Länderprofil Kolumbien

Kolumbien

49
Weltverfolgungsindex
2018
Flagge Kolumbien
Hauptreligion
Christentum
Staatsform
Republik
Platz Vorjahr
50
ISO
CO
Karte Kolumbien
Karte Kolumbien
Christen
46,66
Bevölkerung
49.07
Ethnisch begründete Anfeindungen
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Säkulare Intoleranz
Privatleben: 7.900
Familienleben: 7.600
Gesellschaftliches Leben: 11.900
Leben im Staat: 8.600
Kirchliches Leben: 8.500
Auftreten von Gewalt: 11.900
Länderprofil Kolumbien

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

56 Punkte / Platz 49 (WVI 2017: 53 Punkte / Platz 50)

Von wem Verfolgung ausgeht

In dem von Korruption gezeichneten Land geht die Verfolgung hauptsächlich von kriminelle Gruppen (Drogenkartelle, regimekritische Rebellen) aus. Auch Leiter indigener Gemeinschaften, die glauben, dass Christen ihnen ihre Weltsicht aufzwingen und ihr Land übernehmen wollen, verfolgen Christen.

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen

Die Verfolgung von kirchlichen Gemeinschaften ist besonders gewalttätig, wenn sie von kriminellen Banden ausgeht. Sie wollen auf diese Art Furcht verbreiten und die Gesellschaft einschüchtern, da sie aktive Christen als eine ernste Bedrohung ihrer Herrschaft betrachten. Sie sprechen Morddrohungen gegen Christen (und ihre Familien) aus, die sich evangelistisch engagieren. Viele Christen müssen eine „Schutzsteuer“ zahlen, die eine Art Versicherung gegen Angriffe oder Tötungen darstellt. Zu Verfolgung kommt es besonders häufig dort, wo sich ehemalige Bandenmitglieder zu Jesus Christus bekehrt haben.

Verfolgung findet auch in indigenen Gemeinschaften statt, wo man durch die christlichen Kirchen die Existenz der traditionellen Gebräuche und Weltanschauung bedroht sieht. In den beschriebenen Situationen werden Christen daran gehindert, sich frei zu versammeln oder anderen von ihrem Glauben zu erzählen. Weil in diesen Regionen keine staatlichen Ordnungskräfte präsent sind, stehen Christen ständig in der Gefahr, von den lokalen Machthabern angegriffen zu werden.

Durch die Medien und politische Debatten hat sich die Säkulare Ideologie stark ausgebreitet. Darin werden christliche Werte kritisiert, und wenn sich Christen an der öffentlichen Debatte (besonders bei Themen wie Gender, Ehe und Schutz des ungeborenen Lebens) beteiligen, werden sie lächerlich gemacht. Christen, die einer protestantischen Freikirche angehören, werden in der Gesellschaft klar benachteiligt. Das geschieht vor allem durch Behörden (bei staatl. Finanzhilfen und Registrierungen), die der Römisch-Katholischen Kirche Vergünstigungen einräumen. Im Vorfeld des Papstbesuchs im September 2017 wurde dies besonders deutlich.

Beispiele

  • Im Juni und Juli 2017 wurde Christen in indigenen Gemeinschaften der Zugang zur Grundversorgung verwehrt, um sie so dazu zu bringen, ihren Glauben zu widerrufen und sich wieder ihrer traditionellen Religion zuzuwenden. 17 Kirchen wurden von indigenen Leitern angegriffen, um so die Ausbreitung des christlichen Glaubens in ihrem Volksstamm zu verhindern.
  • Trotz Friedensverhandlungen mit der Regierung bleiben kriminelle Banden, die zu den Rebellen gehören, weiterhin aktiv und sind in manchen Gebieten sogar stärker geworden. Am 16. Mai 2017 hat ein katholischer Priester in Buenaventura Todesdrohungen erhalten, nachdem er sich gegen kriminelle Machenschaften in seiner Region ausgesprochen hatte. Am 28. Juli 2017 wurde ein Priester in Raudal (Antioquia) ermordet aufgefunden. Viele Christen und andere Bürger fliehen wegen der zunehmenden Unsicherheit und Drohungen von kriminellen Banden aus ihren Wohnorten.

