Länderprofil Indien

Indien

11
Weltverfolgungsindex
2018
Flagge Indien
Hauptreligion
Hinduismus
Staatsform
Republik
Platz Vorjahr
15
ISO
IN
Karte Indien
Karte Indien
Christen
63,97
Bevölkerung
1342.51
Religiös motivierter Nationalismus
Privatleben: 12.600
Familienleben: 12.700
Gesellschaftliches Leben: 13.200
Leben im Staat: 14.700
Kirchliches Leben: 12.900
Auftreten von Gewalt: 14.400
Länderprofil Indien

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

81 Punkte / Platz 11 (WVI 2017: 73 Punkte / Platz 15)

Von wem Verfolgung ausgeht

Der zunehmende Einfluss des intoleranten Hindu-Extremismus stellt die Christen in Indien vor große Probleme, da die Gewalt und Angriffe lokaler Hindu-Gruppen wie Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS), Shiv Sena oder Vishva Hindu Parishad (VHP) sowie von wütenden Mobs von Dorfbewohnern, die von Hindu-Geistlichen aufgestachelt wurden, nicht von den Behörden gestoppt werden. Diese lokalen, staatlichen und nationalen Behörden sind oft von der hindu-nationalistischen Bharatiya Janata Partei (BJP) dominiert. Das bedeutet, dass Hindu-Extremisten mit zunehmender Straffreiheit agieren können.

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen

Alle Christen in Indien sind Verfolgung ausgesetzt, da extremistische Hindus sie als Fremdkörper im Land betrachten. Sie wollen ihr Land vom Islam und Christentum reinigen und schrecken auch nicht davor zurück, Gewalt einzusetzen, um ihr Ziel zu erreichen. Christen, die einen hinduistischen Hintergrund haben, tragen in Indien die Hauptlast der Verfolgung und sind beständig unter Druck, zum Hinduismus zurückzukehren. Um diese Christen zur Rückkehr zur bewegen, wurden insbesondere die Ghar-Wapsi-Kampagnen („Zurück zu den Wurzeln“) begonnen. Oft werden sie auch physisch angegriffen und manchmal sogar getötet.

Extremistische Hindus genießen zunehmend Straffreiheit, wenn sie Muslime oder Christen angreifen. In der Folge steigen Angst und Unsicherheit der meisten Christen in Indien. Aufgrund der Untätigkeit der Regierung nach Angriffen auf religiöse Minderheiten ist davon auszugehen, dass sich die Gewalt in den kommenden Jahren weiter verstärken wird.

Beispiele

  • Am 15. Juli 2017 wurde Pastor Sultan Masih vor seiner Kirche in Ludhiana im Bundesstaat Punjab erschossen.
  • Am 15. März 2017 musste die US-amerikanische christliche Nichtregierungsorganisation Compassion International ihre Arbeit in Indien nach 48 Jahren beenden, weil die Regierung sie immer stärker einschränkte. Das Innenministerium beschuldigte die Organisation, indische Partner finanziert zu haben, die nicht qualifiziert gewesen seien, ausländische Finanzierungen zu erhalten. Seitdem die hindu-nationalistische BJP 2014 an die Macht gekommen ist, beschuldigen Hindu-Gruppierungen christliche Organisationen immer wieder, ihre Aktivitäten zu nutzen, um Hindus zum Glaubenswechsel zu bewegen.
  • Am 10. Mai 2017 nahm die Polizei sechs Pastoren im Haus eines Christen in dem Dorf Salempur im Bundesstaat Uttar Pradesh fest. Dort hatten sich etwa 250 Christen zu einem Heilungsgottesdienst versammelt. Die Pastoren gehörten einer freikirchlichen Bewegung an und wurden beschuldigt, den Frieden gestört, Feindseligkeit zwischen Religionen geschaffen zu haben und einen Aufstand planen zu wollen.

Beiträge zu Indien

Blickpunkt Indien
Christen in Indien erleben immer stärkere Verfolgung. Extremistische Hindus werden zunehmend gewaltbereiter und mehr Menschen radikalisieren sich durch den Einfluss hindu-nationalistischer Gruppierungen.
Persönliche Berichte Persönliche Berichte
Indien
Indien
(Open Doors, Kelkheim) – Pastor Khel Prasad Kurre aus dem indischen Bundesstaat Chhattisgarh war auf dem Rückweg von einem Besuch bei einem Gemeindemitglied, als er von seinem Moped aus drei oder vier Männer bemerkte. Weil sie nach ihm riefen, hielt er an.
Gesichter der Verfolgung - TV
Freude im Gefängnis – Jerin aus Indien

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Jerin* betet zu Jesus, statt den Göttern zu opfern – das gefällt Hindu-Nationalisten gar nicht: Sie...

