Länderprofil Äthiopien

Äthiopien

29
Weltverfolgungsindex
2018
Flagge Äthiopien
Hauptreligion
Christentum
Staatsform
Demokratische Bundesrepublik
Platz Vorjahr
22
ISO
ET
Äthiopien
Äthiopien
Christen
61,96
Bevölkerung
104.35
Islamische Unterdrückung
Konfessioneller Protektionismus
Diktatorische paranoia
Privatleben: 9.800
Familienleben: 10.000
Gesellschaftliches Leben: 10.800
Leben im Staat: 10.900
Kirchliches Leben: 10.500
Auftreten von Gewalt: 10.400
Länderprofil Äthiopien

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

62 Punkte / Platz 29 (WVI 2017: 64 Punkte / Platz 22)

Von wem Verfolgung ausgeht

In Äthiopien ist die Situation der Christen oft komplex, denn die verschiedenen Ursachen für Verfolgung überschneiden sich häufig: 1) Gesetzliche Bestimmungen schränken die Religionsfreiheit ein. 2) In manchen Landesteilen sind konservative Muslime eine Herausforderung, besonders für ehemalige Muslime, die sich zu Jesus Christus bekehrt haben. 3) Säkularismus, die Trennung von Religion und Staat, verursacht Probleme für die Christen in Äthiopien. Ein Fachmann für das Land sagt: „Das Verbot von Sendeanstalten für religiöse Inhalte und auch das Verbot religiöser Aktivitäten innerhalb der Bildungseinrichtungen schränken die Freiheit ein, Gottesdienste abzuhalten, zu lehren und zu predigen.“ 4) In Gebieten, in denen mehrheitlich die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche (EOC) vertreten ist, werden Christen, die die EOC verlassen, um sich einer anderen Gemeinde anzuschließen, von ihrer Familie, ihrem Umfeld und Regierungsbeamten, die Mitglieder der EOC sind, verfolgt. Somit kann in ein und demselben Land aus dem Verfolgten gleichermaßen ein Verfolger werden.

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen

In Äthiopien sind alle Arten von Christen von Verfolgung betroffen, doch einige Denominationen sind stärker betroffen als andere. Verhaftungen sind normal, wobei die Christen aus Freikirchen die stärkste Verfolgung sowohl durch die Regierung als auch die EOC erleiden. Christen muslimischer Herkunft (insbesondere im östlichen und südöstlichen Landesteil) und Christen, die ehemals der Orthodoxen Kirche angehörten, werden von Familie und Gesellschaft sehr schlecht behandelt. In manchen Gebieten wird Christen der Zugang zu Gemeinschaftsgütern verwehrt und/oder sie werden von der Gesellschaft geächtet. In manchen Orten werden Kirchen von Mobs angegriffen.

Beispiele

  • Am 16. Juli 2017 griffen muslimische Aufrührer in Hirna, einem ländlichen Ort 400 Kilometer östlich von Addis Abeba, die örtliche „Full Gospel Church“ an und beschädigten dabei das Dach und eine Wand teilweise, bevor sie einen 27-jährigen Mann in seinem Haus mit Macheten angriffen. Die Aufrührer wollten damit ihrem Zorn über evangelistische Tätigkeiten Luft machen.
  • Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2018 gab es mehrere Berichte von gewalttätigen Übergriffen auf Christen. Dazu zählen Inhaftierungen, körperliche Angriffe, drei Morde und Vandalismus an Geschäften.
  • Im April 2017 gab es Berichte, dass der Staat Tigray im Norden Äthiopiens darüber berät, ein neues Gesetz zu verabschieden, das Christen das Evangelisieren außerhalb ihres Kirchengrundes verbietet. Außerdem würde es nichtorthodoxen Christen schwergemacht werden, eine eigene Kirche zu besitzen oder sich in einem Privathaus zu versammeln.

