Länderprofil Sudan

Sudan

5
Weltverfolgungsindex
2017
Flagge Sudan
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Republik
Rang Vorjahr
8
ISO
SD
Karte Sudan
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Christen
2,00
Bevölkerung
42.17
Islamische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Privatleben: 13.854
Familienleben: 14.423
Gesellschaftliches Leben: 14.583
Leben im Staat: 15.625
Kirchliches Leben: 15.469
Auftreten von Gewalt: 13.334

Berichtszeitraum: 1. November 2015 – 31. Oktober 2016

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

87 Punkte / Platz 5 (WVI 2016: 84 Punkte / Platz 8)

Triebkräfte der Verfolgung

Die Triebkräfte der Verfolgung im Sudan sind eine Kombination von „Islamischer Unterdrückung“ und „Diktatorischer Paranoia”.

Aktuelle Einflüsse

Der Sudan wird seit 1993 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) geführt und befand sich meist unter den ersten zwanzig Ländern. Die systematische Verfolgung von Christen im Sudan erinnert beinahe an eine Politik der ethnischen Säuberung. Unter der autoritären Herrschaft von Omar al-Bashir und seiner Partei gibt es keine Rechtsstaatlichkeit. Presse- und Mediengesetze wurden verschärft, und die Meinungsfreiheit stark beschnitten. Die ethnisch-kulturelle Landschaft ist sehr vielschichtig und kompliziert: Araber stehen gegen Afrikaner, Muslime gegen Christen. Die Abspaltung des Südsudan 2011 hat diese Probleme nicht gelöst. Dies betrifft besonders die ethnischen Afrikaner, von denen eine beachtliche Zahl Christen sind und noch immer im Land leben. Historisch ist der Islam tief in der sudanesischen Gesellschaft verwurzelt und die Regierung verfolgt streng die Politik einer Religion, einer Sprache und einer Kultur. In verschiedenen Teilen des Landes gibt es andauernde Konflikte.

Betroffene Kategorien von Christen

Im Sudan sind alle vier Kategorien von Christen von Verfolgung betroffen: Sowohl Gemeinschaften von ausländischen Christen und Arbeitsmigranten als auch Christen aus traditionellen Kirchen, Christen muslimischer Herkunft und Christen aus protestantischen Freikirchen leben unter schwerer Verfolgung. Staatliche Sicherheitsbeamte schikanieren und schüchtern sie ein.

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

  • Insgesamt ist der Druck auf Christen im Sudan im Berichtszeitraum des WVI 2017 merklich angestiegen und erreichte ein extremes Ausmaß.
  • Es herrscht immenser Druck in allen Lebensbereichen; am höchsten ist er jedoch in den Bereichen „kirchliches Leben“ und „Leben in Staat“, während der Druck im „Privatleben“ am niedrigsten ist.
  • Die beiden Triebkräfte Diktatorische Paranoia und Islamische Unterdrückung schaffen ein äußerst feindseliges Umfeld für Christen. Während sich Islamische Unterdrückung hauptsächlich auf die Bereiche des Familienlebens und des gesellschaftlichen Lebens auswirkt, stellt die Diktatorische Paranoia ein großes Problem in den Bereichen Leben im Staat und kirchliches Leben dar.
  • Die Wertung für den Bereich „Gewalt“ ging zwar im Vergleich zum WVI 2016 etwas zurück, liegt jedoch immer noch im extremen Bereich. Es wurden zahlreiche Verhaftungen, Angriffe auf Kirchen und christliche Gebäude und Tötungen von Christen (vor allem in den Nuba-Bergen) verzeichnet.
  • Insgesamt hat sich die Verfolgungssituation von Christen seit der Unabhängigkeit des Südsudan verschlimmert, da die Regierung die Umsetzung ihrer Politik einer Religion, einer Sprache und einer Kultur vorantreibt.

Ausblick

Die Zukunft der Christen im Sudan sieht düster aus: Vor allem werden Islamische Unterdrückung und Diktatorische Paranoia Triebkräfte der Christenverfolgung im Land bleiben. Die Regierung des Sudan wird auch weiterhin Christen festnehmen, schikanieren und vertreiben und es wird sehr schwierig bleiben, Kirchengebäude zu errichten oder zu renovieren. Die sudanesische Regierung scheint entschlossen, ihre willkürlichen Angriffe auf die Nuba-Christen fortzusetzen. Und al-Bashir macht den Anschein, an seinem politischen Kurs des harten Umgangs mit der internationalen Gemeinschaft festzuhalten.

