Länderprofil Irak

Irak

7
Weltverfolgungsindex
2017
Flagge Irak
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Republik
Rang Vorjahr
2
ISO
IQ
Karte Irak
Karte Irak
Christen
0,23
Bevölkerung
38.65
Islamische Unterdrückung
Ethnisch begründete Anfeindungen
Konfessioneller Protektionismus
Privatleben: 15.104
Familienleben: 14.904
Gesellschaftliches Leben: 15.465
Leben im Staat: 15.104
Kirchliches Leben: 15.209
Auftreten von Gewalt: 10.370

Berichtszeitraum: 1. November 2015 – 31. Oktober 2016

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

86 Punkte / Platz 7 (WVI 2016: 90 Punkte / Platz 2)

Triebkräfte der Verfolgung

Haupttriebkraft der Verfolgung im Irak ist „Islamische Unterdrückung“. Zudem gibt es „Ethnisch begründete Anfeindungen“ (eng verbunden mit Islamischer Unterdrückung) und in geringerem Ausmaß „Konfessionellen Protektionismus“ sowie „Organisiertes Verbrechen und Korruption“.

Aktuelle Einflüsse

Christen leben schon seit zwei Jahrtausenden im Irak, aktuell steht das Christentum jedoch am Rande der Auslöschung. Der Irak leidet seit Jahren an struktureller Unsicherheit, Konflikten und Instabilität, unter einer Regierung, die nicht in der Lage ist, Recht und Gesetz durchzusetzen und wenigstens ein Minimum an Sicherheit zu gewährleisten. Der Irak ist in zwei Teile geteilt: in die halbautonome Kurdenregion im Norden und in den größeren, arabischen Teil. Ethnische Spaltungen haben die irakische Gesellschaft unter dem Einfluss von islamischen Extremisten weiter zerteilt, nicht zuletzt durch die Schaffung des Kalifats des sogenannten Islamischen Staates (IS). Andererseits gibt es einen Hoffnungsschimmer, da sich Möglichkeiten für Kirchengemeinden ergeben, Flüchtlinge zu erreichen.

Betroffene Kategorien von Christen

Gemeinschaften von ausländischen oder eingewanderten Christen wurden nicht als separate Gruppe erfasst, da diese hier normalerweise nicht als eigene Gruppen fungieren. Gemeinschaften traditioneller Christen und protestantische Freikirchen sind ernsthaft von Verfolgung betroffen, besonders durch islamistische Gruppen, Behörden und nicht-christliche Leiter. Gemeinschaften von Christen mit muslimischem Hintergrund leiden schwer unter Verfolgung, besonders durch ihre Familien, aber auch, wenn ihr Glaube bekannt wird, von allen eben genannten Akteuren der Verfolgung.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Der Druck auf Christen ist auf einem extrem hohen Niveau und stieg im Vergleich zum Berichtszeitraum 2016 leicht an. Extremer Druck wurde in jedem Lebensbereich festgestellt. Das ist typisch für eine Situation, in der viele Triebkräfte der Verfolgung zusammenwirken. Der Druck durch die Islamische Unterdrückung wirkt sich auf alle fünf Lebensbereiche aus, besonders für Konvertiten. Ethnisch begründete Anfeindungen (verbunden mit Islamischer Unterdrückung) sind besonders in den Lebensbereichen „Familienleben“ und „Privatleben“ zu finden. Organisiertes Verbrechen und Korruption werden besonders im Bereich „Gesellschaftliches Leben“ und im Bereich „Leben im Staat“ sichtbar. Konfessioneller Protektionismus betrifft besonders die Bereiche „Kirchliches Leben“, „Familienleben“ und das „Privatleben“.

Die Punktzahl für das „Auftreten von Gewalt“ ist sehr hoch, jedoch im Vergleich zum Weltverfolgungsindex 2016 (der den Anfang des Kalifats des IS mit berücksichtigte) gesunken. Es gab weniger gewalttätige Übergriffe gegen Christen, da viele von ihnen aus den Gebieten flohen, die vom IS oder anderen islamischen Extremisten kontrolliert wurden.

