Länderprofil Iran

Iran

10
Weltverfolgungsindex
2018
Flagge Iran
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Islamische Republik
Platz Vorjahr
8
ISO
IR
Karte Iran
Karte Iran
Christen
0,80
Bevölkerung
80.95
Islamische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Religiös motivierter Nationalismus
Privatleben: 14.000
Familienleben: 14.100
Gesellschaftliches Leben: 14.500
Leben im Staat: 15.800
Kirchliches Leben: 16.400
Auftreten von Gewalt: 10.000
Länderprofil Iran

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

85 Punkte / Platz 10 (WVI 2017: 85 Punkte / Platz 8)

Von wem Verfolgung ausgeht

Im Gegensatz zu den benachbarten arabischen Staaten im Persischen Golf geht im Iran die größte Bedrohung für Christen von der Regierung aus. Das iranische Regime definiert den Iran als einen islamischen Staat, der auf dem schiitischen Islam basiert, und versucht aktiv, den Einfluss des schiitischen Islam auszuweiten. Christen und andere Minderheiten werden als ernsthafte Bedrohung dieses Plans angesehen.

Obwohl in einigen Berichten der Druck von Familien und Gemeinschaften auf ehemalige Muslime, die den christlichen Glauben angenommen haben, erwähnt wird, ist die iranische Gesellschaft viel weniger fanatisch als ihre Führung. Dies ist zum Teil auf den weit verbreiteten Einfluss des gemäßigteren und mystischen Sufismus zurückzuführen sowie auf den Stolz des iranischen Volkes auf die vorislamische persische Kultur.

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen

Die Hardliner innerhalb der iranischen Führung stehen dem Christentum sehr feindlich gegenüber und verursachen schwerwiegende Probleme für alle christlichen Gruppen im Iran, insbesondere jedoch für Christen mit muslimischem Hintergrund. Die traditionellen Gemeinschaften armenischer und assyrischer Christen werden von der Regierung als das „wahre und traditionelle Christentum“ dargestellt. Das ist jedoch nur ein Vorwand, um andere Christen, insbesondere solche, die früher Muslime waren, als „falsche“ Christen bezeichnen zu können. Die Christen aus traditionellen Kirchen dürfen Angehörigen ihres eigenen Volkes in ihrer jeweiligen Muttersprache predigen, es ist jedoch verboten, Menschen muslimischer Herkunft (Farsi-Sprachige) miteinzubeziehen. Obwohl sie formell anerkannt und gesetzlich geschützt sind, werden sie als Bürger zweiter Klasse behandelt und berichten, dass es zu Haftstrafen, körperlichen Misshandlungen, Belästigungen und Diskriminierung kommt, wenn sie sich an Muslime wenden.

Eine weitere Gruppe besteht aus ausländischen Christen und Arbeitsmigranten aus dem Fernen Osten (z. B. von den Philippinen oder Südkorea) und dem Westen, darunter viele Angehörige einer katholischen, lutherischen oder presbyterianischen Kirche. Einige Auslandsgemeinden mussten schließen, nachdem einheimische Christen muslimischer Herkunft an den Treffen teilgenommen hatten. Gemeinsame jährliche Gebetstreffen zwischen Kirchenleitern verschiedener Konfessionen wurden in der Vergangenheit ebenfalls aufgrund des Drucks vonseiten des iranischen Sicherheitsapparates abgesagt.

Ehemalige Muslime, die den christlichen Glauben angenommen haben, machen wahrscheinlich die größte Gruppe von Christen im Iran aus. Sie tragen die Hauptlast der Verfolgung, insbesondere durch die Regierung und in einem geringeren Ausmaß durch ihre (Groß-)Familien und die Gesellschaft. Im Gegensatz zu den traditionellen Kirchen werden sie von der Regierung als ein Versuch westlicher Länder betrachtet, den Islam und die islamische Regierung des Iran zu untergraben. Die Taufe wird als öffentliches Zeichen des Übertritts zum Christentum und damit als Angriff auf den Islam gesehen und ist daher verboten. Außerdem werden die meisten Kinder von Christen muslimischer Herkunft automatisch als Muslime registriert. Leiter von Gruppen von Christen muslimischer Herkunft wurden verhaftet, vor Gericht gestellt und wegen „Verbrechen gegen die nationale Sicherheit“ zu langen Haftstrafen verurteilt. Seit 2014 haben vermehrt auch Mitglieder von Hauskirchen, die nicht als Leiter tätig sind, solche Strafen erhalten. Aufgrund dieses hohen Drucks müssen Christen muslimischer Herkunft sehr vorsichtig sein, und viele von ihnen leben ihren Glauben isoliert, ohne Gemeinschaft mit anderen Christen. Es gibt auch eine wachsende Gemeinschaft iranischer Christen weltweit, da viele Christen muslimischer Herkunft im Laufe der Jahre aus dem Land geflohen und andere Iraner im Ausland Christen geworden sind.