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Update: 1.Dezember 2016

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(Open Doors) – Meriam Ibrahim, die wegen Abfall vom Islam mit dem Tode bedroht im Gefängnis war, ist am Abend des 26. Juni zum zweiten Mal aus der Haft entlassen worden.

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Sudan: Werdende Mutter bekommt Todesurteil

 

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 87 Punkten belegt der Sudan Platz 5 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2017. Im Jahr 2016 nahm der Sudan mit 84 Punkten Rang 8 ein. Die angestiegene Punktzahl kann folgendermaßen erklärt werden: Die vollständige Anwendung des Scharia-Gesetzes, zu dessen Einführung sich Präsident al-Bashir nach der Abspaltung des Südsudan verpflichtet hat, nimmt vielfältige Formen an. Die islamische Regierung hält weiter an ihrer Politik der Christenverfolgung in der Nuba-Region fest. Die Festnahme und der Prozess gegen Christen und christliche Pastoren im Berichtszeitraum des WVI 2017 sind weitere Indikatoren dafür, wie schwerwiegend die Verfolgung von Christen im Sudan ist.

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2. Triebkräfte der Verfolgung

Die Triebkräfte der Christenverfolgung im Sudan sind „Islamische Unterdrückung“ und „Diktatorische Paranoia“.

Islamische Unterdrückung: Historisch ist der Islam – einschließlich extremistischer Ausprägungen – in der sudanesischen Gesellschaft tief verwurzelt. Ein Beispiel dafür ist die Mahdi-Bewegung des 19. Jahrhunderts. Auch bot das Land Osama bin Laden Zuflucht, bevor er nach Afghanistan zog. Die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung sind muslimische Sunniten. Die Scharia ist Grundlage des geltenden Rechtssystems und die Elite des Sudan hat das Ziel, ein islamisches Regime im Land zu etablieren. Apostasie (der Abfall vom Islam) wurde zum Verbrechen erklärt und mit der Todesstrafe belegt. Die Blasphemie-Gesetze werden landesweit angewandt, um Christen strafrechtlich zu verfolgen.

Diktatorische Paranoia: Der Sudan wird seit dem Staatsstreich al-Bashirs im Jahr 1989 von einem autoritären Regime regiert. Der Einfluss, den die Regierung sowohl auf das Privatleben als auch auf das öffentliche Leben hat, ist enorm. Außerdem kämpft das Land gegen tief verwurzelte Probleme: Die Darfur-Krise dauert weiter an und auch im Konflikt mit der aufständischen Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung des Nordens (SPLM-N) scheint es keine Lösung zu geben. Jedes Mal, wenn sich die Regierung größeren sozio-ökonomischen und politischen Problemen gegenüber sieht, gelingt es al-Bashir durch Brandreden gegen den Westen, Unterstützung in der Bevölkerung zu mobilisieren. Dies wiederum hat negative Auswirkungen auf die Christen im Land, da diese generell als „Spione des Westens“ angesehen werden.

Obwohl die Mehrheit der Sudanesen sunnitische Muslime sind, pflegt die Regierung eine enge Verbindung mit dem schiitischen Iran. Es scheint eine Symbiose zwischen Diktatorischer Paranoia und Islamischer Unterdrückung zu geben. Die führenden Köpfe des Regimes gelten durchweg als extremistische Muslime, die in der regierenden National Congress Party (NCP) ein Mittel sehen, ihre islamische Agenda voranzubringen. Daraus lässt sich schließen, dass die Regierung bei der Verfolgung von Christen nicht nur von totalitären Tendenzen, sondern auch von extremistisch-islamistischen Sympathien angetrieben wird.

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3. Aktuelle Einflüsse

Umgeben von Ägypten, Libyen, dem Tschad, der Zentralafrikanischen Republik, dem Südsudan, Äthiopien, Eritrea und dem Roten Meer, befand sich der Sudan stets im Brennpunkt aufgrund der Kriege und Konflikte, von denen er seit Jahrzehnten umringt ist. Der gegenwärtige Bürgerkrieg im Südsudan lenkt die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft von den Verbrechen der al-Bashir-Regierung ab. Während sich al-Bashir als Friedensstifter im Konflikt im Südsudan darstellt, beliefert er tatsächlich beide Seiten mit Waffen.