Die generelle Verfolgungssituation ist gekennzeichnet von Straffreiheit für die Verfolger, die Bedrohung durch Angriffe von islamischen Extremisten und die Behandlung von Christen als Bürger zweiter Klasse durch die Behörden.

Ausblick

Obwohl es noch einige Zeit dauern dürfte, ist zu erwarten, dass der IS aus den Gebieten, die er erobert hat, vertrieben werden wird. Die politischen Kräfte sind vereint im Kampf gegen den IS, könnten aber in einen Kampf mit den Kurden gezogen werden, von denen erwartet wird, dass sie weiter Unabhängigkeit anstreben. Die Christen stehen in der Gefahr, in diesen Kampf mit hineingezogen zu werden.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 86 Punkten belegt der Irak Platz 7 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2017. Das entspricht einem Rückgang um 4 Punkte gegenüber dem Jahr 2016 (90), als der Irak Rang 2 einnahm. Der wichtigste Grund für die niedrigere Wertung ist die Tatsache, dass weniger gewalttätige Übergriffe auf Christen verzeichnet wurden als im Berichtszeitraum des WVI 2016, als der Islamische Staat (IS) gerade erst sein Kalifat errichtet hatte. Inzwischen sind viele Christen bereits aus den Gebieten geflohen, die vom IS oder anderen islamischen Extremisten besetzt wurden. Die Gewalt ist aber immer noch sehr hoch und der Druck auf Christen bleibt auf einem extremen Niveau.

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2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung: Islamisch extremistische Gruppen wollen eine religiöse Säuberung des Irak und streben danach, den Irak ganz und gar zu einem islamischen Land zu machen. Seit der US-geführten Invasion des Irak im Jahr 2003 hat sich die Situation kontinuierlich verschlechtert. Anti-westliche (und damit auch anti-christliche) Stimmungen wirken zusammen mit beträchtlicher Gewalt durch islamische Extremisten und Gruppen von Aufständischen. Die Situation verschlimmert sich noch durch mangelnde Strafverfolgung und Gesetzlosigkeit. Darüber hinaus sind die islamistischen Milizen im Norden und im Westen zahlenmäßig gewachsen, beeinflusst durch den Bürgerkrieg in Syrien. Im Juni 2014 rief der IS ein Kalifat in großen Teilen des Nord- und West-Irak aus, zusammen mit den Gebieten, die er in Syrien kontrolliert. Der IS führte strenge islamische Regeln ein und ist für den Großteil der Gewalt gegen Christen im Irak verantwortlich. Bedingt durch regionale Entwicklungen nimmt die Bedeutung des Islam in den irakischen und kurdischen Gebieten zu. Mehrere schiitische Parteien haben gute Beziehungen zur Islamischen Republik Iran und folglich wächst der Einfluss des Iran im Irak. Christen, besonders solche mit muslimischem Hintergrund, berichten bereits jetzt, dass sie in Gebieten nahe der iranischen Grenze von iranischen Geheimdiensten beobachtet werden. Generell scheint die Gesellschaft des Irak islamischer zu werden. Die soziale Kontrolle von Frauen sowie der Zwang zum Tragen eines Kopftuches und die Einhaltung des Ramadan nehmen zu. Selbst christliche Frauen in Bagdad und Basra sind gezwungen, sich zu verschleiern, damit sie sich sicher außerhalb ihres Zuhauses bewegen können. In den vom IS kontrollierten Gebieten werden alle Frauen zur Vollverschleierung gezwungen.

Ethnisch begründete Anfeindungen: Die irakische Gesellschaft ist immer noch sehr durch Stämme geprägt. Das Stammesdenken im Irak versucht, den fortgesetzten Einfluss von alten Normen und Werten durchzusetzen und vermischt sich sehr mit dem Islam und beeinträchtigt besonders Christen mit muslimischem Hintergrund.