Beiträge zu Äthiopien

Persönliche Berichte Persönliche Berichte
Äthiopien: Gott lässt seine Kinder nie im Stich
Äthiopien
(Open Doors, Kelkheim) – Dinke* war wie vom Donner gerührt, als sie die Nachricht erhielt: Ihr erstgeborener Sohn Lemma* hatte den Islam verlassen und war Christ geworden! Ihr Mann war außer sich: „Er hat den Tod verdient!
Äthiopien
Die Geschichte eines Jungen aus Äthiopien, der seinen Vater wegen des Glaubens an Jesus verloren hat.
Nachrichten Nachrichten
Äthiopien
Äthiopien
Wegen seiner Mitarbeit in einer Gemeinde wurde ein junger Christ in Äthiopien von mehreren Männern mit Macheten angegriffen und schwer verwundet. Die Attacke ereignete sich bereits am 16. Juli in dem Dorf Hirna, das in einer ländlichen Gegend etwa 400 Kilometer östlich der Hauptstadt Addis Abeba liegt.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit 62 Punkten steht Äthiopien auf Platz 29 des Weltverfolgungsindex 2018, im Vergleich zum vergangenen Jahr entspricht dies einem Rückgang von zwei Punkten. Die Situation hat sich hauptsächlich aufgrund der gegenwärtigen politischen Krise leicht verändert, da diese zu einer verbesserten Beziehung zwischen Christen und anderen Gruppen geführt hat. Doch wichtiger ist die Tatsache, dass die Regierung selbst Probleme hat und sie durch diese so in Anspruch genommen wird, dass sie sich nicht mehr so stark mit der Verfolgung von Christen befassen kann. So hat sich der Druck auf Christen in den Bereichen „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“ vermindert.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Äthiopien ist mehrheitlich von Christen bewohnt (laut World Christian Database waren im April 2017 ca. 59,4% der Bevölkerung Christen und 34,8% Muslime) und doch stellt die „Islamische Unterdrückung“ für Christen eine ernste Bedrohung dar. Ein Landesforscher berichtet: „Islamischer Extremismus ist auch weiterhin ein Problem in Äthiopien. Im Wettbewerb islamischer Länder um die Oberhand in Afrika werden nach wie vor beträchtliche Summen in die Verbreitung des Islam durch die Gründung von Religionsschulen investiert. Direkthilfe für Bedürftige wird an die Bedingung geknüpft, zum Islam überzutreten.“ Mit dem Aufstieg des Extremismus in dem Gebiet und darüber hinaus wächst der extremistische (und politische) Islam auf örtlicher, regionaler und landesweiter Ebene weiter. In diesem Prozess sind verschiedene Arten von Christen immer mehr der Verfolgung in fast allen Lebensbereichen ausgesetzt. Insbesondere in ländlichen Gebieten, die überwiegend von Muslimen bewohnt sind, werden Christen belästigt; so wird ihnen beispielsweise der Zugang zu Gemeinschaftsressourcen verweigert. Christen werden auch Opfer von Gewalt. Christen mit muslimischem Hintergrund werden verstoßen und verlieren häufig ihre Familienrechte wie das Erbrecht und das Sorgerecht für ihre Kinder. Wichtig zu erwähnen ist die Tatsache, dass der wachsende extremistische Islam in den Nachbarländern Somalia und Sudan auch nach Äthiopien übergreift.

Konfessioneller Protektionismus

Dies ist eine weitere Haupttriebkraft der Verfolgung, die vor allem von der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche (EOC) ausgeht. Ein Landesforscher berichtet: „Die EOC hält sich für die einzig ‚wahre‘ christliche Konfession. Sie ist besonders gegen evangelikale Christen, die sie für Anhänger einer westlichen Religion hält und somit einer Bedrohung des äthiopischen Nationalismus und der Kultur, die von der EOC erhalten werden müssten. Es ist normal, Predigten und Lieder zu hören, in denen evangelikale Christen aufs Schärfste kritisiert werden. Priester und andere Lehrer der EOC verdammen den Umgang mit evangelikalen Christen und gehen manchmal so weit, dass sie Mitglieder ausschließen, die mit ‚den Heiden‘ gesprochen haben. Es gibt auch eine wachsende Feindseligkeit mancher evangelikaler Kirchen gegen die EOC, die zu einem hasserfüllten Hin und Her geführt hat.“ Die EOC verfolgt massiv Christen, die aus ihrer Kirche ausgetreten und den (meist) protestantischen Kirchen beigetreten sind und Mitglieder, die der Erneuerungsbewegung innerhalb der EOC beigetreten sind. Diese Verfolgung hat viele Gesichter. So werden diese Christen zum Beispiel manchmal von Mitgliedern der EOC körperlich angegriffen. Diese lassen außerdem ihre Kontakte zur Regierung spielen, um das Wachstum nichtorthodoxer Kirchen zu beschneiden. Zudem beeinflussen sie die Regierung, Gesetze gegen die Ausbreitung des protestantischen christlichen Glaubens zu verabschieden, wie das Gesetz zur Registrierung aller Kirchen, von dem aber die EOC ausgenommen ist. Die EOC nutzt auch ihre einflussreichen eigenen Medien, um Protestanten und Unterstützer der Erneuerungsbewegung zu verteufeln.

Diktatorische Paranoia

Die äthiopische Regierung wird immer autoritärer und schränkt die Rechte der Zivilgesellschaft und religiöser Institutionen weiter ein. Obwohl hochrangige Regierungsmitglieder wie der Premierminister Protestanten sind, ist die Regierung gegenüber Religion im Allgemeinen und Christen im Besonderen argwöhnisch. Zum einen ist die Regierung davon überzeugt, dass religiöse Gruppen die Menschen äußerst wirksam organisieren können, was Bedenken weckt, diese könnten durch ihre Aktivitäten theoretisch auch einen Umsturz herbeiführen. Zum anderen hält die Regierung Protestanten für gefährlich, insbesondere die Mitglieder protestantischer Freikirchen. Sie hegt den Verdacht, diese seien ausländische Spione, die einen Regimewechsel anstreben, obwohl es keinerlei Fakten gibt, die diesen Verdacht stützen würden. Zudem vermutet die Regierung, dass es in den Reihen der EOC eine beträchtliche Anzahl von Leitern gibt, die opponierende Gruppen unterstützen. Die Regierung hat Gesetze verabschiedet, die die Wirkungsfelder religiöser Gruppen einschränken. Dazu können etwa das Verbot von Sendeanstalten für religiöse Zwecke und das Verbot von religiösem Unterricht und weiterer Aktivitäten innerhalb der Schule gezählt werden, durch die die Freiheit der Christen eingeschränkt wird, Gottesdienste zu halten, zu predigen und zu unterrichten. Die US-amerikanische Menschenrechtsorganisation „Freedom House“ stuft das Land in seinem Bericht von 2017 als „nicht frei“ ein.

