Länderprofil Pakistan

Pakistan

5
Weltverfolgungsindex
2018
Flagge Pakistan
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Islamische Republik
Platz Vorjahr
4
ISO
PK
Karte Pakistan
Karte Pakistan
Christen
3,94
Bevölkerung
196.74
Islamische Unterdrückung
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Ethnisch begründete Anfeindungen
Privatleben: 14.400
Familienleben: 13.500
Gesellschaftliches Leben: 13.800
Leben im Staat: 15.000
Kirchliches Leben: 13.100
Auftreten von Gewalt: 16.700
Länderprofil Pakistan

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

86 Punkte / Platz 5 (WVI 2017: Punkte: 88 / Platz 4)

Von wem Verfolgung ausgeht

In Pakistan existieren extremistische islamische Gruppierungen nicht nur, sondern sie können auch aufblühen und sich entwickeln, da einige von ihnen von politischen Parteien, dem Militär und der Regierung umworben werden. Besonders die Armee folgt weiterhin einer Politik, bei der sie zwischen „guten“ und „bösen“ Taliban unterscheidet. Dieser Strategie hat sich die Regierung weitestgehend angeschlossen. Bis sich dies ändert, werden extremistische Gruppierungen weiterhin tausende Medressen (Koranschulen) unterhalten, von denen niemand weiß, was genau gelehrt und mit welchen Geldern sie finanziert werden. Außerdem werden sie weiterhin die Bürger des Landes (insbesondere die Jugend) überall im Land dazu aufhetzen, gegen religiöse Minderheiten wie die Christen vorzugehen. Christen mit muslimischem Hintergrund sehen sich ebenfalls dieser Feindseligkeit ausgesetzt. Die größte Gefahr für sie kommt jedoch von ihren eigenen Familien, da der Abfall vom Islam als eine große Schande für Familie und Gesellschaft angesehen wird.

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen

Traditionelle Kirchen besitzen relativ große Freiheit, Gottesdienste zu feiern. Sie werden jedoch stark überwacht und werden regelmäßig Ziel von Bombenanschlägen. Im Berichtszeitraum kam es dennoch zu keinem erfolgreichen Bombenanschlag auf Kirchengebäude. Kirchengemeinden, die sich aktiver nach außen engagieren, sowie Mitarbeiter in der Jugendarbeit sind stärkerer Verfolgung vonseiten der Gesellschaft ausgesetzt. Alle Christen leiden unter institutioneller Diskriminierung. Dies wird dadurch sichtbar, dass häufig Berufe, die als niedrig, schmutzig und abwertend betrachtet werden, offiziell Christen vorbehalten sind. Viele Christen sind arm und einige sind Opfer von Fronarbeit. Auf der anderen Seite gibt es viele Christen, die der Mittelschicht angehören – dies schützt sie jedoch nicht davor, marginalisiert oder verfolgt zu werden. Die berüchtigten Blasphemiegesetze Pakistans zielen insbesondere auf religiöse Minderheiten (auch muslimische Minderheiten) ab; am stärksten wirken sie sich auf die christliche Minderheit aus.

Beispiele

  • ine neue Entwicklung ist der Mord an zwei chinesischen Christen, die in Pakistan arbeiteten. Li Xinheng (24) und Meng Lisi (26) wurden im Mai 2017 von militanten Kämpfern getötet, die eine Verbindung zum „Islamischen Staat“ (IS) haben. Sie beschuldigten ihre Opfer, Pakistanis zum Glaubenswechsel bewegen zu wollen.
  • Christen werden weiterhin wegen Blasphemie-Anschuldigungen getötet; teilweise ist ihr Tod aber auch auf ihren verachteten Status zurückzuführen. Am 1. Juni 2017 starb ein christlicher Kanalarbeiter im Krankenhaus von Umar Kot in der Provinz Sindh, weil sich drei muslimische Ärzte weigerten, ihn zu berühren. Dies hätte sie nach ihrem Glauben während ihres Fastens im Ramadan unrein gemacht. Es wurden weitere Morde an Christen im Berichtszeitraum erfasst, es gab jedoch keinen erfolgreichen Anschlag gegen ein Kirchengebäude.

