Länderprofil Myanmar

Myanmar

24
Weltverfolgungsindex
2018
Flagge Myanmar
Hauptreligion
Buddhismus
Staatsform
Republik
Platz Vorjahr
28
ISO
MM
Karte Myanmar
Karte Myanmar
Christen
4,37
Bevölkerung
54.84
Religiös motivierter Nationalismus
Diktatorische paranoia
Konfessioneller Protektionismus
Privatleben: 11.600
Familienleben: 11.100
Gesellschaftliches Leben: 13.200
Leben im Staat: 10.400
Kirchliches Leben: 11.000
Auftreten von Gewalt: 7.800
Länderprofil Myanmar

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

65 Punkte / Platz 24 (WVI 2017: 62 Punkte / Platz 28)

Von wem Verfolgung ausgeht

Buddhistische geistliche Leiter (Mönche) bringen vorwiegend buddhistische Ortschaften gegen Christen auf und stellen sich so an die Spitze der Verfolgung. Die extremistischen buddhistischen Bewegungen Ma Ba Tha und 969 (eine Abgrenzung ist schwer vorzunehmen) versuchen weiterhin, den Buddhismus als nationale Religion Myanmars zu „schützen“. Das jüngste Verbot dieser Bewegungen ändert daran nichts, da sie andere Wege finden, ihren Einfluss geltend zu machen. Familien, die stark im Buddhismus, Islam oder Stammesdenken verankert sind, verfolgen Familienmitglieder, die sich dem christlichen Glauben zuwenden, da eine Abkehr von der traditionellen Religion als Verrat an Familie und Gemeinschaft gesehen wird. Lokale Regierungsbeamte sind oftmals parteiisch und auf der Seite buddhistischer Geistlicher, besonders in ländlichen Gebieten. Minderheiten wie Christen, die häufig sowohl zu einer religiösen als auch ethnischen Minderheit gehören, werden so benachteiligt und haben keine Möglichkeit, Gerechtigkeit zu bekommen. Diese Christen leiden zusätzlich unter dem langwierigen und beinahe vergessenen Krieg, den die birmanische Armee gegen Aufständische führt.

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen

In überwiegend von Christen bewohnten Staaten wie Kachin-Staat, Karen-Staat oder im Norden des Shan-Staats werden selbst etablierte, traditionelle Kirchen angegriffen. Mehr als 100.000 Christen leben in Flüchtlingslagern im Land und werden vom Zugang zu Nahrungsmitteln und medizinischer Versorgung ausgeschlossen. In einigen Fällen dringen buddhistische Mönche in den Besitz von Kirchen ein und bauen buddhistische Schreine auf dem Anwesen der Kirche. Christliche Konvertiten erfahren Verfolgung von ihrer buddhistischen, muslimischen oder Stammesfamilie und Gemeinschaft, weil sie ihren Glauben verlassen und sich damit selbst aus dem gemeinschaftlichen Leben ausgeschlossen haben. Gemeinschaften, die rein buddhistisch bleiben wollen, machen das Leben für christliche Familien unmöglich, indem sie ihnen nicht erlauben, die Wasserquellen der Gemeinschaft zu nutzen. Protestantische Freikirchen erleben ebenfalls Gegenwind, besonders, wenn sie sich in ländlichen Gebieten befinden und/oder dafür bekannt sind, das Evangelium aktiv zu verbreiten.

Beispiele

  • In den meisten Schulen Myanmars müssen alle Schüler vor dem Unterrichtsbeginn einen Teil der buddhistischen Lehre oder ein Gebet aufsagen, auch wenn sie keine Buddhisten sind.
  • Christliche Konvertiten werden auf verschiedene Weise diskriminiert. In einem Fall, der Open Doors berichtet wurde, verweigerte ein Lehrer einer christlichen Schülerin eine Liste mit Fragen, die er den anderen Schülern ausgehändigt hatte, um sich auf eine Arbeit vorzubereiten. In einem anderen Fall verteilte eine Familie das verdiente Geld von dem Verkauf eines Stück Lands an alle Geschwister bis auf denjenigen, der Christ geworden war.
  • Am 25. Mai 2017 wurden drei Christen, die im Kachin-Staat Feuerholz sammelten, vom Militär angehalten und festgenommen. Ihre Leichen wurden am 28. Mai gefunden und ist anzunehmen, dass sie von der Armee gefoltert und getötet wurden.
  • Die birmanische Armee zerstörte eine katholische Kirche in Mung Koe im Shan-Staat am 3. Dezember 2016, bei einem Angriff auf eine Miliz einer ethnischen Minderheit.
  • Langjaw Gam Seng und Dumdaw Nawng Lat, zwei Baptisten, wurden von der Armee im Januar 2017 verhaftet, als sie einem Journalisten eine zerbombte katholische Kirche zeigten. Sie wurden am 29. Oktober 2017 zu jeweils über vier und zwei Jahren Haft verurteilt.

