Meldungen zur Türkei
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(Open Doors, Kelkheim) – Am 4. Februar wurde auf dem Grundstück einer Kirche in der Hafenstadt Trabzon ein Sprengkörper gefunden. Der Anschlag reiht sich ein in eine Folge von Angriffen auf Kirchen im vergangenen Jahr; die Feindseligkeit gegen die Christen im Land hat merklich zugenommen.
Am vergangenen Sonntagmorgen entdeckten Mitarbeiter der Kirche Santa Maria auf ihrem Kirchengelände einen schwelenden Gegenstand. Beunruhigt riefen sie die Polizei. Wie diese bei ihrer Untersuchung feststellte, handelte es sich um eine selbstgebaute Rohrbombe, die aber offensichtlich nicht explodiert, sondern nur zum Teil verbrannt war. Die lokalen Behörden überprüften daraufhin die Aufzeichnungen der Überwachungskameras und führten Befragungen in der Nachbarschaft durch, fanden jedoch keine Hinweise auf mögliche Verdächtige.
Der Vorfall ereignete sich einen Tag vor dem 12. Jahrestag der Ermordung des damaligen Pastors der Gemeinde – Andrea Santoro wurde am 5. Februar 2006 in seiner Kirche erschossen, während er nach dem Gottesdienst vor dem Altar kniete. Doch man muss nicht so weit zurückgehen, um auf Gewalttaten gegen Christen zu stoßen. Im Jahr 2017 kam es zu einer Reihe von Angriffen, von eingeschlagenen Kirchenfenstern über niedergerissene christliche Symbole bis hin zu Morddrohungen gegen Pastoren und Gemeindemitarbeiter. Am Jahresende hängten öffentliche Einrichtungen in einigen Städten zum wiederholten Mal Plakate auf, die sich gegen lokale Weihnachtsfeiern richteten.
In ihrem jährlichen Bericht zu Menschenrechtsverletzungen, der am 30. Januar veröffentlicht wurde, führte die Vereinigung Protestantischer Kirchen in der Türkei viele der Übergriffe gegen Christen auf die zunehmend aggressive Berichterstattung in nationalen, lokalen und sozialen Medien zurück. Diese erinnert an die Verleumdungen und Beschimpfungen, die der Ermordung der drei Christen Necati Aydin, Ugur Yüksel und Tilmann Geske in der Stadt Malatya im April 2007 vorausgegangen waren. Sowohl in Printmedien als auch im Fernsehen und Internet wurden im vergangenen Jahr Hassreden gegen Christen verbreitet, Kirchen und ihre Leiter wurden in manchen Fällen mit Terrororganisationen in Verbindung gebracht. Christen, die dagegen klagten, wurden von lokalen Gerichten mit dem Verweis auf die Pressefreiheit abgewiesen.
Die Türkei nimmt auf dem aktuellen Weltverfolgungsindex von Open Doors Rang 31 ein unter den Ländern, in denen Christen aufgrund ihres Glaubens am stärksten unter Verfolgung leiden. Obwohl Präsident Erdogan kürzlich verkündete, dass der Staat dafür verantwortlich sei, Religionsfreiheit zu garantieren, gilt der sunnitische Islam als religiöse Norm im Land und die christliche Minderheit ist mit starken Einschränkungen konfrontiert – sei es bei der Arbeitsplatzsuche, vor Gericht, bei der Registrierung von Kirchengebäuden oder der Ausbildung von Pastoren. Die zunehmende Feindseligkeit gegen Christen hat die ohnehin angespannte Situation für die Gemeinden verschärft.
Quellen: World Watch Monitor, Open Doors
Länderprofil
Weltverfolgungsindex 2026: Platz 41. Im Länderprofil lesen Sie, warum und auf welche Weise Christen in der Türkei verfolgt werden und wie sich das konkret in ihrem Leben äußert.
Weltweit sind mehr als 388 Millionen Christen wegen ihres Glaubens intensiver Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt. Doch wann beginnt Christenverfolgung?