Beiträge zu Pakistan

Persönliche Berichte Persönliche Berichte
Beerdigung von Opfern des Angriffes in Quetta Pakistan Quelle: World Watch Monitor)
Pakistan
(Open Doors, Kelkheim) – „Es war ein schöner Morgen. Wir sangen Lieder, es gab eine Weihnachtsaufführung mit den Kindern. Pastor Simon Bashir hatte gerade seine Predigt beendet und uns zum Altar gerufen, da hörten wir von draußen Schüsse.“
Persönliche Berichte Persönliche Berichte
Pakistan
Pakistan
(Open Doors, Kelkheim) – Im pakistanischen Burewala im Bundesstaat Punjab ist ein 17-jähriger Christ von einem Mitschüler getötet worden. Es war der zweite Schultag für Sharoon Masih an der MC Model High School gewesen.
Länderberichte
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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Pakistan ist weiterhin eines der Länder, in denen es Christen am schwersten haben. Der leichte Rückgang der Punktzahl in einigen Lebensbereichen bedeutet nicht, dass sich die Situation für Christen verbessert hat. Das zeigt unter anderem die Tatsache, dass der Wert für Gewalt weiterhin auf dem maximalen Level ist. Nur wenige Länder haben jemals diesen Maximalwert für Gewalt im Weltverfolgungsindex (WVI) erreicht. Der Maximalwert wurde in Pakistan in diesem Jahr erreicht, obwohl zum ersten Mal seit drei Jahren kein Bombenanschlag auf ein Kirchengebäude an Ostern erfolgreich ausgeführt werden konnte. Ein Anschlagsversuch wurde von Sicherheitskräften verhindert (siehe Abschnitt „Auftreten von Gewalt“ weiter unten). Trotzdem wurden im Berichtszeitraum mindestens 15 Christen aufgrund ihres Glaubens getötet, meist in Verbindung mit den berüchtigten Blasphemiegesetzen des Landes.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Pakistan leidet unter einer Vielzahl extremistischer islamischer Gruppierungen und einer sich verstärkt islamisierenden Gesellschaft. Die christliche Gemeinschaft fühlt sich sowohl durch diese Gruppierungen als auch durch die islamische Kultur bedrängt. Den Christen wohlgesinnte Politiker, Richter und religiöse Leiter werden öffentlich von denen bedroht, die eine extremistische, auf dem Wahhabismus beruhende, Ausrichtung haben. Diese wollen Ungläubige nach ihren Vorstellungen behandeln und ein Kalifat errichten sowie sich mit den Unterstützern des „Islamischen Staats“ (IS) und den Taliban identifizieren. Die stärker werdende Präsenz militanter Gruppen, die ausdrücklich Christen zum Angriffsziel erklärt haben, verschlimmert die Situation für Christen in der Region. Trotz einer stärkeren Bekämpfung einiger Gruppen durch das Militär blühen extremistische Gruppierungen auf und werden von verschiedenen politischen Lagern zu Verbündeten gemacht. Ihre Fähigkeit, hunderttausende, meist junge Menschen zu mobilisieren und auf die Straße zu bringen, ist ein starkes politisches Werkzeug, mit dem sich politische Ziele kraftvoll durchsetzen lassen.

Verbotene extremistische Gruppierungen lösen sich zudem nicht einfach in Luft auf. In den meisten Fällen benennen sie sich um und umwerben die Bevölkerung mit sozialen Leistungen. Sie versuchen, jungen Menschen die Perspektive zu geben, an der es in Pakistan so sehr fehlt. Da der Großteil der Bevölkerung 25 Jahre oder jünger ist, davon ein Drittel unter 14, wird sich dieser Trend nicht so bald abschwächen und schafft riesige Herausforderungen. Während die Lebenserwartung mit 67,7 Jahren nicht sehr hoch ist, steht die Fruchtbarkeitsrate bei 2,68. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, wird Pakistan bis 2030 das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt sein und damit Indonesien ablösen. Diese Strukturen führen dazu, dass jedes Jahr eine große Anzahl junger Menschen die Schule voller Träume für ihre Zukunft verlässt. Da das Land jedoch nicht einmal allen Gebildeten und Akademikern der jungen Generation Perspektiven bieten kann, sind soziale Unruhen absehbar. Dies spielt wiederum den extremistischen islamischen Gruppen in die Hände, die den Jugendlichen ein Gefühl von Wertschätzung vermitteln, das sie so noch nie hatten.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Korruption zieht sich in Pakistan durch alle Ebenen der Behörden und der Armee. Die Armee ist eng mit der Wirtschaft des Landes verflochten und tritt in vielen Wirtschaftsbereichen als starker Wettbewerber auf. Sie genießt dabei unlautere Vorteile, wie ein populärer Scherz verdeutlicht: „Jedes Land hat eine Armee, aber hier hat eine Armee ein Land.“ Es ist schwer, an detaillierte Daten zu gelangen, doch Schätzungen zufolge verfügt das Militär über ein Vermögen von etwa zehn Milliarden US-Dollar. Dazu gehören etwa fünf Millionen Hektar landwirtschaftliche Fläche. Die Absetzung von Präsident Nawaz Sharif durch eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs aufgrund von Korruption, die durch die Panama-Papiere aufgedeckt wurde, zeigt, dass die Korruption jedoch keinesfalls auf das Militär beschränkt ist.

Ethnisch begründete Anfeindungen

Pakistan leidet unter der ethnischen Zersplitterung nicht nur der Gesellschaft, sondern auch der Verwaltung des Landes. So werden beispielsweise die Provinz Belutschistan und die Region Sindh traditionell als außerhalb der Reichweite staatlichen Einflusses gesehen. Als Feudalherren herrschende Landbesitzer befehligen in den ländlichen Regionen von Sindh und Punjab eigene Milizen, Gerichte und Gefängnisse. Korruption ist überall zu finden. All das hat auch Auswirkungen auf die schutzlose christliche Minderheit. Die Rechtsprechung in den national verwalteten Stammesgebieten (FATA) ist eingeschränkt und ungerecht. Diese an Afghanistan grenzende Spannungsregion wird noch immer nach dem aus der Kolonialzeit stammenden „Gesetz zu Verbrechen in Grenzgebieten“ von 1901 regiert, welches Polizei und Gerichte aushebelt und die Entfremdung der dort ansässigen Menschen verstärkt. Pakistans Verfassung scheint dort faktisch außer Kraft zu sein. Dies wird besonders durch einen Bericht vom Juni 2016 deutlich, laut dem die Regierung von Khyber Pakhtunkhwa eine Hochschule mit finanziellen Mitteln unterstützt, die als „Universität des Dschihad“ bekannt geworden ist.