Beiträge zu Myanmar

Blickpunkt Buddhismus
Auch wenn der Buddhismus als bunte und friedliche Religion gilt, sind viele Christen in buddhistisch geprägten Ländern starker Verfolgung ausgesetzt. Wir möchten, dass diesen Geschwistern wieder mehr Beachtung zukommt und wollen deswegen ihre Geschichten weitergeben.
Persönliche Berichte Persönliche Berichte
Myanmar
Myanmar
(Open Doors) – Äußerlich wirkt Dau-yi* eher zerbrechlich; man sieht der 45-jährigen Frau nicht an, d...
Hintergrundinformationen
Buddhismus und Christenverfolgung

Buddhismus und Christenverfolgung

03:47 Minuten

Warum werden Christen in manchen buddhistischen Ländern verfolgt? Gilt der Buddhismus nicht als Reli...

Anschauen

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Die Punktzahl Myanmars auf dem Weltverfolgungsindex 2018 ist im Vergleich zum vergangenen Jahr um 3 Punkte gestiegen. Der Druck auf Christen hat sich in allen untersuchten Lebensbereichen verstärkt, am eindeutigsten jedoch in den Bereichen „Privatleben“ und „Familienleben“. Dies ist ein Hinweis auf den steigenden Druck, den Christen buddhistischer oder muslimischer Herkunft von ihren Familien erfahren, wenn bekannt wird, dass sie sich dem christlichen Glauben zugewendet haben. Der Wert für Gewalt ist gesunken. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sich die Lage verbessert hat; es zeigt vielmehr, wie schwierig es ist, Berichte aus den vom Krieg zerrissenen Gebieten der christlichen Minderheit zu erhalten, wie auch andere internationale Organisationen bestätigen (siehe Abschnitt „Hintergrund“).

2. Triebkräfte der Verfolgung

Religiös motivierter Nationalismus

Der Buddhismus ist eng mit der nationalen Identität Myanmars verknüpft und es gibt buddhistische Kommunen, die rein buddhistisch bleiben wollen. Diese Haltung wird im Allgemeinen von extremistischen Buddhisten aufrechterhalten und von der Regierung toleriert – und in gewissem Maß sogar unterstützt. Die Bevölkerungsmehrheit in Myanmar (ca. 60%) ist ethnisch gesehen birmanisch, auch „bama“ genannt. Bama sein, heißt buddhistisch sein. Jeder, der von diesem Erbe abweicht, wird als potentiell gefährlich eingestuft. Druck auf Christen kommt von zwei Seiten: Die eine ist die Gesellschaft, einschließlich der vormals als „969“, jetzt als „Ma Ba Tha“ bezeichneten Bewegung extremistischer buddhistischer Mönche. Auch wenn die Bewegung im Mai 2017 offiziell verboten wurde, wird dies an der Realität nicht viel ändern (siehe dazu auch Abschnitt „Hintergrund“). Die andere Seite stellt die Regierung dar, die mit allen Mitteln versucht, Friedensabkommen mit einer Vielzahl von ethnischen Gruppen abzuschließen, von denen viele auch Christen sind. Die Einführung der Gesetze „zum Schutz von Rasse und Religion“ sind ein Zeichen für den weiterhin starken Einfluss extremistisch-buddhistischer Gruppierungen (siehe Abschnitt „Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt“). Das jüngste Aufkommen der „Arakan Rohingya Salvation Army“ (ARSA) und ihre gewalttätigen Angriffe im August 2017 werden den „Religiös motivierten Nationalismus“ weiter anheizen (siehe auch Abschnitt „Hintergrund“).

Diktatorische Paranoia

Myanmar blickt auf eine lange Geschichte von Militärregierungen zurück. Während die neugewählte Regierung nicht als paranoid bezeichnet werden kann, ist Myanmar eines der wenigen Länder, in denen nicht die Regierung von „Diktatorischer Paranoia“ betroffen ist, sondern das Militär. Gemäß der Verfassung des Landes, die von der „Tatmadaw“, der burmesischen Armee, 2008 geschrieben wurde, werden ein Viertel der Sitze im Parlament von Armeeangehörigen besetzt und dazu auch die wichtigsten Regierungsstellen. Dazu gehören das Verteidigungsministerium, aber auch das Innenministerium und das Ministerium für Grenzangelegenheiten. Die Tatsache, dass die Armee trotz aller Hoffnungen hinsichtlich Demokratie und Teilnahme von Minderheiten an den Wahlen ihren Kampf gegen die ethnischen Minderheiten, zu denen auch Christen gehören, fortgesetzt und sogar intensiviert hat – selbst während aller Treffen der Friedenskonferenz – verdeutlicht, wo die wahre Macht in Myanmar liegt.

Das Militär wird alles tun, um die Macht zu behalten, und sich dabei – falls notwendig – auch auf den buddhistischen Nationalismus oder das ethnische Erbe berufen. Die Regierung unterhält weiterhin sogenannte Na-Ta-La-Schulen (Schulen in Grenzgebieten zur Entwicklung Jugendlicher aus einheimischen Volksgruppen), die für Minderheiten der Bevölkerung attraktiv sind, da sie keine Gebühren erheben. Diese Schulen werden genutzt, um junge Menschen zu beeinflussen und sie in den Buddhismus einzuführen. Das Militär setzt seine Taktik der Schwächung aufständischer ethnischer Minderheiten fort, indem Jugendliche aus diesen Minderheiten drogenabhängig gemacht werden. Diese Praxis betrifft auch die Christen in Kachin. Weite Teile der Region Kachin gehören zu einem der zwei größten Anbaugebiete für Opium in Asien (zusammen mit Regionen in Vietnam, Laos und Thailand). Dieses Gebiet ist weithin bekannt als das „Goldene Dreieck“. Weite Teile des Landes sind in der Hand des Militärs. Da viele Rohstoffe wie Erz, Jade und Edelholz in den hauptsächlich von Christen bewohnten Territorien wie im Shan-Staat oder bei den Chin und Kachin vorkommen, erleben die Christen dort einen großen Druck vonseiten des Militärs. Sie werden schikaniert, attackiert und als Träger missbraucht – nicht nur aus ökonomischen Interessen. Unternehmen werden oftmals vom Militär oder von hochrangigen Politikern geleitet; die Vetternwirtschaft boomt. Es gibt kein Interesse daran, die Reichtümer des Landes mit der Bevölkerung zu teilen. Der gerade begonnene Aufstand der muslimischen Minderheit wird die Macht des Militärs nur ausweiten.

