Länderprofil Bangladesch

Bangladesch

41
Weltverfolgungsindex
2018
Flagge Bangladesch
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Volksrepublik
Platz Vorjahr
26
ISO
BD
Karte Bangladesch
Karte Bangladesch
Christen
0,87
Bevölkerung
164.83
Islamische Unterdrückung
Religiös motivierter Nationalismus
Ethnisch begründete Anfeindungen
Privatleben: 10.400
Familienleben: 8.800
Gesellschaftliches Leben: 11.400
Leben im Staat: 9.600
Kirchliches Leben: 7.500
Auftreten von Gewalt: 10.000
Länderprofil Bangladesch

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

58 Punkte / Platz 41 (WVI 2017: 63 Punkte / Platz 26)

Von wem Verfolgung ausgeht

Während die Zahl von Christen muslimischer Herkunft zunimmt, sind diese Konvertiten immer mehr mit Beschränkungen und Schwierigkeiten durch islamistische Gruppen, lokale religiöse Leiter und ihre Familien konfrontiert. Überall im Land werden Fatwas umgesetzt, besonders in den ländlichen Gegenden, und Rufe nach der Einführung des Scharia-Rechts werden laut, um zu zeigen, dass man zum „Haus des Islam“ gehöre. Beamte von Lokalbehörden schaffen verschiedenste Hindernisse für Christen, aber den sich häufenden Angriffen des Islamischen Staates im Land wurde durch striktere Kontrollen der Behörden und ein Durchgreifen der Sicherheitsbehörden gegen solche Gruppen entgegengewirkt.

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen

Christen muslimischer oder hinduistischer Herkunft erleiden die schwerste Verfolgung in Bangladesch. Sie versammeln sich oft in kleinen Hausgemeinden oder in geheimen Gruppen aus Angst vor Angriffen. Evangelistisch gesinnte Gemeinden – viele von ihnen Pfingstgemeinden –, die unter der muslimischen Mehrheit arbeiten, stehen Verfolgung gegenüber, aber selbst traditionelle Kirchen wie die Römisch-Katholische Kirche sind zunehmend Angriffen und Morddrohungen ausgesetzt. Christen aus indigenen Volksgruppen wie den Santal sind doppelt verwundbar (da sie sowohl zu einer ethnischen als auch zu einer religiösen Minderheit gehören) und leiden unter Landraub und Gewalt.

Beispiele

  • Im November 2016 gaben mehr als zwanzig Gemeindeleiter und Mitarbeiter von Hilfswerken an, Morddrohungen erhalten zu haben. Anfang Oktober 2016 sagten drei römisch-katholische Priester, dass sie nur knapp einem Mordanschlag entgangen seien.
  • Am 6. und 7. November 2016 wurden 2.500 Landbesetzer vom Volk der Santal, die meisten von ihnen Christen, gewaltsam von umstrittenem Land in der Gegend von Sahebganj durch Arbeiter der Rangpur-Zuckerfabrik mit Unterstützung der lokalen Polizei entfernt. Bei dem Zusammenstoß wurden 3 Landbesetzer getötet, 30 gelten als vermisst und Dutzende wurden verwundet. Darüber hinaus plünderten die Angreifer die Häuser und das Vieh der Stammesleute und zündeten ungefähr 600 Häuser der Landbesetzer an. Dies zeigt, dass Verfolgung auch wirtschaftliche Motive haben kann.
  • Christen wurden dazu gezwungen, die Lehrbücher der Mehrheitsreligion zu lesen. Die Regierung von Bangladesch stellt islamische Lehrbücher zu Verfügung, aber die Lehrer bekommen nicht genügend christliche Bücher, um sie im Unterricht einzusetzen.
  • Nach ihrem Wechsel zum christlichen Glauben wird ehemaligen Muslimen wegen ihres neuen Glaubens häufig der Zugang zu gemeinsam genutzten Ressourcen verweigert. Sie werden oft am Arbeiten gehindert und in einem Fall wurde berichtet, dass die Menschen aus dem Umfeld sogar die Straße blockiert hätten.