Im Oktober 2016 rief die Regierung aufgrund der anhaltenden Demonstrationen den Ausnahmezustand aus. Im Allgemeinen hängt die Verfolgung von Christen durch die Regierung untrennbar mit der Sicherung ihres Machterhalts zusammen. Ein Landesforscher berichtet: „Die sich seit 1991 im Amt befindliche Regierung wird zunehmend autoritär. Selbst als es zu immer mehr landesweiten Protesten gekommen ist, die seit 2015 das Land erfüllen, bleibt die Regierungspartei EPRDF unerbittlich. Tausende Demonstranten wurden verhaftet, die Regierung hat soziale Medien gesperrt und den Internetzugriff eingeschränkt. Im Oktober wurde dann ein sechsmonatiger Ausnahmezustand ausgerufen, durch den etliche Grundrechte ausgesetzt wurden. Dieser Ausnahmezustand wurde erneut um sechs Monate verlängert.“ Ein anderer Forscher sagt zudem: „Mehr als die Interessenförderung einer religiösen Gruppe oder einer politischen Ideologie und/oder der Versuch, den Säkularismus tatsächlich umzusetzen, ist der deutliche Wunsch der Regierung, ihre Macht unbegrenzt zu erhalten. Es ist dieser Wunsch, der hinter fast allen Handlungen und Unterlassungen der Regierungspartei steht, die mit dem Umgang religiöser Belange in diesem Land zu tun haben. Dinge sind so lange erlaubt, wie sie in keiner Weise das Regime gefährden. Jede Art von Verfolgung religiöser Minderheiten durch verschiedene Akteure wird solange ignoriert, wie es sich bei ihnen nicht um Minderheiten handelt, die auf der Seite der EPRDF und ihrer Mitglieder stehen. Nichts wird zum gesetzlich verankerten Schutz der Religionsfreiheit und ähnlicher Gesetze beigetragen, wenn dadurch in irgendeiner Art und Weise die bestehende Situation der Regierung gefährdet werden könnte.“

Ethnisch begründete Anfeindungen

Im letzten Vierteljahrhundert hat die ethnisch orientierte Politik große Auswirkungen auf alle Bereiche des öffentlichen Lebens im Land gehabt. Dieser politische Diskurs propagiert die Suche nach „Wurzeln und Identität“, was zu einer feindseligen Haltung Einzelner und ganzer Gruppierungen gegenüber Christen führte. Bis 1974 stand die EOC für die Staatsreligion. Von 1974 bis 1991 befand sich das Land unter kommunistischer Herrschaft, die nach einem 17-jährigen Bürgerkrieg von einem Bündnis mehrerer ethnischer Gruppen entmachtet wurde. Den ethnischen Gruppen wurden 1991 im Rahmen der äthiopischen Übergangsverfassung – Statuten, die nach dem Fall des kommunistischen Regimes eingesetzt wurden – Anerkennung und Schutz ihrer eigenen Kultur und Identität zugesichert. Was anfangs politisch sinnvoll und richtig erschien, mündete schließlich darin, dass die Regierung unter einigen ethnischen Gruppen Ressentiments gegen Christen schürte. In Regionen wie Afar oder Somali (Ogaden) sind Islam und Stammeszugehörigkeit untrennbar miteinander verbunden. Manche Stämme fordern von Christen außerdem, sich an Kämpfen gegen andere Stämme zu beteiligen. Wer nicht mitmacht, erlebt Vergeltung. So berichtet ein Landesforscher: „Obwohl die Mehrheit der Bevölkerung eine der beiden Hauptreligionen (Christentum oder Islam) praktiziert, werden in manchen Landesteilen traditionelle Religionen ausgeübt. Menschen, die in solchen Gemeinschaften leben, sollen ein Teil aller religiösen und kulturellen Riten der Gemeinschaft sein. Wer dies nicht ist, wird vertrieben. Doch auch unter Christen und Muslimen ist die Ausübung schwarzer Magie weit verbreitet. So werden Neugeborene üblicherweise dem örtlichen Zauberer geweiht.“

3. Verfolger

Hinter der Verfolgung von Christen in Äthiopien stehen viele verschiedene Verfolger. Sowohl christliche Leiter als auch nichtchristliche religiöse Leiter, Regierungsbeamte und die eigene (Groß-)Familie sind alle in irgendeiner Art und Weise an der Verfolgung von Christen beteiligt. Im Fall von Regierungsbeamten ist das Ausmaß der Verfolgung von Region zu Region unterschiedlich stark. Besonders Beamte der mittleren und niedrigen Ebene gehen gegen die sogenannten neuen Formen des christlichen Glaubens vor. Örtliche Amtsträger haben besonders viel Einfluss auf Alltagsaktivitäten und sind somit stärker an Verfolgung beteiligt. Dazu gehört auch das Verwehren von Genehmigungen für Gottesdienste und andere Treffen.