Konfessioneller Protektionismus

Traditionelle Kirchen haben Angst, dass sich ihre Mitglieder anderen Kirchen anschließen könnten, und verbieten ihnen, an Aktivitäten neuer christlicher Gemeinden teilzunehmen.

3. Verfolger

Leitende buddhistische Mönche bringen vorwiegend buddhistische Gemeinschaften gegen Christen auf und setzen sich so an die Spitze der Verfolgung. Die extremistische buddhistische Bewegung hinter den Gruppen Ma Ba Tha / 969 versucht weiterhin, den Buddhismus als nationale Religion Myanmars zu „schützen“. Das jüngste Verbot der Ma Ba Tha ändert daran nichts, da die Gruppe andere Wege findet, ihren Einfluss geltend zu machen. Familien, die stark im Buddhismus, Islam oder animistischen Stammesdenken verankert sind, verfolgen aktiv Familienmitglieder, die sich dem christlichen Glauben zuwenden, da eine Abkehr von der traditionellen Religion als Verrat gesehen wird. Lokale Regierungsbeamte sind oftmals parteiisch und auf der Seite buddhistischer Geistlicher, besonders in ländlichen Gebieten. Minderheiten wie Christen, die häufig sowohl zu einer religiösen als auch ethnischen Minderheit gehören, werden so benachteiligt und haben keine Möglichkeit, Gerechtigkeit zu bekommen. Die Armee kämpft weiterhin gegen christliche Aufständische und Minderheiten. Aufständische werden ebenfalls manchmal zu Verfolgern, wenn sie der Meinung sind, dass Kirchen sie nicht genug unterstützen, oder wenn Pastoren jungen Menschen raten, nicht an den Kämpfen teilzunehmen.

4. Hintergrund

Im November 2015 erweckte der überwältigende Sieg für die Oppositionspartei „National League for Democracy“ (NLD) unter Friedensnobelpreisträgerin und Freiheitsikone Aung San Suu Kyi bei den ersten freien Wahlen in Myanmar seit mehr als 25 Jahren große Hoffnung im Land und weltweit. Die NLD ernannte einen baptistischen Christen, der der Volksgruppe der Chin angehört, zum Vizepräsidenten. Auch das Oberhaus des Parlaments führt ein Christ an – zwei Positionen ohne echte Macht. Auch wenn Suu Kyi eine Vielzahl an Positionen angenommen hat, da die Verfassung es ihr versagt, als Präsidentin zu agieren, sind in letzter Zeit Fragen aufgetaucht, ob sie wirklich weiterhin für Demokratie, Menschenrechte und Versöhnung mit Minderheiten eintritt.

Es wird immer stärker deutlich, dass das Militär weiterhin die stärkste Position im Land behält. Dies basiert auf dem in der Verfassung verankerten Recht der Armee auf drei der wichtigsten Ministerien und 25 Prozent aller Sitze im Parlament. Ohne die Zustimmung der Armee können keine wichtigen Entwicklungen im Land stattfinden, insbesondere zu Fragen des Kriegs und von Versöhnung. Das Militär führt seine Angriffe gegen ethnische Minderheiten in den Staaten Kachin und Shan unvermindert fort und hat sie sogar ausgeweitet. Christen sind stark betroffen und das Level an Gewalt ist hoch.

Das Aufkommen eines muslimischen Aufstands mit der organisierten Gruppe ARSA (siehe Abschnitt „Triebkräfte der Verfolgung“) und die Angriffe auf Grenzposten im Oktober 2016 und August 2017 werden der Rolle des Militärs noch mehr Gewicht geben, sodass niemand seine Position infrage stellt. Die Situation belastet zudem die Beziehungen zum benachbarten Bangladesch.

Am 29. Januar 2017 wurde der bekannte muslimische Anwalt und Berater der Regierungspartei NLD Ko Ni auf dem Flughafen von Yangon erschossen. Dies führte zu Befürchtungen, dass die Situation noch gewalttätiger werden könnte. Als der als Scharfmacher bekannte Mönch U Wirathu von Ma Ba Tha den Mord öffentlich lobte, verbot ihm die von der Regierung unterstützte Leiterschaft der buddhistischen Mönche (das „State Sangha Maha Nayaka Committee“) im März 2017 für ein Jahr, zu predigen. Der Mönch berief daraufhin Treffen ein, bei denen er sich öffentlichkeitswirksam den Mund zuklebte und Aufnahmen seiner Predigten im Hintergrund abspielen ließ. Als Ma Ba Tha weiterhin die Regierung herausforderte, wurde die Bewegung im Mai 2017 von staatlichen buddhistischen Behörden verboten. Die Gruppe formierte sich unter neuem Namen jedoch schnell neu. Das Verbot und jede Bestrafung müssen vom Innenministerium umgesetzt werden. Da dieses jedoch von der Armee kontrolliert wird, die extremistischen buddhistischen Gruppen wie Ma Ba Tha nahesteht, wird es interessant sein, zu sehen, ob und wie dieses Verbot gegen einen Verbündeten durchgesetzt wird. Einer der leitenden Mönche gab im November 2017 zu, dass die Umbenennung keinen Unterschied gemacht hat.

