Länderprofil Nigeria

Nigeria

14
Weltverfolgungsindex
2018
Flagge Nigeria
Staatsform
Bundesrepublik
Platz Vorjahr
12
ISO
NG
Karte Nigeria
Karte Nigeria
Christen
88,91
Bevölkerung
191.84
Islamische Unterdrückung
Ethnisch begründete Anfeindungen
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 11.800
Familienleben: 11.500
Gesellschaftliches Leben: 13.100
Leben im Staat: 12.100
Kirchliches Leben: 12.100
Auftreten von Gewalt: 16.500
Länderprofil Nigeria

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

77 Punkte / Platz 14 (WVI 2017: 78 Punkte / Platz 12)

Von wem Verfolgung ausgeht

Die Feindschaft gegenüber Christen wird häufig durch extremistische islamische Lehren und deren Ausübung geschürt. Das wird durch die Tatsache verstärkt, dass der Islam die dominierende Religion im nördlichen Teil Nigerias ist, während im Süden das Christentum vorherrscht. Die Rivalität zwischen ethnischen Gruppen im Süden und Norden hat häufig Nebeneffekte, die zur Verfolgung von Christen beitragen. Besonders im nördlichen Nigeria und dem zentralen Gürtel des Landes sind extremistische bewaffnete Gruppen, wie Boko Haram und die muslimischen Hausa-Fulani Viehhirten, besonders aktiv bei der Verfolgung von Christen. Das Auftreten von Gewalt im zentralen Gürtel des Landes deutet darauf hin, dass sich die gewaltsame Verfolgung im Land südwärts ausbreitet. Weiterhin gibt es Korruption auf allen Regierungsebenen. Kriminelle Gruppen sind häufig nach ethnischen Gesichtspunkten organisiert und in Menschen- und Drogenhandel involviert; dabei kommt es auch gelegentlich zur Verfolgung von Christen.

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen

Die meisten Christen im südlichen Teil des Landes leben in einer Umgebung, in der Glaubensfreiheit respektiert wird. Jedoch leiden Christen im Norden und im zentralen Gürtel Nigerias unter der von militanten islamischen Gruppen ausgeübten Gewalt. Eine Folge dieser Gewalt ist oftmals der Verlust von Menschenleben, Körperverletzungen sowie der Verlust von Eigentum durch Enteignung; sie verlieren beispielsweise ihr Land und ihre Erwerbsquellen. Christen im nördlichen Nigeria, besonders in den Scharia-Staaten, werden diskriminiert und wie Bürger zweiter Klasse behandelt. Christen mit muslimischem Hintergrund erleben zudem die Zurückweisung durch ihre eigenen Familien und den Druck, ihren christlichen Glauben aufzugeben.

Korruption hat das Land geschwächt und dafür gesorgt, dass es schlecht ausgerüstet ist, um Christen vor Gewalt durch Gruppen wie Boko Haram zu schützen. Manchmal werden Kirchengemeinden sogar als Instrument zur Geldwäsche genutzt. Für Kirchengemeinden, die mit solchen kriminellen Aktivitäten in Verbindung gebracht werden (indem sie zum Beispiel Spenden von Kriminellen empfangen) endet es häufig derart, dass sie zu einer Zielscheibe verbrechensbezogener Gewalt werden.

Beispiele

  • Ein Überfall auf fünf Dörfer im Regierungsbezirk Kauru im Staat Kaduna im zentralen Gürtel Nigerias, in denen hauptsächlich Christen wohnen, brachte den Tod von 45 Menschen mit sich. Der Angriff fand im November 2016 statt und man nimmt an, dass er von Hausa-Fulani Viehhirten durchgeführt wurde. Die Täter, die den Anschlag verübten, brannten mehr als hundert Häuser einschließlich acht Hauskirchen nieder.
  • Bei einem Überfall im Dorf Ancha Bassa im Plateau-Staat wurden am 7. September 2017 20 nigerianische Christen durch bewaffnete Angreifer getötet. Man geht davon aus, dass muslimische Viehhirten aus dem Stamm der Hausa-Fulani die Täter sind.
  • Am 20. Juli 2017 wurde eine Kirche in der Stadt Onitsha in Südnigeria von Bewaffneten angegriffen, die 12 Menschen töteten und 18 weitere verletzten. Man nimmt an, dass der Angriff in Verbindung zu einem Bandenkrieg steht, in den ein wohlhabender Spender der Kirche verwickelt ist.