Die Christenverfolgung im Sudan ist nicht bloß als Verletzung der Religionsfreiheit zu verstehen. Vielmehr erinnert die systematische Verfolgung beinahe an eine Politik der ethnischen Säuberung. Auch stellt die Verfolgung nicht nur eine Sammlung isolierter Einzelfälle dar, sondern zeigt ein Muster. Der Islam ist historisch tief in der Gesellschaft des Sudan verwurzelt, und obwohl das Christentum dort schon hunderte Jahre vor dem Islam Einzug gehalten hatte, blieb es der sudanesischen Kultur immer fremd. Der Sudan ist eines der wenigen afrikanischen Länder, das seit der Einführung des Weltverfolgungsindex für rein interne Zwecke im Jahr 1993 konstant auf dem Index vertreten ist. Meistens befand sich der Sudan unter den ersten zehn oder zwanzig Ländern, was mit Bewertungen durch andere Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen im Bereich der Menschenrechte, insbesondere der Religionsfreiheit, übereinstimmt. Zudem gibt es seit Jahrzehnten keine Rechtsstaatlichkeit im Sudan; Presse- und Mediengesetze wurden verschärft und Meinungs- und Religionsfreiheit stark beschnitten. Und doch bewies Präsident al-Bashir mit seiner Partei bei den Wahlen im April 2015 seine Macht, indem er angeblich über 90 Prozent der Wähler bei einem erdrutschartigen Sieg für sich gewinnen konnte – obwohl Teile der Bevölkerung mit der schwachen Wirtschaftslage unzufrieden sind, die darauf zurückzuführen ist, dass der Südsudan das Ölgeschäft nunmehr allein betreibt. Der wachsende Krieg zwischen dem Sudan, der SPLM-N und dem Südsudan eröffnet eine weitere Dimension von Problemen, mit denen die Minderheiten des Landes konfrontiert sind.

Die ethnisch-kulturelle Landschaft ist sehr vielschichtig und kompliziert: Araber stehen gegen Afrikaner, Muslime gegen Christen. Die Abspaltung des Südsudan hat diese Probleme nicht gelöst. Dies betrifft besonders die ethnischen Afrikaner, von denen eine beachtliche Zahl Christen sind und noch immer im Land leben. Die Regierung verfolgt streng die Politik einer Religion, einer Sprache und einer Kultur. Diese Politik wird bereits seit Jahren praktiziert und wurde von Präsident al-Bashir 2010 wiederbelebt, als er sagte: „Die Scharia (islamische Gesetzgebung) und der Islam werden die Hauptquelle der Verfassung sein, der Islam wird Staatsreligion und Arabisch die offizielle Sprache des Sudan werden.“ Al-Bashir unterdrückt die im Sudan verbliebenen afrikanischen Christen weiterhin außerordentlich hart, besonders in den Bundesstaaten Süd-Kordofan und Blauer Nil.

Die Regierung scheint die Strategie aus den 1980er- und 90er-Jahren zu wiederholen: damals entschied die Regierung, „die in den Nuba-Bergen lebenden Völker zu dezimieren, indem sie ihnen den Zugang zu Nahrung, medizinischer Versorgung und Wohnraum verwehrte.“ Die Situation verschlimmert sich noch durch den Konflikt mit der SPLM-N und den Bürgerkrieg im Südsudan, die sich in der Grenzregion beider Länder zu einem großen Konflikt zusammengebraut haben. Es lässt sich mit guten Gründen vertreten, dass die Verfolgung der Christen die Kriterien einer ethnischen Säuberung erfüllt.

Der Sudan hat vergeblich alles versucht, die Abspaltung des Südsudan zu verhindern. Und so macht sich al-Bashir Mutmaßungen zufolge nun den Konflikt zwischen den beiden größten Stämmen des Südsudan, den Nuer und den Dinka, zunutze und versorgt beide Seiten mit Waffen, in der Hoffnung, dass sich das Land so selbst schwächen wird. Genauso bedeutend ist al-Bashirs Taktik, die Angriffe gegen Christen als Ablenkung eines auf ihn ausgestellten Haftbefehls vom Internationalen Strafgerichtshof zu benutzen. Die Tatsache, dass nun zahlreiche afrikanische Staaten den Internationalen Strafgerichtshof verlassen, ist für al-Bashir ein moralischer Sieg.