Diktatorische Paranoia

Die Politik in Pakistan hat schon immer aus einer Mischung aus „Islamischer Unterdrückung“ und „Diktatorischer Paranoia“ bestanden. Jede Regierung musste mit einer Opposition, extremistischen Gruppierungen, einer starken, unabhängigen Armee und Korruptionsvorwürfen kämpfen. In der Folge tut sie alles, was ihr möglich ist, um an der Macht zu bleiben. Dies zeigte sich im aktuellen Berichtszeitraum erneut. Da Premierminister Nawaz Sharif Ende Juli 2017 aufgrund von Korruptionsvorwürfen seines Amtes enthoben wurde, werden 2018 Parlamentswahlen stattfinden. Es sieht so aus, als würde die politische Situation damit wieder unbeständiger werden. Imran Khan, der Vorsitzende der Oppositionspartei PTI, reichte eine Klage gegen den damaligen Premierminister Sharif ein, da im Zuge der Panama-Leaks Unregelmäßigkeiten in den privaten finanziellen Angelegenheiten des Premierministers öffentlich wurden. Diese Enthüllungen brachten viele derer, die sich für politische Reformen ausgesprochen hatten, dazu, sich einer islamistischen Agenda anzuschließen, die eine stärkere Islamisierung des Landes fordert. Sollte Imran Khan eine größere Rolle in der Politik Pakistans spielen, ist dies kein gutes Zeichen für die Minderheiten des Landes. Khan hat durch mehrere Aussagen klargemacht, dass ihm der Einsatz für diese Minderheiten nicht wichtig ist.

3. Verfolger

In Pakistan existieren extremistische islamische Gruppen nicht nur, sondern sie blühen auch auf und entwickeln sich, da einige von ihnen von politischen Parteien, dem Militär und der Regierung umworben werden. Besonders die Armee folgt weiterhin einer Politik, bei der sie zwischen „guten“ und „bösen“ Taliban unterscheidet. Dieser Strategie hat sich die Regierung weitestgehend angeschlossen. Bis sich dies ändert, werden extremistische Gruppierungen weiterhin Straßen besetzen und tausende Medressen (Koranschulen) unterhalten, von denen keine Behörde weiß, was genau gelehrt wird und mit welchen Geldern sie finanziert werden. Außerdem werden sie weiterhin die Bürger des Landes (insbesondere die Jugend) überall im Land dazu aufzuhetzen, gegen religiöse Minderheiten wie Christen vorzugehen. Christen mit muslimischem Hintergrund sehen sich ebenfalls dieser Feindseligkeit ausgesetzt. Die größte Gefahr für sie kommt jedoch von ihren eigenen Familien, da der Abfall vom Islam als eine große Schande für Familie und Gesellschaft angesehen wird.

Anführer ethnischer Gruppen verlangen kompromisslosen Gehorsam; schließt sich jemand einer anderen Religion an, wird dies als Verrat angesehen. Viele Christen sind Ausbeutung ausgesetzt, da sie sehr arm sind. Fronarbeit ist eine Realität für viele von ihnen, die ihren Dienstherren großen Profit beschert. Ideologische Interessenverbände, die häufig mit politischen Parteien und islamischen religiösen Gruppen verknüpft sind, üben enormen Druck aus und haben starken Einfluss. Dies zeigte sich zuletzt im November 2017, als eine vergleichsweise kleine Gruppe den Justizminister aus dem Amt drängte (siehe Abschnitt „Ausblick“). Multilaterale Organisationen diskriminieren religiöse Minderheiten bei der Einstellung neuer Mitarbeiter. Christliche Leiter zeigen häufig eine sehr abwehrende Haltung und versuchen die Mitglieder ihrer Gemeinde davon abzuhalten, sich einer anderen Kirche anzuschließen, egal aus welchem Grund sie die Gemeinde wechseln wollen.

4. Hintergrund

Pakistan war im Berichtszeitraum weiterhin ein sehr unberechenbares Land. Obwohl das Militär seinen Kampf gegen militante Islamisten fortsetzt, unterscheidet es nach wie vor zwischen „guten“ und „bösen“ Dschihadisten. Es bekämpft die Letzteren, buhlt aber um die Erstgenannten (beispielsweise Lashkar-e-Toiba, jetzt Jamaat-du-Dawah und das Haqqani-Netzwerk), um sie zur Durchsetzung eigener Ziele gegen Nachbarländer wie Afghanistan und Indien stellvertretend ins Feld zu schicken. Diese Politik verfolgt die Armee seit Jahrzehnten. Das Militär kämpft gegen Rebellengruppen, die dem IS nahestehen, dessen Einfluss in Pakistan Berichten zufolge wächst. Die Taliban sind noch immer aktiv und organisieren Angriffe, doch auch der IS ist in der Lage, Anschläge im Land durchzuführen, was sich Ostern 2017 zeigte, als ein Bombenanschlag auf Kirchen nur durch die Aufmerksamkeit des Wachpersonals verhindert werden konnte. Hafeez Muhammad Saeed, der Anführer zweier verbotener extremistischer Gruppierungen, hat eine Partei gegründet und beabsichtigt, an den Wahlen 2018 teilzunehmen. Die Milli Muslim League (MML) ist bisher jedoch nicht als politische Partei von der Wahlkommission Pakistans zugelassen. Ob eine Taliban-Gruppierung vom Militär als gut, böse oder patriotisch eingestuft wird, ist unerheblich. Diese Gruppen sind alle gewalttätig und extremistisch und viele arbeiten mit der Regierung oder der Armee zusammen. Dies kann nur in weitere Gewalt münden – besonders gegen religiöse Minderheiten.