Beiträge zu Nigeria

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Nigeria
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Mehr als Sechs Monate nach ihrer Entführung hat eine aktuelle Tonaufnahme der 15-jährigen Leah Sharibu in ihren Eltern neue Hoffnung geweckt. Die Eltern sind tief bewegt und danken für alle Gebete.
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Terror der Angst – Moussa aus Nigeria

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24:30 Minuten
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Direkt neben Moussa Adamu geht ein Mann tot zu Boden – tödliche Schüsse haben ihn getroffen....

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Blickpunkt Nigeria
Christen in Nigeria erleben massive Gewalt. Wir wollen das Land und unsere Geschwister dort besonders in den Fokus stellen, auf ihre Situation aufmerksam machen und für sie im Gebet einstehen!

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 77 Punkten belegt Nigeria Platz 14 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2018. Damit ist die Punktzahl im Vergleich zum Vorjahr um einen Punkt gesunken.

In den Bereichen „Gesellschaftliches Leben“ und „Leben im Staat“ hat das Ausmaß an Gewalt und Druck gegen Christen etwas abgenommen, insgesamt gesehen ist er aber immer noch auf einem sehr hohen Niveau in allen Lebensbereichen. Besonders Christen in vornehmlich muslimischen Gemeinschaften im Norden erfahren Verfolgung in ihrem Alltag. Der Wert für „Auftreten von Gewalt“ stieg auf 16,5 Punkte, was fast dem Maximalwert entspricht. Trotz des relativen Rückgangs der Gewalt gegen Christen durch Boko Haram gab es anhaltende Gewalt gegen Christen in den zentralen Landesteilen, ausgeübt von muslimischen Hausa-Fulani Viehhirten.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Die Verfolgung von Christen in Nordnigeria wird meistens mit Boko Haram in Verbindung gebracht. Das Verfolgungsmuster ist insgesamt jedoch viel komplexer und darf nicht auf gewaltsame Übergriffe und Ermordungen von Christen (und gemäßigten Muslimen) seitens militanter islamistischer Gruppen reduziert werden. Das trifft besonders auf die 12 nördlichen Scharia-Bundesstaaten zu, in denen lokale Behörden und die Gesellschaft den Christen kaum Raum zum Ausleben ihres Glaubens lassen. Die in den 1980er Jahren begonnene Entwicklung während der gewalttätigen Maitatsine-Aufstände, hat sich 2001 mit der Einführung der Scharia, der islamischen Rechtsprechung, fortgesetzt. Die Christen wurden mehr und mehr Ziel gewalttätiger Übergriffe von Dschihadisten. Davon angetrieben hat Boko Haram in den letzten Jahren einen systematischen Kampf gegen den nigerianischen Staat geführt. Ideologie, Rhetorik und Handlungen waren dabei spezifisch gegen Christen gerichtet. Ihr Ziel war und ist es, einen islamischen Staat zu errichten. Mit der für den extremistischen Islam typischen Rhetorik hat Boko Haram im August 2014 in Gwoza (Bundesstaat Borno) ein Kalifat ausgerufen. Die Ausweitung des Kalifats wurde zwar von Regierungstruppen gestoppt, doch haben noch immer Tausende (besonders Christen) unter der Gewalt von Boko Haram zu leiden. Dadurch wächst in der ganzen Region, wenn nicht sogar im ganzen Land, das gegenseitige Misstrauen zwischen Christen und Muslimen.

Andere islamische Angreifer, gemeinhin als Hausa-Fulani Viehhirten identifiziert, verüben (häufig nachts) Überfälle auf Dörfer im zentralen Gürtel des Landes, bei denen ebenfalls viele Unschuldige – auch Frauen und Kinder – zu Opfern werden. Berichten zufolge gibt es Bestrebungen der Regierungen in Benue, Kaduna, Nasarawa und Taraba, Weideplätze für die Hausa-Fulani auszuweisen. Damit würden den einheimischen Christen beträchtliche Ländereien genommen. Viele christliche Kommunen würden ihrer Häuser und Felder und somit ihrer Lebensgrundlage beraubt.