Organisiertes Verbrechen und Korruption: Die Korruption spielt bei der Verfolgung von Christen eine wichtige Rolle, wie sich bei Lösegeldforderungen bei Entführungen von Christen zeigt oder bei der illegalen Wegnahme von Häusern von Christen und deren Grundbesitz. Der Nichtregierungsorganisation „Bagdad Beituna" (Bagdad, unser Zuhause) zufolge gab es mehr als 7000 Rechtsverletzungen gegen Eigentum irakischer Christen in Bagdad seit 2003. Ein Beamter aus Bagdad gibt an, dass nahezu 70 Prozent der Häuser von Christen illegal übernommen wurden. Die Verwundbarkeit religiöser Minderheiten wie die der Christen wird ausgenutzt. Korruption ist in der irakischen Gesellschaft tief verankert, bis hinauf in die höchsten Ebenen. Zudem sind es besonders Menschen mit politischer Macht, muslimische Milizen mit der Unterstützung des Iran eingeschlossen, die nicht nur Häuser von Christen besetzen, sondern auch Kirchen und Klöster.

Konfessioneller Protektionismus: Im Süden und im Zentral-Irak stehen Christen, die aus einer traditionell christlichen Gemeinschaft zu einer protestantischen Freikirche wechseln, Drohungen und Widerstand von Familienmitgliedern, Stammesführern und der Gesellschaft gegenüber. Dies umfasst die Drohung, den Arbeitsplatz zu verlieren, den Verlust von Erbschaften oder Ersparnissen, um zu heiraten. Angehörigen traditioneller christlicher Gemeinschaften, die freikirchliche Gemeinden besuchten, wurde verweigert, von ihrem Bischof getraut zu werden. Ächtung durch Familie und Gesellschaft sind üblich.

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3. Aktuelle Einflüsse

Die Christen im Irak haben eine lange Tradition. Mossul – Iraks zweitgrößte Stadt, nun teilweise aus der Hand von IS-Milizen befreit – ist der heutige Name der früheren Stadt Ninive, aus dem biblischen Buch Jona. Schon lange lebten Christen in Städten wie Bagdad und Mossul. Vor der amerikanischen Invasion im Jahr 2003 war der Irak Heimat einer der größten christlichen Gemeinschaften im Nahen Osten. Christen leben hier seit zwei Jahrtausenden, stehen aber jetzt am Rande der Auslöschung.

In den letzten Jahren litt der Irak unter struktureller Unsicherheit, Konflikten und Instabilität durch eine Regierung, die weder in der Lage ist, Recht und Gesetz durchzusetzen, noch ein Minimum an Sicherheit zu gewährleisten. Korruption grassiert und die religiös begründete Gewalt scheint nicht aufzuhören.

Der Irak teilt sich in zwei Teile: in die halb-autonome Kurdenregion im Norden, offiziell durch die Kurdische Regionalregierung (KRG) in Erbil verwaltet, und den größeren arabischen Teil, größtenteils von der irakischen Regierung in Bagdad kontrolliert. Kurden und Araber haben jeweils ihre eigene Kultur und Sprache. Ein Großteil der irakischen Erdöl-Vorkommen findet sich nahe Kirkuk und Mossul, der Grenzregion zwischen den Kurdengebieten und dem arabischen Irak. Hier trat bisher die meiste Gewalt auf. Die Christen sind hier zwischen die Fronten zweier unterschiedlicher Kriege geraten: der eine um ein unabhängiges Kurdistan und der andere in Form einer religiösen Säuberung durch islamistische Gruppierungen, die ein rein islamisches Land anstreben. Andererseits gibt es Hoffnungsschimmer. Die Zusammenarbeit von christlichen Pastoren mit muslimischem Hintergrund hat in einigen Orten im Norden zugenommen. Traditionelle Christen und deren Organisationen erreichen Flüchtlinge aus IS-kontrollierten Gebieten und Syrien durch die Verteilung von Decken und Spielzeug. Kirchengemeinden in Erbil und Dohuk leisten zudem in großem Umfang humanitäre Hilfe für Tausende (Binnen-)Flüchtlingsfamilien.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

Gemeinschaften von ausländischen Christen und Arbeitsmigranten: existieren im Irak, sind aber meist von der allgemeinen Situation losgelöst und wurden daher nicht als eigenständige Gruppe in der Bewertung der Situation gezählt.