Beiträge zu Bangladesch

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Nach einem starken Anstieg auf dem Weltverfolgungsindex 2017 ist die Punktzahl Bangladeschs im Weltverfolgungsindex 2018 (58 Punkte) wieder auf ihr normales Langzeitniveau zurückgekehrt. Fast die Hälfte der Verringerung ist in einem niedrigeren Ausmaß von Gewalt begründet, obwohl im Berichtszeitraum drei Christen vom Stamm der Santal wegen Landstreitigkeiten getötet wurden. Alle Lebensbereiche außer dem Leben im Staat zeigten einen Rückgang des Drucks. Dies zeigt, dass die Unsicherheit und der Druck auf Christen, die durch islamistische Gruppen ausgelöst wurden, größtenteils zurückgegangen ist, da die Behörden ernsthafte Schritte gegen die Aktivitäten der Militanten unternommen haben. Die relativ niedrige Platzierung sollte aber nicht als eine allgemeine Verbesserung der Situation missverstanden werden. Generell erlebt die christliche Minderheit immer noch Diskriminierung, Zurückweisung und Gewalt, doch bis auf Weiteres kann die Situation des Weltverfolgungsindex 2017 als Ausnahme gesehen werden.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Diese Triebkraft betrifft alle Christen in Bangladesch, obwohl das Land gemäß der Verfassung weiterhin sowohl ein säkulares als auch ein islamisches Land ist. Es wird immer schwieriger zu sehen, wie dieses duale System in der Praxis funktionieren soll, besonders da die Regierung zunehmend den Forderungen einheimischer islamischer Gruppen, die keine Verbindungen zur Opposition haben, nachgibt. Diese Gruppen überwachen die Minderheiten, ganz besonders Konvertiten. Sie erwecken Angst und viele von ihnen sind inspiriert durch internationale islamistische Gruppen wie den sogenannten Islamischen Staat (IS), obwohl die Behörden weiterhin diese Verbindung bestreiten. Trotz der Aussagen der Regierung werden diese Verbindungen weithin als real angesehen, was die Furcht in der Bevölkerung nur noch erhöht. Neben diesen islamischen Gruppen sind es immer noch die Familien und die Menschen im Umfeld, die Christen verfolgen und die Aktivitäten der Konvertiten überwachen, besonders in ländlichen Gegenden. Die Tatsache, dass die Regierung diejenigen islamischen Gruppen bekämpft, die dafür bekannt sind, Verbindungen zur Oppositionspartei zu haben, hilft nicht dabei, die unberechenbare Situation zu entschärfen.

Religiös motivierter Nationalismus

Es gibt mehr als doppelt so viele Buddhisten wie Christen in Bangladesch, die meisten gehören zu den einheimischen Bevölkerungsgruppen in den Chittagong Hill Tracts, an der Grenze zu Indien und Myanmar. Unter diesen Gruppen ist der Stamm der Chakma der bekannteste. In den letzten Jahren ist eine wachsende Zahl von Chakma Christen geworden. Dies hat buddhistische Leiter und Stammesführer veranlasst, mehr Druck auf Konvertiten auszuüben. Dies geschieht nicht nur durch die Familie, Freunde und das Umfeld, sondern auch durch extremistische Buddhisten, die lokale Buddhisten und Stammesgruppen stärken wollen, dem christlichen Glauben zu „widerstehen“. Die Region wird durch den anhaltenden Zufluss von muslimischen Rohingya-Flüchtlingen über die Grenze von Myanmar immer instabiler. Schätzungen vom 29. November 2017 besagen, dass seit dem 25. August 2017 625.000 Rohingya in das benachbarte Bangladesch geflohen seien und in desolaten Zuständen leben müssen. Dies erhöht die Gesamtzahl der in Bangladesch lebenden Rohingya auf mehr als 800.000. Das Auftauchen der Widerstandsgruppe „Arakan Rohingya Salvation Army“ (ARSA) wird die Nervosität der Regierung steigern und dazu führen, dass Flüchtlinge noch weniger willkommen sein werden, da Bangladesch bereits jetzt schon mit seinen eigenen islamischen Extremisten zu kämpfen hat.