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 81 Punkten belegt Indien den 11. Platz auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2018. Das stellt einen Anstieg von 8 Punkten im Vergleich zum vorigen Jahr dar (Rang 15). Das extrem hohe Niveau der Gewalt und die konstant steigende Anzahl gewalttätiger Übergriffe hat einen großen Einfluss auf alle Lebensbereiche der Christen in Indien und führte zum Anstieg der Punktzahl. Dies ist hauptsächlich auf den Einfluss extremistischer Hindus zurückzuführen, Maoisten und extremistische Muslime verstärken den Druck zusätzlich.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Religiös motivierter Nationalismus

Verschiedene Hindu-Organisationen sind in ihrem Auftreten seit einigen Jahren zunehmend fordernd und aggressiv. Sie beanspruchen ein Indien, das dem Hinduismus gehört und fordern, dass andere Religionen aus dem Land vertrieben werden müssen. Extremistischer Hinduismus ist mit Abstand die stärkste Triebkraft der Verfolgung in Indien. Er ist allgegenwärtig, lautstark und sehr gewalttätig. Aber auch von diversen anderen extremistischen Gruppen geht Verfolgung aus, wie etwa von extremistischen Buddhisten in Ladakh, Neo-Buddhisten in Maharashtra und Uttar Pradesh sowie extremistischen Sikhs im Punjab.

3. Verfolger

Die stärkste Verfolgung von Christen in Indien im Bereich „Religiös motivierter Nationalismus“ geht von nichtchristlichen religiösen Leitern, gewalttätigen religiösen Gruppen, gewöhnlichen Bürgern und politischen Parteien aus. Außerdem erleben Christen Verfolgung von Regierungsbeamten und Anführern ethnischer Gruppen. Die Kombination dieser Verfolger stellt ein großes Problem für Christen dar, da sie Gewalt erleben von:

  • Lokalen Hindu-Gruppen wie Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS), Shiv Sena oder Vishva Hindu Parishad (VHP)
  • Wütenden Mobs von Dorfbewohnern, die durch Hindu-Geistliche aufgestachelt wurden

Beide Gruppen attackieren Christen. Die Gewalt wird von lokalen, staatlichen oder nationalen Behörden nicht gestoppt, die häufig von der hindu-nationalistischen Bharatiya Janata Partei (BJP) dominiert sind. Das bedeutet, dass Hindu-Extremisten mit zunehmender Straffreiheit agieren können.

4. Hintergrund

Das jahrhundertealte Kastensystem ist so tief in der indischen Seele verwurzelt, dass seine Abschaffung nahezu unmöglich ist. Selbst Religionen, die das Kastensystem nicht anerkennen und eine Lehre der Gleichheit aller Menschen vertreten, sind von dem System geprägt, das sie eigentlich bekämpfen. Der Islam, die Sikh-Religion und auch das Christentum sind dafür Beispiele. Obwohl die Regierung das Kastensystem verboten hat, kommt die indische Nation nicht davon los; Menschen niederer Kasten und Unberührbare (Dalits und Tribals) werden weiterhin schlecht behandelt und als nicht gleichwertig angesehen. Einige Beobachter sprechen sogar von einem „rassistischen“ System.

Seit Mai 2014 wird Indien von der Bharatiya Janata Partei (BJP) unter Premierminister Narendra Modi regiert. Seitdem hat der extremistische Hinduismus, der bereits unter der Vorgängerregierung spürbar war, stetig an Einfluss zugenommen. Trotz wachsender Intoleranz und häufiger Angriffe auf Angehörige religiöser Minderheiten ist die Regierung gegenüber den Tätern stumm geblieben. Die Hindu-Extremisten sehen sich dadurch dazu ermutigt, ihre Aktionen auszuweiten. Der Mangel an Strafverfolgung ist größer als je zuvor, und die Anzahl an gewalttätigen Übergriffen auf Christen hat eine alarmierende Höhe erreicht.

