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Pakistan: Freispruch für Asia Bibi wird angefochten

Schulen geschlossen, Mobilfunknetze zeitweise abgeschaltet / Premier Khan ruft zum Frieden auf

(Open Doors, Kelkheim) – Am 31.10. gab Asia Bibi noch aus dem Gefängnis ein kurzes Interview über die Aufhebung des Todesurteils gegen sie. Doch der Jubel der pakistanischen Christen währte nur kurz. Der ursprüngliche Ankläger, Qari Muhammad Salaam, hat eine Revision des Urteils beantragt und gleichzeitig verlangt, Asia Bibi mit einer Ausreisesperre zu belegen. Zwischenzeitlich hat die Regierung im Blick auf den Aufenthaltsort der fünffachen Mutter eine Nachrichtensperre verhängt, während die Spannung in Pakistan kontinuierlich ansteigt. Noch am Tag des Urteilsspruchs wandte sich Premierminister Imran Khan in einer TV-Ansprache an sein Volk und mahnte zum Frieden. Christen fürchten, der Zorn der Extremisten könnte sich einmal mehr gegen christliche Einrichtungen, Gemeinden und Einzelpersonen richten.
 

Asia Bibi
Bild: Asia Bibi

„Wir sind erleichtert zu hören, dass der pakistanische Oberste Gerichtshof die Anklage gegen Asia Bibi fallen lässt – eine Anklage, die bloß auf ihrem christlichen Glauben und falschen Anschuldigungen gegen sie beruhte“, sagte ein Pakistan-Experte von Open Doors. „Diese Entscheidung gibt uns Hoffnung, dass Pakistan weitere Schritte unternehmen wird, um die Religionsfreiheit und die Menschenrechte im Land zu stärken.“

Asia Bibi: „Ich bin sehr glücklich, kann es nicht glauben“

Die französische Nachrichtenagentur AFP berichtet über ein Telefonat mit Asia Bibi kurz nach Bekanntgabe des Urteils. Sie zitiert Asia Bibi noch im Gefängnis mit den Worten: „Ich kann nicht glauben, was ich höre, werde ich jetzt rauskommen? Werden sie mich wirklich rauslassen?“ Und weiter: „Ich weiß einfach nicht, was ich sagen soll, ich bin sehr glücklich, ich kann es nicht glauben.“ Falls der Beschluss des Obersten Gerichtshofs sofort ausgeführt wurde, ist Asia jetzt tatsächlich frei. Allerdings geben die Behörden keine Information über ihren derzeitigen Aufenthaltsort weiter und haben auch den Medien jegliche Spekulationen dazu verboten. Eine pakistanische Christin, die sich immer wieder für Asia Bibi eingesetzt hat, reagierte tief bewegt auf den Freispruch: „In all den Jahren … hat mich der schmerzhafte Gedanke begleitet, dass diese Frau vermutlich keine Vorstellung davon hat, was für ein Gewicht ihre Situation hat; wie viel sie ihren christlichen Landsleuten bedeutet und welch eine Welle des Gebets für diese Nation durch ihre Geschichte ausgelöst wurde – ein Land, das oft als ‚gescheitert‘ gilt.“

Premierminister ruft zum Frieden, lässt Christen unerwähnt

Mit Wut und Empörung reagierten dagegen islamische Extremisten in verschiedenen Landesteilen. Der Vorsitzende der islamistischen Partei Tehreek-e-Labbaik Pakistan (TLP) äußerte, alle drei Richter hätten „verdient zu sterben“. In vielen Städten Pakistans brachen Proteste aus, so dass die Regierung große Mühe aufwenden muss, die Situation unter Kontrolle zu halten. Bereits am Mittwoch wurden zahlreiche Schulen geschlossen, in einigen Städten wurden die Mobilfunknetze teilweise abgeschaltet. Die offiziell beantragte Revision des Urteils muss innerhalb der nächsten 30 Tage erfolgen. Während die Regierung per Twitter klarstellte, dieser Antrag sei „eine Angelegenheit zwischen dem Kläger und dem Gericht“, betonte sie, dass nicht geplant sei, Asia Bibi mit einer Ausreisesperre zu belegen. Angesichts der Unruhen sah sich Premierminister Imran Khan zu einer kurzen Videobotschaft veranlasst. Darin warnte er davor, gegen das Urteil des Obersten Gerichtshofs zu agitieren. Es wies darauf hin, dass es mit der Verfassung und den Lehren des Koran übereinstimme. Ein christlicher Leiter äußerte jedoch Bedauern darüber, dass Khan die Christen und andere Minderheiten mit keinem Wort erwähnt, geschweige denn zu ihrem Schutz aufgerufen habe. Einzelne Christen berichten von Belästigungen, vor allem aber von weit verbreiteter Angst im Blick auf die kommenden Tage. Aufgrund immer wiederkehrender Erfahrungen befürchten sie das Schlimmste: „Die Extremisten wollen Blut sehen. Was wird also passieren, wenn sie sich von der Straße zurückziehen? Wir fürchten, dass sie zu den Kirchen kommen und sie angreifen werden. Wir müssen auf Gott vertrauen“, so eine pakistanische Christin gegenüber Open Doors.

Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors rangiert Pakistan aktuell an 5. Stelle unter den Ländern, in denen Christen wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

Quellen: Open Doors, World Watch Monitor, Dawn

Bitte beten Sie für die Christen in Pakistan:

  • Beten Sie, dass Asia Bibi und ihre Familie einen sicheren Ort zum Leben finden und als Familie wiederhergestellt werden.
  • Beten Sie um Schutz für alle Christen, besonders für die Gottesdienste am kommenden Wochenende.
  • Beten Sie für Asia Bibis Anwalt Saif ul-Malook, der sehr konkret um sein Leben fürchtet.
  • Beten Sie, dass in den Moscheen am heutigen Freitag nicht zusätzlich Hass geschürt wird.
  • Beten Sie, dass der Einfluss islamischer Hardliner schwindet und sich viele Muslime – gerade unter den Extremisten – für das Evangelium öffnen.

 

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