Ethnische begründete Anfeindungen

Es gibt Hinweise darauf, dass „Ethnisch begründete Anfeindungen“ zu Gewalt gegen Christen in Teilen Nigerias führten. Obwohl diese außerhalb des Berichtszeitraums für den WVI 2018 liegen, gibt es beispielsweise Berichte von gewaltsamen Übergriffen auf Kirchen und Priester durch Animisten. Es gibt zudem Studien, die Feindseligkeiten und Konflikte zwischen Anhängern der traditionellen afrikanischen Religionen und Christen im südöstlichen Teil Nigerias bestätigen. Da die traditionellen Religionen oft ethnisch-spezifisch sind und die kulturellen Traditionen der jeweiligen ethnischen Gruppen lebendig halten, werden die Feindseligkeiten gegenüber Christen teilweise durch Ethnisch begründete Anfeindungen hervorgerufen. Aufgrund der Tatsache, dass ethnische Konfliktlinien die religiöse Teilung des Landes widerspiegeln, begünstigen diese Anfeindungen die allgemeine Verfolgung von und Gewalt an Christen in Nigeria. Die Sezessionsbewegung im Südosten Nigerias scheint die Situation zu verschärfen. Im Juni 2017 stellte eine Gruppe namens Beratendes Forum von Arewa (Arewa Consultative Forum – ACF) ein Ultimatum an die ethnischen Igbos, die im Norden leben (die meisten von ihnen sind Christen). Sie forderten, dass die Igbos das nördliche Nigeria verlassen und innerhalb von drei Monaten in ihre Heimatstaaten zurückkehren sollten. Die Gruppe verkündete ebenfalls, sie habe die Absicht, alle Besitztümer der Igbos in Nordnigeria zu konfiszieren.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Es gibt eine Bedrohung für Christen seitens organisierter krimineller Netzwerke, die unter anderem in Vorfälle von Erpressung und Entführungen involviert sind. Die allgegenwärtige Korruption im Land hat ebenso mit dazu beigetragen, dass nigerianische Sicherheitskräfte nur sehr schwach und uneffektiv auf die Gefahren reagieren, denen sich Christen, die von Boko Haram oder den Hausa-Fulani Viehhirten bedroht werden, gegenübersehen. Es gibt auch Bereiche der Kriminalität, die die Kirchengemeinden direkt betreffen. Im Süden des Landes sind Christen gezielte Opfer für Ermordungen durch kriminelle Gruppen.

3. Verfolger

Islamische Unterdrückung

Bewaffneten Gruppen, wie Boko Haram, oder militante Gruppen, die man als muslimische Hausa-Fulani Viehhirten bezeichnet, sind die hauptsächlichen Christenverfolger in Nigeria. Diese Gruppen sind verantwortlich für die meisten gewaltsamen Übergriffe, wie die Ermordungen und Vertreibungen von Christen in Nordnigeria und im zentralen Gürtel des Landes zeigen. Zusätzlich zu diesen Gruppen sind im nördlichen Teil des Landes auch Beamte und Politiker – insbesondere auf Staatsebene –verantwortlich für Verfolgung, denn hier wurde die Scharia als Landesgesetz eingeführt. Normale Bürger, besonders die unmittelbare Familie und erweiterte Verwandtschaft von Christen mit muslimischem Hintergrund, gehören auch zu den Verfolgern.

Ethnisch begründete Anfeindungen

In vielen Teilen Nigerias, insbesondere im Norden, spiegeln ethnische Konfliktlinien die religiöse Teilung des Landes wider. Die Haupttriebkräfte der Verfolgung, die „Ethnisch begründete Anfeindungen“ zur Folge haben, gehen sowohl von normalen Bürgern als auch von religiösen Leitern (die gleichzeitig auch als traditionelle Leiter ethnischer Gruppen fungieren) aus. Auch bewaffnete Gruppen, wie die Hausa-Fulani, spielen eine wichtige Rolle. Die Politik Nigerias wird stark durch Ethnizität beeinflusst und als Resultat tragen Politiker und politische Parteien indirekt zur Straffreiheit bei, die die gewalttätigen Verfolger genießen. (Präsident Buhari beispielsweise gehört der Ethnie der Fulani an.)

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Korrupte Staatsbeamte und organisierte kriminelle Netzwerke sind im Drogenhandel involviert. In einigen Gegenden im Süden Nigerias versuchen kriminelle Gruppen sogar, Kirchen als bequemes Mittel zur Geldwäsche zu nutzen. Als Folge davon werden Kirchen und Christen in die Konflikte und Gewalt dieser Gruppierungen verstrickt.