In Bezug auf die Verfolgung, die von muslimischen Leitern ausgeht, berichtet ein Landesforscher: „Es gab Berichte über muslimische Leiter, die andere zu Gewalt gegen Christen aufgestachelt haben. Es gibt Filmaufnahmen von muslimischen Predigern, wie sie andere Muslime dazu ermuntern, Christen auszugrenzen; in manchen Fällen wurde sogar Gewalt unterstützt.“

In Bezug auf die Beteiligung von orthodoxen Kirchenleitern und deren Mitgliedern berichtet ein Forscher: „Es gibt einen deutlichen demografischen Wandel in Bezug auf Religionen, da es ein rapides Wachstum neuer christlicher Glaubensrichtungen gibt. Dies gilt besonders für die protestantische Kirche. Solch ein starkes Wachstum wird von den Leitern und Anhängern der Orthodoxen Kirche nicht gutgeheißen. Ein Widerstand gegen diese neuen Formen der Kirchenzugehörigkeit wird in unterschiedlichen Formen und Handlungen sowohl von den Leitern als auch den Anhängern der Orthodoxen Kirche deutlich. Die Vereinigung mit dem Namen ‚‘Mahibere Kidusan‘ veröffentlicht seit Jahren Brandschriften und abfällige Artikel gegen protestantische Christen. In der Hauptstadt und in anderen großen Städten und Gebieten wie im Süden und Südwesten des Landes, wo die neuen Formen der christlichen Kirchen stärker wachsen, hat sich die Situation etwas gebessert.“

4. Hintergrund

Äthiopien ist ein Land, in dem verschiedene Triebkräfte Druck auf Christen in allen Lebensbereichen ausüben. Dieser Abschnitt gibt Hintergrundinformationen zu der Verfolgungssituation in Äthiopien.

Proteste und Ausnahmezustand – aktuelle Ereignisse

Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2017 und Weltverfolgungsindex 2018 wurde Äthiopien von zahlreichen politischen Turbulenzen heimgesucht. Besonders in den Regionen Oromia und Amhara hat es anhaltende und massive Demonstrationen gegeben, auf die die Regierung mit Gewalt antwortete. Allerdings zielten Sicherheitskräfte nicht in besonderer Weise auf Christen und schienen unparteiisch vorzugehen, zumindest was die Religion der Demonstranten betraf. Einige Berichte sprachen von Angriffen auf Kirchen in einem mehrheitlich muslimischen Gebiet des Staates Oromia. Jedoch haben die Anführer der Proteste diese Angriffe schnell verurteilt und die Demonstranten dazu aufgerufen, die Proteste nicht in religiöse Konflikte oder Spaltungen ausarten zu lassen. Es war typisch für die Proteste im Staat Oromia, dass die Solidarität der verschiedenen Volksgruppen stärker war als die der Religionszugehörigkeit. In der Amhara-Region sind die meisten Gebiete, in denen es zu Protesten und Unruhen kam, mehrheitlich koptisch-orthodox. Die Regierung wurde stark unter Druck gesetzt, Tötungen und das Verschwinden von Demonstranten von ausländischen Ermittlern unabhängig untersuchen zu lassen. Doch bislang hat die Regierung sich dagegen gewehrt, UN-Ermittler ins Land zu lassen.

Historische Perspektive

Äthiopiens Vergangenheit ist schon lange sowohl vom christlichen Glauben als auch vom Islam geprägt. Im Lauf der Zeit haben beide Religionen versucht, ihren Einfluss auszuweiten und deswegen viele blutige Konflikte ausgetragen, in denen auch ausländische Akteure wie die Türkei, Portugal und Ägypten involviert waren. Außerdem gibt es in Äthiopien viele Stämme. Sie sind dem christlichen Glauben nicht unbedingt wohlgesonnen, in manchen Regionen wie Afar und Somali ist ihre Identität sogar eng mit dem Islam verbunden. Zudem hat die herrschende Partei alle Plattformen für Meinungs- und Versammlungsfreiheit geschlossen und versucht, alle religiösen Institutionen zu kontrollieren, mit dem Bestreben, abweichende Meinungen zu unterbinden. 2009 erließ die Regierung ein Gesetz, das die Religions-, Vereinigungs-, Rede- und Versammlungsfreiheit einschränkt. Christlichen Wohlfahrtsorganisationen ist es seitdem gesetzlich verboten, Gelder aus dem Ausland zu erhalten, und für Menschenrechte, Konfliktlösung und demokratiebezogene Themen zu arbeiten. Die regierende Partei verstärkte ihren Machterhalt mit der Behauptung, bei den Wahlen im Mai 2015 100 Prozent der Sitze im Parlament gewonnen zu haben. Augenscheinlich hat Premierminister Hailemariam Desalegn alle Aufrufe der internationalen Gemeinschaft ignoriert, der Zivilgesellschaft, der Presse und anderen mehr Freiheit zu gewähren. Infolge der Proteste und der Gewalt, die das Land 2015 und 2016 (und überlappend ins Jahr 2017) erschüttert hat, löste der Premierminister das Kabinett auf. Viele Investoren haben das Land wegen der herrschenden Unsicherheit verlassen. Dennoch bleibt Äthiopien ein Hauptempfänger für internationale Hilfsprogramme.