Es gibt eine weitere Gruppe von Christen, die aus Evangelikalen, Baptisten und Mitgliedern von Pfingstgemeinden besteht – allerdings ist es schwierig, eine scharfe Trennung zwischen ihnen und den Gemeinschaften von Christen muslimischer Herkunft zu ziehen. Sie haben oft einen armenischen, assyrischen, jüdischen oder zoroastrischen Hintergrund. Andere sind Kinder oder Enkel von Christen muslimischer Herkunft. Sie sind der gleichen schweren Verfolgung durch die Regierung ausgesetzt und werden von der Gesellschaft diskriminiert, insbesondere, wenn sie sich bei evangelistischen Aktivitäten oder in Hauskirchen engagieren.

Beispiele

  • Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2018 wurden mindestens 52 Christen verhaftet. Viele Christen (besonders Christen mit muslimischem Hintergrund) wurden vor Gericht gestellt und zu langen Gefängnisstrafen verurteilt. Andere warten noch auf ihren Prozess. Ihre Familien sind während dieser Zeit öffentlichen Demütigungen ausgesetzt.
  • Mehrere Hauskirchen wurden während des Berichtszeitraums durchsucht. Die meisten von ihnen können nicht weiter als Hauskirche fungieren.
  • Laut einem Bericht aus der südöstlichen Region des Iran wurde ein Christ mit muslimischem Hintergrund von seinem Cousin wegen seines Glaubens an Jesus Christus geschlagen. Ein anderer musste auf die Bezahlung für seine Arbeit verzichten, als seine Kunden drohten, seine Hinwendung zum christlichen Glauben der Regierung zu melden. Es gibt wahrscheinlich viele weitere Beispiele dieser Art von Verfolgung, aber viele Vorfälle werden nicht berichtet, um weitere Konsequenzen zu vermeiden.
  • Christliche Leiter von Gemeinden, die nicht aus Christen muslimischer Herkunft bestehen, werden manchmal dazu gezwungen, der Regierung über ihre Mitglieder Bericht zu erstatten.

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Der zu 10 Jahren Haft verurteilte Gol-Tapeh fragt die Regierung in einem offenen Brief: „Gefährdet die Gemeinschaft einiger Christen, die Anbetungslieder singen und in der Bibel lesen, die nationale Sicherheit?“
Blickpunkt Iran
Seit der Iran 1979 eine Islamische Republik wurde, liegt die Macht des Landes beim religiösen Oberhaupt des Landes, dem Obersten Führer. Die Regierung übt einen hohen Druck auf Christen aus.
Länderberichte
Iran: Der Laptop als Kanzel | Open Doors Magazin 05/17

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06:06 Minuten
Iran

Iran – Der Laptop ist seine Kanzel – Wie ein iranischer Pastor seine Landsleute über das Internet...