In der zweiten Hälfte des Jahres 2014 starteten extremistische Hindus die „Zurück-zu-den-Wurzeln-Kampagne“ („Ghar Vapsi“). Auf diesem Weg sollen Muslime und Christen zurück zum Hinduismus geführt werden. Bei großen Massenveranstaltungen kehrten Hunderte zum Hinduismus zurück. Die Kampagne erreichte ihren Höhepunkt im Jahr 2015 und Anfang 2016.

Extremistische Hindus haben sowohl den Islam als auch das Christentum als ausländische Religionen bezeichnet, die möglichst aus dem Land vertrieben werden sollten. Daher werden Muslime in einer ähnlichen Weise verfolgt wie die christliche Minderheit.

5. Betroffene Kategorien von Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Es existieren mehrere Gruppen von ausländischen Christen in Indien. Zu ihnen gehören nicht nur Christen aus der westlichen Welt, die in Indien leben und ihre eigenen Kirchengemeinden haben, sondern auch Flüchtlinge. Ein Beispiel ist eine afghanische Gemeinschaft, die sich in Neu-Delhi versammelt. Diese Arten von Gemeinschaften ziehen nur selten den Zorn extremistischer Hindus auf sich. Dies liegt einerseits daran, dass sie eine sehr homogene ethnische Zusammensetzung aufweisen, andererseits sind diese Gemeinschaften zumeist nicht sehr aktiv darin, das Evangelium an Inder weiterzugeben.

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Gemeinschaften (beispielsweise die Römisch-Katholische Kirche, die Orthodoxe Kirche und die Anglikanische Kirche) zeugen davon, dass Christen schon seit vielen Jahrhunderten in Indien vertreten sind. Die ersten Christen kamen im dritten Jahrhundert ins Land. Zu diesem Zeitpunkt wurde die orthodoxe „Kerala Mar Thoma Kirche“ gegründet. Diese Kirchen wachsen nur sehr langsam, weil sie kaum Außenstehende ansprechen, sondern vor allem innerhalb ihrer Gemeinschaft tätig sind. Trotzdem wird auch diese Gruppe manchmal von extremistischen Hindus angegriffen, indem Kirchen und Grabstätten verwüstet sowie Jesus-Statuen und Kreuze zerstört werden.

Christliche Konvertiten

Christliche Konvertiten hinduistischer Herkunft haben am stärksten unter der Verfolgung in Indien zu leiden. Diese Christen werden täglich drangsaliert und stehen konstant unter Druck, zum Hinduismus zurückzukehren. Sie werden oft massiv tätlich angegriffen und manchmal sogar getötet. Sie leben meist in ländlichen Gebieten, wo sie dem Druck von Familie und Freunden, ihrem Umfeld, von lokalen Hindu-Geistlichen sowie Hindu-Extremisten ausgesetzt sind.

Christen anderer religiöser Herkunft (ehemalige Muslime, Buddhisten oder Sikhs) erleben ebenfalls Druck aus ihrem sozialen Umfeld, ihre Zahl ist jedoch deutlich kleiner. Christen mit muslimischem Hintergrund erleben nur dort Verfolgung, wo Muslime einen großen Teil der Bevölkerung stellen.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Nach Konvertiten gelten Christen aus Freikirchen wie Baptisten, Evangelikale und Pfingstgemeinden als zweitwichtigsten Ziel der Hindu-Extremisten, da sie aktiv die Ausbreitung des Evangeliums betreiben. Sie sind regelmäßig Angriffen ausgesetzt.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 12.600
Familienleben: 12.700
Gesellschaftliches Leben: 13.200
Leben im Staat: 14.700
Kirchliches Leben: 12.900
Auftreten von Gewalt: 14.400

Grafik: Verfolgungsmuster Indien

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster:

  • Der Druck auf Christen in Indien ist sehr hoch. Der Durchschnittswert ist von 11,5 im WVI 2017 auf 13,2 im aktuellen Berichtszeitraum gestiegen.
  • Im Bereich „Leben im Staat“ ist der Druck mit einem Wert von 14,7 Punkten extrem hoch. In allen anderen Lebensbereichen ist er sehr hoch. Religiös motivierter Nationalismus ist die Haupttriebkraft der Verfolgung und ist in allen Lebensbereichen präsent.
  • Der Wert für „Auftreten von Gewalt“ ist im Berichtszeitraum von 13,5 auf 14,4 Punkte gestiegen. Dies ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass Gewalt gegen Christen in Indien alle Bereiche des Lebens beeinflusst. Indien hat einen der höchsten Werte für das Auftreten von Gewalt im gesamten WVI 2018.