Mumtaz Qadri, der den muslimischen Gouverneur Salman Taseer 2011 ermordet hatte, weil er sich öffentlich gegen die pakistanischen Blasphemiegesetze ausgesprochen hatte, wurde am 29. Februar 2016 gehängt. Demonstranten verlangten daraufhin die augenblickliche Exekution aller Häftlinge, die wegen Blasphemie verurteilt worden waren, insbesondere der katholischen Christin Asia Bibi. Qadris ehemalige Gefängniszelle wurde nach seinem Tod in einen Schrein umgewandelt, der laut Berichten sehr beliebt und gut besucht ist.

Eine der wichtigsten Herausforderungen des Landes bleiben die unkontrollierbaren Medressen. Ein endloser Strom von Jugendlichen, die ihre Bildung in Koranschulen erhalten, strömt in die Gesellschaft. Wird jedoch die Lehre in den Medressen nicht kontrolliert, können extremistische Ideen in die Köpfe der jungen Menschen gepflanzt werden. Eines der wichtigsten Themen für die Zukunft Pakistans ist daher die Kontrolle der Medressen, von denen es schätzungsweise 35.000 im Land gibt und von denen etwa 11.000 dem konservativen Deobandi-Islam folgen. Kinder und Jugendliche sind dort extremistischen Lehren ausgesetzt, die Hass gegen Minderheiten schüren. Viele Medressen erhalten Gelder aus Ländern im Nahen Osten, etwa aus Katar, Kuwait oder Saudi-Arabien. Allein der Versuch, die Medressen im Land auf einer Karte und einer Liste zu verzeichnen, wird als Angriff auf den Islam gewertet, von Überwachung und Steuerung gar nicht zu reden. Die Behörden wissen meist nicht, was hinter den Mauern der Koranschulen geschieht, und Hassreden können ungehindert verbreitet werden. Inzwischen haben die Behörden jedoch begonnen, gegen Medressen vorzugehen, die sie als extremistisch einstufen. Laut offiziellen Zahlen wurden so mehr als 2.300 Medressen geschlossen und alle Medressen in den Provinzen Sindh und Punjab mit ihren Standorten verzeichnet. Dennoch hat das Land noch einen weiten Weg vor sich.

Andere religiöse Minderheiten wie Hindus erleiden wegen der beschriebenen Radikalisierung ebenfalls Verfolgung. Auch muslimische Minderheiten wie Ahmadis, Sufis oder Schiiten sind betroffen und erleben gewaltsame Verfolgung durch extremistische Sunniten, da jene sie nicht als wahre Muslime betrachten. Sie werden als abtrünnige Sekten angesehen, was zur Rechtfertigung jeder Gewalt gegen sie genutzt wird. Beispielsweise wurde im Februar 2017 ein Sufi-Schrein in der Provinz Sindh angegriffen. 75 Menschen wurden bei der Attacke ermordet. Wer verdächtigt wird, Atheist zu sein, kann ebenfalls sehr schnell Ziel der Blasphemiegesetze des Landes oder von Gewalt werden. Dies wurde im April 2017 deutlich, als ein Student in Mardan von einem aufgebrachten Mob gelyncht wurde.

5. Betroffene Kategorien von Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Da sich ausländische und eingewanderte Christen in Pakistan den anderen aufgeführten Gruppen angeschlossen haben, bilden sie im Länderprofil keine eigene Kategorie.

Christen aus traditionellen Kirchen

Dies sind zum Beispiel die römisch-katholische und die anglikanische Kirche. Sie erleben zunehmend Anfeindungen. Es wird schwieriger, Genehmigungen für bestimmte Versammlungen zu erhalten. Das Gemeindeleben funktioniert noch, die Christen müssen jedoch starke Kontrolle und Überwachung ertragen.

Christen muslimischer Herkunft

Christen mit muslimischem Hintergrund tragen die Hauptlast der Verfolgung. Sie erleben sie sowohl von extremistischen islamischen Gruppierungen (von denen sie als Verräter angesehen werden), als auch von Familien und Nachbarn, die eine Abwendung vom Islam als Schande für die Familie betrachten.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Evangelikale, Baptisten und Pfingstgemeinden werden stärker überwacht und oft drangsaliert und attackiert, insbesondere, wenn sie aktiv versuchen, Muslime mit dem Evangelium zu erreichen.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 14.400
Familienleben: 13.500
Gesellschaftliches Leben: 13.800
Leben im Staat: 15.000
Kirchliches Leben: 13.100
Auftreten von Gewalt: 16.700

Grafik: Verfolgungsmuster Pakistan

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster

  • Insgesamt bleibt der Druck auf Christen in Pakistan sehr hoch (in manchen Lebensbereichen extrem hoch). Die durchschnittliche Punktzahl ist jedoch von 14,2 Punkten im WVI 2017 leicht auf 14,0 Punkte zurückgegangen.
  • In den Lebensbereichen „Leben im Staat“ (extrem hoher Druck) und „Kirchliches Leben“ (sehr hoher Druck) hat sich die Punktzahl nicht verändert. Dies spiegelt unter anderem wider, dass Christen weiterhin stark unter den Blasphemiegesetzen des Landes leiden. Der Druck bleibt in den Bereichen „Privatleben“ und „Gesellschaftliches Leben“ auf einem extrem hohen Wert, ist im Vergleich zum vergangenen Berichtszeitraum jedoch leicht gesunken. Den stärksten Druck erfahren Christen muslimischer Herkunft. Generell ist es normal für viele Christen, als Bürger zweiter Klasse betrachtet, vernachlässigt oder attackiert zu werden.
  • Der Wert für Gewalt gegen Christen erreichte, wie bereits im WVI 2017 und 2016, den Maximalwert von 16,7 Punkten. Dies ist bemerkenswert, da – anders als in den vorherigen Berichtszeiträumen – keine Anschläge auf Kirchengebäude erfolgreich ausgeführt werden konnten. Dennoch gab es viele Angriffe auf Christen: Morde, Entführungen von Frauen, Vergewaltigungen, Zwangsehen und Vertreibungen.