4. Hintergrund

Am 29. Mai 2015 wurde Muhammadu Buhari als vierter Präsident seit Einführung der neuen nigerianischen Verfassung vereidigt. In seiner Rede zum Amtsantritt versprach er, dem Land zu wachsendem Wohlstand zu verhelfen, sowie gegen Korruption und Boko Haram vorzugehen. Diese beschrieb er als „gottlose Gruppe ohne Verstand, die so weit weg vom Islam ist, wie man es sich nur vorstellen kann“. Tatsächlich war die nigerianische Armee relativ erfolgreich darin, die von Boko Haram besetzten Gebiete zurückzuerobern. Trotz des Erfolgs im Kampf gegen Boko Haram, welche maßgeblich für die Gewalt gegen Christen in den letzten Jahren verantwortlich war, bleibt die anhaltende Gewalt gegen Christen im zentralen Gürtel Nigerias ein großer Grund zur Sorge. Wie von der Open Doors-Forschungsabteilung World Watch Research (WWR) im Jahr 2015 berichtet, hat sich im zentralen Gürtel Nigerias im Schatten von Boko Haram eine Gewaltspirale entwickelt: Angriffe der muslimischen Hausa-Fulani Viehhirten und von Siedlern haben zum Tod tausender Christen und zur Zerstörung hunderter Kirchen und Gemeindegebäude geführt.

Nicht überall in Nigeria erleben Christen Verfolgung durch Islamische Unterdrückung. Unter dem Aspekt „Auftreten von Gewalt gegen Christen“ kann Nigeria in verschiedene Gebiete eingeteilt werden:

  • Der Norden (19 Staaten und das Gebiet der Bundeshauptstadt Abuja) ist überwiegend muslimisch, wobei die Christen in den Staaten im zentralen Gürtel des Landes in der Mehrheit sind. Große Teile des zentralen Gürtels wurden mittlerweile Teil der zwölf sogenannten „Scharia-Staaten“ des Nordens. In Nord-Kaduna beispielsweise ist die Mehrheit der Bevölkerung muslimisch, in Süd-Kaduna christlich. Die Verwaltung von Kaduna ist allerdings überwiegend muslimisch.
  • Der Süden (17 Staaten) ist überwiegend christlich, wobei der Südwesten (Yoruba) eine große muslimische Bevölkerung hat.

Nigeria ist eines der komplexesten Länder des Kontinents. Die Verfolgung der Christen geht in einigen Staaten mit Kämpfen um Rohstoffe einher. Laut Berichten von Menschenrechtsaktivisten untersucht die Regierung nur selten Morde und Misshandlungen von Christen durch islamische Extremisten-Gruppen oder durch Einzeltäter. Damit vernachlässigt die Regierung ihre in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (Universal Declaration of Human Rights, UNDHR) und dem Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte (International Covenant on Civil and Political Rights, ICCPR) festgelegten internationalen Verpflichtungen. Hinzu kommt, dass Boko Haram vielen Berichten zufolge alles daran setzt, einen offenen Krieg zwischen Muslimen und Christen auszulösen.

Außer Christen sind auch schiitische Muslime im Norden Nigerias der Verfolgung ausgesetzt und erleben gewaltsame Angriffe durch Sunniten. Auch die Zeugen Jehovas bilden in Nigeria eine Minderheit, die vor allen Dingen im Norden des Landes Diskriminierung und Gewalt erleben.

5. Betroffene Kategorien von Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Dazu gehören römisch-katholische und protestantische Kirchenmitglieder wie Anglikaner, Methodisten und Lutheraner. Aufgrund der Angriffe von Boko Haram war erwartet worden, dass die Anzahl der Christen abnimmt. Obwohl es zutrifft, dass die meisten der Getöteten, Vertriebenen und Geflohenen Christen sind, gibt es Anzeichen dafür, dass die christliche Bevölkerung dennoch gewachsen ist. So hat die Römisch-Katholische Kirche neue Diözesen gegründet und die Anzahl protestantischer Christen wächst Untersuchungen zufolge schneller als erwartet.

