Meldungen zum Niger
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(Open Doors, Kelkheim) – „Als die Dschihadisten kamen, sagten sie, dass alle Christen 50.000 Francs zahlen müssen; wer sich das nicht leisten könne, müsse den Islam annehmen.“ Das berichtet Pastor Yandi aus der Region Tillabéri im Südwesten des Niger. Ähnliche Ankündigungen ergingen in mindestens sieben Dörfern der Gegend und haben seit dem 2. Mai 357 christliche Familien in die Flucht getrieben.
Pastor Yandi ist in der Ortschaft La Tapoa zu Hause, wo die Dschihadisten am 16. April 2024 alle Einwohner auf dem Marktplatz zusammenriefen. Sie teilten den Versammelten mit, dass ab diesem Tag alle männlichen Personen ab 15 Jahren die islamische Kopfsteuer („Dschizya“) an sie entrichten müssten, sofern sie nicht bereit seien, zum Islam zu konvertieren. Die Dschizya wird gemäß islamischem Recht von nicht-muslimischen Einwohnern innerhalb muslimischer Staaten erhoben. Damit wird die Scharia in den betroffenen Gebieten zumindest teilweise eingeführt. In ihrer Ankündigung erklärten die Islamisten weiter, diese Regelung gelte für alle Dörfer unter ihrer Kontrolle. Die geforderten 50.000 westafrikanischen Francs entsprechen ca. 76 Euro.
Laut lokalen Kontakten von Open Doors wurde gleichzeitig allen Dorfbewohnern dringend geraten, zum Islam zu konvertieren. Wer die geforderte Steuer entrichtet, darf zwar weiterhin in seinem Dorf bleiben, allerdings zu den folgenden Bedingungen: Alle Betroffenen werden mit ihren Familien als Sklaven gehalten. Ihr gesamtes Eigentum geht automatisch in den Besitz der Dschihadisten über. Diejenigen, die nicht zum Islam konvertieren oder die Dschizya zahlen wollen (oder können), dürfen das Dorf verlassen, dabei aber nichts mitnehmen außer der Kleidung an ihrem Leib.
Nach Angaben unserer lokalen Partner haben die Dschihadisten neben La Tapoa noch sechs weitere Dörfer in der Region Tillabéri aufgesucht, um ihr neues Gesetz anzukündigen. 357 Familien von Christen haben daraufhin Zuflucht in der Stadt Makalondi gesucht. Jeden Tag kommen neue hinzu.
„[Wegen dieser Ankündigung] sind wir geflohen und mit nichts hierhergekommen. Wir konnten nicht einmal unsere Lebensmittelvorräte mitnehmen. Für uns ist es sehr schwierig, hier einen Platz zu finden, es gibt für uns keine Unterkunft“, erklärte Pastor Yalitchoi.
Im Moment drängen sich die Christen unter Bäumen zusammen und suchen dort Schutz vor der heißen Sonne. Es dauert jedoch nicht mehr lange bis zum Einsetzen der Regenzeit, was das Leben für die vertriebenen Christen in Makalondi noch schwieriger machen wird.
Die Sicherheitslage im Niger hat sich in den letzten Jahren verschlechtert, insbesondere in den Grenzgebieten zu Nigeria, Burkina Faso und Mali. Dort haben bewaffnete Gruppen Stützpunkte errichtet und verüben immer wieder Angriffe auf die Sicherheitskräfte und die Zivilbevölkerung. Im Jahr 2017 verhängte die Regierung den Ausnahmezustand über die Regionen Diffa, Tahoua und Tillabéri. Die Dschihadisten haben es besonders auf Christen und Animisten in den Dörfern abgesehen, weshalb seit Beginn der Unruhen Zehntausende von Menschen aus ihren Dörfern geflohen sind.
Unsere Partner prüfen derzeit, wie sie den Vertriebenen am besten helfen können. Da das Gebiet jedoch sehr ländlich und schwer erreichbar ist, sind Hilfsbemühungen mit großen Herausforderungen verbunden.
Länderprofil
Weltverfolgungsindex 2026: Platz 26. Im Länderprofil lesen Sie, warum und auf welche Weise Christen im Niger verfolgt werden und wie sich das konkret in ihrem Leben äußert.
Verfolgte Christen beten nicht, dass Verfolgung aufhört. Wofür sie beten und was wir davon lernen können, lesen Sie hier.