Ethnisch begründete Anfeindungen

Da die Chakma, Tripura und Marma Stammesgruppen sind, vermischt sich Religiös motivierter Nationalismus mit Ethnisch begründeten Anfeindungen. Das bedeutet, dass neue Christen mit einer Stammesherkunft dazu gezwungen werden, althergebrachten Normen und Werten ihrer Gemeinschaft zu folgen, egal, ob sie mit Religion vermischt sind oder nicht.

3. Verfolger

Muslimische Führungspersönlichkeiten in Bangladesch sind eine der Quellen der Verfolgung von Christen. Mit dem Wachsen der Zahl derer, die aus einem muslimischen Hintergrund Christen werden, sind diese immer mehr mit Beschränkungen und Schwierigkeiten durch islamistische Gruppen, lokale religiöse Leiter und die Familien konfrontiert. Überall im Land werden Fatwas umgesetzt, besonders in den ländlichen Gegenden, und Rufe nach der Einführung der Scharia werden laut, um zu zeigen, dass man zum „Haus des Islam“ gehöre. Lokale Beamte schaffen verschiedene Hürden für Christen, besonders für Konvertiten. Ein merklicher Trend ist die Zunahme von Gräueltaten des IS im Land, die sich hauptsächlich gegen Freidenker und religiöse Minderheiten richten, inklusive Christen (besonders gegen Leiter und Evangelisten) und Konvertiten. Buddhistische Leiter und Stammesführer und Familien agieren in ihren Regionen ebenfalls als Verfolger. Einige politische Parteien arbeiten mit islamistischen Gruppierungen zusammen, wie z.B. mit Jamat-e-Islam. Darüber hinaus setzt die Oppositionspartei, die Bangladesh National Party (BNP), religiöse Minderheiten (auch Christen) unter Druck, da sie als Unterstützer der regierenden Partei gesehen werden. Auch kriminelle Kartelle treten als Verfolger von Christen auf, aber was die Enteignung von Land betrifft, sind Christen größtenteils deshalb betroffen, weil sie zum schwächeren Teil der Gesellschaft gehören.

4. Hintergrund

In Bangladesch schwelt seit Langem ein politischer Konflikt zwischen der Regierung und der Opposition (und da Politik größtenteils eine Familienangelegenheit ist, auch zwischen den entsprechenden Familien). Dies belässt das Land in einem derartigen politischen Schwebezustand, dass die reale und ernsthafte Gefahr durch den extremistischen Islam manchmal anscheinend eine geringere Bedeutung zugemessen bekommt. Der tödliche Ernst dieser Lage zeigte sich in einer Mordserie an religiösen Minderheiten (auch Christen), Säkularisten und politischen Aktivisten 2016. Ob diese Tötungen – wie die Regierung fortwährend behauptet – nichts mit dem IS zu tun haben und lokalen militanten Gruppen zugeschrieben werden müssen, spielt nicht wirklich eine Rolle. Die größten dieser lokalen Gruppen, die Jamaat-ul-Mujahideen (JMB) und das Ansarullah Bangla Team (ABT), haben dem IS die Treue geschworen, und so kann man sagen, dass es dem IS gelingt, in Bangladesch Fuß zu fassen.

Die Kämpfe gegen Islamisten haben sich während des Berichtszeitraums fortgesetzt und sind seit dem Angriff auf eine Bäckerei am 1. Juli 2016 in Dhaka mit 22 Toten sogar heftiger geworden. Der ausgefeilte Angriff zeigte, dass die islamistischen Gruppen Unterstützung von außen erhalten haben müssen. In einem Feuergefecht mit Islamisten in Sylhet im März 2017 wurden 10 Kämpfer getötet und 25 verwundet. Die Tatsache, dass Gesellschaft und Politik in dieser kritischen Zeit politisch gespalten sind, verstärkt die Schwierigkeiten, denen Bangladesch gegenübersteht und macht das dringend notwendige Vorgehen gegen den militanten Islam schwieriger.