Beiträge zu Kolumbien

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Die Bewertung Kolumbiens ist im Weltverfolgungsindex (WVI) 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 3 Punkte auf 56 Punkte gestiegen. Der Druck auf Christen hat sich in allen Lebensbereichen erhöht, besonders jedoch hat die Gewalt zugenommen. Trotz des Entwaffnungsprozesses der FARC (Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens) werden Christen besonders durch das Organisierte Verbrechen verfolgt. Auch von indigenen Leitern geht verstärkt Druck aus, da sie Christen nicht in ihre Gemeinschaften aufnehmen wollen und auch dagegen sind, dass Christen evangelisieren.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Ethnisch begründete Anfeindungen

Dies ist eine der Haupttriebkräfte der Verfolgung in Kolumbien, besonders innerhalb der indigenen Gemeinschaften im Norden des Landes (Provinzen Arauca, Norte de Santander, Magdalena, Cordoba). Es gibt in Kolumbien 81 verschiedene ethnische Gruppen, die knapp 13,8 % der ganzen Bevölkerung ausmachen (laut „CIA World Factbook“). Die religiöse Zugehörigkeit ist in diesen Volksgruppen eine wichtige Komponente ihrer Kultur und Identität. Sie spielt eine entscheidende Rolle bei ihren Beziehungen zu anderen Menschen und dem Zugang zu natürlichen Lebensgrundlagen. Wie in vielen anderen Ländern Lateinamerikas sind auch in Kolumbien die religiösen Praktiken der indigenen Volksgruppen vermischt mit katholischen Lehren. Auch wenn man sie im engeren Sinn nicht als römisch-katholisch bezeichnen kann, sind die Leiter der jeweiligen Volkgruppen doch gegenüber der Römisch-Katholischen Kirche toleranter, als gegenüber Mitgliedern anderer Kirchen. Dessen ungeachtet werden auch indigene Katholiken, die sich von diesen Praktiken abwenden, ebenfalls verfolgt und Opfer von ethnisch begründeten Anfeindungen werden.

Die indigene Weltanschauung der „Cosmovision“ (die gemeinsame Weltsicht aller prä-kolumbianischen Gesellschaften von Meso-Amerika) ist innerhalb dieser Kommunen vorherrschend und übt auf ihr tägliches Leben in den Bereichen Privatleben und gesellschaftliches Leben großen Einfluss aus. Wer Vorstellungen und Gebräuche lehrt oder einführt, die im Widerspruch zu diesem traditionellen Glauben stehen, wird als Bedrohung der Traditionen (kulturell und religiös) gesehen und von den örtlichen Behörden aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, was die meisten indigenen Bewohner unterstützen. Zu den Maßnahmen, die gegen Konvertiten und ihre Familien sowie gegen Missionare ergriffen werden, gehören Gefängnis, Folter und Enteignung.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Diese Form von Verfolgung bereitet den Christen am meisten Sorge. Der von Transparency International erstellte Korruptionswahrnehmungsindex von 2016 stuft Kolumbien mit einer Wertung von 37/100 (0 ist hochkorrupt, 100 ist sehr „sauber“) auf Rang 90 von 176 ein. Folgende Aspekte tragen dazu bei, dass dieses Problem so tief im Land verwurzelt ist: 1) Fehlende staatliche Autorität in vielen Landesteilen (und Gleichgültigkeit gegenüber oder Leugnung dieses Problems), was illegale Aktivitäten wie Drogenhandel, Erpressung, Entführungen usw. begünstigt. 2) Daraus ergibt sich, dass illegale Handlungen zum Alltag gehören und als normal empfunden werden. 3) Die Verbindung der kolumbianischen Elite (auf allen Ebenen) zur Drogenindustrie und 4) die fehlende Strafverfolgung von Gesetzesverstößen und das weitverbreitete Misstrauen gegen die Judikative, Legislative und Exekutive und ihre Behörden im Land, inklusive des Präsidenten. Das alles trägt zur wirtschaftlichen Krise bei und lässt sowohl den Drogenhandel als auch den Einfluss von Guerillagruppen weiter anwachsen, besonders in Gebieten, in denen das Friedensabkommen mit der FARC noch nicht gilt. Die staatlichen Behörden folgen ihren eigenen Interessen und zeigen Gleichgültigkeit auf allen Ebenen.