Aung San Suu Kyi hat erklärt, dass der Versöhnungsprozess mit ethnischen Minderheiten im ganzen Land weiterhin zu ihrer obersten Priorität gehört. Viele der ethnischen Minderheiten wie die Kachin, Chin und Karen sind mehrheitlich Christen. Allerdings ist es allen bisherigen Friedenskonferenzen („21st Century Panglong Conferences“), die alle sechs Monate stattfinden sollen, nicht gelungen, Frieden zu schaffen oder gar Schritte zur Vertrauensbildung und Versöhnung zu unternehmen. Eine Vielzahl von Fragen ist noch zu klären, darunter die Rückkehr von Binnenvertriebenen und Flüchtlingen, die in China und Thailand Zuflucht gesucht haben (viele von ihnen aus christlichen ethnischen Minderheiten). Noch notwendiger ist jedoch der sofortige Beginn eines Prozesses der Vertrauensbildung, etwa durch die Umsetzung eines sofortigen landesweiten Waffenstillstands. Bislang hat sich nur das Gegenteil ereignet: Die Kämpfe im Shan-Staat und im Kachin-Staat haben zugenommen, die kontinuierlichen Zusammenstöße haben Tausende neuer Binnenvertriebener hervorgebracht. Internationale Organisationen werden daran gehindert, in die Konfliktgebiete zu gelangen, um humanitäre Hilfe in die Flüchtlingslager zu bringen, und selbst dem Präsidenten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) wurde im Mai 2017 der Zugang zu einigen Gebieten ethnischer Minderheiten verweigert. Hochrangige Offiziere der Armee, ehemalige Politiker und Beamte aufständischer Gruppen arbeiten zusammen, um im Kachin-Staat große Gewinne zu erzielen. Sie übernehmen große Gebiete landwirtschaftlicher Nutzflächen, die von ihren Eigentümern verlassen wurden – vor allem Christen, die nun gezwungen sind, als Binnenvertriebene in Lagern fernab der Konfliktzonen zu überleben.

Auch Muslime erleben Widerstand von Buddhisten, was die anhaltenden, gewalttätigen Zusammenstöße im Rakhine-Staat und die ebenfalls gewalttätige Antwort muslimischer Aufständischer miteinschließt. Letztere wurden angeblich von Gruppen aus dem benachbarten Bangladesch unterstützt, wo schon vor dem Zustrom Hunderttausender Rohingya, die vor der ethnischen Säuberung durch die Armee Myanmars flohen, etwa 350.000 Rohingya-Flüchtlinge lebten.

5. Betroffene Kategorien von Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Da ausländische Christen den lokalen Kirchen beitreten, werden sie im Weltverfolgungsindex nicht als eigenständige Kategorie erfasst.

Christen aus traditionellen Kirchen

Dazu gehören beispielsweise die Römisch-Katholische Kirche, aber auch traditionelle Kirchen unter den christlichen Minderheiten wie die Kachin Baptist Church. Diese Christen erleben Verfolgung in Form täglichen Drucks, gelegentlich aber auch gewalttätige Angriffe, sei es vom Militär oder von extremistischen buddhistischen Mönchen. Diese errichten in manchen Gegenden Tempel auf Grundstücken von Kirchen.

Christen mit anderem religiösen Hintergrund

Dies können Christen buddhistischer oder muslimischer Herkunft sein oder Christen, die aus dem Umfeld einer animistischen Religion stammen. Sie erfahren die stärkste Verfolgung, sowohl vonseiten der Behörden als auch von ihren Familien, Freunden und Nachbarn. Den Buddhismus zu verlassen, ist für Mitglieder des Bama-Volkes nicht akzeptabel. Obwohl viel über die Rohingya und ihre erzwungene Flucht nach Bangladesch berichtet wurde, ist weithin unbekannt, dass es eine kleine Gruppe Christen mit muslimischem Hintergrund unter den Rohingya gibt. Auch sie waren von der plötzlich aufflammenden Gewalt betroffen und mussten fliehen. Diese Christen sind nicht nur wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit Verfolgung ausgesetzt, sondern auch, weil ihre muslimischen Familien und ihr Umfeld sie unter enormen Druck setzen, zum Islam zurückzukehren.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Baptisten, evangelikale Christen, Christen aus Pfingstgemeinden, Methodisten und Anglikaner sehen sich Verfolgung durch die Gesellschaft, in der sie leben, ausgesetzt, insbesondere in ländlichen Gebieten. Sie werden überwacht und es kommt beispielsweise vor, dass Zusammenkünfte oder das Abhalten der Sonntagsschule verhindert werden.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 11.600
Familienleben: 11.100
Gesellschaftliches Leben: 13.200
Leben im Staat: 10.400
Kirchliches Leben: 11.000
Auftreten von Gewalt: 7.800