Besonders problematisch erscheint, dass die Regierung Forderungen von Islamisten immer mehr Raum im Land gibt, höchstwahrscheinlich um Wählerstimmen zu gewinnen. Dies zeigte sich unter anderem in der Entscheidung der Regierung im Januar 2017, die Schulbücher für konservativ-islamische Gruppen angemessener zu machen. Ein Beispiel (unter vielen) für den schleichenden Vorstoß in Richtung des Islam findet sich in den Büchern der ersten Klasse: Der Buchstabe 'o' wird neuerdings mit der Darstellung der „orna“ (ein Schleier, der zu Beginn der Pubertät getragen wird) erklärt. In einem Schulbuch für Sechstklässler wurde ein Reisebericht in den Norden Indiens (eines der Nachbarländer) durch einen Bericht über den Nil in Ägypten ersetzt. Andere Bücher wurden ebenfalls geändert, so werden zum Beispiel keine hinduistisch oder christlich klingenden Vornamen mehr verwendet. Allerdings unterstützen diese Bemühungen nicht die Gewalt: Die Regierung entschied, Kapitel über den Dschihad in Büchern der weiterführenden Schulen zu verbieten. Im April 2017 wurden diese Beobachtungen durch zwei Berichte noch verstärkt: Die Regierung nahm eine Spende von 10,8 Milliarden Euro für den Bau von Moscheen und islamischen Schulen aus Saudi-Arabien an und Premierministerin Sheikh Hasina traf sich mit der streng-islamischen Gruppe Hefazat-e-Islami, wobei sie versprach, dass Abschlüsse der 70.000 Koranschulen der Gruppierung nun offiziell für Berufszwecke anerkannt würden. Zuvor wurden die Abschlüsse nicht als den Standards des staatlichen Lehrplans entsprechend gewertet.

Als Minderheit sind die Christen inmitten dieser unsicheren Situation gefangen, da sie sich nicht auf eine der Seiten schlagen. Sie werden von allen Entscheidungen der Regierung betroffen sein, genauso wie von allen Aktivitäten, die die islamische Opposition unternimmt. Christen gelten als der Regierung zugewandt und werden daher zu einem Ziel. Im Juli 2017 wurde eine Katholikin amtierende Ministerin des „Expatriate Welfare and Overseas Employment Ministry“, was zeigt, dass Christen nicht vollständig von der Politik ausgeschlossen werden. Zuvor, im Oktober 2016, wurde ein Katholik in eines der höchsten Ämter der größten Oppositionspartei des Landes (Bangladesh Nationalist Party – BNP) gewählt, zum allerersten Mal. Er übernahm die Präsidentschaft des Jugendflügels der Partei.

Alle religiösen Minderheiten stehen in der Gefahr, Opfer von Diskriminierung und Gewalt zu werden, dazu gehören auch Schiiten und Ahmadis, wie auch hinduistische und buddhistische Minderheiten.

5. Betroffene Kategorien von Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Diese Gruppe umfasst auch Botschaftsangehörige und ausländische Arbeiter für den wichtigen Textilsektor. Sie stehen Überwachungen und Drohungen durch islamistische Gruppen gegenüber.

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Gruppe beinhaltet die römisch-katholische Kirche und die anglikanische Kirche von Bangladesch. Sie werden regelmäßig bedroht und überwacht.

Christen anderer Herkunft (Konvertiten)

Diese Kategorie beinhaltet Konvertiten muslimischer, hinduistischer und buddhistischer Herkunft. Sie stehen der stärksten Verfolgung gegenüber, nicht zuletzt durch ihre Familien und ihr Umfeld, und treffen sich aus Angst nur in geheimen Gruppen.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Diese Gruppe beinhaltet evangelikale, baptistische und Pfingstgemeinden. Die Assemblies of God sind ein Beispiel, sie versammeln sich hauptsächlich in Hauskirchen, um Gottesdienst zu feiern. Sie werden regelmäßig bedroht und immer wieder gewaltsam attackiert.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 10.400
Familienleben: 8.800
Gesellschaftliches Leben: 11.400
Leben im Staat: 9.600
Kirchliches Leben: 7.500
Auftreten von Gewalt: 10.000