Der Sudan wurde vom US-Außenministerium in seinem Bericht zur internationalen Religionsfreiheit von 29. Februar 2016 zum 16. Mal in Folge als „besonders Besorgnis erregendes Land“ (CPC) aufgeführt, weil er schwere Verletzungen der Religionsfreiheit, wie sie im amerikanischen Gesetz zum Schutz der Religionsfreiheit (IRFA) beschrieben werden, toleriert hat oder selbst daran beteiligt war. Zusammengefasst macht die zerstörerische Verbindung zwischen Islamischer Unterdrückung und Diktatorischer Paranoia den Christen das Leben unerträglich.

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4. Betroffene Kategorien von Christen

Im Sudan sind alle vier Kategorien von Christen präsent. Sie alle werden verfolgt, wenn auch in unterschiedlicher Form und Intensität.

Gemeinschaften von ausländischen Christen und Arbeitsmigranten: Diese bestehen aus Gruppen von Christen aus einigen westlichen Ländern und christlichen Arbeitsmigranten aus dem Südsudan. Ihre Kirchen werden zerstört und Registrierungen verweigert. Einige von ihnen wurden ohne ordentliches Gerichtsverfahren verhaftet. Christliche Flüchtlinge aus Eritrea und Äthiopien werden von der lokalen Bevölkerung isoliert.

Christen aus traditionellen Kirchen: Christen aus der koptisch-orthodoxen und der römisch-katholischen Kirche erleben Verfolgung sowohl aufgrund von Islamischer Unterdrückung als auch der Diktatorischer Paranoia.

Christen muslimischer Herkunft: Diese Gruppe von ehemaligen Muslimen erlebt die stärkste Verfolgung, da sie nicht nur in den Bereichen des kirchlichen Lebens und des Lebens im Staat verfolgt wird, sondern auch starker Verfolgung von Familie und Nachbarn in den Bereichen gesellschaftliches Leben, Familienleben und Privatleben ausgesetzt ist.

Christen aus protestantischen Freikirchen: Einheimische Christen, die evangelikalen oder pfingstlichen Gemeinden angehören, erleben Verfolgung durch Islamische Unterdrückung und Diktatorische Paranoia.

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5. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 13.854
Familienleben: 14.423
Gesellschaftliches Leben: 14.583
Leben im Staat: 15.625
Kirchliches Leben: 15.469
Auftreten von Gewalt: 13.334

Grafik: Verfolgungsmuster Sudan

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenspiel der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster Sudan:

  • Insgesamt ist der Druck auf Christen im Sudan im Berichtszeitraum des WVI 2017 merklich angestiegen, was durch den von 14,052 (WVI 2016) auf 14,791 angestiegenen Durchschnittswert des Drucks in den Lebensbereichen sichtbar wird.
  • Es herrscht extremer Druck in allen Lebensbereichen, am höchsten ist er jedoch in den Bereichen „Leben in Staat“ (15,625) und „kirchliches Leben“ (15,469), während der Druck im „Privatleben“ (13,851) am niedrigsten ist.
  • Die beiden Triebkräfte, Diktatorische Paranoia sowie Islamische Unterdrückung, schaffen ein äußerst feindseliges Umfeld für Christen. Christen muslimischen Hintergrunds sind der schlimmsten Verfolgung in fast allen Lebensbereichen ausgesetzt.
  • Die Wertung für den Bereich „Gewalt“ ging zwar im Vergleich zum WVI 2016 (13,519) etwas zurück, liegt jedoch immer noch im extremen Bereich (13,334). Es wurden zahlreiche Verhaftungen, Angriffe auf Kirchen und christliche Gebäude und Tötungen von Christen (vor allem in den Nuba-Bergen) verzeichnet.
  • Das oben angeführte Verfolgungsmuster zeigt eine sich verschlechternde und extrem gewaltsame Verfolgungssituation. Insgesamt hat sich die Verfolgung von Christen seit der Unabhängigkeit des Südsudan verschlimmert, da die Regierung die Umsetzung ihrer Politik einer Religion, einer Sprache und einer Kultur vorantreibt.