Christen aus traditionellen Kirchen: Die Assyrisch-Orthodoxe Kirche, die Chaldäisch-Katholische Kirche, die Syrisch-Orthodoxe Kirche und die Armenische Kirche sind alle erheblich von Verfolgung betroffen, besonders durch extremistische islamische Gruppierungen und nicht-christliche Leiter. Zudem stehen sie der Diskriminierung durch Regierungsstellen gegenüber. Im südlichen und im Zentral-Irak tragen Christen oft keine offen sichtbaren christlichen Symbole wie Kreuze, da dies zu Belästigungen und Diskriminierungen an Kontrollpunkten, in Universitäten, am Arbeitsplatz oder in Regierungsgebäuden führen kann. Es wurde sogar berichtet, dass Christen in der irakischen Kurdenregion Kreuze an ihren Autos entfernt hätten, um ungewollte Aufmerksamkeit zu vermeiden. Vor einigen Jahren bereits konnte das Katholische Seminar in Bagdad nicht weiterarbeiten, bedingt durch Androhungen von Entführungen und Angriffen durch islamische Extremisten und war gezwungen, in die Kurdenregion umzuziehen.

Christen aus protestantischen Freikirchen: evangelikale Gemeinden, etwa in Bagdad und Basra, sind ebenso erheblich von der Verfolgung durch extremistische islamische Bewegungen und nicht-christliche Leiter betroffen, inklusive Diskriminierungen durch Behörden. In gewissem Maße sind freikirchliche Christen außerdem von Widerstand durch die eigene (erweiterte) Familie betroffen. Freimütig auftretende Christen sind regelmäßig zu Zielen im Zentral- und Südirak geworden. Blasphemiegesetze können gegen sie verwendet werden, sollten sie verdächtigt werden, Missionsarbeit unter Muslimen geleistet zu haben. Für freikirchliche Christen gibt es keine gesetzliche Grundlage, um Bibelschulen zu errichten oder Organisationen zu engagieren, ihnen dabei zu helfen.

Christen muslimischer Herkunft: Dies betrifft Christen mit einem muslimischen oder einem traditionell christlichen Hintergrund, die nun zusammen mit protestantisch-freikirchlichen Christen Gottesdienst feiern. Christen muslimischen Hintergrunds erleben den meisten Druck durch die (erweiterte) Familie und halten oft ihren neuen Glauben geheim, da sie riskieren, von ihren Familienangehörigen, Stammesführern und den Menschen in ihrem Umfeld bedroht zu werden. Sie riskieren, ihr Anrecht auf ein Erbe zu verlieren sowie das Recht und die Mittel zu heiraten. Offen aus dem Islam zu konvertieren, führt überall im Land zu schwierigen Situationen und ist besonders im vom IS besetzten Gebiet sehr gefährlich. Die Kirche zu wechseln (z.B. aus einer orthodoxen Kirche zu einer freikirchlich-protestantischen Gemeinde) wird ebenfalls mit dem Entzug von Rechten bestraft, wie den Verlust des Arbeitsplatzes. Ein Bischof verweigerte Trauungen von Mitgliedern seiner Kirche durchzuführen, die freikirchlich-protestantische Gemeinden besucht hatten.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 15.104
Familienleben: 14.904
Gesellschaftliches Leben: 15.465
Leben im Staat: 15.104
Kirchliches Leben: 15.209
Auftreten von Gewalt: 10.370

Grafik: Verfolgungsmuster Irak

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenspiel der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster Irak:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen ist auf einem extremen Niveau (15,157) und stieg leicht von 14,918 aus dem Berichtszeitraum 2016. Der Druck in allen Lebensbereichen ist extrem. Das ist typisch für eine Situation, in der viele verschiedene Triebkräfte zusammenwirken.
  • Der Druck durch die Islamische Unterdrückung betrifft alle fünf Lebensbereiche, besonders für Konvertiten.
  • Ethnisch begründete Anfeindungen (verbunden mit Islamischer Unterdrückung) sind besonders in den Lebensbereichen „Familien- und Privatleben“ zu finden.
  • Organisiertes Verbrechen und Korruption werden besonders im Bereich des „gesellschaftlichen Lebens“ und des „Lebens im Staat“ sichtbar.
  • Konfessioneller Protektionismus betrifft besonders die Bereiche „kirchliches Leben“, „Familien- und Privatleben“.
  • Die Punktzahl für „Gewalt“ ist sehr hoch, ist aber im Vergleich zum WVI 2016 (der den Anfang des Kalifats des IS mit einbezog) gesunken. Es gab weniger gewalttätige Übergriffe gegen Christen, da viele von ihnen aus den Gebieten flohen, die vom IS oder anderen islamischen Extremisten kontrolliert wurden.
  • Die generelle Verfolgungssituation ist gekennzeichnet von mangelnder Strafverfolgung, der Bedrohung durch Angriffe von islamischen Extremisten und der Behandlung von Christen als Bürger zweiter Klasse durch die Behörden.