Grafik: Verfolgungsmuster Bangladesch

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster

  • Generell hat sich der Druck auf die Christen Bangladeschs in allen Lebensbereichen verringert, was ein Absinken des durchschnittlichen Drucks von 10,2 im Weltverfolgungsindex 2017 auf 9,5 zur Folge hat, ein Niveau, das eher dem der Vorjahre entspricht. Obwohl der Druck immer noch auf einem hohen Level ist, ist er dadurch gesunken, dass die Regierung angefangen hat, Druck auf Islamistengruppen auszuüben und teilweise Jagd auf sie zu machen.
  • Der Druck ist im Privatleben und im gesellschaftlichen Leben, wo Konvertiten besonders betroffen sind, am stärksten, aber alle Christen stehen Druck in den Bereichen des Lebens im Staat und des kirchlichen Lebens gegenüber.
  • Die Punktzahl für Gewalt gegen Christen sank von 12,2 im Weltverfolgungsindex 2017 auf 10,0, da es weniger Berichte über Morde und Angriffe auf Kirchen gab. Dennoch wurden drei Christen vom Stamm der Santal bei einer Landbeschlagnahmung im November 2016 getötet.

Privatleben

Obwohl die Verfassung die Freiheit garantiert, jede Religion auszuüben, genießen die Christen nur beschränkte Freiheit. Am meisten verwundbar sind die Konvertiten. Wenn sie ihre Identität offenbaren, ist es für sie nahezu unmöglich, am gleichen Ort weiterzuleben, da sie Druck von ihrer Familie, Nachbarn und religiösen Führern ausgesetzt sind. Menschen, von denen angenommen wird, dass sie evangelisieren, können festgenommen und krimineller Vergehen bezichtigt werden, wie es im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2018 geschehen ist. Jeder wird sie überwachen und großen Aufwand betreiben, um ihnen jedwede Gemeinschaft mit anderen Christen zu verwehren, sogar bis dahin, dass Häuser und Straßen versperrt werden. Privat christliche Literatur (z.B. eine Bibel) zu besitzen ist ebenfalls riskant. Christen, die aus christlichen Familien stammen, haben allerdings in ihrem Privatleben mehr Freiheiten.

Familienleben

Sobald Konvertiten entdeckt werden, droht ihnen oft die Scheidung (wenn sie verheiratet sind) und sie können ihr Erbe verlieren, besonders in ländlichen Gegenden. Eine Taufe, eine christliche Hochzeit oder ein Begräbnis zu organisieren kann schwierig bis sogar unmöglich sein. Kinder von Christen, nicht nur von Konvertiten, werden gezwungen, nichtchristliche Lehren zu studieren und islamische Schulbücher in der Schule zu benutzen, sie werden regelmäßig von anderen Kindern gemobbt, bis dahin, dass sie sich weigern, zur Schule zu gehen oder überhaupt das Haus zu verlassen. Besonders in den Schulen und auf Spielplätzen werden christliche Kinder von Lehrern, Freunden und Verwandten schikaniert. Entweder werden sie von Lehrern beschimpft oder gemobbt, indem sie „Christenkind“ genannt werden oder sie werden sogar der Schule verwiesen, weil sie Christen sind, wie es im Berichtszeitraum geschehen ist. Konvertiten werden oft von ihren Familien isoliert und es kann passieren, dass sie gezwungen werden, das Haus zu verlassen.

Gesellschaftliches Leben

Christen werden sowohl in ihrem Privatleben als auch im geschäftlichen Leben diskriminiert. Manche Christen mussten wegen des Drucks der muslimischen Mehrheit und Boykotts ihre Läden oder andere Geschäfte aufgeben. Kinder von Konvertiten werden oft von Lehrern und Mitschülern in der Schule diskriminiert. Der Druck, ihren christlichen Glauben zu widerrufen, kann so unerträglich hoch werden, dass Konvertiten die Gemeinschaft, in der sie leben, verlassen müssen. Einige Monate vor dem Berichtszeitraum (im Juli 2016) wurden christliche Eigentümer von Läden, Hotels und anderen Geschäften in einigen Regionen des Landes durch islamistische Gruppierungen mit dem Tode bedroht, sollten sie nicht eine Liste von acht islamischen Regeln befolgen:

  • Der Eingang muss die Inschrift „Bismillah Rahman Rahim“ („Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen“) tragen.
  • Einen Koran vorrätig haben.
  • Ein Bild der Kaaba in Mekka aufhängen.
  • Gemälde und heilige Statuen ihrer eigenen Religion entfernen.
  • Einen speziellen Platz für muslimische Kunden haben, damit sie beten können; Speisen, die haram (verboten) sind, so wie Schweinefleisch, dürfen nicht serviert werden, und wenn muslimische Kunden in einem hinduistischen Restaurant Rindfleisch bestellen (Rinder sind für Hindus heilige Tiere), muss ihnen Rindfleisch serviert werden.
  • Restaurants müssen während des Monats Ramadan geschlossen sein.
  • Keine Musik, außer islamischen Liedern.
  • Frauen ist es generell verboten zu arbeiten. Wenn sie es dennoch müssen, haben sie einen Hidschab (Schleier) zu tragen oder eine Burka (ein Kleidungsstück, dass den Körper ganz bedeckt und nur die Augen freilässt).

Leben im Staat

Bangladesch hat eine säkulare Regierung und sein Säkularismus ist sogar in der Verfassung des Landes verankert, diese besagt aber auch gleichzeitig, dass der Islam die Staatsreligion ist. Christen erfahren üblicherweise durchweg Diskriminierung, wenn sie es mit den Behörden zu tun haben, und werden regelmäßig beschimpft, besonders in ländlichen Gegenden. Die Berichterstattung von Medien über Christen ist oft einseitig, besonders von islamischen Fernsehsendern. Christen und andere (wie z.B. säkulare Blogger) wurden beschuldigt, den Islam beleidigt zu haben, einige wurden sogar getötet. Wenn Christen angegriffen wurden, stehen sie oft einem hohen Maß von Unwillen der Behörden gegenüber, überhaupt erst mit ordnungsgemäßen Ermittlungen anzufangen. Christliche Schulen und Einrichtungen werden durch regelmäßige Drohungen von islamistischen Gruppen behindert. Und selbst wenn die Behörden Schutz gewähren, werden die Einrichtungen oft in ihren Aktivitäten eingeschränkt, da sie überwacht werden oder für eine Weile schließen müssen.

Kirchliches Leben

Generell sind die Kirchen in der Lage, ihren Mitgliedern zu dienen. Dennoch sind sie mit einem wachsenden Maß an Überwachung konfrontiert, sowohl von Behörden als auch von islamischen Gruppen, die sich besonders auf die protestantischen Freikirchen konzentrieren. Gottesdienste wurden durch beide Gruppen behindert, ebenso durch Stammesführer. Offen christliche Konvertiten in die Gemeinden zu integrieren ist unmöglich und es gibt Berichte, dass Schulungen schwieriger geworden sind, da die christlichen Leiter, die an solchen Schulungen teilnehmen, ihren misstrauischen Mitbewohnern aus dem Dorf Auskunft darüber geben müssen, wo sie gewesen sind und was sie in der Schulung gemacht haben. Offen Bibeln zu verteilen wurde behindert und drei Pastoren wurden dafür verhaftet.

Auftreten von Gewalt

Am 6. und 7. November 2016 wurden 2.500 Landbesetzer vom Volk der Santal, die meisten von ihnen Christen, gewaltsam von umstrittenem Land in der Gegend von Sahebganj durch Arbeiter der Rangpur-Zuckerfabrik und der lokalen Polizei entfernt. Bei dem Zusammenstoß wurden 3 Landbesetzer getötet, 30 gelten als vermisst und Dutzende wurden verwundet. Darüber hinaus plünderten die Angreifer die Häuser und das Vieh der Stammesleute und zündeten ungefähr 600 Häuser der Landbesetzer an. Dies zeigt, dass Verfolgung auch wirtschaftliche Motive haben kann.

7. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Die Regierung hat bei der Eindämmung islamistischer Gruppen nur begrenzte Fortschritte gemacht. Sie verliert nicht nur die Unterstützung von Teilen der Bevölkerung, sondern sie steht auch der Herausforderung des Einsickerns internationaler Islamisten gegenüber und muss sich mit deren lokalen Verbündeten auseinandersetzen. Solange die Regierungspartei jegliche islamische Militanz der Oppositionspartei zuschreibt und, um Stimmen zu gewinnen, islamistische Gruppen umwirbt, wird es schwer sein, eine Lösung zu finden. Zusätzlich gab die Regierung im Mai 2017 dem Druck von islamistischen Gruppen nach und ließ eine erst vor kurzem errichtete Statue der griechischen Göttin der Gerechtigkeit vor dem Verfassungsgericht entfernen. Die Statue wurde an einen weniger einsehbaren Ort im Hinterhof des Gebäudes verbracht, was präzise das Verhältnis zwischen säkularen und islamischen Prinzipien in Bangladesch widerspiegelt. Im August 2017 wurde das höchste Gericht von der Regierung kritisiert, da es im Juli 2017 geurteilt hatte, dass das Parlament nur eingeschränkt Richter ersetzen darf. Der höchste Richter des Landes, der ein Hindu ist, wurde dafür mit sehr starken und persönlichen Worten attackiert. Dies alles weist auf eine Entwicklung des Landes zu verstärkter Islamischer Unterdrückung hin. Zudem verließ der oberste Richter das Land und musste seinen Posten aufgeben, da er im Oktober 2017 der Korruption beschuldigt wurde. Ob dies irgendetwas mit seiner Herkunft oder seiner Religion zu tun hat, bleibt unklar, dennoch wurde einer der höchsten Beamten aus einer religiösen Minderheit gezwungen, seinen Posten aufzugeben.

Christen werden durch Islamisten attackiert, da sie als Verbündete der Regierung gesehen werden und weil sie vorziehen, den verfassungsgemäßen Säkularismus des Landes beizubehalten. Die Politik des Landes beinhaltet oft die Nutzung gewaltsamer Mittel, und oft genug sind davon auch unschuldige Passanten betroffen, die manchmal sogar getötet werden. Es ist besonders besorgniserregend, dass die Jugendorganisationen und Studentenflügel der Regierungspartei sich an der Gewalt beteiligen. Bangladesch steht massiven Herausforderungen durch das System der Koranschulen im Land gegenüber, unabhängig davon, ob die offizielle Zahl von 20.000 oder die Schätzung von 70.000 Schulen korrekt ist. In offiziell registrierten Koranschulen werden ungefähr 2 Millionen Schüler ausgebildet, während davon ausgegangen wird, dass es in „privaten“ Koranschulen sogar mehr als 4 Millionen Schüler sein sollen. Wie in Pakistan sind diese Koranschulen potentielle Brutstätten für Hass und Gewalt, wie sich nach dem Angriff von Dhaka im Juli 2016 zeigte, bei dem neun der Angreifer Schüler von Koranschulen waren. Die Anerkennung der Abschlüsse der Koranschulen trotz ihrer Unzulänglichkeiten setzt ein schlechtes Zeichen für die Zukunft (siehe Hintergrund).

8. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Bangladesch

  • Beten Sie, dass Gott allen Christen die Stärke gibt, ihrem Glauben treu zu bleiben, besonders den Gläubigen im Untergrund, damit sie die Verfolgung aushalten können und ihrem Glauben nicht abschwören. Beten Sie auch für die Projekte um Christen in Not zu erreichen und ihnen mit rechtzeitiger Hilfe beizustehen.
  • Beten Sie für die Christen, die ihr Umfeld verlassen mussten, weil sie Druck bekamen, ihren Glauben aufzugeben. Beten Sie, dass der Herr sich um ihre körperlichen, emotionalen und geistlichen Nöte kümmert.
  • Beten Sie für die Christen, die psychisch und physisch missbraucht wurden, dass sie einen standhaften Glauben haben.

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