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Usbekistan: „Manchmal denke ich, das ist das Ende“

Untergrundgemeinden weiterhin unter hohem Druck

(Open Doors, Kelkheim) – Nach dem Zerfall der Sowjetunion entstanden erstmals Gemeinden von Christen muslimischer Herkunft in Usbekistan. Von den Behörden werden sie bis heute als Bedrohung betrachtet und unter Druck gesetzt. Umid* ist Leiter einer solchen Untergrundgemeinde und berichtet von seinen Herausforderungen.

Christen in Zentralasien
Symbolbild: Christen in Zentralasien

„Die längsten sieben Minuten meines Lebens“

Umid wurde in eine muslimische Familie hineingeboren, praktizierte allerdings nicht ernsthaft den islamischen Glauben – wie viele andere aus seinem Land. Dennoch identifizieren sich die Usbeken mit dem Islam. Nachdem Umid sich Anfang der 1990er-Jahre entschieden hatte, Jesus nachzufolgen, wurde er von seiner Familie verstoßen. Später übernahm Umid Leitungsaufgaben in seiner Kirche und erlebte, wie die Gemeinde wuchs. Aber der Preis war, dass die Verfolgung zunahm. Die Regierungsbeamten verhörten ihn jeden Tag. Schließlich schloss die Regierung seine Kirche offiziell und Umid wurde von fremden Männern entführt und misshandelt: „Sie schlugen und traten mich sieben Minuten lang. Nur sieben Minuten, aber es waren die längsten sieben Minuten meines Lebens“, erzählt er. Danach ließen ihn die Entführer frei.

Enttäuschung nach Präsidentenwechsel

Nachdem der Präsident Islam Karimov im Jahr 2016 gestorben war, wurde Shavkat Mirziyoyev das neue Staatsoberhaupt. „Als der neue Präsident kam, schien es, als würde es für die Christen leichter werden“, sagt Umid. Die neue Regierung entließ viele Menschen aus dem Gefängnis und versprach die Registrierung von Kirchen zu erleichtern, sodass es nach außen hin schien, als ob die Religionsfreiheit in Usbekistan wachsen würde. Aber Umid meint: „In Wirklichkeit erleben wir keine Religionsfreiheit.“ Zwar gab es für offiziell registrierte Kirchen leichte Verbesserungen, doch insbesondere die Hauskirchen von Christen muslimischer Herkunft werden weiterhin schikaniert.

„Ich bin allein“

Aufgrund der hohen Arbeitslosenrate in Usbekistan wandern viele junge Leute aus Umids Gemeinde aus. Die Auswanderer hinterlassen viele Aufgaben, die sie in der Kirche bis dahin übernommen haben, weswegen sich Umids Aufgabenbereich ständig erweitert. Hinzu kommt noch, dass auch die Verhöre bei der Polizei nicht aufhören. „Einmal oder zweimal im Monat werde ich zur Polizeistation beordert. Jedes Mal wenn ich in der Polizeistation bin, werde ich bedroht. Sie wollen mich einschüchtern.“ Dieser Druck belastet Umid schwer: „Gerade fühle ich mich niedergeschlagen, leer und sehr müde, weil ich nicht weiß, was ich tun soll. Es gibt keinen starken Leiter neben mir. Ich bin allein.“ Dennoch wird er von dem Gedanken, dass andere für ihn beten, ermutigt: „Manchmal, wenn ich in einer schwierigen Situation bin, denke ich: ‚Das ist das Ende.‘ Aber plötzlich fühle ich, dass sich jemand um mich kümmert. Und ich weiß in diesem Moment, dass jemand für mich betet.“

* Name geändert

Bitte beten Sie für die Christen in Usbekistan:

  • Danken Sie Jesus, dass die Anzahl der Christen in Usbekistan wächst.
  • Beten Sie um seelische und körperliche Kraft für Umid.
  • Beten Sie, dass die jungen Christen in Usbekistan Perspektiven finden, um bleiben zu können, und um neue Leiter.
  • Beten Sie für die Polizei, die Regierungsbeamten und die Entführer von Umid, dass sie zu Jesus finden.

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