Grafik: Verfolgungsmuster Myanmar

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster

  • Der Druck auf Christen in Myanmar ist im Berichtszeitraum von 10,7 Punkten im Weltverfolgungsindex 2017 auf 11,4 Punkte angestiegen.
  • Der Druck ist am stärksten in den Bereichen „Gesellschaftliches Leben“, „Privatleben“ und „Familienleben“. Der Druck auf christliche Konvertiten ist in all diesen Bereichen intensiv. Alle Christen sind starkem Druck in den Bereichen „Leben im Staat“ (hoher Druck) und „Kirchliches Leben“ (sehr hoher Druck) ausgesetzt. Der Druck geht vermehrt von extremistischem Buddhismus aus, der alle Minderheiten des Landes ausgrenzt. Dazu kommt der anhaltende Krieg gegen Aufständische, der unter anderem die christlich geprägten Staaten Kachin, Shan und Karen betrifft. Dieser Krieg wird von der weltweiten Öffentlichkeit unter anderem aufgrund der prekären Lage der Rohingya und dem damit verbundenen Medieninteresse kaum wahrgenommen.
  • Der Wert für das „Auftreten von Gewalt“ gegen Christen ist von 9,1 Punkten im vergangenen Berichtszeitraum auf 7,8 Punkte gesunken. Aufgrund von verstärkten Kämpfen, insbesondere in Kachin-Staat und Shan-Staat, ist es fast unmöglich geworden, Berichte von Angriffen auf Christen wegen ihres Glaubens und auf Kirchen in diesen vom Krieg zerrissenen Gebieten, zu erhalten. Zwei baptistische Pastoren wurden von der Armee festgenommen und entführt, nachdem sie Journalisten eine zerstörte katholische Kirche zeigten. Ihr Festhalten von 19 Tagen im Militärgewahrsam zeigt die Herausforderung bei der Berichterstattung im Land (siehe auch Abschnitt „Auftreten von Gewalt“).

Privatleben

Die Hinwendung zum christlichen Glauben wird insbesondere von Familien und der lokalen Kommune abgelehnt. Christen buddhistischer Herkunft müssen immer sehr vorsichtig bei der Ausübung ihres Glaubens sein, besonders dann, wenn sie die einzigen Christen in ihrem familiären Umfeld sind und daher nach allgemeiner Ansicht ihrer Familie Schande bringen. Versammlungen mit anderen Christen sind in der Regel nicht gefährlich, doch für christliche Konvertiten können sie eine besondere Herausforderung darstellen. Christen mit nichtchristlichem Glaubenshintergrund, deren Glaube bekannt geworden ist, werden streng überwacht, geächtet und es kann passieren, dass sie unter Hausarrest gestellt werden. Damit soll verhindert werden, dass sie andere Christen treffen. Ein Pastor, der mit seiner Familie in einem Dorf lebte, musste sie Berichten zufolge in eine Stadt schicken, damit er mit seiner Arbeit unter den Christen des Dorfes fortfahren konnte, da es im Dorf zu gefährlich für die Familie geworden war. Christen mit muslimischem Hintergrund betrifft die Verfolgung noch stärker, da sie nicht nur die oben genannten Schwierigkeiten erleben, sondern zudem zu einer verachteten Minderheit gehören. Es gab Berichte von christlichen Konvertiten, die wegen ihres Glaubens geächtet und bei Mahlzeiten verspottet wurden.

Familienleben

Es ist nicht zwangsläufig so, dass Christen mit anderem religiösen Hintergrund der Verlust des Sorgerechts oder des Erbrechts droht; insbesondere Frauen droht jedoch häufig die Scheidung, falls sie verheiratet sind. Eine Taufe, eine christliche Hochzeit oder Beerdigung zu organisieren, ist oft nur schwer möglich. Christen mit muslimischem oder buddhistischem Hintergrund müssen dies im Geheimen tun. Der muslimischen Minderheit wird außerdem die Staatsbürgerschaft verweigert – davon sind auch Christen mit muslimischem Hintergrund betroffen. Muslimische Rohingya, und damit auch die Christen muslimischer Herkunft, werden als Bengalen angesehen und nicht registriert. Die meisten von ihnen leben inzwischen in Flüchtlingslagern im Nachbarland Bangladesch. Christliche Eltern erleben es als Herausforderung, ihren Kindern christliche Werte beizubringen, weil sie sich dem Druck des buddhistischen Umfeldes in ihrer Nachbarschaft ausgesetzt sehen. In den meisten Schulen müssen die Schüler vor Unterrichtsbeginn einen Teil der Lehren Buddhas aufsagen. Dhama-Schulen werden von buddhistischen Mönchen geleitet, die den Kindern buddhistische Prinzipien beibringen. Diese Schulen breiten sich immer mehr im Land aus. Von Kindern wird erwartet, dass sie an buddhistischen Festen teilnehmen und auch finanziell dazu beitragen. In Na-Ta-La-Schulen werden Kindern Gebete beigebracht, ihr Kopf wird geschoren und sie müssen jeden Morgen um Essen betteln. Christliche Kinder werden in der Schule regelmäßig von buddhistischen Kindern gemobbt. Gerade in Dorfschulen ist es normal, dass christliche Kinder für alles die Schuld gegeben wird. Kinder von Christen erhalten in der Schule zudem weniger Möglichkeiten und werden weder für höhere Schulen noch besondere Ehrungen ausgewählt.