Privatleben: Christen muslimischer Herkunft sind in diesem Lebensbereich besonders von Verfolgung betroffen, da das Gesetz jegliche Abkehr vom Islam zu einer anderen Religion mit dem Tod bestraft. Dazu erklärte ein Open Doors-Feldforscher: „Wegen des Risikos entdeckt zu werden und weil dies als Beweismaterial von Familien, Gesellschaft und Behörden gegen sie verwendet werden könnte, besitzen christliche Konvertiten grundsätzlich keine christlichen Materialien und vermeiden christliche Fernsehsender oder Internetseiten.“ Außerdem haben alle Christen Angst davor, mit sudanesischen Muslimen über ihren Glauben zu sprechen, da dies als „Ermutigung zum Abfall vom Islam“ verstanden werden könnte.

Familienleben: Die Kinder von Christen werden häufig in der Schule oder auf dem Spielplatz wegen des Glaubens ihrer Eltern belästigt. Auch im Sorge- und Erbrecht ist die Situation für Christen aufgrund ihres Glaubens sehr kompliziert. Dies ist ein weiterer Lebensbereich, in dem christliche Konvertiten die stärkste Verfolgung erfahren. Für sie ergeben sich selbst bei Begräbnissen ernsthafte Probleme. Christen muslimischer Herkunft werden oft nach islamischem Ritus auf muslimischen Friedhöfen beerdigt, obwohl christliche und muslimische Friedhöfe getrennt sind. Auch geben sie ihren christlichen Glauben häufig nicht einmal an die eigenen Kinder weiter, da dies die Aufmerksamkeit der Regierung auf die Familie ziehen könnte (weil Kinder versehentlich den Glauben der Eltern offenbaren könnten).

Gesellschaftliches Leben: Die Gesetze zur öffentlichen Ordnung beruhen weitgehend auf der strengen Auslegung des islamischen Rechts vonseiten der Regierung. Sie gelten beispielsweise im Bundesstaat Khartum und verbieten das Tragen „unpassender“ Kleidung sowie „Verletzungen des Ehrgefühls, des Ansehens und der öffentlichen Moral“. Die islamische Moralpolizei belästigt und verhaftet Christen, die sich nicht entsprechend den offiziellen Vorschriften kleiden. Christen werden auch bei der Bekleidung öffentlicher Ämter und beim Zugang zu Gemeinschaftsressourcen diskriminiert. Außerdem werden Christen, besonders ehemalige Muslime, durch Behörden und muslimische Leiter überwacht und stehen unter enormem Druck, ihren christlichen Glauben aufzugeben.

Leben im Staat: Christen werden als Bürger zweiter Klasse angesehen. Obwohl Artikel 38 der Übergangsverfassung Religionsfreiheit garantiert, ist die regierende Partei der Meinung, dass das Land den Muslimen gehört. Demzufolge sind praktisch alle Gesetze von der Scharia abgeleitet und bieten keinen Raum für die Ausübung der Religionsfreiheit. Andere Gesetze schränken die Religionsfreiheit durch sogenannte Rückabwicklungsbestimmungen („clawback clauses“) zusätzlich ein. Das Regime wurde durch die gewonnenen Wahlen im Jahr 2015 in seiner Macht bestätigt, als es mehr als 93 Prozent der Stimmen holte. Christen – besonders aus dem Südsudan und westliche Missionare – werden häufig vom staatlichen Sicherheitsdienst überwacht.

Kirchliches Leben: Die extrem hohe Punktzahl in diesem Lebensbereich rührt daher, dass das kirchliche Leben stark eingeschränkt ist. Laut Bericht eines Open Doors-Feldforschers mischt sich die Regierung zunehmend in die internen Abläufe religiöser Institutionen ein. Aufgrund von Vorschriften seitens des Ministeriums für religiöse Stiftungen und Religionsangelegenheiten sahen sich Pastoren zur Selbstzensur und Einschränkung ihrer Aktivitäten genötigt. Sudanesische Sicherheitskräfte zwangen Christen, die von ihnen geführten Schulen abzugeben. Auch der Bau neuer Kirchen ist äußerst schwierig, vor allem, weil dazu eine Baugenehmigung der Regierungsbehörden benötigt wird. Selbst wenn diese ausgestellt wird, bekommen Christen von lokalen islamischen Leitern und muslimischen Extremisten täglich Steine in den Weg gelegt.