Privatleben: Die Christen muslimischen Hintergrunds sind von allen Christen am meisten in der persönlichen Ausübung ihres Glaubens eingeschränkt. Meist können sie nicht öffentlich ihren Glauben teilen oder christliches Material/Literatur besitzen. Der Druck war besonders im IS-kontrollierten Gebiet hoch, aber auch im zentralen und südlichen Irak. Das trifft in geringerem Maße auch für die Kurdenregionen zu. Nur sehr wenige Christen sind noch im IS-kontrollierten Gebiet verblieben. In ihrer persönlichen Gottesdienstausübung sind sie stark eingeschränkt. Öffentliches Singen geistlicher Lieder etwa ist unmöglich.

Familienleben: Christen muslimischen Hintergrunds müssen ihren neuen Glauben meist verstecken, bedingt durch die „Schande“, die sie über ihre Familie bringen. Sie riskieren, bedroht und isoliert zu werden. Unter allen Christen ist das Leben der Familien, die in den IS-kontrollierten Gebieten leben, am stärksten eingeschränkt. Aber auch in den anderen Teilen des Irak müssen christliche Eltern vorsichtig sein, was sie ihren Kindern von ihrem Glauben mitteilen. Wenn die Kinder zum Beispiel von ihrem Glauben in der Schule erzählen – besonders im Islamunterricht – riskiert die Familie, der Blasphemie beschuldigt zu werden.

Gesellschaftliches Leben: Auch in ihrem Umfeld ist es für Christen muslimischen Hintergrunds zu gefährlich, offen über ihren Glauben zu reden. Wenn ihr Glaube bekannt wird, sehen sie sich Diskriminierung ausgesetzt. Dies ist noch schlimmer in den IS-kontrollierten Gebieten, in denen alle Kategorien von Christen über ihren Glauben Stillschweigen bewahren müssen. Als Konvertit aus dem Islam zum christlichen Glauben entdeckt zu werden, ist im IS-kontrollierten Gebiet wie ein Todesurteil. Das gilt aber auch in den zentralen und südlichen Regionen. Alle Frauen im IS-Gebiet sind zur Vollverschleierung gezwungen. Aber auch in Bagdad und Basra wird auf christliche Frauen Druck ausgeübt, etwa einen Schleier zu tragen. Selbst im Norden des Landes (Dohuk, Zakho und einige Gebiete Erbils) gibt es diesen wachsenden sozialen Druck. In den Kurdenregionen stehen die Christen mehr und mehr unter Druck durch die einheimische muslimische Bevölkerung, die sie beschuldigt, ihnen die Arbeitsplätze wegzunehmen.