Drogenhändler und kriminelle Netzwerke machen gemeinsame Sache mit Verantwortlichen aus Regierung und Gesellschaft, die sie durch Angst, Bedrohungen und Gewalt für ihre Zwecke einnehmen, um dann gegen besonders gefährdete Personen vorzugehen. Dazu gehören christliche Leiter und religiöse Gruppen, die sich gegen Verbrechen und Korruption einsetzen. Mitarbeiter christlicher Gemeinden, die Rebellen zur Umkehr bewegen wollen oder die versuchen, junge Menschen davon abzubringen, sich den Kriminellen anzuschließen, werden mit dem Tod bedroht, erleiden Verfolgung, werden vertrieben, inhaftiert, mit Strafgeldern versehen und von der Grundversorgung ausgeschlossen. Um Menschen vom Glauben an Jesus Christus fernzuhalten, richten sich die genannten Aktivitäten manchmal auch gegen die Familie oder sogar das gesamte Umfeld der Christen.

Säkulare Intoleranz

Dieser Triebkraft sollte besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Sie ist überall dort anzutreffen, wo staatliche Behörden versuchen, Religion aus der Öffentlichkeit zu verdrängen und den Einfluss von Personen der Öffentlichkeit (in Politik, Gesellschaft oder Kirche) zu schmälern, deren Ansichten sich auf ihren Glauben gründen. Hierbei geht es nicht etwa um Neutralität, sondern darum, mittels neuer Denkmuster Werte einzuführen, die nicht nur unvereinbar mit dem christlichen Glauben sind, sondern im krassen Gegensatz dazu stehen (z.B. die LGBTI-Agenda). Dies führte in bestimmen Gruppen zum Anstieg einer „theophobischen“ Tendenz, wodurch evangelikale Christen zu gesellschaftlich Ausgestoßenen degradiert und Hassreden gegen die verbreitet werden, die irgendeine Art von Frömmigkeit vertreten.

3. Verfolger

Ethnisch begründete Anfeindungen

Die Leiter ethnischer Gruppen und nichtchristliche religiöse Leiter innerhalb der indigenen Kommunen bleiben dem Glauben ihrer Ahnen treu und verhindern die Ausbreitung des christlichen Glaubens unter den Volksstämmen, indem sie Christen belästigen, bedrohen (das gilt besonders für gewalttätige religiöse Gruppen, die Hexenkult betreiben) und Gewalt gegen sie ausüben oder sie bei den Behörden denunzieren. Der Druck auf Christen wird durch die kommunalen Behörden verstärkt, die willkürliche Rechtsprechung durch indigene Gerichte und autonome Behörden unterstützen; dabei ignorieren sie Situationen, in denen Christen entweder diskriminiert werden oder ihnen Gewalt angetan wird. In manchen Fällen werden Konvertiten zum christlichen Glauben von der eigenen Familie mit dem Argument abgelehnt, er oder sie habe die Familientradition und die Werte der Gesellschaft verraten. Damit stimmt die Familie faktisch Misshandlungen oder Ausschluss der Christen durch die Gesellschaft zu.

Säkulare Intoleranz

Ideologisch motivierte Gruppen, Bürgerkoalitionen, multilaterale Organisationen (wie die UN und die Organisation Amerikanischer Staaten) und seit kurzem auch einige neue spirituelle Leiter (die „New Age“-Gedankengut verbreiten) haben die Regierung unter Druck gesetzt, ihre Agenda und ihre Forderungen (z.B. der LGBTI und Gesetzgebung und Agenda zu Fortpflanzung und Sexualität) zu unterstützen. Dazu kommen ständige Schikane und Spott gegen politische, gesellschaftliche und christliche Leiter, die sich öffentlich zu ihrem Glauben bekennen. Einige politische Parteien – besonders reformorientierte – haben beständig versucht, Maßnahmen, die von christlichen Politikern auf den Weg gebracht oder von christlichen Gruppen unterstützt werden, zu behindern. Hierfür werden auch öffentliche Medien instrumentalisiert.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Trotz der Friedensvereinbarung mit der FARC gibt es weiterhin isolierte Gebiete, in denen Paramilitärs und Rebellen von nicht-FARC Gruppen (z.B. ELN und kleinere kriminelle Gruppen, bekannt als „Bacrim“) die Kontrolle ganzer Kommunen übernommen haben, ohne von der Staatsregierung daran gehindert zu werden. Diese Gruppen zögern nicht, aus ideologischen und wirtschaftlichen Gründen gegen Christen tätig zu werden, da die von Christen verbreiteten Werte in vollem Gegensatz zu den Werten dieser Gruppen stehen. Das Auftreten dieser neuen kriminellen Gruppen hat zu einer Steigerung der Jugendkriminalität geführt; schutzlose Minderheiten sollen durch Einschüchterung beherrscht werden. In dieser Hinsicht ist die Regierung verantwortlich für die illegale Unterstützung krimineller Netzwerke und des Drogenhandels. Die Gleichgültigkeit der Regierung gegenüber diesen Entwicklungen wird von christlichen Leitern immer wieder verurteilt. In die zahlreichen Korruptionsskandale sind auch einige Politiker verwickelt, indem sie beispielsweise kriminelle Führungspersonen decken (besonders im Drogenhandel) und sie so in ihrem Handeln bestärken und Strafverfolgung behindern. In vom Organisierten Verbrechen kontrollierten Regionen zwingen Kriminelle gewöhnliche Bürger mit Drohungen dazu , sich an Angriffen gegen christliche Gruppen oder deren Leiter zu beteiligen oder diese zumindest zu dulden.