Privatleben

Christen muslimischer Herkunft müssen hinsichtlich ihres Glaubenslebens immer sehr auf der Hut sein, besonders wenn sie die Einzigen in der Familie sind, die Jesus nachfolgen. Ihre Bibel oder andere Materialien können ihnen leicht von der Familie, den Freunden oder Nachbarn weggenommen werden. Ein Junge wurde vor Gericht der Blasphemie angeklagt, weil er einen Cartoon auf Facebook mit „Gefällt mir“ markiert hatte, der die Geschichte des Gründers des Islam darstellte. Beiträge in sozialen Medien werden immer mehr zu einer Gefahr für Christen. Berichte, nach denen Christen auf der Straße, im Verkehr oder auf der Arbeit angespuckt oder aggressiv beleidigt wurden, weil sie ein Kreuz trugen, sind Zeichen dafür, dass die Situation schwieriger wird. Selbst Autos, auf denen Aufkleber in Form von Kreuzen angebracht sind, werden eher von der Polizei angehalten. Eine Art der Bestrafung privaten Gebets ist ein von der Familie verhängter Hausarrest. Eine mildere Form der Strafe für christliche Konvertiten ist es, sie unter Beobachtung zu stellen. Manche Christen mit muslimischem Hintergrund müssen auch aus Sicherheitsgründen untertauchen.

Familienleben

Es ist nicht möglich, einen Wechsel zum christlichen Glauben behördlich eintragen zu lassen. Ein Kind wird automatisch als Muslim registriert, wenn der Vater als Muslim eingetragen ist – auch wenn der Vater seinen Glauben tatsächlich längst gewechselt hat. Werden Christen muslimischen Hintergrunds entdeckt, drohen ihnen die erzwungene Scheidung und der Verlust aller Erbansprüche. Das Organisieren einer Taufe, einer christlichen Hochzeit oder Beerdigung ist schwierig, wenn nicht sogar unmöglich. Entscheidet sich ein Konvertit für die Taufe, wird er besonders unter Druck gesetzt, da die Taufe als die stärkste Form der Abwendung vom Islam gesehen wird. Auch wenn ein Pakistani mit christlichem Hintergrund getauft wird, sind häufig Schüsse von Hausdächern und aggressive Rufe gegen Christen zu hören. Dies geschieht, obwohl es kein Verbrechen für einen pakistanischen Christen ist, getauft zu werden. Die Taufe wird jedoch als sichtbares Zeichen des Wachstums der christlichen Gemeinde gehasst. In kleinen Dörfern und abgelegenen Orten werden christliche Familien gezwungen, ihre Kinder zum islamischen Unterricht in eine lokale Medresse zu schicken. Der christliche Unterricht dagegen ist auf die Sonntagsschule einmal pro Woche beschränkt. Die meisten Kinder fühlen sich bereits früh dazu gedrängt, zum Islam „zurückzukehren“, weswegen die meisten Eltern ihren Kindern verbieten, mit nichtchristlichen Kindern über ihren Glauben zu reden. Pastoren traditioneller Kirchen, die bereit sind, Konvertiten zu taufen, wurden in vielen Fällen bedrängt und bedroht. In der Schule ist es christlichen Kindern oft nicht gestattet, die gleiche Wasserleitung wie die anderen Kinder zu nutzen, weil sie diese angeblich verunreinigen würden. Mobbing ist an der Tagesordnung. Schulbücher lehren den Hass auf Christen. Christen muslimischen Hintergrunds werden entweder körperlich attackiert oder die islamische Gesellschaft und die eigene Familie verfluchen sie mit schwarzer Magie, Zaubertränken, Amuletten und anderen okkulten Praktiken.

Gesellschaftliches Leben

Christen werden als unrein betrachtet und deshalb wird die gemeinsame Nutzung etwa von Wasserstellen als Verunreinigung der Muslime gewertet. So begann der Fall von Asia Bibi. An Arbeitsplätzen ist der Druck auf die christliche Minderheit oftmals so groß, dass viele Christen sich dazu gezwungen sahen, mehrfach ihre Arbeit zu wechseln, um sich einer Zwangskonversion zum Islam zu entziehen. Sie müssen beständig Hilfsarbeiten wie Fegen oder Wassertragen verrichten. Aber selbst der Zugang zu diesen Jobs wird laut neuer Berichte für Christen immer schwieriger, da Reinigungsfirmen zunehmend nur Muslime einstellen. Viele Krankenhäuser, Apotheken und andere Einrichtungen bieten Fürsorgeprogramme an, die Christen vermehrt verweigert werden. Anderen werden horrende Rechnungen für medizinische Behandlungen gestellt, die sie nicht bezahlen können und so keine Behandlungen erhalten. Eine Spiegelung dieser Diskriminierung war der Tod eines christlichen Kanalarbeiters, dem die Ärzte die Behandlung verweigerten, weil er Christ war und aufgrund seiner Arbeit als unrein angesehen wurde. In Krankenhäusern, die der Regierung gehören, haben Christen keinen Zugang zu kostenlosen Medikamenten, die der Bevölkerung eigentlich durch ein spezielles Programm bereitgestellt werden sollten. Häufig wollen Patienten die Station nicht mit Christen teilen, sodass diese in Fluren oder Gängen warten müssen. Christliche Kinder werden in der Schule zur Teilnahme an islamischen Riten und Festen gezwungen sowie beständig dazu aufgefordert, Muslime zu werden. Eltern werden oft besucht und dazu angehalten, ihre Kinder zu islamischen Veranstaltungen zu schicken und sie Arabisch lernen zu lassen. Dies wird unter dem Vorwand vorgeschlagen, dass sich dadurch ihre Noten bessern würden. Das verunsichert die Kinder und erhöht die Gefahr einer unfreiwilligen Konversion.