Die anhaltenden Probleme mit der EOC

Die EOC geht gegen Protestanten und reformwillige Gruppen innerhalb der EOC vor. Dahinter stehen vor allem fanatische Gruppen in der EOC. Diese Gruppen greifen protestantische Freikirchen mit hetzerischen Phrasen an, die in ihren Magazinen, auf Websites und in Zeitungen veröffentlicht werden. Gängige Ausdrücke sind etwa „Neulinge“, „falsche Propheten“, „Menafikan“ (Leugner der Jungfrau Maria und der Heiligen), mit denen sie diese Christen als Ungläubige oder falsche Gläubige bezeichnen. Es wird geschätzt, dass die freikirchliche Gemeinschaft in Äthiopien um etwa 6,7 % pro Jahr wächst. Laut der Volkszählung von 1994 gab es schätzungsweise 62,5 % Christen, 32,8 % Muslime und 4,6 % Animisten im Land. Damals war die Hälfte aller Äthiopier christlich-orthodox und nur etwa 10 % waren Protestanten. 2007 wurden nur noch 43,5 % der Bevölkerung als orthodoxe Kirchengänger gezählt, Protestanten stellten 18,6 % der Bevölkerung dar und Muslime 33,9 %. Diese rasche Veränderung hat zu Feindseligkeiten zwischen Protestanten und der EOC aber auch Muslimen geführt. Die meisten Protestanten gehörten zuvor der EOC an.

Die Triebkraft „Diktatorische Paranoia“ agiert mehr oder weniger gegen jede Gruppe, die von einer religiösen oder politischen Vereinigung organisiert wurde. So argumentieren einige, dass die Verhaftung einiger muslimischer Leiter im Jahr 2012 nichts weiteres als ein behördliches Niederschlagen von friedlichen Zusammenschlüssen gewesen sei, wohingegen die Regierung behauptet, sie habe Extremisten bekämpft.

Es gibt nur sehr wenige religiöse Minderheiten im Land. Auch sie sind von den neuen Regelungen zu Rundfunksendungen, der Rolle von Glauben in der Schulbildung und dem Gesetz zur Beschränkung der Zivilgesellschaft betroffen. Grundsätzlich verlangt letzteres einen Antrag zur Registrierung jedweder religiöser Gruppe. Davon ausgenommen sind orthodoxe und katholische Christen, Muslime und Juden. Außerdem macht das Gesetz eine Mindestteilnehmerzahl von 50 Personen für die Registrierung einer Kirche und mindestens 15 Personen für einen Dienst oder eine Vereinigung zur Bedingung für eine Genehmigung. Zur Zeit sieht es nicht so aus, als habe diese Regel Auswirkungen auf christliche Gemeinden; andere religiöse Minderheiten sind jedoch sehr wohl negativ davon betroffen: In manchen Gebieten haben Mormonen und Zeugen Jehovas mit weniger als 50 Mitgliedern Probleme, einen Gemeinderaum zu finden.

5. Betroffene Kategorien von Christen

Alle Kategorien von Christen, die in Äthiopien leben, sind von Verfolgung betroffen, doch das Ausmaß der Verfolgung kann variieren.

Christen aus traditionellen Kirchen

Die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche (EOC) ist dafür ein typisches Beispiel. Sie ist im Land stark vertreten. An ihr lässt sich die Komplexität der Verfolgungsdynamik gut aufzeigen, denn sie ist selbst von Verfolgung betroffen und spielt gleichzeitig eine maßgebliche Rolle als Verfolger. Christen aus dieser Kategorie erfahren Verfolgung durch die Regierung und islamische Extremisten. Auch in Stammesgebieten ist der Druck auf EOC-Mitglieder hoch. Orthodoxe Christen sind vor allem in Nord- und Zentraläthiopien angesiedelt. Doch sie haben auch Schwierigkeiten aufgrund ihres christlichen Glaubens, wenn sie in den muslimisch dominierten Regionen (Harar, Somali, Afar) oder in örtlichen Gemeinschaften (beispielsweise unter den Silt‘e) leben.

Christen muslimischer und animistischer Herkunft und Christen, die die Denomination gewechselt haben

Zu dieser Kategorie gehören 1) ehemalige Muslime, 2) Christen, die einer anderen Kirche beigetreten sind und 3) Menschen, die sich zu Jesus Christus bekehrt haben und zuvor einer Stammesreligion angehörten. Diese Christen sind unterschiedlichen Triebkräften der Verfolgung ausgesetzt. In muslimisch dominierten Gebieten werden ehemalige Muslime besonders von Familie, Großfamilie, Ortsvorstehern und nichtchristlichen religiösen Leitern verfolgt. In Gebieten, die mehrheitlich von Anhängern der EOC bewohnt sind, geht die Verfolgung hauptsächlich von den Mitgliedern der EOC aus. Diese Gruppe von Christen erfährt auch Verfolgung durch die Regierung, ungeachtet ihres Wohnsitzes. In Gebieten, die vor allem durch „Ethnisch begründete Anfeindungen“ auffallen, können christliche Konvertiten Verfolgung vonseiten der Anhänger der traditionellen Glaubenssysteme erfahren und von Muslimen, die versuchen, sie zur Teilnahme an verschiedenen religiösen Aktivitäten zu zwingen.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Hierzu zählen beispielsweise evangelikale Christen, Baptisten und Pfingstgemeinden, die im Land stark vertreten sind. Sie erleiden vielfältige Verfolgung durch die Regierung, die EOC und islamische Gruppen. Im Vergleich zu anderen Kirchen wachsen sie sehr schnell. Ein Landesforscher berichtet: „Viele Gebiete Südäthiopiens und Teile von Oromia sind von Evangelikalen/Protestanten dominiert. Da sie die Mehrheit der dortigen Bevölkerung bilden, werden sie nicht (ernsthaft) verfolgt. Doch Protestanten, die in den mehrheitlich muslimischen oder christlich-orthodoxen Landesteilen leben, müssen eine Vielzahl an Formen der Verfolgung ertragen.“