Auftreten von Gewalt: Das extreme Maß an Gewalt gegen Christen ist ein Produkt von zwei zusammenwirkenden Triebkräften der Verfolgung. Obwohl es schwierig war, die genaue Zahl der Christen zu ermitteln, die im Berichtszeitraum des WVI 2017 getötet wurden, hat ein Experte den Tod von mindestens fünf Christen dokumentiert. In der Region der Nuba-Berge werden Christen von staatlichen Sicherheitskräften angegriffen. Die Regierung behauptet dabei, gegen Rebellen vorzugehen. Kirchen und Grundstücke von Christen werden attackiert, Pastoren, die sich gegen Verfolgung aussprechen, strafrechtlich verfolgt. Einem Open Doors-Feldforscher zufolge wurden mindestens 12 Christen innerhalb des Berichtszeitraums aufgrund ihres Glaubens festgenommen. Der christliche Pastor Hassan Abduraheem Kodi Taour und ein tschechischer Entwicklungshelfer stehen im Sudan vor Gericht. Ihnen wird „Spionage“, „Kriegsführung gegen den Staat“ und „Anstiftung zum Hass gegen religiöse Gemeinden“ vorgeworfen. Der mitangeklagte Pastor Kuwa Shamal wurde Anfang Januar mangels Beweisen freigesprochen.

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6. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Der Regierung von al-Bashir gelang es bisher, den immensen Druck aus dem In- und Ausland zu überstehen. Die Regierung des Sudan ist bekannt für ihre Missachtung der Menschenrechte und verletzt weiterhin die Rechte der Christen im Land. In den letzten Jahren ist die Punktzahl des Landes auf dem Weltverfolgungsindex stetig angestiegen. Es ist außerdem seit 1999 auf der Liste der „besonders Besorgnis erregenden Länder“ des US-Außenministeriums verzeichnet, zuletzt am 29. Februar 2016.

Durch den Druck der internationalen Gemeinschaft wurden einige Christen, die aufgrund ihres Glaubens gefangen waren, freigelassen. Ihre Grundeinstellung gegenüber Christen hat die Regierung jedoch nicht verändert. Häufig werden Kirchen, Krankenhäusern und Schulen, besonders in der Bergregion von Nuba, geplündert oder zerstört. Obwohl gegen Präsident al-Bashir zwei internationale Haftbefehle ausgestellt sind, wurde die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft von den Problemen des neu gegründeten Staates Südsudan und dem Ausbruch des Bürgerkrieges zwischen den beiden größten rivalisierenden Stämmen des Landes abgelenkt. Die Tatsache, dass nun zahlreiche afrikanische Staaten den internationalen Strafgerichtshof verlassen, stärkt al-Bashir.

Für die Zukunft zeichnen sich folgende Entwicklungen ab:

  • Die beiden Triebkräfte Islamische Unterdrückung und Diktatorische Paranoia werden die Haupttriebkräfte der Christenverfolgung im Land bleiben.
  • Schikanen gegen und Verhaftungen von Christen werden nicht aufhören.
  • Christen werden weiterhin Schwierigkeiten haben, Baugenehmigungen für Kirchen zu erhalten und einige werden darum kämpfen müssen, ihre Kirchen nicht zu verlieren.
  • Die sudanesische Regierung wird aller Wahrscheinlichkeit nach Nuba-Christen weiterhin willkürlich angreifen.

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7. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für den Sudan:

  • Beten Sie für die Christen im Sudan. Sie stehen massiver Unterdrückung und Verfolgung gegenüber. Bitte beten Sie für Schutz und Möglichkeiten, dass sie zusammen mit anderen Christen Gemeinschaft haben können. Beten Sie auch für die Kirchenleiter, dass sie stark bleiben können inmitten des Drucks, der von der Regierung und islamischen Extremisten auf ihre Kirchen ausgeübt wird.
  • Das islamische Recht, die Scharia, ist die Grundlage für das rechtliche System des Sudan. Die Regierung verhaftet, belästigt und vertreibt regelmäßig Christen. Bitte beten Sie dafür, dass die Regierung Christen mehr und mehr akzeptiert und dass sie ihnen Religionsfreiheit gewährt.
  • Die Regierung im Sudan ist eines der diktatorischsten Regime Afrikas. Bitte beten Sie für die politischen Führer des Sudan, dass der Heilige Geist ihre Herzen verändert und sie gebraucht, um Gerechtigkeit und Frieden im Sudan zu schaffen.

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