Christen muslimischer Herkunft

Es gibt in Nigeria Gemeinschaften von Christen mit muslimischem Hintergrund. Besonders in den nördlichen Scharia-Staaten ist eine Abkehr vom Islam hin zum christlichen Glauben gefährlich und kann viele Schwierigkeiten nach sich ziehen, wie zum Beispiel Morddrohungen, Prügelattacken oder Festnahmen. Ein Beispiel ist Aliyu, 24, der im Bundesstaat Plateau zum Christentum konvertierte und aus seinem Heimatdorf flüchten musste, da er aufgrund seines Glaubens von Verwandten und Nachbarn Morddrohungen erhielt (wie bereits im Januar 2016 berichtet).

Christen aus protestantischen Freikirchen

Die Anzahl evangelikaler und pfingstkirchlicher Gemeinschaften in Nigeria wächst. Sie machen mittlerweile gut 20 Prozent der nigerianischen Gemeinde aus, Tendenz steigend. In vielen der nördlichen Staaten erleben sie die gleichen Härten wie andere Christen, einschließlich gewalttätiger Angriffe auf ihr Leben und Eigentum seitens militanter Gruppierungen und Diskriminierung durch örtliche Behörden.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 11.800
Familienleben: 11.500
Gesellschaftliches Leben: 13.100
Leben im Staat: 12.100
Kirchliches Leben: 12.100
Auftreten von Gewalt: 16.500

Grafik: Verfolgungsmuster Nigeria

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster

  • Im Allgemeinen ist der Durchschnittswert für den Druck auf Christen in Nigeria mit einem Wert von 12,1 sehr hoch. Im Vergleich zum letzten Jahr (12,3) sank der Durchschnittswert leicht ab.
  • Die Verfolgung in Nigeria ist in den Bereichen „Gesellschaftliches Leben“ und „Leben im Staat” höher als in den anderen Lebensbereichen. Grund dafür ist der Einfluss intoleranter extremistischer islamischer Gruppierungen in den Scharia-Staaten im Norden Nigerias. Christen, die in mehrheitlich muslimischen Gemeinschaften im Norden des Landes leben (vor allem in ländlichen Gebieten), sind gefährdeter, in ihrem Alltagsleben Druck und Verfolgung zu erleben.
  • Der Wert für das „Auftreten von Gewalt“ ist von 16,1 im vergangenen Jahr auf einen aktuellen Wert von 16,5 angestiegen. Obwohl es eine relative Abnahme der Gewalt gegen Christen durch Boko Haram gab, ist durch die beständigen Angriffe der muslimischen Hausa-Fulani Viehhirten die Punktzahl fast auf den Maximalwert angestiegen.

Privatleben

Besonders in den Staaten Bauchi, Gombe, Yobe und Borno werden immer mehr Christen unter Druck gesetzt, Symbole ihres Glaubens oder auch Bibeln nicht offen zu zeigen. Im Gebiet Ganye und Jada sowie weiten Teilen von Borno und Yobe kleiden sich Christen mittlerweile sogar wie Muslime und verbergen christliche Gegenstände oder Schriften, um nicht gelyncht zu werden.

Familienleben

Die Unterdrückung aus Glaubensgründen ist in den Scharia-Staaten besonders stark ausgeprägt, findet sich jedoch auch in den benachbarten Staaten. Sie beeinträchtigt das Familienleben und das gesellschaftliche Leben der Christen sehr stark. So dürfen sie ihre Verstorbenen nicht auf dem öffentlichen Friedhof beisetzen. Christliche Mädchen stehen ständig in Gefahr, entführt und zwangsverheiratet zu werden.

Gesellschaftliches Leben

Verfolgung im gesellschaftlichen Leben ist vor allem in den nördlichen Gebieten Nigerias ein Problem, besonders in den Scharia-Staaten. Dort werden Kinder von Christen in staatlichen Schulen gezwungen, besonders in den Grund- und Mittelschulen, am Islamunterricht teilzunehmen. Christlichen Jugendlichen wird der Zugang zu weiterführenden Schulen oder Hochschuleinrichtungen im Norden Nigerias verweigert, besonders wenn diese Einrichtungen einen hohen akademischen Standard haben, gut ausgestattet sind und über ausreichend Geldmittel verfügen. Christen im Norden Nigerias werden in den Ausbildungseinrichtungen oft als Bürger zweiter Klasse betrachtet und dementsprechend behandelt. Christliche Kommunen im nördlichen Nigeria werden von der Regierung meist vernachlässigt in Bezug auf humanitäre Hilfeleistungen, obwohl sie aufgrund von Gewalt durch Boko Haram vertrieben wurden.

