Länderprofil Nordkorea

Nordkorea

1
Weltverfolgungsindex
2018
Flagge Nordkorea
Hauptreligion
Juche-Ideologie
Staatsform
Demokratische Volksrepublik
Platz Vorjahr
1
ISO
KP
Karte Nordkorea
Karte Nordkorea
Christen
0,30
Bevölkerung
25.41
Kommunistische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Privatleben: 16.700
Familienleben: 16.700
Gesellschaftliches Leben: 16.700
Leben im Staat: 16.700
Kirchliches Leben: 16.700
Auftreten von Gewalt: 10.600
Länderprofil Nordkorea

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

94 Punkte / Platz 1 (WVI 2017: 92 Punkte / Platz: 1)

Von wem Verfolgung ausgeht

Die Verfolgung von Christen in Nordkorea geht zunächst und vorwiegend vom Staat aus. Seit drei Generationen ist das Land darauf ausgerichtet, die machthabende Kim-Familie zu verehren. Die Paranoia des Machthabers Kim Jong Un nimmt zu. Die Isolation des Landes wächst durch die jüngste Serie von Raketentests und die daraus resultierenden Sanktionen. Christen werden als feindseliges Element in der Gesellschaft angesehen, das eliminiert werden muss. Aufgrund der permanenten Indoktrinierung, die das gesamte Land durchdringt, sind Nachbarn und Familienmitglieder sehr wachsam und melden alles Verdächtige den Behörden. Insbesondere Kinder können durch diese Indoktrinierung so stark beeinflusst werden, dass sie ihre eigenen Eltern in dem Glauben, etwas Gutes zu tun, melden. Aus diesem Grund entscheiden sich viele Eltern dazu, ihren Kindern nicht von ihrem christlichen Glauben zu erzählen.

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen

Werden Christen entdeckt, ist es unerheblich, ob sie Nachkommen der christlichen Gemeinschaften aus der Zeit vor dem Koreakrieg sind oder auf andere Weise zum christlichen Glauben gefunden haben – beispielsweise während der großen Hungersnot in den 1990er Jahren, die zehntausende Nordkoreaner dazu veranlasste, in China nach Hilfe zu suchen, die sie oft in chinesischen Kirchen fanden. Entdeckte Christen werden in Arbeitslager verschleppt und wie politische Gefangene behandelt oder sogar auf der Stelle getötet. Ihre Familien teilen ihr Schicksal. Christen haben nicht den geringsten Raum im öffentlichen Leben – im Gegenteil, es wird sogar öffentlich vor ihnen gewarnt. Es ist für Christen fast unmöglich, sich mit anderen Christen zum Gottesdienst zu versammeln. Diejenigen, die das Risiko eingehen, müssen es in größter Heimlichkeit tun. Die wenigen Kirchen, die Besuchern in der Hauptstadt Pjöngjang gezeigt werden, dienen lediglich Propaganda-Zwecken.

Beispiele

Aufgrund der extrem schwierigen Sicherheitslage können keine Details zu Razzien und Exekutionen von Christen genannt werden. Der kanadisch-koreanische Pastor Hyeon Soo Lim wurde am 9. August 2017 aus dem Gefängnis entlassen, nachdem er angeblich seine Schuld gestanden haben soll. Pastor Dong Cheol Kim ist noch immer in Nordkorea gefangen. Die koreanisch-amerikanischen Christen und Dozenten der Universität für Wissenschaft und Technik Pjöngjang (PUST) Tony Kim und Hak Song Kim wurden im April und Mai 2017 verhaftet. Nordkorea beschuldigte sie, gegen die Regierung aktiv geworden zu sein. Laut Berichten sucht die Universität seitdem explizit nach nichtamerikanischem Personal.