Gesellschaftliches Leben

Es gibt Kommunen, die keine Christen in ihren Dörfern erlauben. Entscheidet sich eine Person in einem solchen Dorf für den christlichen Glauben ist sie starken Schikanen ausgesetzt, bis sie das Dorf verlässt. In anderen Dörfern werden Christen schikaniert und zu Spenden für buddhistische Tempel gezwungen. Oder ihnen wird mit dem Ausschluss aus der Dorfgemeinschaft gedroht, wenn sie aufhören, Mönchen Almosen zu geben, sich nicht finanziell an der Renovierung oder dem Bau von Tempeln beteiligen und nicht mehr an buddhistischen Festen teilnehmen. Besonders Christen, die sich in Hauskirchen versammeln, werden beobachtet, von kommunalen Entscheidungen und Ressourcen ausgeschlossen und unter Druck gesetzt, ihren Glauben zu verleugnen. Dies wirkt sich auch auf das tägliche Leben aus, wenn ihnen etwa Hilfe beim Sammeln von Bambus für die Reparatur ihres Hauses verweigert wird oder ihnen der Zugang zu Wasser untersagt wird. In einem Fall, der 2017 gemeldet wurde, wurde einem Farmer, der den christlichen Glauben angenommen hatte, nicht erlaubt, seine Reisfelder zu bewässern. Gebiete, in denen viele Christen leben, werden bewusst durch eine schwache Infrastruktur und Gesundheitsfürsorge benachteiligt. Die Regierung baut hier bevorzugt Na-Ta-La-Schulen, die vom Staat geführt werden, statt normale Schulen. In Konfliktgebieten ist humanitäre Hilfe für Christen nicht oder nur in geringen Teilen erlaubt und die internationale Überwachung (oder gar der Zugang) wird blockiert.

Kinder von christlichen Konvertiten werden von Lehrern und Mitschülern in der Schule diskriminiert. In einem Fall wurde ein Mädchen wegen ihres Glaubens aus der Klasse geworfen, ein anderes Mädchen durfte sich nicht wie der Rest der Klasse auf einen Test vorbereiten. Kinder von allen Christen (nicht nur Konvertiten) müssen nichtchristliche Klassen besuchen und können gezwungen werden, an buddhistischen Gebeten oder Zeremonien teilzunehmen. Besonders, wenn die Familien arm sind und einer ethnischen Minderheit angehören, werden die Kinder auf die bereits erwähnten Na-Ta-La-Schulen geschickt. Hier finden häufig Diskriminierungen bei der Benotung, Schikane und Spott gegen christliche Kinder statt. In einem Fall, der im Berichtszeitraum gemeldet wurde, wurden Christen nicht nur dazu gezwungen, für ein buddhistisches Fest zu spenden; sie mussten einen Betrag spenden, der dreimal so hoch war, wie der, der von Buddhisten erwartet wurde. Ein weiteres Problem für Christen sind Gesetze, die in diversen Gemeinschaften und Dörfern mündlich von lokalen buddhistischen Mönchen und Polizisten erlassen werden, mit dem Ziel, Christen einzuschränken („Gamma laws“).

Leben im Staat

Abschnitt 361 der Verfassung aus dem Jahr 2008 besagt, dass „die Union anerkennt, dass der Buddhismus als der Glaube, der von der großen Mehrheit der Bürger der Union praktiziert wird, eine spezielle Stellung einnimmt“. In Abschnitt 362 wird jedoch auch die Existenz des christlichen Glaubens, des Islam, des Hinduismus und Animismus anerkannt. Diese „spezielle Stellung des Buddhismus“ wird von extremistischen Buddhisten missbraucht. Um zusätzliche Unterstützung von diesen Gruppen und der Mehrheit der „Bama“ zu erlangen, hat die Regierung im August 2015 vier Gesetzesentwürfe gegen Konversionen verabschiedet. Diese Gesetze zielen darauf ab, den Buddhismus durch die Einschränkung von Bekehrungen und interreligiösen Ehen, einem Verbot der Polygamie und die Einführung einer Geburtenkontrolle zu schützen. Laut ihnen müssen buddhistische Frauen eine Erlaubnis ihrer Eltern und der Behörden vorweisen, wenn sie einen Mann mit einer anderen Religionszugehörigkeit heiraten wollen; der nichtbuddhistische Mann muss zunächst zum Buddhismus konvertieren.