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 9.800
Familienleben: 10.000
Gesellschaftliches Leben: 10.800
Leben im Staat: 10.900
Kirchliches Leben: 10.500
Auftreten von Gewalt: 10.400

Grafik: Verfolgungsmuster Äthiopien

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen in allen Lebensbereichen ist von 11,0 Punkten im Weltverfolgungsindex 2017 auf 10,4 Punkte gesunken.
  • Am stärksten ist der Druck im Bereich „Leben im Staat“, da die Regierung eine Vielzahl an Einschränkungen auf christliche Aktivitäten (besonders die der Protestanten) gelegt hat. Am zweitstärksten ist der Druck im Bereich „Gesellschaftliches Leben“. In mehrheitlich christlich-orthodoxen und muslimischen Gebieten haben protestantische Christen große Probleme.
  • Die Wertung in den Bereichen „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“ ist im Vergleich zum Vorjahr um mehr als einen Punkt gesunken.
  • Die Wertung für das Auftreten von Gewalt stieg von 9,3 Punkten im vergangenen Berichtszeitraum auf 10,4 Punkte. Diese Steigerung liegt an der Zunahme von Zwischenfällen, die Christen und ihr Lebensumfeld beeinträchtigt haben.

Privatleben

In diesem Bereich leiden besonders Konvertiten von einem anderen Glauben oder einer anderen christlichen Konfession. Ein Landesforscher berichtet: „Der erste ausschlaggebende Faktor ist, ob es sich um ein städtisches oder ländliches Gebiet handelt. In den vereinzelten (relativ) großen Städten ist der Wechsel von einer christlichen Konfession zur anderen mit weniger ernsthaften Folgen behaftet (es gibt nur Widerstand von einigen Familienmitgliedern). Doch in ländlichen Gebieten ist die soziale Bindung so stark, dass ein Konfessionswechsel sehr wahrscheinlich zu großem Entsetzen und Verfolgung führt.“ Die Situation unterscheidet sich auch je nach Region. Der Norden Äthiopiens beispielsweise ist die Hochburg der EOC. Wenn dort jemand vom orthodoxen Glauben zum protestantischen übertritt, wird diese Person oft vom sozialen Leben abgeschnitten oder gezwungen, die Ortsgemeinschaft ganz zu verlassen. Wo aber der protestantische Glaube die Norm ist, wie in Südäthiopien und in Teilen von Oromia, müssen Konvertiten keine Verfolgung in diesem Ausmaß befürchten.

Als Konvertit ist der Besitz von christlichen Schriften, der Zugang zu christlichen Medien und die Begegnung mit anderen Christen schwierig. Verlässt ein orthodoxer Christ die EOC und tritt einer protestantischen Freikirche bei (im Land Pentay genannt), werden Familienmitglieder, Priester und fanatische Gruppen innerhalb der EOC die Person unter Druck setzen, zu ihrem alten Glauben zurückzukehren. Manchmal werden diese Menschen dazu gezwungen, „Heiliges Wasser“ zu trinken, weil man glaubt, der Konvertit sei vom Teufel besessen.

Familienleben

Auch hier sind christliche Konvertiten unterschiedlich stark von Verfolgung betroffen. Christen, die nicht der EOC angehören, haben es in muslimisch und orthodox dominierten Gebieten schwer, eine Grabstätte zu bekommen. In muslimisch geprägten Regionen müssen Kinder zu islamischen Schulen gehen. In vielen Teilen des Landes werden Kinder aus christlichen Familien aufgrund ihres Glaubens belästigt. Belästigungen wirken sich auch auf Hochzeitsfeiern aus. So gibt ein Forscher dieses Beispiel: „Wenn ein Christ jemanden aus einer muslimischen oder einer christlichen Familie mit anderer Konfession heiratet und die Hochzeit in seiner/ihrer Kirche stattfinden soll, ist es möglich, dass die Familie der anderen Person dagegen protestieren wird. Ein weiteres Problem ist das Vortragen nichtchristlicher Musik auf Hochzeiten: Da die meisten Evangelikalen/Protestanten in Äthiopien nichtchristliche Musik für Sünde halten, kann es auch in diesem Bereich zu Konflikten zwischen den Familienmitgliedern kommen.

Gesellschaftliches Leben

Dieser Lebensbereich ist für Christen aufgrund von „Konfessionellem Protektionismus“ und Islamischer Unterdrückung mit besonders schwerwiegenden Problemen behaftet. In einer auf dörfliche Gemeinschaft orientierten Gesellschaft wie Äthiopien spielen religiöse Unterschiede in vielerlei Hinsicht eine entscheidende Rolle. In von der EOC geprägten Regionen üben Familie, Ortsgemeinschaft und Kirchenleiter erheblichen Druck auf Anhänger protestantischer Freikirchen und auf Christen, die die EOC verlassen haben, aus. So berichtet ein Landesforscher: „In mehrheitlich orthodoxen Gebieten sind evangelikale Christen und Christen aus Pfingstgemeinden mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert. Sie dürfen nicht an gemeinschaftlichen Ereignissen oder Zusammenkünften teilnehmen, sie haben Probleme Schulen zu finden, in denen ihre Kinder sicher sind. Es kann auch zu weiteren Behinderungen des Alltags kommen, etwa bei Marktbesuchen. Besonders während der großen Fastenzeiten der EOC kann es nahezu unmöglich sein, Lebensmittel zu finden, die vom Fasten ausgeschlossen sind. In ganz extremen Fällen können sie zum Verlassen des Gebiets gezwungen werden.“