4. Hintergrund

Nach vierjährigen Verhandlungen konnte Präsident Juan Manuel Santos ein Friedensabkommen zwischen der kolumbianischen Regierung und der Bürgerarmee der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC-EP) aushandeln, das am 1. Dezember 2016 unterzeichnet wurde. Einen ersten Waffenstillstand von beiden Seiten gab es am 29. August 2016. Der 27. Juni 2017 markierte die erste offizielle Entwaffnung der Rebellen. Am 1. September 2017 betrat die FARC offiziell als politische Partei mit dem Namen Alternative Revolutionäre Kraft des Volkes (ARFC) die öffentliche Bühne. Ihr politisches Ziel ist die Schaffung einer revolutionären Bewegung, die von marxistischen, leninistischen und bolivarischen Lehren inspiriert die „kapitalistische Gesellschaftsordnung“ auflösen soll. Dies stellt für die ganze Nation ein potentielles Risiko dar, ganz besonders jedoch für die Christen im Land.

Seit Februar 2017 befindet sich auch die ELN in Verhandlungen mit der kolumbianischen Regierung, um dauerhaften Frieden zu schaffen. Diese Verhandlungen gestalten sich jedoch weitaus schwieriger, da die ELN als hochgradig extremistische Gruppe kaum Erfahrung mit Verhandlungen hat. Ihr Kampfeinheiten sind zudem im Land weit verstreut. Dieser Prozess wird von den Vereinten Nationen und der Römisch- Katholischen Kirche unterstützt.

Ungeachtet des positiven Friedensprozesses gibt es weiterhin Netzwerke des Organisierten Verbrechens, den Drogenhandel sowie Banden und paramilitärische Gruppen. Die Behörden verschließen davor die Augen, was die Verfolgung von Christen in den von Kriminellen kontrollierten Gebieten kontinuierlich verschlimmert. Korruption ist weit verbreitet und politische Leiter sind häufig in Allianzen mit dem Organisierten Verbrechen verwickelt. Das macht es für Christen gefährlich, sich gegen Machenschaften dieser Art in ihrem Umfeld auszusprechen. Für die christliche Kirche insgesamt ist dies eine große Herausforderung, da in vielen von Rebellen besetzten Gebieten katholische und evangelische Geistliche die einzige andere Autorität darstellen. Somit sind sie die einzigen, die sich als Vermittler für die Sicherheit ihrer Gemeinde und aller Bürger einsetzen können. Das tun sie auch, begeben sich damit allerdings immer wieder in Lebensgefahr. Trotzdem wächst die Zahl der Christen weiter, was besonders in der Politik sichtbar ist. Da die Wählerstimmen der Christen bei den Präsidentschaftswahlen 2018 großes Gewicht haben werden, stellen viele Kandidaten christliche Werte in den Vordergrund, um Stimmen zu fangen. (In manchen Fällen ist dies der offensichtliche Versuch, die christliche Wählerschaft zu manipulieren und kommt einer Verhöhnung des katholischen Glaubens gleich).

Die Intoleranz gegenüber vielen religiösen Gruppen im Land ist weiter auf dem Vormarsch. Die Zeugen Jehovas, Mormonen und andere erfahren ebenso Verfolgung.

5. Betroffene Kategorien von Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Dazu gehören vor allem Christen der Römisch-Katholischen Kirche und kleine Gemeinden der Orthodoxen und Protestantischen Kirche. Diese Gruppen sind in den Gebieten der Gefahr von Angriffen ausgesetzt, die von Drogenkartellen und anderen Formen des Organisierten Verbrechens kontrolliert werden.