Privatleben

Ein Glaubenswechsel wird nicht nur sozial geächtet, sondern ist auch in sechs Bundesstaaten per Gesetz verboten: Odisha, Madhya Pradesh, Chhattisgarh, Himachal Pradesh, Jharkhand und Gujarat. Wenn Christen in Verdacht geraten, ihren Glauben aktiv weiterzugeben, werden ihre Häuser häufig sowohl von nichtstaatlichen Akteuren als auch – auf Beschwerden hin – von der Polizei durchsucht. Werden dabei Materialien wie christliche Literatur entdeckt, werden sie vernichtet oder beschlagnahmt. Es kann gefährlich sein, sich als Christ zu erkennen zu geben. Drohungen in sozialen Medien sind an der Tagesordnung. Auf dem Land lösen sichtbare Zeichen für einen anderen Glauben als den Hinduismus (oder den Islam in Regionen, in denen der Islam dominiert) schnell Aggressionen aus, da die Menschen damit automatisch Bekehrungs- oder Missionierungsversuche verbinden. Private Versammlungen zum Gottesdienst stellen ein Risiko dar. Überall im Land werden christliche Aktivitäten überwacht. Es gibt zudem Beweise für die digitale Überwachung christlicher Leiter durch extremistische Hindus. Der Druck auf Christen ist zwar in ländlichen Gebieten am stärksten sichtbar, es gibt jedoch auch entsprechende Berichte aus Metropolen wie Delhi oder Mumbai.

Familienleben

Bei der Volkszählung 2011 wurden nicht nur die Kinder ehemaliger Hindus, sondern auch Konvertiten als Hindus registriert. Ehemalige Hindus und Mitglieder unabhängiger protestantischer Gemeinden haben es schwer, eine christliche Hochzeit abzuhalten, wenn in ihren Orten extremistische Hindu-Gruppierungen aktiv sind. In Dörfern und Kleinstädten und manchmal sogar in größeren Städten sind wiederholt Taufen behindert worden, besonders bei Großveranstaltungen wie Evangelisationen und Heilungsgottesdiensten. Aus Nord- und Zentralindien liegen Berichte von Beerdigungen von Christen mit hinduistischem Hintergrund vor, die durch extremistische Hindus gestört wurden. In manchen Fällen wurden die Familien dazu gezwungen, ihre Angehörigen durch Einäscherung des Leichnams nach hinduistischer Sitte zu beerdigen. Es ist Christen gesetzlich verboten, Kinder zu adoptieren. Christliche Kinder müssen an den meisten großen Schulen Yoga und Surya Namaskar (Anbetung der Sonne) praktizieren. Dabei herrscht Anwesenheitspflicht. Einige Christen mit hinduistischem Hintergrund haben Verfolgung durch Familienmitglieder erlebt. Einige von ihnen wurden Berichten zufolge sogar von ihren eigenen Eltern angegriffen und getötet. Über diese Vorfälle wird in den Massenmedien des Landes nicht berichtet.

Gesellschaftliches Leben

Drohungen und Behinderungen, die mit der Glaubenszugehörigkeit zu tun haben, sind durch zahlreiche landesweite Kampagnen und die bereits erwähnten „Rückbekehrungs“-Bewegungen intensiver geworden. Diese Diskriminierungen gehören für Christen aller im WVI aufgeführten Kategorien mittlerweile zum Alltag. Christen, die in einem hinduistischen Umfeld leben, können sich bestimmten Verpflichtungen oder religiösen Ritualen nicht vollständig entziehen. Der Druck, ihren christlichen Glauben zu widerrufen, kommt von allen Seiten und ist systematisch aufgebaut: Extremistische Hindus drohen Christen physische Gewalt an; Hindu-Priester versuchen, die Christen mit lautem Singen und Beten in den Dorfgemeinschaften zu beeinflussen. Teils organisierte soziale Diskriminierung von christlichen Angestellten ist sowohl in Behörden als auch in der Privatwirtschaft weit verbreitet. So wird ihnen beispielsweise aufgrund von vorgeschobenen Gründen eine Beförderung verwehrt. Die Korruption verschlimmert die Situation.

