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Iran: Verfolgung weitet sich auf traditionelle Kirchen aus

Kirche vor Beschlagnahmung, Gemeindemitgliedern droht Verhaftung

(Open Doors, Kelkheim) – Die Islamische Revolutionsgarde (IRGC), Spezialeinheit der iranischen Streitkräfte, hat kürzlich angekündigt, die legale Evangelisch-presbyterianische Kirche St. Peter in Teheran mit all ihrem Vermögen zu beschlagnahmen. Sollten die Gemeindemitglieder das Gebäude innerhalb von drei Wochen nicht räumen, würden sie inhaftiert, so die Gemeindeleiter.

Eine Kirche aus Stein umgeben von Bäumen
Die 1876 eingeweihte St.-Peter-Kirche in Teheran beheimatet die älteste protestantische Gemeinde des Irans

Die Wahl: Obdachlosigkeit oder Gefängnis

Nach Angaben der Gemeinde hat die IRGC eine neue Besitzurkunde auf ihren eigenen Namen ausgestellt, womit sie das Eigentum an dem Grundstück willkürlich beansprucht. Das Gemeindeleben in der Kirche wird somit zwangsweise eingestellt. 20 Familien, die auch Gemeindemitglieder sind, leben außerdem auf dem Gelände und werden von der IRGC nun zu „Hausfriedensbrechern“ erklärt, wie die Menschenrechtsorganisation Article18 berichtet. Wenn sie einer Gefängnisstrafe entgehen wollen, so die Drohung, müssen sie innerhalb von drei Wochen ihre Kirche und somit auch ihr Zuhause verlassen. Der 10.000 m² große Garten, der zur Kirche gehört, wurde bereits konfisziert.

 

Die meisten iranischen Christen sind Konvertiten aus dem Islam, die in den Augen des Regimes Staatsfeinde sind und sich deshalb nur heimlich treffen können. Die Gemeindemitglieder der St.-Peter-Kirche gehören vorrangig der armenischen und assyrischen Minderheit an. Sie dürfen offiziell Gottesdienst feiern, wenn auch unter sehr strengen Auflagen. Dieses Recht wird jedoch zunehmend ausgehöhlt.

„Keine Angst vor der internationalen Gemeinschaft“

Der Iran und die USA unterzeichneten am 17. Juni ein Rahmenabkommen, um ihren laufenden Krieg schrittweise zu beenden. Punkt 2 beinhaltet die Verpflichtung, sich nicht in innere Angelegenheiten des jeweils anderen Landes einzumischen. Ein ehemaliger Pastor der St.-Peter-Kirche, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchte, sieht darin einen Auslöser für den Übergriff auf die iranischen Christen: „Die Lage ist verheerend, denn es hat den Anschein, als sähe das Regime nun eine günstige Gelegenheit, Kirchen zu beschlagnahmen.“ Die Synode der iranischen Evangelischen Kirche pflichtet dem bei und erklärt, dass sich das Regime seit Beginn der Verhandlungen über ein Abkommen bestärkt fühle und „keine Angst vor der internationalen Gemeinschaft“ habe.

Ramin*, iranischer Christ und Partner von Open Doors, warnt: „Wenn das Abkommen vorsieht, dass der Westen sich nicht mehr zu Menschenrechten im Iran äußert, dann könnte das Abkommen dem Regime Stabilität verleihen und die Bevölkerung stärker gefährden [...]. Jedes Abkommen, das diese Realität ignoriert, läuft Gefahr, genau jene Strukturen zu stärken, die eine friedliche Glaubensausübung kriminalisieren.“

Weitere Kirchen im Visier

Die St.-Peter-Kirche ist nicht die einzige registrierte Kirche in existentieller Gefahr. Am 4. Juni zerstörte die IRGC ein offizielles evangelisches Kirchengebäude in der nordöstlichen Stadt Maschhad. Am 10. Juni wurde außerdem die St.-Nikolaus-Kirche in Teheran von Unbekannten überfallen, die einzige legale russisch-orthodoxe Gemeinde im Land.

In einem Brief wandte sich die St.-Peter-Gemeinde mit einem Hilferuf an die internationale Gemeinschaft: „Es ist offensichtlich, dass wir ohne eine rasche Reaktion auf diese Krise unsere letzten verbliebenen Kirchenzentren im Land verlieren könnten.“

Auf dem Weltverfolgungsindex 2026 steht der Iran an 10. Stelle unter den Ländern, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

*Name geändert

Quelle: Article18, Open Doors

Bitte beten Sie für Christen im Iran:

  • Beten Sie für die St.-Peter-Kirche in Teheran, dass ihr Kirchengebäude nicht beschlagnahmt wird. Beten Sie auch, dass die Gemeinde standhaft im Glauben bleibt und Jesus sie stärkt.
  • Beten Sie vor allem für die Christen, die auf dem Gelände der Kirche wohnen und denen nun die Obdachlosigkeit droht, dass sie nicht den Mut verlieren und Jesus sie versorgt.
  • Beten Sie für die IRGC und alle Menschen in Regierungsverantwortung im Iran, dass sie gerechte Entscheidungen treffen und Jesus begegnen.
  • Beten Sie für ein schnelles Ende des Krieges – ohne dass sich dabei die Situation der Bevölkerung und besonders der Christen verschlechtert.

Vielen Dank für Ihr Gebet

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