Gemeinden von Konvertiten

Dies sind Christen aus traditionellen Kirchen, die ihre Konfession gewechselt oder Christen indigener Herkunft, die ihren Stammesglauben verlassen haben. Dazu zählen aber auch ehemalige Rebellen und ehemalige Mitglieder von Verbrecherorganisationen, die sich zum Glauben an Jesus Christus bekehrt haben. Sie werden Opfer von Belästigungen, Vertreibung, Morddrohungen und anderen körperlichen und psychologischen Formen von Gewalt, weil sie das vorherrschende ideologische bzw. Glaubenssystem der Gruppe verlassen haben, der sie einst angehörten.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Dies sind Christen vor allem aus evangelikalen, charismatischen und Pfingstkirchen. Wie andere religiöse Gruppen haben auch sie nur wenig Freiraum, ihren Dienst in hoch unsicheren Gebieten zu tun. Hinzu kommt, dass diese Gruppen von der Regierung nicht die gleichen Privilegien erhalten wie traditionelle Kirchen.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 7.900
Familienleben: 7.600
Gesellschaftliches Leben: 11.900
Leben im Staat: 8.600
Kirchliches Leben: 8.500
Auftreten von Gewalt: 11.900

Grafik: Verfolgungsmuster Kolumbien

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster

  • Der Druck auf Christen in Kolumbien ist insgesamt hoch und von 8,6 Punkten im WVI 2017 auf 8,9 Punkte gestiegen.
  • Der Druck ist mit 11,9 Punkten am stärksten im Bereich Gesellschaftliches Leben, was vor allem auf das Organisierte Verbrechen und Korruption und Ethnisch begründete Anfeindungen sowie die im Land vorherrschende Kultur der Angst in allen Lebensbereichen zurückzuführen ist. Insbesondere wenn Rebellen sich mit Leitern indigener Volksstämme gegen die Christen verbünden, wirken alle Triebkräfte zusammen. Das geschieht vor allem auf lokaler Ebene und bewirkt eine erhöhte Punktzahl im Bereich Gesellschaftliches Leben.
  • Der Wert im Bereich Gewalt ist mit 11,9 im Vergleich zum WVI 2017 um 1,8 Punkte gestiegen. Dies liegt vor allem an der hohen Zahl gewalttätiger Übergriffe auf Christen in indigenen Kommunen.

Privatleben

In indigenen Gemeinschaften führt am häufigsten der Übertritt zum christlichen Glauben zur Verfolgung von Christen, meist in Form von Gewalt, Enteignung, Vertreibung, Gefängnis und Folter. Dies bewirkt ein konstantes Gefühl von Unsicherheit und beeinträchtigt auch die örtlichen christlichen Gemeinden, in welche die neuen Gläubigen aufgenommen werden. Kriminelle Netzwerke und Drogenkartelle haben das Leben neu bekehrter Christen ebenfalls bedroht, wenn diese – mündlich oder schriftlich – ihren neuen Glauben öffentlich gemacht haben.

Familienleben

Innerhalb indigener Gemeinschaften ist es für Christen nicht möglich ihren Glauben zu leben, wenn sie inmitten von Familien leben, die der traditionellen Stammesreligion folgen. Auch innerhalb der eigenen Familie werden sie isoliert und von ihr ausgegrenzt.

Die Regierung versucht mit der Einführung eines flächendeckenden Sexualkundeunterrichts an Schulen das bestehende Recht der Eltern, ihre Kinder nach eigenen Glaubensvorstellungen zu erziehen, zu unterlaufen. In von kriminellen Organisationen kontrollierten Gebieten geraten Jungen und Mädchen unter kriminelle Indoktrinierung. Aus Angst vor der Rache der Kriminellen wagen die Eltern nicht, etwas dagegen zu unternehmen. Wenn illegale Paramilitärs die Kontrolle über Ortschaften an sich reißen, führt dies oft zur Vertreibung von protestantischen und katholischen Familien. Dabei werden immer wieder auch Familien voneinander getrennt.