Leben im Staat

Pakistan ist eine Islamische Republik. Die jüngere Entwicklung der Islamisierung der Gesellschaft begann bereits in den 1980er-Jahren, als General Zia 1986 die berüchtigten Blasphemiegesetze einführte. Schnell wurden diese Gesetze zur schlimmsten Bedrohung für die christliche Minderheit. Einem Pressebericht von 2010 zufolge waren zu diesem Zeitpunkt 801 der 1.031 wegen Blasphemie inhaftierten Personen Muslime (der Großteil dürfte zu muslimischen Minderheiten gehören). Von den weiteren 230 Inhaftierten waren 162 Christen (70,4%), 15 Sikhs (6,5%), 28 Buddhisten (12,2%) und 25 Anhänger anderer Religionen. Somit waren 15,7% der wegen Blasphemie inhaftierten Personen Christen, obwohl Christen nur etwa 2% der Bevölkerung ausmachen. Die Blasphemiegesetze sind zudem dafür bekannt, missbraucht zu werden, um persönliche Streitigkeiten auszutragen, sich zu bereichern oder dem Nachbarn etwas heimzuzahlen. Die internationale Gemeinschaft wurde durch das Todesurteil gegen die Christin Asia Bibi im Jahr 2010 wieder auf die Gesetze aufmerksam. Zum ersten Mal wurde dabei in Pakistan eine Frau zum Tod verurteilt. Da die Blasphemiegesetze immer bedeutender wurden, wird es für die Gerichte und die Regierung immer schwieriger, die richtige Handhabung zu finden, da die Gesetze politisch instrumentalisiert werden und große symbolische Bedeutung für extremistische islamische Gruppierungen im Land haben.

Im Berichtszeitraum suchte die lokale Regierung von Hyderabad („Greater Hyderabad Municipal Corporation“) in Anzeigen spezifisch nach Arbeitskräften im Sanitärbereich, die keine Muslime waren. Es wurden nur Bewerbungen von Nichtmuslimen angenommen. Eine weitere Bedingung für Bewerber war, einen religiösen Schwur auf das heilige Buch beziehungsweise die zentralen Schriften der Religion zu leisten (Bibel für Christen, Gita für Hindus). Darin sollten die Bewerber schwören, niemals eine andere Arbeitsstelle außerhalb des Sanitärbereichs anzunehmen und keine Arbeit, die ihnen aufgetragen würde, abzulehnen.

Kirchliches Leben

Das neue Gesetz für Nichtregierungsorganisationen vom 1. Oktober 2015 erlaubt es der Regierung, alle Nichtregierungsorganisationen zu überwachen und nach Belieben zu schließen. Kirchen, die nicht als Nichtregierungsorganisation registriert sind, werden als illegal eingestuft und stehen in der Gefahr, geschlossen zu werden. Das Gesetz wurde eigentlich zum Schutz des Landes vor Terrororganisationen eingeführt, die sich als gemeinnützige Organisation ausgeben. Doch nun werden Kirchengemeinden und Terrororganisationen gemeinsam aufgeführt. Kirchliche Aktivitäten werden regelmäßig überwacht. Die Regierung stellt zwar Sicherheitsleute für viele Kirchen ab, diese jedoch beobachten auch genau, was in den Gemeinden geschieht und berichten regelmäßig an die Regierung. Die Berichte sind eine Form der Geheimdienstüberwachung und es wird vermutet, dass sie auch an Extremisten und militante Organisationen weitergegeben werden. Es wurden Vorfälle gemeldet, bei denen sich die Sicherheitsleute aggressiv verhielten und Priester und Pastoren bedrohten oder angriffen. Christliche Kirchen gleichen inzwischen Festungen mit hohen Mauern und schmalen Toren. Obwohl die Regierung den Schutz der Kirchen durch das Wachpersonal versprochen hat, gab es in den vergangenen Jahren mehrere Angriffe mit Dutzenden Opfern.

Um neue Gebäude bauen zu können, müssen Kirchengemeinden einen langwierigen Registrierungs- und Genehmigungsprozess durchlaufen, der oft mehr als zehn Jahre dauern kann und viele Christen entmutigt, sodass die Pläne für ein neues Gebäude aufgegeben werden. Bestechungsgelder werden erwartet und es sind Briefe von einflussreichen Mitgliedern des Parlaments und von Regierungsbehörden vonnöten. Auch wenn es kein Gesetz gegen den Bau von Kirchen gibt, wird der Prozess erschwert, um Christen zu entmutigen.

