Meldungen zu Ägypten
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(Open Doors, Kelkheim) – In Koum Al Farag, einer Ortschaft in der Nähe von Alexandria, haben die Behörden am 20. Mai ein Kirchengebäude zerstört. Gemeindemitglieder, die versuchten, den Abriss zu verhindern, wurden verhaftet; gleichzeitig prügelten Extremisten den Priester bewusstlos. Die Christen vor Ort sind traurig und empört, da die Behörden geltendes Recht missachteten und es in ihrem Bezirk bislang keine vergleichbaren Vorfälle gab.
Anlass für das Eingreifen der Behörden war die Anschuldigung, die Gemeinde habe illegale Baumaßnahmen durchgeführt. Tatsächlich litten die 3.000 Gemeindemitglieder unter den begrenzten Platzverhältnissen und hatten zu Beginn des Jahres beschlossen, aktiv zu werden. Im Gespräch mit Open Doors berichtet Gemeindediakon Bishoy: „Wir beschlossen, für kirchliche Aktivitäten wie Sonntagsschulklassen zwei zusätzliche Stockwerke auf dem Kirchensaal zu bauen, was legal war. Aber sobald wir mit den Bauarbeiten begannen, griffen extremistische Muslime uns an. Glücklicherweise wurde dieser erste Angriff von gemäßigten Muslimen in unserem Dorf gestoppt.“
Aber die Extremisten gaben nicht auf, sondern begannen kurz darauf, auf dem Feld direkt neben der Kirche eine illegale Moschee zu bauen. „Wir glauben, dass sie sie aus Protest gebaut haben“, sagt Bishoy. „Unser Ort hat bereits vier Moscheen, und eine weitere war nicht wirklich nötig. Darüber hinaus haben sie sie ohne ein Fundament gebaut.“
Der Anwalt der Gemeinde, der aus Sicherheitsgründen nicht namentlich genannt werden möchte, schildert die Entwicklung so: „Nach wiederkehrenden Spannungen zwischen Kopten und Muslimen wegen des Kirchengebäudes erließ der Präsident des Stadtrats von Abu El Matamir am Samstag, den 4. April 2020, einen Beschluss, das koptisch-orthodoxe Kirchengebäude […] vollständig abzureißen. Dem Abrissentscheid gingen drei Berichte über Verletzungen der Bauvorschriften voraus, obwohl das Erdgeschoss bereits vor 15 Jahren gebaut worden war.“
Der Priester suchte zusammen mit dem Anwalt der Gemeinde den ersten Stadtrat auf und legte ihm die schriftliche Baugenehmigung für das Kirchengebäude vor. Er ignorierte sie jedoch und kündigte an, die Kirche zusammen mit der Moschee abreißen zu lassen. Obwohl die Gemeinde daraufhin eine einstweilige Verfügung gegen den Abriss erwirkte, begannen 200 Sicherheitskräfte im Beisein des ersten Stadtrates am 20. Mai mit den Arbeiten.
Viele Gemeindemitglieder stellten sich vor der Kirche den Arbeitern und Beamten entschlossen entgegen und baten sie flehentlich, ihre Kirche nicht abzureißen. Bishoy schildert die dramatische Situation: „Die Polizei und einige muslimische Extremisten aus unserem Dorf, die ebenfalls gekommen waren, beleidigten unseren Priester und schlugen ihn so heftig ins Gesicht und auf die Brust, dass er ohnmächtig wurde. Dann feuerten sie Tränengas auf uns Kirchenmitglieder ab und griffen uns körperlich an; sie verletzten sogar Frauen und Kinder. Sie verhafteten 14 Kirchenmitglieder, darunter einige Frauen und einen Mann, dessen Arm von den Angreifern gebrochen wurde. Die Kirchenmitglieder wurden erst am nächsten Tag freigelassen. Der Mann mit dem gebrochenen Arm erhielt keine medizinische Behandlung.“
Auf dem Weltverfolgungsindex 2020 steht Ägypten an 16. Stelle unter den Ländern, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden.
Quelle: Open Doors
Hinweis: Sehen Sie hier den bewegenden Bericht des jungen Ägypters Kiro, der bei einem Anschlag auf seine Kirche seine Mutter, seine Tante und eine seiner Schwestern verlor.
Länderprofil
Weltverfolgungsindex 2026: Platz 42. Im Länderprofil lesen Sie, warum und auf welche Weise Christen in Ägypten verfolgt werden und wie sich das konkret in ihrem Leben äußert.
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