Leben im Staat

Derzeit wird über die Verabschiedung eines landesweiten Anti-Bekehrungsgesetzes diskutiert. Insbesondere in ländlichen Gebieten ist es nur schwer möglich, eine Hinwendung zum christlichen Glauben registrieren zu lassen. Im Umgang mit den Behörden werden Christen oft diskriminiert. Einige Christen sind bei Behörden angestellt, doch ist ihr Vorgesetzter Hindu-Nationalist, werden sie bei Beförderungen mit großer Wahrscheinlichkeit übergangen. Wendet sich ein Mitarbeiter einer Behörde zum christlichen Glauben, muss er mit dem Verlust seiner Arbeitsstelle rechnen. Die Medienwelt setzt sich zu über 90 Prozent aus Hindus der höheren Kasten zusammen und ist Christen gegenüber stark voreingenommen. Politisch-religiöse Hindu-Gruppen nehmen unabhängige Pastoren und Kirchenaktivisten auf Grundlage der berüchtigten Blasphemiegesetze regelmäßig ins Visier. Verbrechen gegen die christliche Gemeinschaft werden nur selten bestraft – Straffreiheit ist zur Regel geworden.

Kirchliches Leben

Hindu-Gruppen überwachen Kirchen und stören regelmäßig Versammlungen. Der Bau neuer Kirchengebäude ist in ländlichen und sogar in städtischen Gebieten oft mit großem Widerstand verbunden. Viele ältere Kirchengebäude können aufgrund bürokratischer Hürden und wegen der herrschenden Korruption nicht renoviert werden. Aktivitäten außerhalb der kirchlichen Räumlichkeiten werden fast immer als Missionierungsversuche verstanden. Werden Christen angegriffen, konzentrieren sich die Täter häufig auf die Pastoren und Leiter. Dabei kommt es nicht selten zu schweren körperlichen Misshandlungen, mit denen ein Exempel statuiert werden soll. Das Verteilen von Schriften und Bibeln wird auf dem Land und sogar in der Stadt von extremistischen Hindus behindert, da es direkt mit christlicher Missionierung verbunden wird. Indien hat seit den späten 1960er-Jahren keine Missionars-Visa mehr ausgestellt. Nicht nur christlichen Missionaren aus dem Ausland wird die Einreise ins Land verwehrt, selbst für Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Journalisten wird es zunehmend schwieriger, Visa zu erhalten. Vandalismus, Schändung und Zerstörung von christlichen Symbolen sind ein häufig auftretendes Problem, insbesondere in ländlichen Regionen und Vorstadtgebieten. Missionare und Pastoren, die andere Kirchen besuchen, werden regelmäßig von der Polizei befragt, ebenso wie die Gastgeber und Teilnehmer der Veranstaltungen.

Auftreten von Gewalt

Die Verfolgung in Indien ist extrem gewalttätig und die Gewalt hat im Vergleich zum vorherigen Berichtszeitraum zugenommen. Die Zahl der gemeldeten Vorfälle ist sehr hoch, aber es sei darauf hingewiesen, dass dies nur die Spitze des Eisberges ist – über viele Vorfälle wird in den Medien nicht berichtet, oder sie werden nicht einmal registriert. Im Berichtszeitraum wurden mindestens acht Christen wegen ihres Glaubens getötet und mindestens 34 (Haus-)Kirchengebäude angegriffen und beschädigt. In Goa wurden mehr als 100 Gräber beschädigt. Mehr als 600 Christen wurden festgenommen. Nach Schätzungen von Partnern vor Ort wurden fast 24.000 Christen körperlich angegriffen. Mindestens 14 Häuser oder Grundstücke von Christen wurden angegriffen und beschädigt. Mindestens 336 Christen waren gezwungen, aus ihren Häusern zu fliehen. In allen Fällen dürften die tatsächlichen Zahlen deutlich höher liegen als die Anzahl der nachgewiesenen Übergriffe.

Einige Beispiele der gewalttätigen Angriffe:

  • Am 15. Juli 2017 wurde Pastor Sultan Masih vor seiner Kirche in Ludhiana im Bundesstaat Punjab erschossen.
  • Am 15. März 2017 musste die US-amerikanische christliche Nichtregierungsorganisation Compassion International ihre Arbeit in Indien nach 48 Jahren beenden, weil die Regierung sie immer stärker einschränkte. Das Innenministerium beschuldigte die Organisation, indische Partner finanziert zu haben, die nicht qualifiziert gewesen seien, ausländische Finanzierungen zu erhalten. Seitdem die hindu-nationalistische BJP 2014 an die Macht gekommen ist, beschuldigen Hindu-Gruppierungen christliche Organisationen immer wieder, ihre Aktivitäten zu nutzen, um Hindus zum Glaubenswechsel zu bewegen.
  • Am 10. Mai 2017 nahm die Polizei sechs Pastoren im Haus eines Christen in dem Dorf Salempur im Bundesstaat Uttar Pradesh fest. Dort hatten sich etwa 250 Christen zu einem Heilungsgottesdienst versammelt. Die Pastoren gehörten einer freikirchlichen Bewegung an und wurden beschuldigt, den Frieden gestört, Feindseligkeit zwischen Religionen geschaffen zu haben und einen Aufstand planen zu wollen.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Von einigen Arten der Verfolgung sind Frauen und Mädchen im Besonderen betroffen. Dazu gehören Belästigungen, Beleidigungen, Misshandlungen, Vergewaltigungen und Mordversuche. Viele Frauen und Mädchen werden gezwungen, gegen ihren Willen an Hindu-Ritualen teilzunehmen. Andere werden wegen ihres Glaubens isoliert oder aus dem Zuhause bzw. Dorf ausgestoßen. Indien ist ein religiös vielfältiges Land mit einer demokratischen Gesellschaft und besitzt eine Verfassung, die in der Theorie Gleichberechtigung für alle Einwohner garantiert, unabhängig von Hautfarbe, religiöser oder sexueller Ausrichtung und Kaste. Religiöse Diskriminierung ist verboten. Die Realität sieht jedoch anders aus. Andere Gesetze, die dieser Verfassung widersprechen, sind die gesellschaftlichen Regeln, die seit jeher gelten und von der Bevölkerung akzeptiert werden. Sie sind in ihrer Natur patriarchalisch und nutzen die schwächeren Klassen der Gesellschaft aus. Bajrang Dal, die Jugendbewegung von Vishwa Hindu Parishad, hat die „Bahu Lao, Beti Bachao“-Kampagne angekündigt. Damit sollen „Hindu-Männer geschützt werden, die muslimische oder christliche Frauen heiraten“. Außerdem soll bei Hindu-Familien ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, „ihre Mädchen davor zu schützen, sich in einem Muslim oder Christen zu verlieben oder ihn zu heiraten“.

Männer

Die Formen der Verfolgung, von denen christliche Männer und Jungen im Besonderen betroffen sind, bestehen aus brutalen körperlichen Angriffen, die auf versuchten Mord hinauslaufen, Verhaftungen wegen falscher Anschuldigungen und sozialer Diskriminierung. Sie sind außerdem von Verfolgung betroffen, wenn sie aus ihrem Zuhause ausgestoßen und von ihrem Umfeld boykottiert werden, Strafen für ihre Hinwendung zum christlichen Glauben zahlen sollen, ihnen der Zugang zu Wasser verwehrt wird, sie von Regierungsprojekten und Zuschüssen ausgeschlossen werden und sie ihr Vermögen verlieren. Viele werden auch fälschlich beschuldigt, Menschen dazu zwingen zu wollen, zum Christentum zu konvertieren.

8. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Extremistische Hindus gehen vermehrt straffrei aus, wenn sie Muslime oder Christen angreifen. Das führt bei den meisten Christen zu verstärkter Angst und Unsicherheit. Dieser gefährliche Trend der Untätigkeit der Regierung bei Übergriffen gegen Minderheiten wird die Zunahme von Gewalt in den kommenden Jahren weiter begünstigen.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Indien:

  • Das Durchsetzungsvermögen aller Arten von hinduistischen Organisationen hat sich in den vergangenen Jahren erhöht. Sie beanspruchen Indien für den Hinduismus. Bitte beten Sie für Christen hinduistischer Herkunft, die mit Gewalt gezwungen werden sollen, zum Hinduismus zurückzukehren.
  • Beten Sie für Gottes Versorgung und Schutz für die Christen, die mutig das Evangelium in den Bundesstaaten mit Anti-Konversionsgesetzen verkündigen. Beten Sie, dass sie in ihren Bemühungen, das Evangelium zu verbreiten, weise sind.
  • Beten Sie bitte für die christlichen Mädchen, die von ihren Eltern wegen ihres Glaubens unter Hausarrest gestellt wurden. Bitte beten Sie, dass sie im Glauben ermutigt werden und dass ihre Eltern Jesus Christus kennenlernen.

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