Leben im Staat: Die Scharia, das islamische Gesetz, ist die Hauptquelle für die Rechtsprechung. Sie verbietet die Konversion von Muslimen hin zu anderen Religionen. Daher werden Christen mit muslimischem Hintergrund auf Ebene des Staates diskriminiert, wenn ihr neuer Glaube bekannt wird. Es ist ihnen nicht möglich, ihre Religion in ihren Ausweispapieren ändern zu lassen, und ihre Kinder werden automatisch als Muslime registriert. Die fortwährende Islamisierung des gesamten Landes, die Kurdenregionen eingeschlossen, konnte bei der Umsetzung des Gesetzes zur religiösen Registrierung im Jahr 2015 und dem Verbot des Verkaufs von Alkohol im Oktober 2016 beobachtet werden. Das Registrierungsgesetz zwingt nicht-muslimische Kinder, Muslime zu werden, wenn der Vater zum Islam konvertiert oder ihre Mutter einen Muslim heiratet. Das Gesetz wurde trotz Protesten religiöser Minderheiten verabschiedet. Einige Tage nach dem Alkoholverkaufsverbot wurde ein Christ, Eigentümer eines Restaurants und eines Ladens, in dem man Alkohol erwerben konnte, vor seinem Geschäft ermordet. Im nordirakischen Kurdengebiet ordnet die KRG-Regierung den Verkauf von Bauland in einigen vorwiegend von Christen bewohnten Gebieten und Städten an Muslime oder Jesiden an. Dieser „demographische Wandel“ vollzieht sich seit einigen Jahren in vielen mehrheitlich von Christen bewohnten Gebieten, und wenn dieser Trend nicht gestoppt wird, werden diese Gebiete mehr und mehr muslimisch werden.

Kirchliches Leben: In Gebieten, die vom IS kontrolliert werden, wurden Kirchen und Klöster im Allgemeinen entweder zerstört oder zu anderen Zwecken genutzt (Gefängnisse, islamische Zentren, Ställe). Es ist praktisch unmöglich, irgendeine Art von Gemeindeleben im IS-Gebiet zu haben: öffentliche Versammlungen, die nicht vom IS organisiert wurden, sind verboten. Während des Berichtszeitraums haben die meisten Christen diese Gebiete verlassen, wer blieb, musste sich verstecken. Die meisten Christen wurden dazu gezwungen, zum Islam zu konvertieren und an islamischen Gebeten teilzunehmen. Wer sich weigerte, wurde geschlagen. Eine sehr beunruhigende Entwicklung ist im Süden und im Zentrum des Irak zu beobachten: Wegen des Mangels an Priestern oder an Gottesdienstbesuchern – aufgrund von Auswanderung – müssen manche Kirchengebäude verkauft werden. Kirchenleiter wie Pastoren und Priester werden gezielt angegriffen und von islamischen Extremisten getötet, um ein Exempel zu statuieren und andere Christen in Angst zu versetzen, besonders in Bagdad.

Auftreten von Gewalt: Seit der IS im Juni 2014 sein Kalifat ausrief, war ein Strom von Christen, aber auch Jesiden, schiitischen Muslimen, Shabaq, Kakai und anderen Minderheiten gezwungen, ihre Heimat fluchtartig zu verlassen. Viele Christen sind zu Binnenflüchtlingen geworden und sind in die Kurdengebiete oder ins Ausland geflohen. Viele Christen wurden entführt und haben physisches Leid erfahren, sexuelle Gewalt und Zwangsheirat mitinbegriffen. Viele Kirchen, Klöster und Eigentum von Christen wie Häuser und Läden wurden beschädigt, zerstört oder beschlagnahmt - besonders in Mossul und in der Region der Ninive-Ebene. Mindestens ein Christ wurde getötet, vor seinem Geschäft im Oktober 2016. Gegen Christen gerichtete Gewalt trat im Berichtszeitraum weiterhin auf, war aber geringer als im Berichtszeitraum des WVI 2016, der den brutalen Beginn des Kalifats des IS miteinbezog. Da viele Christen die Gebiete unter der Kontrolle des IS und anderer islamistischer Extremisten verlassen haben, darunter auch Bagdad und Basra, gab es weniger Übergriffe auf Christen. Dennoch gibt es weiterhin eine gegen Christen gerichtete Stimmung.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Wichtige Entwicklungen des Jahres 2016 im Irak waren der Verlust von Territorium durch den IS und der Kampf um Mossul. Auf den ersten Blick klingt der Geländeverlust des IS – insgesamt 12 Prozent in den ersten sechs Monaten des Jahres 2016 – wie eine gute Nachricht. Aber der IS wird sich nicht so leicht vertreiben lassen. Bereits jetzt hat die Extremistengruppe – die eines der schlimmsten Beispiele für Akteure aus dem Umfeld der Islamischen Unterdrückung ist – Angriffe in Gebieten nahe oder jenseits ihres Territoriums ausgeführt. Der internationale Think-Tank IHS Markit erwartet „eine Zunahme von Angriffen mit großen Verlusten und Sabotageakte gegen wirtschaftliche Infrastruktur, quer durch den Irak und Syrien und auch weiter entfernt, Europa eingeschlossen."