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Der Iran bleibt unter den ersten zehn Ländern auf dem Weltverfolgungsindex 2018; die Punktzahl hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht geändert. Die iranische Regierung geht weiterhin hart gegen Christen mit muslimischem Hintergrund vor, um in Fortführung der Islamischen Revolution von 1979 einen islamischen Staat auf Grundlage des schiitischen Islam zu schaffen. Sie versucht aktiv, den Einfluss des schiitischen Islam in der Region auszudehnen, und nutzt dazu internationale Diplomatie, wirtschaftliche Anreize und sogar Militärinterventionen. Die Anwendung von Gewalt, selbst gegen die Bürger des eigenen Landes, schafft in Verbindung mit einer starken Ideologie einen totalitären Staat. Christen (mit ihrem vermeintlich westlichen Einfluss) und andere Minderheiten werden als ernsthafte Bedrohung der nationalen Sicherheit betrachtet und aus diesem Grund von der Regierung ins Visier genommen.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Der schiitische Islam ist die offizielle Staatsreligion, und alle Gesetze müssen mit der offiziellen Auslegung der Scharia übereinstimmen. Die Verfassung verbietet dem Parlament, Gesetze zu verabschieden, die dem Islam widersprechen, und erklärt, dass ihre Vorschriften, die sich auf den „islamischen Charakter“ des politischen Systems oder des Gerichtswesens oder auf die Festlegung des schiitischen Islam dschafaritischer Prägung (die Dschafariya ist eine schiitische Rechtsschule) beziehen, nicht geändert werden dürfen. Um die islamischen Bestimmungen zu schützen und die Vereinbarkeit der vom Parlament verabschiedeten Gesetze mit dem Islam zu gewährleisten, muss ein Wächterrat, der aus schiitischen Rechtsgelehrten und Geistlichen besteht, alle Gesetzentwürfe prüfen und genehmigen. Der Wächterrat prüft auch alle Kandidaten für die höchsten öffentlichen Ämter wie die Präsidentschaft und das Parlament. Dies erklärt, warum selbst die Reformer innerhalb der Regierung konservativ sind und warum Christen und andere religiöse Minderheiten von hohen Ämtern und anderen einflussreichen Positionen im System ausgeschlossen werden.

Diktatorische Paranoia

Der unbedingte Wille zum Machterhalt geht mit Islamischer Unterdrückung einher. Vor allem anderen will das islamische Regime die Werte der Islamischen Revolution von 1979 bewahren. Das Christentum gilt als verwerflicher westlicher Einfluss und als ständige Bedrohung der islamischen Identität der Republik. Nur die historischen Gemeinschaften der Armenier und Assyrer werden vom Regime als christlich angesehen, obwohl auch sie als Bürger zweiter Klasse behandelt werden. Jede andere Form des Christentums wird als gefährlicher westlicher Einfluss behandelt, was erklärt, warum viele Christen, vor allem Christen muslimischer Herkunft, wegen „Verbrechen gegen die nationale Sicherheit“ verurteilt werden.

Religiös motivierter Nationalismus

Diese Triebkraft hat innerhalb der iranischen Regierung große Bedeutung. Ihrer Ansicht nach sind ethnische Perser per definitionem Muslime, und daher gelten persische Christen als Abtrünnige. Das macht fast alle christlichen Aktivitäten illegal, vor allem, wenn sie in persischer Sprache stattfinden – Evangelisation, biblische Schulungen, die Herausgabe christlicher Bücher oder Verkündigung auf Persisch. Allerdings ist die iranische Gesellschaft viel weniger fanatisch als ihre Führung. Dies ist zum Teil auf den weit verbreiteten Einfluss des gemäßigten und mystischen Sufismus zurückzuführen sowie auf den Stolz des iranischen Volkes auf die vorislamische persische Kultur.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Inhaftierten Christen – besonders Christen mit muslimischem Hintergrund – wird manchmal angeboten, gegen Kaution aus dem Gefängnis entlassen zu werden. Dabei geht es oft um hohe Geldbeträge, die Berichten zufolge zwischen 2.000 und 200.000 US-Dollar angesiedelt sind. Die betroffenen Christen oder deren Familien müssen deshalb oft ihre Häuser oder Geschäfte mit Hypotheken belasten. Kommt die Person auf Kaution frei, weiß sie oftmals nicht, wie lange ihr Besitz einbehalten wird. Diese Unsicherheit kann sie zum Schweigen bringen, da sie Angst hat, den Familienbesitz zu verlieren. Das iranische Regime drängt Christen, die aktiv in ihrer Hauskirche sind und für ihr Engagement dort oder bei evangelistischen Aktivitäten verhaftet wurden, dazu, das Land zu verlassen und damit ihre Kaution aufzugeben. Teilweise geht dies auch mit Drohungen einher.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

Regierungsbeamte sind für die vielen Verhaftungen und Verurteilungen von Christen, insbesondere Christen mit muslimischem Hintergrund, verantwortlich. Nichtchristliche religiöse Leiter wie muslimische Geistliche rufen manchmal zu Gewalt gegen Minderheiten auf. Obwohl die iranische Gesellschaft im Vergleich zu ihrer Führung gemäßigt ist, üben Familien oft Druck auf Angehörige aus, die vom Islam zum christlichen Glauben konvertiert sind.