Beiträge zu Nordkorea

Nachrichten Nachrichten
Nordkorea
Nordkorea
(Open Doors, Kelkheim) – Am 9. August wurde der koreanisch-kanadische Pastor Hyeun-Soo Lim aus dem Gefängnis entlassen. Als Grund für die Freilassung gab eine staatliche Nachrichtenagentur Nordkoreas seine schlechte gesundheitliche Verfassung an.
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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Nordkorea ist seit 2002 an erster Stelle des Weltverfolgungsindex (WVI). Das Land bleibt weiterhin auf Rang 1; die Punktzahl ist im Vergleich zum WVI 2017 um zwei Punkte gestiegen. In diesem Jahr folgt Afghanistan jedoch sehr knapp auf Platz 2. Wie in den vergangenen Jahren sind Christen in Nordkorea extrem hohem Druck in allen im WVI aufgeführten Lebensbereichen ausgesetzt und erleben ein sehr hohes Maß an Gewalt, die sich direkt gegen sie richtet. Der Anstieg der Punktzahl ist auf die weiter gewachsene Paranoia der Regierung zurückzuführen, die eine Folge der verstärkten, selbst herbeigeführten Isolation des Landes, selbst vom wichtigen Nachbar China, ist.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Kommunistische Unterdrückung

Obwohl Nordkorea in der Theorie noch immer ein kommunistisches Land ist, überwiegt in der Realität ein Personenkult. Da jedoch die kommunistische Verwaltungsstruktur des Landes aufrechterhalten wird, ist „Kommunistische Unterdrückung“ weiterhin die Haupttriebkraft der Verfolgung. Die Ergebnisse des siebten Kongresses der Koreanischen Arbeiterpartei im Mai 2016 – der erste seit 36 Jahren – brachten weder wirtschaftlich noch ideologisch Änderungen mit sich. Christen werden weiterhin als gefährlich betrachtet und ihre Religion als „Opium für das Volk“ eingestuft – wie im klassischen Kommunismus. Laut dem nordkoreanischen Gesellschaftssystem Songbun sind sie zudem Teil der feindlichen Gesellschaftsklasse.

Diktatorische Paranoia

Seit 1948 wird Nordkorea von einer einzigen Familie regiert, nun in der dritten Generation. Wie bereits erwähnt ist die ursprünglich verfolgte kommunistische Ideologie in den letzten Jahren in den Hintergrund getreten, obwohl der kommunistische Stil, die Gesellschaft zu kontrollieren, weiter fortbesteht. Inzwischen ist Nordkorea zu einem deutlichen Beispiel für ein Land geworden, das von „Diktatorischer Paranoia“ beherrscht wird. Jeder muss den Führer verehren und aufgrund dieses ausgeprägten Personenkultes ist Kim Jong Un unersetzlich – nicht zuletzt, da er auch über die Arbeiterpartei, die Armee, die Verwaltung und alle Bereiche der Gesellschaft herrscht.

Auch wenn seine Macht noch nicht so absolut wie die seines Vaters oder Großvaters sein mag, kann es niemand wagen, seine Autorität in Frage zu stellen. Die gottgleiche Verehrung der Kim-Familie lässt keinerlei Raum für eine andere Religion. Jeder, der jemanden oder etwas neben der Kim-Dynastie verehrt, wird als gefährlich und staatsgefährdend eingestuft. Der volle Titel von Kim Jong Un lautet: „Geliebter Genosse Kim Jong Un, Vorsitzender der Koreanischen Arbeiterpartei, Vorsitzender des Komitees für Staatsangelegenheiten der Demokratischen Volksrepublik von Korea und Oberbefehlshaber der Koreanischen Volksarmee.“ Im Oktober 2017 beförderte Kim Jong Un seine Schwester in das Politbüro und machte sie damit zu einem Teil der politischen Elite, die das Land regiert. Dies verdeutlicht die Lebenswirklichkeit Nordkoreas, in der eine Familie Partei und Land beherrscht.