Auch wenn der Druck steigt, wenn Kirchengemeinden Jugendliche erreichen wollen, gab es auf diesem Gebiet keine Fälle von offenen Behinderungen. Berichten zufolge wurden jedoch Pastoren gewarnt, dass ihre Aktivitäten von Behörden und Gruppen aus der Nachbarschaft überwacht würden. Abgesehen von der pakistanischen Bibelgesellschaft haben andere christliche Organisationen keine Genehmigung für den Besitz einer Druckerpresse. Die Arbeit der Bibelgesellschaft wird stark überwacht: Jede Bibel hat eine Seriennummer, die nachverfolgt werden kann. Im Oktober 2016 wurden elf der dreizehn christlichen Fernsehsender des Landes geschlossen. Die Christen sorgen sich ebenfalls wegen des im August 2016 verabschiedeten Gesetzes zur Einschränkung des Internets, das eine der letzten Möglichkeiten zur Verbreitung des Evangeliums gefährdet. Im Berichtszeitraum fand eine hitzige Debatte über das christliche Familienrecht statt. Christen wurden dazu ermutigt bzw. genötigt, Scheidungen in mehr Fällen als nur aufgrund von Ehebruch zuzulassen.

Auftreten von Gewalt

Angriffe auf Kirchen finden mit erschreckender Häufigkeit statt, auch wenn die Gebäude nicht immer zerstört werden oder geschlossen werden müssen. Die befragten Pastoren berichten von häufigen Fällen von Bränden, zerbrochenen Fenstern, zerstörter Einrichtung und kleineren Schikanen wie der Abschaltung von Strom oder Wasser für Kirchen. Dieses offenkundige Auftreten von Gewalt überdeckt die alltägliche Gewalt gegen christliche Frauen und Mädchen, die häufig entführt, vergewaltigt, zwangsverheiratet und zur Konversion gezwungen werden. Wird ein Christ der Blasphemie angeklagt, wird sein Zuhause attackiert, sodass die Familie sich verstecken muss. Pakistan ist das einzige Land mit der maximalen Wertung im Bereich „Auftreten von Gewalt“ auf dem Weltverfolgungsindex 2018.

  • Der christliche Rikscha-Fahrer Shahzad Masih wurde am 8. Februar 2017 getötet. Noman Munir Masih wurde am 20. März 2017 getötet.
  • Am 30. August 2017 wurde der 17-jährige Schüler Sharoon Masih von seinen Mitschülern zu Tode geprügelt, nachdem er beschuldigt wurde, vom gleichen Wasserspender wie die muslimischen Schüler getrunken zu haben.
  • Die mangelnde medizinische Versorgung von Christen wurde während des diesjährigen Ramadan am besten veranschaulicht. Am 2. Juni 2017 wurde der christliche Kanalarbeiter Irfan Masih in ein Krankenhaus in Umerkot in der Provinz Sindh gebracht, nachdem er beim Reinigen einer Abwasserleitung giftige Dämpfe eingeatmet hatte. Mehrere Ärzte weigerten sich, seinen schmutzigen und damit für sie unreinen Körper zu berühren – ohne Behandlung starb Masih.
  • Eine neue Entwicklung stellt der Mord an zwei chinesischen Christen dar, die in Pakistan arbeiteten. Li Xinheng (24) und Meng Lisi (26) wurden im Mai 2017 von militanten Kämpfern getötet, die eine Verbindung zum IS haben. Sie beschuldigten ihre Opfer, Pakistanis zum Glaubenswechsel bewegen zu wollen.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Erschreckende Statistiken zeigen, dass weiterhin jedes Jahr geschätzt 700 christliche Mädchen und Frauen entführt, oft auch vergewaltigt und mit muslimischen Männern zwangsverheiratet werden. Dazu gehört immer auch die Zwangsbekehrung zum Islam. Sollte eine christliche Familie so mutig sein, gegen die Entführung und Heirat vorzugehen, wird sie häufig mit der Anschuldigung konfrontiert, sie würde das Mädchen, das sich „freiwillig dem Islam zugewendet habe“ und die Familie ihres Mannes belästigen.

8. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Eines der hartnäckigsten Probleme in Pakistan ist der Umgang mit und die Bekämpfung von islamistischen Gruppierungen. Die anfängliche Hoffnung, dass nach dem Angriff auf die Armee-Schule von Peschawar im Dezember 2014 der Schutz seitens der Armee für einige dieser Gruppierungen schwinden würde, hat sich nicht erfüllt. Noch immer wird zwischen „guten“ und „bösen“ Dschihadisten unterschieden und die religiösen Minderheiten – so auch die Christen – zahlen dafür weiter einen hohen Preis. Die Entscheidung der US-amerikanischen Regierung vom August 2017, ihre militärische Präsenz in Afghanistan zu erhöhen und die damit verbundene strenge Warnung an den wichtigen Verbündeten Pakistan, keine extremistischen, islamistischen Bewegungen zu unterstützen, wird ohne Folgen bleiben. Der Einfluss selbst relativ kleiner islamisch-extremistischer Gruppierungen wurde im November 2017 einmal mehr offensichtlich, als etwa 3.000 Menschen eine wichtige Straßenkreuzung in Islamabad besetzten und so den Verkehr der ganzen Hauptstadt zum Erliegen brachten. Die Gruppe forderte den Rücktritt des Justizministers und eine strikte Umsetzung der Blasphemiegesetze. Ende November 2017 brachte die Gruppe damit den Justizminister zum Rücktritt.