Ausgehend von Religiös motiviertem Nationalismus

Das derzeitige politische Spektrum im Iran ist zwischen der islamischen Linken (den Reformern) und der islamischen Rechten (den Prinzipalisten) gespalten. Die Reformer dominieren das Parlament, die Islamische Beratende Versammlung. Der wiedergewählte Präsident Rohani kann auch als Reformer angesehen werden. Allerdings dominieren die Konservativen den Wächterrat, der sein Veto gegen alle Gesetze des Parlaments einlegen kann. Die Ernennungen der Mitglieder des Wächterrats werden vom Obersten Religionsführer des Iran (der die höchste Autorität im Land hat) kontrolliert. Dieser ist selbst Prinzipalist. Auf diese Weise hat das gemäßigte Parlament nicht viel Macht, um Veränderungen herbeizuführen. Solange der rechte Flügel den Iran als islamisches Land für schiitische Muslime betrachtet, das von westlichen (christlichen) Ländern und deren Kultur bedroht ist, werden Christen, insbesondere Christen mit muslimischem Hintergrund, verfolgt werden.

Die Konservativen stärken ihre Unterstützerbasis zum Beispiel durch die freiwillige Miliz der Revolutionsgarde, die Basidsch. Dies ist eine fanatische paramilitärische Gruppe der Rechten, die für ihre Loyalität zum Obersten Religionsführer bekannt ist. Die Miliz verfügt über Büros und Stützpunkte im ganzen Land, sichert die Unterstützung für die Prinzipalisten und übt Gewalt gegen alle Feinde des Staates aus, wenn sie dazu aufgefordert wird, einschließlich der Christen.

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

Alle christlichen Gruppen werden durch die Geheimdienste streng überwacht, selbst die offiziell anerkannten traditionellen armenischen und assyrischen Kirchen. Durch diese genaue Überwachung und die Verhaftungen derer, die an Evangelisationen beteiligt sind, übt die Regierung Druck aus, um sicherzustellen, dass Christen nicht unter Muslimen missionieren.

Ausgehend von Organisiertem Verbrechen und Korruption

Die Regierung nutzt das Kautionssystem, um verurteilte Christen vorsätzlich verarmen zu lassen, und drängt sie dazu, das Land zu verlassen (siehe Abschnitt „Organisiertes Verbrechen und Korruption“). Laut Berichten nutzen einige Regierungsbeamte das System aus, um sich selbst zu bereichern.

4. Hintergrund

In der jüngeren Geschichte gab es mindestens zwei wichtige politische Entwicklungen im Iran. Im Juli 2015 wurde eine Vereinbarung zwischen dem Iran und sechs Weltmächten getroffen, die darauf abzielt, das iranische Atomprogramm einzuschränken und im Gegenzug die Sanktionen zu lockern. Diese Vereinbarung wurde während der ersten Amtszeit von Präsident Rohani getroffen, der als gemäßigt bekannt ist. Die Erfolge der Gemäßigten bei den Wahlen zum iranischen Parlament und zum Expertenrat im Februar 2016 sowie die Wiederwahl von Präsident Rohani im Mai 2017 scheinen den Aufstieg der gemäßigten Politik im Iran zu unterstreichen.

Das Atomabkommen wird wahrscheinlich zu einem wohlhabenderen und stärkeren Iran führen, dessen Einfluss in der Region weiter zunimmt. Auf nationaler Ebene ist nicht zu erwarten, dass das Abkommen zu einer Verbesserung der Menschenrechte im Allgemeinen und der Religionsfreiheit im Besonderen führen wird. Im Gegenteil, es könnte durchaus zu einer Verschärfung der Situation führen, da konservative Teile des iranischen politischen Spektrums darauf abzielen, alle Elemente zu unterdrücken, die als Bedrohung für den islamischen Charakter des Regimes angesehen werden. Dazu gehören Iraner mit Verbindungen zum Westen, aber auch religiöse Minderheiten wie Christen und Bahai.