Christen mit muslimischem Hintergrund wird von Imamen, Lehrern aus Medressen (Koranschulen) und öffentlichen Leitern jederzeit das Leben schwergemacht. Mancherorts wird ihnen die Nutzung kommunaler Versorgungseinrichtungen verwehrt. In anderen Gegenden werden Christen an ihrem Arbeitsplatz bewusst übergangen oder diskriminiert. Christen sind daran gewöhnt, innerhalb ihres Lebensumfelds als unerwünscht wahrgenommen zu werden. Manchmal wird Christen, besonders Christen muslimischer Herkunft, in der Erntezeit jegliche Hilfe verweigert, während sich andere Dorfbewohner gegenseitig beim Einholen der Ernte unterstützen.

Leben im Staat

Auf staatlicher Ebene will die äthiopische Regierung jeden Bereich der Gesellschaft kontrollieren. Die Religionsfreiheit wird konsequent durch entsprechende Gesetzgebung im Bereich der Zivilgesellschaft, die die Meinungs- und Versammlungsfreiheit einschränkt, unterdrückt. Sicherheits- und Verwaltungsauflagen werden als Gründe genutzt, missionarische Aktivitäten im Land zu stören. Berichten zufolge sind Regierungsbehörden auch nachlässig in der Strafverfolgung von Gewalttaten, die sich gegen Christen richten. Direkt vor Beginn des Berichtszeitraums für den Weltverfolgungsindex 2018 rief die Regierung zum ersten Mal seit 26 Jahren den Ausnahmezustand aus, was auch Auswirkungen auf christliche Gemeinden hat, für die es nun schwieriger ist, sich öffentlich zu versammeln. Manchmal wird dadurch auch starker Druck auf sie ausgeübt, umfassende Selbstzensur zu üben, um Aussagen zu vermeiden, die den weitreichenden und vieldeutigen Ausnahmezustand verletzen könnten. Die nationalen Gesetze schränken auch die Ausstrahlung von religiösen Inhalten im Rundfunk ein. Außerdem wurde ein Verbot religiöser Veranstaltungen, einschließlich Gebetsgruppen, in Bildungseinrichtungen verhängt. Ein Landesforscher berichtet davon, dass Christen Opfer von Hetzkampagnen wurden. „Diese [Hetzkampagnen] sind eine verbreitete Praxis, insbesondere von religiösen Leitern. Es gibt Vorträge und in Umlauf gebrachte Aufnahmen von muslimischen Predigern, die Hass gegen Christen predigen. Auch unter Christen ist es üblich, Priester des EOC zu hören, die Hetzkampagnen gegen charismatische Gemeinden/Evangelikale anführen, die mit herabwürdigenden Worten ein Bild von Menschen formen, die Religiosität vortäuschten, um Hilfe aus dem Ausland zu erhalten. Manche Prediger der Pfingstbewegung sprechen sich wiederum gegen die Orthodoxen aus und stellen sie als rückständig dar.“

Kirchliches Leben

In diesem Lebensbereich nimmt der Druck viele unterschiedliche Formen an: Zum einen ist es schwierig, eine Kirche zu registrieren. Die Regierung verlangt das nicht von der EOC (oder der muslimischen Gemeinschaft), doch andere Christen brauchen die Registrierung, um legal operieren zu können. Einige Regierungsbeamte, die der EOC angehören, überwachen christliche Gemeinschaften, die nicht Teil der EOC sind, und benutzen die genehmigte Größe des Gottesdienstraums, um ihnen die Registrierung zu verweigern. In muslimischen Regionen kann es riskant sein, sich öffentlich gegen Verfolger zu stellen, weshalb Gemeindeleiter die Verursacher meist nicht öffentlich verurteilen. Aus Angst vor Übergriffen verbergen zudem viele Christen muslimischer Herkunft aus vorwiegend muslimischen Regionen ihren Glauben und wagen es oft nicht einmal, eine Kirche zu besuchen. Ein Forscher sagt: „In Gebieten, in denen Pfingstgemeinden die Minderheit darstellen, werden die jeweiligen Leiter vor allem dafür verantwortlich gemacht, die gesellschaftlichen Werte zu korrumpieren. Sie werden oftmals sogar stärker verfolgt als die Konvertiten von anderen Konfessionen. Ortsvorsteher werden sich zahlreicher Mittel bedienen, um solche Leiter zu vertreiben, bevor sie noch mehr Schaden anrichten können; häufig müssen sie versteckt leben.“

