Persönliche Berichte

Syrien: „Ich aber, HERR, schreie zu dir“

Nach 10 Jahren Bürgerkrieg haben Syrer „nicht den Luxus, sich um ein Virus zu kümmern“

(Open Doors, Kelkheim) – Der Anblick langer Warteschlangen gehört zu Ayoubs* Alltag. Nach zehn Jahren Bürgerkrieg sind viele Syrer auf Hilfe angewiesen, um auch nur zu überleben. Die im Land verbliebenen Christen erleben die Not als zusätzliche Bürde zu der herrschenden Verfolgung. Ayoub ist ein Partner von Open Doors in Syrien und hat entdeckt, wie treffend Psalm 88 die herrschende Stimmung wiedergibt.

Anstehen bis in die späten Abendstunden um den täglichen Bedarf zu decken
Anstehen bis in die späten Abendstunden, um den täglichen Bedarf zu decken

„Verloren im Land des Vergessens“

„Wenn ich in meiner Stadt Damaskus umhergehe, muss ich an das denken, was ich einmal lange vor dem Krieg über ‚erlernte Hilflosigkeit‘ gehört habe. Wenn ich mich umschaue, scheint sie überall um mich herum zu herrschen. Die Menschen stehen auf den Straßen für Brot an! Ich sehe diese Schlangen auf meinem Weg zur Arbeit, jeden Tag! COVID-19 und Abstandsregeln? Für die Mehrheit der Syrer klingt das wie ein Scherz! Sie haben nicht den Luxus, über einen Virus nachzudenken. Sie stehen stundenlang an, um Brot zu bekommen, dann wieder für Treibstoff und noch einmal für Gas, Reis und Zucker.

Wir haben das Gefühl, in einer Grube zu versinken, ‚in die finsterste Tiefe‘. Wir sind ‚wie die Erschlagenen, die im Grab liegen‘, gemieden von unseren Gefährten, eingeschlossen, so dass wir nicht entkommen können, verloren im Land des Vergessens. Und das bringt mich zu Psalm 88, Verse 14 bis 19:

Herr, ich aber rufe zu dir. Schon am Morgen flehe ich dich an. Herr, warum hast du mich verworfen? Warum wendest du dich von mir ab? Von Jugend an war ich krank und dem Tode nah. Ratlos stehe ich vor deinem schrecklichen Handeln. Dein erbitterter Zorn hat mich niedergeworfen und deine Schrecken haben mich vernichtet. Jeden neuen Tag umgeben sie mich wie Wasserfluten und schließen mich ein. Du hast mir meine Freunde und Verwandten genommen; alles, was mir jetzt noch bleibt, ist Finsternis.

Zerbrochen, damit sein Licht durch uns scheint

„Was ich wirklich bemerkenswert finde, ist, dass ich dieselben Schreie, die der Psalmist vor Tausenden von Jahren schrieb, von so vielen meiner Freunde und Nachbarn höre. Und ein Teil von mir weint mit ihnen, wobei ich mich manchmal zugegebenermaßen unfähig fühle, die Hoffnung zu erklären, die in mir ist. […] Dennoch hatte der Psalmist selbst in diesem traurigsten aller Psalmen Grund zur Hoffnung. Er eröffnete ihn mit den Worten: ‚Herr, Gott, mein Retter.‘ Obwohl er also ‚in der tiefsten Grube‘ war, glaubte er immer noch, dass Gott souverän ist und dass der Herr eines Tages der Welt das Heil bringen wird.

Was uns betrifft, den sehr kleinen Rest seines Volkes, haben wir sogar noch mehr Grund zur Hoffnung. Anders als der Psalmist glauben wir nicht nur, dass der Herr uns retten wird. Wir wissen, dass er es bereits getan hat! Und ich persönlich würde sogar noch weiter gehen, denn ich weiß nicht nur, dass er uns gerettet hat, sondern ich glaube auch, dass wir jetzt zerbrochen sind, damit sein Licht durch unsere Risse hindurch scheinen wird. Und von hier aus, aus dem vom Krieg zerrissenen Syrien, wird sein Licht immer heller scheinen.“ –

Um diese Hoffnung greifbar zu machen, investiert Open Doors auch in die Arbeit lokaler Kirchen, die als „Hoffnungszentren“ ihrem Umfeld Ermutigung und vielfältige Hilfe anbieten. Bislang wurden 40 dieser Zentren eingerichtet, weitere 110 Gemeinden werden im Rahmen der laufenden Hilfskampagne für Christen In Syrien ebenfalls unterstützt.

*Name geändert

Bitte beten Sie für die Christen in Syrien:

  • Beten Sie darum, dass Jesus die Christen in Syrien versorgt und im Glauben stärkt.
  • Beten Sie für die Arbeit der Kirchen, dass durch ihre zahlreichen Aktivitäten Gottes Liebe viele Menschen erreicht und aus der Hoffnungslosigkeit befreit.
  • Beten Sie für Frieden und Stabilität in allen Landesteilen, besonders im Norden und Nordosten.
  • Beten Sie dafür, dass Gottes gute Pläne mit Syrien zustande kommen und dass er die Geschicke dieses Landes zum Guten wendet.

Vielen Dank für Ihr Gebet

Unser Gebet macht einen Unterschied – wie viel es unseren verfolgten Geschwistern bedeutet, lesen Sie hier

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