Ein weiteres wichtiges Thema ist das Kräftespiel innerhalb der iranischen Regierung, das eine Reform der Wirtschaft erschwert. Artikel 44 der iranischen Verfassung schreibt vor, dass „alle wichtigen Industrien in staatlichem Besitz sein sollten“. Im Mai 2005 nahm der Oberste Religionsführer Ali Khamenei eine wichtige Neuinterpretation dieses Artikels vor, die eine stärkere Privatisierung und einen Rückgang des staatlichen Sektors ermöglichte. Statt privater Unternehmen nutzten die sehr konservativen iranischen Revolutionsgarden diese Möglichkeit, ihr eigenes, innerstaatliches Wirtschaftsimperium aufzubauen. Da sie stark mit der Justiz und anderen staatlichen Einrichtungen verbunden sind, ist es für den gemäßigten Präsidenten Rohani fast unmöglich geworden, größere Reformen durchzuführen.

Seit vielen Jahren wurde kein Christ mehr vom Regime getötet, wahrscheinlich aus Angst vor den daraus resultierenden internationalen Folgen. Viele Regimekritiker anderer Gruppen wurden hingerichtet – vor allem unter dem Vorwurf des Terrorismus (anstelle von „Apostasie“). Neben Christen, Bahai, Sunniten, Sufi-Muslimen (Derwisch) und anderen religiösen Minderheiten sind auch ethnische Minderheiten wie Kurden, Belutschen und iranische Araber Verfolgung vonseiten der Regierung ausgesetzt.

5. Betroffene Kategorien von Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Zu dieser Gruppe gehören ausländische Christen und Arbeitsmigranten aus dem Fernen Osten (z.B. von den Philippinen oder Südkorea) und dem Westen, darunter viele Angehörige einer katholischen, lutherischen oder presbyterianischen Kirche. Einige Auslandsgemeinden mussten schließen, nachdem einheimische Christen islamischer Herkunft an den Gottesdiensten teilgenommen hatten. Gemeinsame jährliche Gebetstreffen zwischen Kirchenleitern verschiedener Konfessionen wurden in der Vergangenheit ebenfalls aufgrund des Drucks vonseiten des iranischen Sicherheitsapparates abgesagt.

Christen aus traditionellen Kirchen

Alteingesessene christliche Volksgruppen wie die Armenier oder Assyrer, die als Minderheiten im Land leben, dürfen Angehörigen ihres eigenen Volkes in ihrer jeweiligen Muttersprache predigen, es ist jedoch verboten, (persischsprachige) Menschen muslimischer Herkunft miteinzubeziehen. Christen aus traditionellen Kirchen sind zwar formell vom Staat anerkannt und vom Gesetz geschützt, doch sie werden als Bürger zweiter Klasse behandelt. Zudem riskieren sie Freiheitsentzug, körperlichen Misshandlungen, Schikanen und Diskriminierung, wenn sie sich an Muslime wenden.

Christen muslimischer Herkunft (Konvertiten)

Ehemalige Muslime, die den christlichen Glauben angenommen haben, machen wahrscheinlich die größte Gruppe von Christen im Iran aus. Sie tragen die Hauptlast der Verfolgung, insbesondere durch die Regierung und in einem geringeren Ausmaß durch ihre (Groß-)Familien und die Gesellschaft. Im Gegensatz zu den traditionellen Kirchen betrachtet die Regierung sie als einen Versuch westlicher Länder, den Islam und die islamische Regierung des Iran zu untergraben. Die Taufe wird als öffentliches Zeichen des Übertritts zum Christentum und damit als Angriff auf den Islam gesehen und ist daher verboten. Außerdem werden die meisten Kinder von Christen muslimischer Herkunft automatisch als Muslime registriert. Leiter von Gruppen von Christen muslimischer Herkunft wurden verhaftet, vor Gericht gestellt und wegen „Verbrechen gegen die nationale Sicherheit“ zu langen Haftstrafen verurteilt. Seit 2014 haben vermehrt auch Mitglieder von Hauskirchen, die nicht als Leiter tätig sind, solche Strafen erhalten. Aufgrund dieses hohen Drucks müssen Christen muslimischer Herkunft sehr vorsichtig sein, und viele von ihnen leben ihren Glauben isoliert, ohne Gemeinschaft mit anderen Christen. Es gibt auch eine wachsende Gemeinschaft iranischer Christen weltweit, da viele Christen muslimischer Herkunft im Laufe der Jahre aus dem Land geflohen und andere Iraner im Ausland Christen geworden sind.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Obwohl es schwierig ist, eine scharfe Trennung zwischen ihnen und den Gemeinschaften von Christen muslimischer Herkunft zu ziehen, gibt es eine weitere Gruppe von Christen, die aus Evangelikalen, Baptisten und Mitgliedern von Pfingstgemeinden besteht. Sie haben oft einen armenischen, assyrischen, jüdischen oder zoroastrischen Hintergrund. Andere sind Kinder oder Enkel von Christen muslimischer Herkunft. Sie sind der gleichen schweren Verfolgung durch die Regierung ausgesetzt und werden von der Gesellschaft diskriminiert, insbesondere, wenn sie sich bei evangelistischen Aktivitäten oder in Hauskirchen engagieren.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 14.000
Familienleben: 14.100
Gesellschaftliches Leben: 14.500
Leben im Staat: 15.800
Kirchliches Leben: 16.400
Auftreten von Gewalt: 10.000