Leben im Staat

Auch in diesem Lebensbereich konzentrieren sich die Probleme vor allem auf die nördlichen Regionen. Auf dem Arbeitsmarkt wird Christen trotz nachgewiesener Qualifikationen die Einstellung verweigert; anderen werden Arbeitsstellen unter der Bedingung angeboten, dass sie ihren christlichen Glauben aufgeben. In den nördlichen Scharia-Staaten leben die Christen in ständiger Angst angesichts eines unberechenbaren Umfelds: Vertreter der örtlichen Behörden setzen sie immer wieder unter Druck, manchmal mit Hilfe der „Hisba“ (Scharia-Polizei) und Da’awa (islamische Missionare). In den Nordstaaten, in denen die Scharia nicht eingeführt wurde, ist der Druck vergleichsweise etwas weniger ausgeprägt, doch Christen erleben trotzdem Diskriminierungen von Seiten des Staates und haben Schwierigkeiten, Arbeitsstellen im öffentlichen Bereich zu finden.

Kirchliches Leben

Gemeinden im Norden haben erhebliche Schwierigkeiten, Christen muslimischer Herkunft offen zu integrieren. Es besteht immer die Gefahr, dadurch die Aufmerksamkeit der islamischen Gemeinschaft zu erregen, was zu Gewaltausbrüchen gegen alle Kirchen im gesamten Umkreis führen könnte. Es gibt vermehrt Übergriffe islamischer Extremisten auf Pastoren, um das Wachstum der Kirchen zu stoppen.

Auftreten von Gewalt

Wie auch in den letzten Jahren, war die Gewalt gegen Christen in Nigeria im Berichtszeitraum für den WVI 2018 äußerst hoch. Eine beunruhigende Entwicklung in diesem Zusammenhang ist die Ausweitung der Gewalt in Richtung Süden. Dies behindert christliche Gemeinschaften nicht nur, teilweise werden Gemeinden in den Gebieten, die als zentraler Gürtel Nigerias bezeichnet werden, sogar entwurzelt. Die Haupttäter gewaltsamer Angriffe gegen Christen sind bewaffnete Männer, die gemeinhin als Hausa-Fulani Viehhirten bezeichnet werden. Diese Angriffe führten zu Tod, Enteignung und Vertreibung Tausender von Christen.

Weitere Beispiele:

  • Ein Überfall auf fünf Dörfer im Regierungsbezirk Kauru im Staat Kaduna im zentralen Gürtel des Landes, in denen hauptsächlich Christen wohnen, brachte den Tod von 45 Menschen mit sich. Der Angriff fand im November 2016 statt, und man nimmt an, dass er von Hausa-Fulani Viehhirten durchgeführt wurde. Die Täter, die den Anschlag verübten, brannten mehr als hundert Häuser einschließlich acht Hauskirchen nieder.
  • Bei einem Angriff im Dorf Ancha Bassa im Plateau-Staat wurden am 7. September 2017 20 Christen getötet. Man geht davon aus, dass muslimische Viehhirten aus dem Stamm der Hausa-Fulani die Täter sind.
  • Am 20. Juli 2017 wurde eine Kirche in der Stadt Onitsha in Südnigeria von Bewaffneten angegriffen, die 12 Menschen töteten und 18 weitere verletzten. Man geht davon aus, dass der Angriff in Verbindung zu einem Bandenkrieg steht, in den ein wohlhabender Spender der Kirche verwickelt ist.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Häufig werden Frauen und Mädchen entführt und müssen sexuelle Angriffe und Vergewaltigungen ertragen. Das ist die übliche Vorgehensweise von Boko Haram und auch der muslimischen Hausa-Fulani. Viele der Frauen und Mädchen werden zu einer Ehe mit Nichtchristen gezwungen. Die Tatsache, dass es in einigen Staaten Gesetze gibt, die die Eheschließung von Minderjährigen erlauben (ebenso wie die Existenz von kulturellen und religiösen Normen, die Mädchen davon abhalten, in die Schule zu gehen) trägt zu diesem Problem bei. Die Verfolgung von Frauen und Mädchen hat zerstörerische Auswirkungen auf die christliche Kirche und die christlichen Familien. Zusätzlich zu der starken emotionalen Belastung und den sozialen Kosten, die diese Verfolgung mit sich bringt, ist auch das wirtschaftliche Auskommen der Gemeinschaften betroffen, vor allem in Gemeinschaften, in denen Witwen die Hauptverdiener der Familien sind.

