Berichte

Nigeria: Lynchmord wegen einer WhatsApp-Nachricht

Öffentliche Proteste und Ausschreitungen durch junge Muslime nach Mord an christlicher Studentin

(Open Doors, Kelkheim) – „Diese Gruppe ist nicht dafür gedacht, dass ihr Unsinn verschickt. Sie ist für Fragen, Aktualisierungen zu Tests oder andere Schulangelegenheiten gedacht. Nicht für den Unsinn, den ihr über irgendeinen Propheten postet!“ Diese Worte der Christin Deborah Samuel, verschickt in einer WhatsApp Gruppe ihres Colleges, führte am vergangenen Donnerstag zu ihrer Ermordung durch aufgebrachte Mitstudenten. Am Samstagabend fand in Deborahs Heimatdorf ihre Beerdigung statt.

Vier afrikanische Frauen sind vor einer Hauswand
Am vergangenen Wochenende sprachen lokale Partner von Open Doors Deborahs Eltern Mut zu (Deborahs Mutter trägt ein oranges Shirt)

Freilassung der Tatverdächtigen gefordert, Kirchen angegriffen

In der Landeshauptstadt Sokoto hatte Deborah am Shehu Shagari College of Education den hauswirtschaftlichen Ausbildungszweig besucht. Am letzten Donnerstag verschickte sie die eingangs zitierte Nachricht an einige Mitstudenten. Diese werteten Deborahs Worte als Gotteslästerung und reagierten zunächst mit Drohungen. Als die Stimmung sich immer mehr aufheizte, brachen einige von ihnen den Raum auf, in den Deborah zu ihrer eigenen Sicherheit gebracht worden war. Aufgebrachte Studenten verprügelten und steinigten Deborah, bevor sie die bewusstlose Frau in Brand setzten.

Die Polizei verhaftete zwei Mordverdächtige, doch am Samstag kam es daraufhin zu öffentlichen Protesten. Dabei skandierten mit Macheten, Messern und Stöcken bewaffnete Randalierer islamische Gebete und forderten die Freilassung der beiden Festgenommenen. Laut bislang unbestätigten Berichten wurden auch mehrere Kirchen verwüstet. In der katholischen Holy Family Church schlugen Jugendliche demnach Fenster und Türen ein und beschädigten ein Fahrzeug der Gemeinde, das auf dem Kirchengelände geparkt war. In der St. Kevin’s Church zerstörten die Demonstranten einige Materialien in der Kirche und verwüsteten Geschäfte in der Umgebung. An die St. Bakhita Church, die als Sekretariat der Diözese dient, wurde Feuer gelegt. Auch das Gebäude der Evangelical Church Winning All soll in Brand gesteckt worden sein. Wir gehen den Berichten nach.

„Ein weiterer tragischer Tag für die Christen im Norden Nigerias“

Sokoto ist einer von 12 Bundesstaaten im Norden Nigerias, in denen das islamische Recht (Scharia) herrscht. Es sieht drastische Strafen für Gotteslästerung vor. Die Stadt Sokoto ist Sitz von Muhammad Sa'ad Abubakar, dem hochrangigsten muslimischen Geistlichen des Landes. In einer öffentlichen Stellungnahme verurteilte Abubakar Deborahs Ermordung und forderte Gerechtigkeit. Ähnlich äußerte sich der nigerianische Präsident Buhari. Das College wurde direkt nach der Tat geschlossen, die Regierung verhängte am Samstag eine 24-stündige Ausgangssperre.

Bischof Matthew Hassan Kukah von der katholischen Diözese Sokoto brachte seine Trauer über die Ermordung der Studentin mit den Worten zum Ausdruck: „Wir sind es der unmittelbaren Familie der verstorbenen Deborah, ihren Mitschülern und den Schulbehörden schuldig, … [die Täter] unabhängig von ihren Beweggründen nach geltendem Recht zu bestrafen.“

Jo Newhouse, Sprecherin von Open Doors für Subsahara-Afrika, kommentierte: „Dies ist ein weiterer tragischer Tag für die Christen im Norden Nigerias. Wir schließen uns Deborahs Familie und der weiteren christlichen Gemeinschaft an und trauern um ihren Tod. Wir verurteilen diese bösartige Tat aufs Schärfste und fordern die Behörden auf, die Täter schnell zu identifizieren und zur Rechenschaft zu ziehen. Wir beobachten die Situation weiter sehr genau und bitten darum, intensiv für die weitere Entwicklung zu beten!“

Bitte beten Sie für Deborahs Familie und die Christen in Nordnigeria:

  • Beten Sie um Gottes tiefen Trost für Deborahs Eltern und ihre Familie.
  • Beten Sie darum, dass Jesus Frieden in Sokoto schenkt und sich darüber hinaus vielen der aufgebrachten Muslime als Friedefürst offenbart.
  • Beten Sie um Weisheit und Mut für alle christlichen Leiter im Norden Nigerias – dass sie Gottes Liebe wirksam weitergeben und ihren Gemeinden Vorbilder im Bekenntnis zu Jesus sind.
  • Beten Sie, dass Jesus der Gewalt in Nigeria ein Ende bereitet und seine Gemeinde weiter baut.

 

Vielen Dank für Ihr Gebet

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