Die politische Situation stabilisierte sich während der beiden vergangenen Legislaturperioden – gerade rechtzeitig für den 70. Geburtstag des Landes im August 2017. Dies änderte sich jedoch mit der Amtsenthebung von Premierminister Sharif, auf die im Absatz „Diktatorische Paranoia“ weiter oben eingegangen wurde. Eine andere Quelle der Unruhe könnte die Veröffentlichung der Ergebnisse der neuen Volkszählung sein. Die Glaubwürdigkeit der langerwarteten Statistik wurde bereits im Vorfeld von oppositionellen Politikern und einigen Behörden der Provinzen öffentlich angezweifelt. Die Tatsache, dass die Bevölkerung Pakistans seit dem letzten Zensus 1998 um mehr als 60% auf über 200 Millionen gewachsen ist und weiterhin mit einem Wachstum von 2% jährlich zu rechnen ist, zeigt eine weitere Herausforderung für das Land: Sollte sich dieses Wachstum fortsetzen, könnte sich die Bevölkerungszahl in den nächsten Jahrzehnten erneut verdoppeln. Die Statistiken zur Religionszugehörigkeit wurden im Berichtszeitraum nicht veröffentlicht – dies zeigt, wie sensibel diese Zahlen sind. Die Veröffentlichung der Zahlen könnte religiöse Minderheiten bei ihrem Kampf nach politischer Repräsentation unterstützen.

Ein weiteres Problem, mit dem das Land schon lange ringt, ist die Eindämmung der unrühmlichen Blasphemiegesetze. Dies wird kaum geschehen können, ohne Aggression von islamistischen Gruppen zu provozieren. Alle bisherigen Versuche waren nicht erfolgreich und lösten starken Widerstand aus. Im August 2017 machte einer der Richter des Obersten Gerichtshofes den Vorschlag, die Blasphemiegesetze in dem Sinn zu verschärfen, dass falsche Anschuldigungen mit der gleichen Härte bestraft werden sollten wie Blasphemie selbst. Alle Hoffnungen, dass die Gesetze geändert werden könnten, haben sich bisher als verfrüht herausgestellt. Am 14. September 2017 verurteilte ein Gericht in Gujrat den Christen Nadeem Masih zur Todesstrafe, weil er angeblich vier blasphemische Nachrichten über WhatsApp versandt haben sollte. Damit ist er das erste Opfer einer angeblichen Blasphemie im Internet bzw. durch soziale Medien in Pakistan – dies spiegelt die gefährliche Situation wider, in der sich insbesondere religiöse Minderheiten befinden.

Eine weitere Herausforderung für das Land ist der Umgang mit dem angeschlagenen Nachbarn Afghanistan. Aus Berichten vom Juni 2016 geht hervor, dass Pakistan plant, etwa drei Millionen Flüchtlinge nach Afghanistan zurückzuschicken. Dies vermehrt sicherlich die Probleme in Afghanistan, da die Anziehungskraft von militanten Gruppierungen auf Menschen ohne Perspektive und der Wettbewerb zwischen diesen Gruppierungen verstärkt werden würde. Damit hätten die Maßnahmen wiederum Auswirkungen auf Pakistan selbst. Bis jetzt hat Pakistan 600.000 Flüchtlinge nach Afghanistan ausgewiesen und seinem Nachbarland damit schon starke Probleme bereitet.

Der bereits stark schwelende Machtkampf zwischen den Taliban und dem IS erhöht den Druck auf beide Gruppen, mehr Anhänger für sich zu gewinnen. Dies bedeutet ihrer Rekrutierungsstrategie gemäß, sich als näher am Herzen des Islam erweisen zu müssen als die andere Gruppe. In ihrem Bestreben, „islamischer“ zu erscheinen, ist es eine Strategie, „Dhimmis“ (Schutzbefohlene, die als Ungläubige Kopfsteuer zahlen) anzugreifen, die nach der „reinen islamischen Lehre“ als Schwächste gelten. Noch extremistischer aufzutreten heißt also auch, die Christen stärker zu verfolgen und ihre Rechte und ihren Bewegungsspielraum noch weiter einzuschränken. Die Regierung ist nicht besonders daran interessiert, die Rechte der Minderheiten zu schützen. Dies schürt den Hass und Argwohn größerer Teile der Gesellschaft gegen die Kirche weiter und lässt erahnen, dass die Islamische Unterdrückung in Pakistan anhaltend stark bleiben wird.

9. Gebetsanliegen

Bitten beten Sie für Pakistan

  • Pakistan ist eine islamische Republik und der neuere Prozess der Islamisierung reicht bis in die 1980er-Jahre zurück. Das Land leidet unter der Vielzahl islamisch-extremistischer Gruppen. Bitte beten Sie dafür, dass die pakistanische Regierung Gesetze erlässt, die die Christen im Land schützen.
  • Bitte beten Sie für pakistanische Christen muslimischer Herkunft, die die Hauptlast der Verfolgung erleiden. Extremistische islamische Gruppen sehen sie als Abgefallene vom Islam; Familie, Freunde und Nachbarn sehen ihre Abkehr vom Islam als eine Schande für die Gemeinschaft.
  • Schätzungsweise 700 Mädchen und Frauen werden jedes Jahr entführt. Sie werden oft vergewaltigt und mit muslimischen Männern zwangsverheiratet. Das führt meist zu erzwungenen Konversionen zum Islam. Bitte beten Sie für den Schutz von christlichen Frauen und Mädchen in Pakistan.

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