Grafik: Verfolgungsmuster Iran

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster

  • Der Druck auf Christen im Iran ist extrem hoch geblieben. Der Durchschnittswert beträgt 15,0 Punkte und hat sich im Vergleich zum Weltverfolgungsindex 2017 nicht verändert.
  • Der Druck ist in allen Lebensbereichen auf einem extrem hohen Niveau, am stärksten ist er jedoch dort, wo christliches Leben öffentlich wird – d. h. in den Bereichen „Kirchliches Leben“ und „Leben im Staat“. Dies weist auf die Unterschiede zwischen Regime und Gesellschaft hin: Die Regierung ist deutlich extremistischer als die meisten iranischen Bürger.
  • Der Wertung für das Auftreten von Gewalt ist im Vergleich zum Weltverfolgungsindex 2017 von 10,2 auf 10,0 Punkte gesunken. Die Regierung unterdrückt Christen weiterhin und verhaftet, verurteilt und inhaftiert viele Christen. Im aktuellen Berichtszeitraum gab es jedoch keine offiziellen Berichte über Zwangsehen. Ein Forscher merkt jedoch an: „Dies geschieht so häufig, dass es kaum noch als Form der Verfolgung berichtet wird.“

Privatleben

Christen muslimischer Herkunft können ihren christlichen Glauben nicht öffentlich leben. Jeder Hinweis für ihr Umfeld, dass sie Christen sein könnten, hätte ernsthafte Folgen. Wenn außer ihnen niemand anderes aus der Familie an Jesus Christus glaubt, müssen sie sehr vorsichtig sein, wie sie ihren Glauben leben. Für alle Christen kann es gefährlich sein, christliche Literatur auf Persisch (Farsi) zu besitzen – besonders wenn es sich um größere Mengen von Exemplaren handelt, da dies darauf hindeutet, dass sie zur Weitergabe an muslimische Iraner gedacht sind. Christen aus traditionellen Kirchen dürfen christliche Literatur in ihrer Muttersprache (Armenisch oder Assyrisch) besitzen.

Familienleben

Es ist für eine muslimische Familie eine große Schande, wenn einer ihrer Angehörigen den Islam verlässt. Im Falle einer Erbschaft oder von Sorgerechtsfragen bei einer Scheidung wird häufig zum Nachteil der Christen entschieden, wenn die anderen Familienangehörigen muslimisch sind. Beispielsweise kann jemand, der kein Muslim ist, nicht von einem Muslim erben. Ein muslimischer Mann kann zwar eine nichtmuslimische Frau heiraten, eine Ehe zwischen einem nichtmuslimischen Mann und einer muslimischen Frau wird jedoch nicht anerkannt. In der Schule werden Kinder christlicher Eltern muslimischer Herkunft zu Muslimen gezählt und verpflichtet, am Islamunterricht teilzunehmen. In den weiterführenden Schulen sind alle Christen dazu gezwungen, islamische Kurse zu belegen.

Gesellschaftliches Leben

Durch ständige Benachteiligung werden alle Christen im Iran mehr oder weniger unter Druck gesetzt, ihren Glauben aufzugeben. Christen muslimischer Herkunft werden vor allem in Dörfern und ländlichen Regionen und in den konservativ geprägten Städten als unrein angesehen. Extremistische Muslime geben Christen nicht die Hand, berühren sie nicht und nehmen kein von ihnen zubereitetes Essen zu sich. Alle Christen und besonders Christen muslimischer Herkunft, deren christlicher Glaube entdeckt wird, müssen mit Schikane und Diskriminierung am Arbeitsplatz rechnen, sowohl an staatlichen als auch an privaten Arbeitsstätten.