Gesellschaftliches Leben

Besonders in indigenen Kommunen werden Christen durch Diskriminierung, Bedrohung und andere Arten von Verfolgung unter Druck gesetzt. Sie können ihren christlichen Glauben kaum leben. In von kriminellen Netzwerken kontrollierten Gebieten wird es Christen manchmal verboten, sich zu versammeln und sie werden beständig unter Druck gesetzt, ihrem Glauben abzuschwören. Personen der Öffentlichkeit, deren Äußerungen erkennbar von christlichen Werten bestimmt sind, werden von Mobs, ideologisch motivierten Gruppen sowie Medien schikaniert. Selbst einfache Bürger zeigen Intoleranz und Gewalt gegen religiöse Riten oder Veranstaltungen, die den Schutz von Leben, Familie und Ehe zum Thema haben. Außerdem wurden Christen Opfer von Hetzkampagnen sowie polarisierender Informationen, die durch die Medien verbreitet werden.

Es gibt zunehmend Druck, die Stimme der Christen aus der politischen Welt zu verbannen. So werden sie häufig wegen Verletzung der staatskirchlichen Autonomie vor Gericht gestellt oder der Zwangsbekehrung anderer beschuldigt, obwohl sie nur ihre Meinung aufgrund ihres Glaubens geäußert haben.

Leben im Staat

Die kolumbianische Verfassung garantiert das Recht auf Religionsfreiheit und Kriegsdienstverweigerung, in der Praxis ist das aber nicht der Fall. Der Staat bietet auch keinen ordentlichen Religionsunterricht für Christen an, die nicht der Römisch-Katholischen Kirche angehören; damit sind alle anderen benachteiligt. Behörden haben einigen Kirchen ein Strafgeld auferlegt, weil sie bei religiösen Festen zu laut gewesen sein sollen. In der Gesetzgebung gibt es Versuche, einige Verbrechen, wie die Verletzung der Religionsfreiheit, zu entkriminalisieren. Das bedeutet, eine solche Tat würde nicht mehr mit Gefängnis bestraft, sondern mit Sozialstunden.

Erwähnt werden sollte zudem die Blockadehaltung seitens aller Regierungszweige, wenn es um Themen wie Glaube, Familie und Ehe geht. Keines dieser Themen wird von den Behörden nach objektiven Gesichtspunkten analysiert. Als Hauptargument wird immer wieder angeführt, dass der christliche Glaube keinen Einfluss auf Themen der Gesetzgebung nehmen solle. Dies ist ein Beispiel für die Diskriminierung der Christen, die Themen ansprechen und ihre christlichen Werte einbringen möchten.

Kirchliches Leben

Das Friedensabkommen mit der FARC hat nicht dazu geführt, dass die Religionsfreiheit im Land hergestellt und gesichert ist. In Gebieten, die noch immer unter der Kontrolle von Rebellen und Verbrecherbanden stehen, kam es zu Drohungen gegen christliche Leiter. Priester der Römisch-Katholischen Kirche wurden bedroht und getötet; ihre pastorale Arbeit steht unter konstanter Beobachtung. Vielerorts sind sie die einzigen Vermittler zwischen den Verbrecherbanden und der Gesellschaft, weshalb sie stark gefährdet sind. Da die von ihnen vertretenen christlichen Werte im klaren Widerspruch zu denen der kriminellen Gruppen stehen, wird Religion als eine Bedrohung angesehen, die beseitigt werden muss.

In politischen Diskussionen werden protestantische Christen manchmal der „politischen Missionierung“ beschuldigt. Sie werden mit dem Vorwurf konfrontiert, man könne ihnen keine politische Verantwortung anvertrauen, weil sie dies nutzen würden, um die Menschen zu manipulieren. Selbst der Papstbesuch im September 2017 wurde zum Ziel harscher Kritik; die Unterstützung seitens der Regierung wurde als Bruch des Prinzips der Neutralität zwischen Kirche und Staat verurteilt.

Aufkommen von Gewalt

Im Berichtszeitraum des WVI 2018 kam es infolge krimineller Gewalt, Korruption sowie der instabilen Sicherheitslage im Land zu den folgenden Vorfällen: Morddrohungen gegen katholische Priester, Ermordung von katholischen Priestern, die versuchte Ermordung der Witwe eines evangelischen Pastors, Drohungen gegen die Dörfer von San José Apartado durch die Gaitanista-Selbstverteidigungsgruppen Kolumbiens, die Vertreibung von ungefähr 1.080 Christen in den Regionen Nariño und dem Norden von Santander, Schikanen gegen Politiker wegen ihren Verbindungen zu christlichen Kirchen.