Gleichzeitig haben Christen mit einem eindrucksvollen Durchhaltevermögen angefangen, in die befreiten und vormals mehrheitlich von Christen bewohnten Städte nahe Mossul, wie z.B. Karakosh, zurückzukehren. Diese Rückkehr wird nicht einfach, da viele Christen den Glauben an ein Leben in Sicherheit in religiös gemischten Regionen verloren haben – geprägt durch ihre Erfahrungen in Mossul, wo viele von ihren Nachbarn verraten wurden. In welchem Zustand werden sie ihre Häuser vorfinden? Viele wurden zerstört oder von anderen besetzt. Es gibt bereits die besorgniserregende Entwicklung, dass schiitische Milizangehörige Häuser von Christen besetzen, die geflohen sind. Dies führt sehr wahrscheinlich zu Spannungen. Es wird erwartet, dass der IS letztlich die Kontrolle über sein Kalifat im Irak und Syrien verlieren wird, obwohl dies sehr wahrscheinlich eine lange Zeit in Anspruch nehmen wird. Der „Economist Intelligence Unit“ (EIU) zufolge „könnte die militärische Kampagne durch das wachsende politische Chaos in Bagdad unterminiert werden, bei dem die Weigerung des Parlaments, einem technokratischeren Kabinett zuzustimmen, die Position des Premierministers Haider al-Abadi geschwächt hat. Dazu kommt, dass eine Vereinbarung zum Teilen der Einkünfte mit den Kurden gescheitert ist, und die niedrigen Ölpreise Druck auf den Staatshaushalt aufbauen."

Derzeit (Dezember 2016) sind die verschiedenen politischen Fraktionen in ihrem Kampf gegen den IS vereint. Was kann erwartet werden, wenn das IS-Territorium zusammenbricht? Der „Economist“ geht davon aus, dass die kurdische Unabhängigkeit sehr wahrscheinlich das politische Hauptthema werden wird. Er erwartet, dass es kleine Zugeständnisse im Bereich des Öls geben wird, aber dass Premierminister Abadi „eher nicht Schritte in Richtung einer tatsächlichen Unabhängigkeit unterstützen wird". Dies führt vermutlich zu weiter wachsenden Spannungen zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen. Die Christen stehen in Gefahr, in diesen Konflikt mit hineingezogen oder in diesem Machtkampf benutzt zu werden. Die Kurdenregion könnte sogar in mehrere Gebiete zerfallen. Darüber hinaus besteht nach dem Sieg über den IS die ernste Gefahr eines Krieges zwischen den schiitischen Einheiten und den Kurden. In einem solchen Machtkampf wird die andere wichtige Triebkraft der Verfolgung, Organisiertes Verbrechen und Korruption, sehr wahrscheinlich blühen.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für den Irak:

  • Große Teile des bewohnten Irak bleiben unter der Kontrolle von Islamisten. Es ist nicht zu erwarten, dass sich dies in der nächsten Zeit ändern wird und es wird dazu führen, dass eine neue Welle von Christen das Land verlassen wird. Selbst christliche Orte und Gebiete, die befreit wurden, sind nicht sicher genug für eine Rückkehr; vieles ist zerstört, es liegt dort vielfach nicht explodierte Munition und es besteht immer die Gefahr, dass Kämpfer des IS zurückkommen. Bitte beten Sie für Frieden und Stabilität im Irak.
  • Beten Sie für die Christen, von denen bekannt ist, dass sie verborgen in vom IS kontrollierten Gebieten leben. Beten Sie für ihren Schutz, und dass sie Gottes Gegenwart inmitten der Gewalt und der Bedrohungen erleben.
  • Bitte beten Sie für die Priester und Pastoren, die im Irak dienen, dass sie lebendige Beispiele von Christi Gegenwart sein können. Beten Sie, dass der Leib Christi die Hoffnung am Leben erhält.

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