Leben im Staat

Jedem Muslim, der den Islam verlässt, droht offiziell die Todesstrafe. Jedoch war die einzige Person, die im Iran wegen Apostasie hingerichtet wurde, Pastor Hossein Soodmand im Jahr 1990. In der Folge geriet das Regime unter starken Druck der internationalen Gemeinschaft und führte keine weiteren Hinrichtungen wegen Apostasie durch. Im Fokus der Regierung stehen Christen, die auch auf Konvertiten zugehen, und selbst gut etablierte Kirchen sind nicht sicher vor Schikane, wenn sie sich um Muslime kümmern: Ihre Mitglieder werden von der Polizei verhört, verhaftet, ins Gefängnis geworfen und geschlagen. Viele (wenn nicht alle) öffentlichen Gottesdienste werden geheimdienstlich überwacht. Hassreden gegen iranische Christen, vor allem gegen Protestanten, wurden im Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2018 durch die Regierung multimedial verbreitet und die christenfeindliche Rhetorik der Imame nahm zu.

Kirchliches Leben

Die Regierung hat ihre Anstrengungen weiter verstärkt, persischsprachige Christen aus dem Land zu vertreiben. In den letzten Jahren wurden viele Kirchen geschlossen, enteignet oder dazu gezwungen, Gottesdienste auf Persisch zu streichen. Auch wurden die Kirchenleiter oft verhaftet. Gemeinden, die sich noch immer in Kirchengebäuden versammeln, dürfen keine neuen Mitglieder muslimischer Herkunft aufnehmen, was zur Überalterung der Gemeinden führt. Die strenge Überwachung von Hauskirchen löst bei den Besuchern zunehmend Furcht aus. Evangelisation, biblischer Unterricht sowie die Veröffentlichung oder der Import von Bibeln auf Farsi sind illegal.

Auftreten von Gewalt

Während des Berichtszeitraums des Weltverfolgungsindex 2018 ging die meiste Gewalt gegen Christen von der Regierung aus; mindestens 52 Christen wurden verhaftet. Am stärksten wurden Christen mit muslimischem Hintergrund verfolgt, die aktiv an der Bekehrung von Muslimen beteiligt waren. Häuser von Christen (mit muslimischem Hintergrund) wurden durchsucht und viele christliche Konvertiten wurden zu langen Gefängnisstrafen verurteilt. Die Regierung setzte auch ihre Politik fort, inhaftierte Christen arm zu machen, indem sie unverhältnismäßig hohe Kautionen verlangte.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Das Tahirih Justice Center berichtet, dass Frauen und Mädchen in der iranischen Gesellschaft besonders verwundbar sind, weil sie von ihren Ehemännern und Beschützern abhängig sind. Es gibt kaum Schutz vor (sexuellem) Missbrauch und häuslicher Gewalt. Ferner ist die Thematik von Ehre und Schande ein wichtiger Bestandteil der iranischen Gesellschaft. Die Hinwendung einer Frau zum christlichen Glauben und ihre Verhaftung sind für die Familie oft noch beschämender, als wenn ein männliches Familienmitglied den Islam verlässt. Dennoch nehmen mehr Frauen als Männer im Iran den christlichen Glauben an. Die Zahl von Christinnen mit muslimischem Hintergrund, die verhaftet und festgehalten wurden, ist gestiegen, seit die Regierung begonnen hat, nicht nur Leiter von Hauskirchen, sondern auch andere Mitglieder dieser Gemeinden ins Visier zu nehmen. Nichtsdestoweniger wurden weniger Frauen verhaftet als Männer. Ein Grund dafür könnte sein, dass Verurteilungen von Frauen zu Gefängnisstrafen negative internationale Konsequenzen für das iranische Regime haben könnten, da die Öffentlichkeit dazu neigt, mehr Mitgefühl mit weiblichen Häftlingen zu haben.