Laut kolumbianischen Quellen hat sich die Gewalt gegen Christen, die in indigenen Gemeinschaften leben, intensiviert. Wer nicht der traditionellen Religion der Vorfahren folgt, muss oft mit körperlicher Gewalt und konstanten Drohungen rechnen. Betroffene Christen erfahren Diskriminierung, Enteignung, Schikane, Freiheitsentzug, Verweigerung von Nahrung und Grundversorgung sowie Folter. Im Berichtszeitraum des WVI 2018 wurden siebzehn christliche Kirchen von indigenen Leitern angegriffen, damit sollte die weitere Ausbreitung des christlichen Glaubens verhindert werden.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Frauen und junge Mädchen unterliegen keiner besonderen Gefährdung vonseiten irgendwelcher Gesetze. In Gebieten, die von Rebellen, Paramilitärs und Verbrecherbanden kontrolliert werden, haben Frauen jedoch nur geringe Chancen, staatliche Bildung zu erhalten oder zu einem Abschluss zu bringen. Es gibt Berichte über Mädchen, die verschleppt und als Sexsklavinnen missbraucht oder Opfer von Menschenhandel und zu Prostitution gezwungen wurden. Frauen wurden auch zu Abtreibungen oder zu Empfängnisverhütung gezwungen – besonders innerhalb der FARC – da es „im Krieg keine Kinder geben darf“, die vielleicht „vom Feind benutzt“ werden könnten. Feldforscher im Land berichten von einigen Fällen aus indigenen Gebieten, bei denen christliche Mädchen einem nichtchristlichen Mann zur Heirat versprochen, um so ihren Glauben zu zerstören.

Männer

Männer unterliegen keiner besonderen Gefährdung vonseiten irgendwelcher Gesetze. Doch in Gebieten, die unter der Kontrolle von Rebellen, Paramilitärs, Drogenkartellen und Verbrecherbanden stehen, werden junge Männer indoktriniert und dazu verpflichtet, sich diesen Gruppen anzuschließen. In manchen Fällen sehen junge Männer dies aus wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gründen als unausweichliches Schicksal an; wer dies nicht akzeptiert – ob aus christlichen oder anderen Motiven – wird verfolgt, bedroht und in manchen Fällen sogar zusammen mit seiner Familie getötet.

8. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Hinsichtlich der indigenen Gemeinschaften wird die Verfolgung von Christen anhalten, wenn der Staat die Gewalttaten gegen dort lebende christliche Konvertiten weiterhin ignoriert oder sogar unterstützt.

Der Staat hat es bislang versäumt, Maßnahmen gegen Korruption, Drogenhandel und das organisierte Verbrechen zu ergreifen und zu implementieren. Es gab zwar Bemühungen, Friedensabkommen mit den großen kriminellen Gruppen auszuhandeln. Doch aufgrund der Abwesenheit staatlicher Autoritäten in den dezentralisierten Regionen werden Gewalt und mangelnde Sicherheit weiterhin dafür sorgen, dass die Verfolgung religiöser Minderheiten und insbesondere der Christen anhält.

Säkulare Intoleranz hat sich im Land etabliert und wird in dem Maß weiter zunehmen, wie die „theophoben“ Tendenzen in der Bevölkerung neue Anhänger finden. Doch auch die Christen haben wachsenden Einfluss und stellen 2018 eine wichtige Wählerschaft für die Bewerber um das Präsidentenamt dar. Allerdings kann es auch sein, dass die Christen lediglich für die Unterstützung politischer Kampagnen benutzt werden könnten, um dann nach einer gewonnenen Wahl erneut und weiterhin ignoriert zu werden.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Kolumbien

  • Offiziell ist Kolumbien eine moderne Demokratie, in der Religionsfreiheit gesichert ist. Allerdings sind große Teile des Landes unter der Kontrolle von kriminellen Organisationen, Drogenkartellen, Revolutionären und paramilitärischen Gruppen. Christen werden leicht angefeindet. Beten Sie um Heilung und Frieden für das Land.
  • Bitten Sie um Frieden und Hoffnung für die Christen, die von kriminellen Banden und Rebellengruppen bedroht werden. Beten Sie, dass sie im Angesicht von Verfolgung stark bleiben.
  • Beten Sie, dass der Herr die Angehörigen der Christen tröstet, die um ihres Glaubens willen getötet wurden. Bitte beten Sie, dass die Christen im Land ihren Verfolgern vergeben können.

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