Das Gesetz besagt auch, dass jeder, der die Religion wechseln will, von der „Konversions-Registrierungs-Behörde“ die Erlaubnis dazu einholen muss. Diese Behörde besteht aus örtlichen Religions- und Einwanderungs- sowie einem Verwaltungsbeamten, der Vorsitzenden für Frauenangelegenheiten und einem örtlichen Verantwortlichen für Ausbildung. So weiß die kommunale Gemeinschaft, ob eine Person konvertieren will und gibt ihr drei bis sechs Monate „Bedenkzeit“, um sie davon zu überzeugen, den offiziellen Antrag wieder zurückzuziehen. In erster Linie richtet sich das Gesetz gegen die muslimische Minderheit, andere religiöse Minderheiten sind jedoch genauso betroffen. Die Auswirkungen betreffen nicht nur die Überlegungen, offiziell einen neuen Glauben anzunehmen, sondern auch, diesen vor anderen zu bekennen. Einige Stämme besitzen zusätzliche traditionelle Gesetze, die von einigen Gemeinschaften dazu genutzt werden, Christen aus ihren Dörfern zu vertreiben. Christen haben außerdem einen schlechteren Zugang zu Krediten oder Zuschüssen als nichtchristliche Geschäftspartner oder Kunden.

Kirchliches Leben

Obwohl es in verschiedenen Teilen Myanmars Kirchengebäude gibt, bleibt es schwer, eine Genehmigung zum Bau einer neuen Kirche zu erhalten, da es viele Einschränkungen gibt. Es gibt bis zu acht verschiedene Erlaubnisse, die eingeholt werden müssen, um eine Kirche legal bauen zu dürfen. Die Anträge müssen verschiedene vom Militär geführte Abteilungen durchlaufen und von regionalen und lokalen Behörden genehmigt werden, die ebenfalls häufig von Armeeoffizieren geleitet werden. So kommt es, dass Anträgen zum Bau von Kirchengebäuden fast nie stattgegeben wird.

Landraub ist ein weiteres Problem, dem Christen sich gegenübersehen. Deshalb nutzen viele Christen Firmengebäude bzw. Büros oder treffen sich in Hauskirchen, um an Sonntagen einen Ort für den gemeinsamen Gottesdienst zu haben. Besonders in stark buddhistischen Gegenden stehen die Kirchen unter Beobachtung. Kirchenleiter und Pastoren werden von extremistischen Buddhisten besonders ins Visier genommen, da dies eine Methode ist, die Kirchen zu lähmen. Ein Pastor berichtete, dass es sich ständig anfühle, als würde nur darauf gewartet werden, dass er einen Fehler begehe. Alle religiösen Publikationen im Land werden vom Ministerium für Religion überprüft und zensiert. Einige Kirchen haben angefangen, eigene Materialien zu drucken, jedoch wird ihnen der Besitz von Druckmaschinen schwergemacht. Veröffentlichungen in Sprachen der ethnischen Minderheiten kommen außerdem nicht infrage und auch für andere Publikationen gelten strenge Zensurregeln. Christliches Material zu importieren ist sehr schwer und Bücher in Sprachen der ethnischen Minderheiten ins Land einzuführen sogar unmöglich. Die meisten Kirchen dürfen keine Ausländer für religiöse Zwecke einladen. In Gegenden, in denen vorrangig ethnische Minderheiten leben, haben die Gemeinden noch größere Schwierigkeiten. Die Kirchen werden häufig als Ort für regierungsfeindliche Treffen oder als Treffpunkte für Aufständische aus ethnischen Minderheiten angesehen. In Gebieten, die vom Bürgerkrieg betroffen sind, wie den Staaten Kachin und Shan, werden Kirchen oft angegriffen, da die Menschen dort Zuflucht vor den Kämpfen suchen.

Auftreten von Gewalt

Drei Christen aus Kachin wurden laut Berichten am 26. Mai 2017 getötet, während sie sich in den Händen der Regierungstruppen befanden. Sie wurden zuletzt gesehen, als sie mit gefesselten Händen von Soldaten weggeführt wurden. Einen Tag nach ihrer Entführung wurden sie von den Soldaten beim Dorf Hka Pra Yang, etwa vier Meilen von Mung Hkawng, getötet. Es gibt Berichte von mindestens fünf weiteren Morden an Christen, die jedoch nicht einzeln nachgewiesen werden konnten und daher nicht in die Bewertung einflossen. Die Armee zerstörte am 3. Dezember 2016 eine katholische Kirche in Mung Koe im Shan-Staat bei einem Bombardement, das sich gegen militante Rebellen einer ethnischen Minderheit richtete. Langjaw Gam Seng und Dumdaw Nawng Lat, zwei Baptisten, wurden von der Armee im Januar 2017 verhaftet, als sie einem Journalisten eine zerbombte katholische Kirche zeigten. Sie wurden am 29. Oktober 2017 zu vier Jahren und drei Monaten, beziehungsweise zwei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Körperliche Angriffe auf christliche Konvertiten wurden im Juli 2017 berichtet und Angriffe der Armee auf Christen in Kachin oder Shan gehören zur Regel.

7. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2018 hat Myanmar aufgrund der Flüchtlingskrise der Rohingya international für negative Schlagzeilen gesorgt, insbesondere, nachdem der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte im September 2017 von einem „Lehrbuchbeispiel für ethnische Säuberung“ gesprochen hatte. Es gab nur wenige Fortschritte und das Land scheint dazu verdammt zu sein, seine jahrzehntealten Kriege weiterzuführen. Das jüngste Aufkommen eines gewalttätigen muslimischen Aufstands wird die Triebkraft des religiösen Nationalismus weiter anheizen, was sich wiederum auch auf die christliche Minderheit auswirken wird. Die Situation der Rohingya, oft als am stärksten verfolgte Minderheit der Welt bezeichnet, könnte als Weckruf für extremistische Muslime der Region dienen und so zu einem bereits aufkeimenden Extremismus beitragen. Hunderte wurden in den vergangenen Monaten getötet und eine geschätzte Anzahl von mehr als 600.000 Menschen floh ins benachbarte Bangladesch. Der Annan-Bericht, der am 24. August 2017 veröffentlicht wurde, und darauf abzielte, die ethnischen und religiösen Spannungen in Rakhine zu lösen, scheint von der nachfolgenden Gewalt überholt worden zu sein. Die Tatsache, dass die jüngste Serie von Angriffen gegen Grenzposten am selben Tag begann, an dem der Bericht veröffentlicht wurde, ist kein Zufall und scheint einem Plan der bewussten Eskalation zu folgen.