Auftreten von Gewalt

Im aktuellen Berichtszeitraum waren Christen einem sehr hohen Maß an Gewalt ausgesetzt. So berichtet ein Landesforscher: „Im Westen Äthiopiens wurde eine Frau von ihrem Ehemann brutal umgebracht. Eine weitere Frau wurde ebenfalls in Westäthiopien tödlich vergiftet.“ Neunzehn Kirchen wurden angegriffen und zerstört. Christen wurden verhaftet. In manchen Gebieten sind die Bewohner gegen Evangelisationen. Beispielsweise griff am 16. Juli 2017 ein muslimischer Mob in Hirna, einer ländlichen Ortschaft 400 Kilometer östlich von Addis Abeba, eine „Full Gospel Church“ an und zerstörte dabei die Decke und eine Wand teilweise, bevor ein 27-jähriger Christ in seinem Haus mit Macheten angegriffen wurde. Der Mob brachte damit seien Zorn über Evangelisationen in dem Gebiet zum Ausdruck. Im Berichtszeitraum wurde von über 100 gewalttätigen Übergriffen gegen Christen berichtet.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Frauen werden vor allem Opfer von Verschleppung, Vergewaltigung und Ehescheidung. Ein Landesforscher berichtet: „Manche Christen müssen ehelos leben. Kirchenleiter erklären, dass die Mehrheit der Kirchenmitglieder weiblich ist. Doch diese Frauen finden keine Ehemänner und sie werden von ihrem Umfeld und ihren Verwandten unter Druck gesetzt und beleidigt.“

Männer

Ein Landesforscher berichtet: „Körperliche Angriffe gegen Männer und Jungen sind weitaus schwerwiegender als gegen Frauen und Mädchen. Im Bereich Ethnisch begründeter Anfeindungen stehen sie stärker unter Beobachtung.“

8. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Äthiopien steht am Scheideweg. Die landesweiten Proteste und Demonstrationen, die in manchen Gebieten noch immer sporadisch stattfinden, haben die Regierung 2016 dazu veranlasst, zum ersten Mal seit 1991 den Ausnahmezustand auszurufen. Die Zukunft der Kirche Äthiopiens hängt von folgenden Faktoren ab: Erstens spielen die seit vielen Jahren bestehende strukturelle Vetternwirtschaft in der Regierung und offene Diskriminierung eine große Rolle (wie beispielsweise die Bevorzugung der EOC). Zweitens ist die Verfolgungssituation in Äthiopien davon geprägt, dass die Regierung geschickt eine Gruppe gegen die andere ausspielt, um ihre politische Macht zu erhalten. So werden Angriffe auf Kirchengebäude und Gewalt gegen Christen von der Regierung häufig nicht geahndet. Drittens schwächt der Konflikt zwischen den unterschiedlichen christlichen Kirchen die Gemeinschaft der Christen und verhindert ein gemeinsames Eintreten gegen Verfolgung. Heftigste Vorwürfe und Verfolgung seitens der EOC gegen Protestanten zeigen dies deutlich.

Äthiopien liegt am Horn von Afrika – einer der unbeständigsten Regionen des Kontinents. Der Zustrom von Somaliern hat starke Auswirkungen auf die Christen in Äthiopien, denn mit mehr als fünf Millionen Somaliern ist Äthiopien das Land mit der größten somalischen Gemeinschaft außerhalb Somalias. Die beiden Länder teilen eine lange, brüchige Grenze. Somalias militante Islamisten heben stets hervor, dass Äthiopien ein christliches Land sei und daher historisch betrachtet als Feind gelte. Diese Einschätzung bestärkte einer ihrer Anführer, als er Somalia aufgrund von Äthiopiens militärischem Vorgehen gegen Al Shabaab in Somalia als „ein muslimisches, arabisches Land, das von dem christlichen Land Äthiopien überfallen wurde“ bezeichnete. Dabei ist zu beachten, dass Al Shabaab Äthiopien mehrfach mit Angriffen gedroht hat. Ohne eine entscheidende Schwächung der Al Shabaab stehen Äthiopien in den nächsten Jahren möglicherweise ähnliche Angriffe wie die in Kenia bevor.

Daher wird die Zukunft sehr wahrscheinlich wie folgt aussehen:

  • Die Instabilität des Landes wird sich fortsetzen.
  • Die Verfolgung der Christen (insbesondere von Protestanten und ehemaligen Muslimen) wird von extremistischen Muslimen und aus den Reihen fanatischer Gruppierungen innerhalb der EOC fortsetzt werden.

Die Islamische Unterdrückung wird weiter zunehmen und zukünftig eine Gefahr für den Staat und die Christen darstellen.

Seit Oktober 2016 befindet sich das Land im Ausnahmezustand. Die Stabilität des Landes hängt maßgeblich davon ab, wie die Zivilbevölkerung reagieren wird, wenn der Ausnahmezustand aufgehoben wird.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Äthiopien

  • Die Regierung hat die Bereiche, in denen religiöse Institutionen aktiv sein können, eingeschränkt. Bitte beten Sie für eine größere Freiheit der Gemeinden und dass sie positive Beziehungen zur Regierung aufbauen können. Beten Sie, dass Gott den äthiopischen Regierungsbeamten die Wahrheit zeigt.
  • Beten Sie um Einheit innerhalb des Leibes Christi. Leider gibt es viele Meinungsverschiedenheiten zwischen den Denominationen. Beten Sie für eine Erneuerung in den Kirchengemeinden, die sich auf Jesus Christus berufen.
  • Verfolgung im Familienumfeld und im gesellschaftlichen Leben ist Alltag. In vielen Fällen wird Christen der Zugriff auf gemeinschaftliche Ressourcen verweigert und sie werden auf der Suche nach Arbeit diskriminiert. Bitte beten Sie, dass Jesus für die verfolgten Christen in Äthiopien sorgt.

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