Männer

Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2018 wurden mehr Männer durch die Regierung verhaftet, vor Gericht gestellt und verurteilt als Frauen. Ein Grund dafür könnte sein, dass Männer mehr Leitungspositionen innerhalb der verschiedenen (Untergrund-)Kirchen im Iran innehaben, obwohl Kontaktpersonen darauf hinweisen, dass Hauskirchen auch oft von Frauen geleitet werden.

8. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Die konservativen Kreise innerhalb der iranischen Regierung, die als Prinzipalisten bekannt sind (siehe Abschnitt „Verfolger, ausgehend von Religiös motiviertem Nationalismus“), wollen ihre Stellung wahren und fürchten jegliche Verletzung der Werte der Islamischen Revolution von 1979. Wahrscheinlich werden sie versuchen, der derzeitigen, eher gemäßigteren Entwicklung entgegenzutreten, indem sie jeden Versuch, soziale oder politische Reformen einzuführen, blockieren werden. Ein anderes Zeichen dafür, dass das Atomabkommen nicht das Ende der Werte der Revolution bedeutet, findet sich im scharfen Vorgehen gegen Medien, Menschenrechte und politische Aktivisten. Die Unterdrückung von Iranern mit doppelter Staatsangehörigkeit und Andersdenkenden, zu denen auch die religiösen Minderheiten gehören, hat zugenommen. Diese Gruppen werden als Bedrohung des islamischen Charakters der Republik angesehen; erstere wegen ihrer Verbindungen zu ausländischen Kreisen und Unternehmen, letztere wegen ihrer politischen oder religiösen Überzeugungen. Ein Teil dieser Unterdrückung wird an der steigenden Zahl von Verhaftungen und Hetzkampagnen gegen religiöse Minderheiten wie Christen und Bahai sichtbar.

Wenn mehr Zusammenarbeit mit anderen Ländern möglich wird, könnte das auch zu einer stärkeren Überwachung durch den Geheimdienst führen. Religiöse Minderheiten wie die Bahai und Christen würden noch mehr unter Beobachtung stehen, besonders ihre Kontakte zu westlichen Mitgläubigen. Christliche Medien in persischer Sprache werden Berichten zufolge bereits stärker beobachtet. In gewisser Weise hat das Atomabkommen den internen politischen Machtkampf im Iran weiter angeheizt. In diesem Konflikt, der voraussichtlich nicht so schnell beigelegt werden wird, scheint der Wahlsieg des gemäßigten amtierenden Präsidenten Rohani im Mai 2017 über den sehr konservativen Kandidaten, der vom Obersten Religionsführer unterstützt wurde, darauf hinzudeuten, dass die Mehrheit der iranischen Gesellschaft die Reformer unterstützt.

Aufgrund der enormen Machtbasis der Konservativen (nämlich den Revolutionsgarden, jener mächtigen Militär- und Sicherheitsorganisation, die mit dem Schutz des Regimes beauftragt wurde, mitsamt ihren Verbindungen zur Justiz) ist der Ausgang des internen Machtkampfes ungewiss. Im Iran sind Veränderungen im Gang. Zumindest auf dem Papier könnten sich die aktuellen Entwicklungen langfristig für Christen und andere Minderheiten positiv auswirken; vorerst bleibt der Druck auf sie jedoch extrem hoch.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für den Iran

  • Die Haupttriebkraft der Verfolgung im Iran ist Islamische Unterdrückung. Nahezu alle Kirchen, die Gottesdienste auf Farsi abhielten, wurden in den letzten Jahren geschlossen und ihre Leiter verhaftet. Bitte beten Sie für die Christen in den iranischen Gefängnissen, dass sie aufrichtige Liebe für ihre Wärter und Mitgefangenen haben.
  • Der schiitische Islam ist im Iran die Staatsreligion. Alle Gesetze müssen mit der offiziellen Auslegung der Scharia, des islamischen Rechts, übereinstimmen. Jeder Muslim, der den Islam verlässt, kann zum Tode verurteilt werden, auch wenn die Behörden dieses Gesetz in den vergangenen Jahren nicht angewendet haben. Bitte beten Sie, dass die Gesetze geändert werden, damit es Religionsfreiheit geben kann.
  • Für viele muslimische Familien ist es eine große Schande, wenn ein Familienmitglied den Islam verlässt. Beten Sie für die Christen, die wegen ihres Glaubens von ihren Familien abgelehnt und verstoßen wurden.

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