Obwohl extremistische buddhistische Gruppierungen wie Ma Ba Tha einen gewissen Widerstand von anderen buddhistischen Gruppen und Politikern hinnehmen mussten, ist es unwahrscheinlich, dass ihr Einfluss und ihre Rhetorik gegenüber nichtbuddhistischen Minderheiten schrumpft. Nach dem Verbot der Bewegung schossen Unterstützergruppen im ganzen Land aus dem Boden und sammelten Unterschriften für die verbotene Gruppierung. Mit der zunehmenden Anzahl gewalttätiger Angriffe von Muslimen sehen sich auch extremistische Buddhisten bestätigt. Dies wird vermutlich am besten durch Ashin Wirathu selbst zusammengefasst, einem der direktesten und radikalsten buddhistischen Mönche Myanmars: „Ich warne die Menschen nur vor Muslimen. Sieh es wie einen Hund, der Fremde anbellt, die in dein Haus kommen – er bellt, um dich zu warnen. Ich bin dieser Hund. Ich belle.“

Die Rolle des Militärs wird sich sowohl in der Politik als auch den Kämpfen gegen Aufständische weiter vergrößern. Ein weiterer Ansporn, die starke Position zu behalten liegt darin, dass die Armee in großem Maße in legalen und illegalen Handel verwickelt ist. Letzterer betrifft insbesondere die überwiegend von Christen bewohnten Gebiete wie Kachin. Das Niveau der Gewalt scheint sich nicht zu verringern – trotz aller Fortschritte hinsichtlich der Demokratisierung des Landes und Vereinbarungen zur Waffenruhe. Es gibt viele Probleme, die friedliche Lösungen erschweren. Armeeangehörige und einige der Aufständischen aus den ethnischen Minderheiten sind in Drogenhandel und den Abbau von Rohstoffen wie Jade und Edelholz involviert. Der Aufbau von Vertrauen wird unmöglich sein, solange die Armee weiterhin die große christliche Minderheit in Kachin angreift und auch die Kämpfe in Karen andauern. Der Versöhnungsprozess ist sehr langsam und es wird befürchtet, dass er zu einem Stillstand kommt, insbesondere da alle Ressourcen der Regierung und des Militärs auf die Minderheit der Rohingya und die ARSA konzentriert sind. Die Zeichen für die Vision eines demokratischen und föderalen Staates sind nicht sehr vielversprechend. Es sollte nicht vergessen werden, dass Aung San Suu Kyi keine Kontrolle über das ganze Land hat und die Armee vollkommen selbstständig handeln kann.

Nach einer zweijährigen Verzögerung haben die Behörden des Landes im Juli 2016 den Teil der Volkszählung des Jahres 2014 veröffentlicht, der die religiöse Zugehörigkeit betrifft. Die Verzögerung fand aufgrund von Befürchtungen statt, dass die Ergebnisse einen Aufruhr auslösen könnten. Die buddhistisch-nationalistischen Ma Ba Tha warnen regelmäßig davor, dass eine wachsende muslimische Bevölkerung eine Bedrohung für das Land darstellt. Laut den Statistiken erfährt der muslimische Glaube jedoch nur ein langsames Wachstum, selbst wenn man die Rohingya miteinschließt, die im Zensus nicht berücksichtigt wurden. Ma Ba Tha ist jedoch nicht nur anti-islamisch; die Gruppierung besteht aus buddhistischen Nationalisten. Es ist möglich, dass die Gruppe sich verstärkt auf die christliche Gemeinschaft konzentrieren wird, da diese ein signifikantes Wachstum vorzuweisen hat: Von 4,6 Prozent im Jahr 1973 auf 6,2 Prozent 2014. Laut Berichten sind die Zahlen aus dem umkämpften Kachin sogar deutlich zu niedrig.

8. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Myanmar

  • Bitte beten Sie für die verfolgten Christen im Land, dass sie allen Menschen im Land Gottes Liebe bringen und viele Herzen für das Evangelium geöffnet werden.
  • Christen mit muslimischer oder buddhistischer Herkunft sind starkem Druck von ihren Familien, Freunden und Nachbarn ausgesetzt, ihren Glauben zu widerrufen. Durch die kürzlich eingeführten Gesetze ist der Wechsel des Glaubens kompliziert geworden, wenn er auch nicht verboten worden ist. Beten Sie, dass die Christen Mut und Durchhaltevermögen im Angesicht der Verfolgung beweisen. Beten Sie für mehr Religionsfreiheit.

Alle Felder müssen ausgefüllt werden. Die E-Mail wird über Ihr E-Mail-Programm verschickt.

Drucken Herunterladen