Männer

Häufig wurden christliche Männer und Jungen besonders im nordöstlichen Teil des Landes, wo Boko Haram aktiv ist, ins Visier genommen. Viele wurden angegriffen, entführt und gezwungen, sich der militanten Gruppe anzuschließen. Solche Angriffe haben eine verheerende Wirkung auf die Kirche und die christlichen Familien.

8. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Da die nigerianische Armee im Kampf gegen Boko Haram erfolgreich scheint, überfällt die Gruppe nun häufiger Nachbarländer wie Niger, den Tschad und Kamerun. Sollten sich Nigeria und andere Länder der Region zu früh zum Sieg über Boko Haram gratulieren, könnte dies der Gruppe die Möglichkeit verschaffen, sich neu zu formieren und weiterhin Anschläge auf Christen in Nigeria und anderen Ländern der Region auszuüben. Daher ist die Situation von Christen im Norden Nigerias teilweise davon abhängig, ob Nigerias Regierung und die anderen Länder der Region den Kampf gegen Boko Haram fortführen werden, ohne einzulenken.

Im Norden Nigerias lebt eine hohe Anzahl von Binnenflüchtlingen, unter ihnen viele Christen, die entweder durch die Schreckensherrschaft von Boko Haram oder durch die brutalen Attacken der Hausa-Fulani Viehhirten (die von örtlichen Behörden gedeckt werden) vertrieben wurden. Viele erhalten keinerlei Unterstützung durch nationale oder internationale Hilfsorganisationen. Ihre Lage ist Ausdruck der Übermacht der Verfolger sowie der Schutzlosigkeit der Verfolgten in dieser Region und lädt wegen ausbleibender Strafverfolgung zu weiteren Übergriffen ein. Die Furcht der verfolgten Christen nimmt beständig zu. Diese Spirale der Gewalt kann nur gestoppt werden, wenn die internationale Weltgemeinschaft mit Nothilfe und anderen Maßnahmen eingreift.

Islamische Unterdrückung und Ethnisch begründete Anfeindungen werden wahrscheinlich auch in Zukunft in Nigeria fortbestehen. Die Mischung dieser Triebkräfte der Verfolgung wird den Norden Nigerias auch weiterhin zu einem gefährlichen Ort für Christen machen. Die Regierung war bisher zurückhaltend, was Maßnahmen gegen die Gewalt der muslimischen Hausa-Fulani Viehhirten und Siedler angeht, die um die Kontrolle der zentralen Landesteile kämpfen. Da die nächsten Wahlen bereits 2019 anstehen, wird dies signifikante Auswirkungen auf das Land Nigeria haben. Es besteht die Gefahr, dass Ethnie und Religion für Wahlkampagnen instrumentalisiert werden. Andererseits könnte die Wahl die regierende Partei und den Präsidenten offener für die Nöte und Forderungen der Christen machen. Allerdings besteht auch das Risiko, dass eine verstärkte Mobilisierung der Wählerschaft auf Grundlage ethnischer Zugehörigkeit und Religion schon vor der Wahl im Jahr 2019 zur Realität wird, falls der erkrankte Präsident Buhari während seiner Amtszeit versterben sollte.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Nigeria

  • Bitte beten Sie für den Schutz der nigerianischen Christen, besonders für die Frauen, die in der Gefahr stehen, entführt zu werden und gezwungen werden, muslimische Männer zu heiraten.
  • Beten Sie um Trost für die Tausenden nigerianischen Christen, die durch die gezielte Gewalt gegen sie vertrieben wurden. Bitte beten Sie um Weisheit für die Partner von Open Doors für ihren Dienst an diesen Menschen.
  • In den mehrheitlich muslimischen nördlichen Bundesstaaten Nigerias werden christliche Gemeinschaften vernachlässigt und oft wird ihnen sauberes Wasser, Kliniken und Straßen vorenthalten. Beten Sie, dass der Herr sie versorgt.

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