3. Verfolger

  • Die stärkste Verfolgung von Christen in Nordkorea geht vom Staat aus. Seit drei Generationen ist das Land darauf ausgerichtet, die machthabende Kim-Familie zu verehren – diese Einstellung ist auch mit der jüngeren Generation nicht verschwunden, seit Kim Jong Un im Dezember 2011 an die Macht gekommen ist. Christen werden als feindlicher Teil der Gesellschaft angesehen, der beseitigt werden muss – egal wie.
  • Selbst die eigenen Familienmitglieder können Christen bei den Behörden melden. Insbesondere Kinder können durch diese Indoktrinierung so stark beeinflusst werden, dass sie ihre eigenen Eltern in dem Glauben, etwas Gutes zu tun, melden. Aus diesem Grund entscheiden sich viele Eltern dazu, ihren Kindern nicht von ihrem christlichen Glauben zu erzählen.
  • Aufgrund der permanenten Indoktrinierung, die das gesamte Land durchdringt, sind Nachbarn und Familienmitglieder sehr wachsam und melden alles Verdächtige den Behörden.

4. Hintergrund

Das politische System des Landes gründet sich auf zwei Ideologien. Die eine wird „Juche“ genannt. Im Wesentlichen besagt sie, dass der Staat vollkommen autark ist. Die andere ist der Kimilsungismus (benannt nach dem Staatsgründer Kim Il Sung). Er beschreibt die Verehrung der Führer des Landes, die als allmächtige Instanzen die Geschicke Nordkoreas lenken. Jeder Bürger muss an wöchentlichen Treffen teilnehmen, bei denen alle Bürger jeder Altersklasse ideologisch geschult und indoktriniert werden. Auch die Teilnahme an Sitzungen, in denen Selbstkritik geübt werden muss, ist Pflicht. Es ist keinem Nordkoreaner erlaubt, abweichende Ideen zu entwickeln, seien sie religiöser oder anderer Natur. Das strenge System gesellschaftlicher Kontrolle führt zu einem hohen Maß an Selbstzensur und Selbstkontrolle bezüglich dessen, was man und zu wem man es sagt, selbst in den privatesten und familiären Beziehungen. Ein Sprichwort aus Nordkorea fasst dieses Misstrauen in der Gesellschaft zusammen: „Wo zwei oder drei zusammenkommen – da ist einer ein Spion.“

Die Hoffnungen, dass Kim Jong Un Nordkorea nach seiner Machtübernahme im Dezember 2011 für Verbesserungen der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und diplomatischen Bedingungen öffnen würde, wurden enttäuscht. Das Regime scheint entschlossen zu sein, das Land weiter zu isolieren – selbst wenn man von den fortwährenden Raketen- und Atomtests, der Kriegsrhetorik und den Drohungen, interkontinentale Raketen nicht nur auf Guam, sondern auch auf das amerikanische Festland zu feuern, absieht. All diese Tests könnten als Versuch angesehen werden, die Großmächte und Nachbarländer Nordkoreas zurück an den Verhandlungstisch zu bewegen. Bisher hat sich das Land jedoch nur weiter in die politische und ökonomische Isolation begeben. Dies wird beispielsweise dadurch widergespiegelt, dass mehrere Länder nordkoreanische Botschaften haben schließen lassen.

Auch im sechsten Jahr seiner Herrschaft hat Kim Jong Un weder einen ausländischen Staat bereist, noch wurde er von einem ausländischen Staatsoberhaupt besucht. Er entschied sich sogar dafür, enge Verbündete, darunter den wichtigsten Partner China, zu verärgern – selbst den großen Nachbarstaat hat er bisher nicht besucht. Kim Jong Un nahm kein Blatt vor den Mund, als er die Entwicklung Chinas in seiner Eröffnungsrede beim siebten Kongress der Arbeiterpartei verurteilte: „Obwohl der dreckige Wind der bürgerlichen Freiheit, Reformen und Aufgeschlossenheit in unserer Nachbarschaft weht, werden wir den Geist des Songun [militärische Macht zuerst] mit Waffen beflügeln und auf dem Pfad des Sozialismus, den wir gewählt haben, voranschreiten.“ Das sind starke Worte in Anbetracht der Tatsache, dass China der einzige Staat ist, auf den sich Nordkorea noch stützen kann. Diese kühle Haltung dem letzten Verbündeten gegenüber kann nur so verstanden werden, dass das Regime in Pjöngjang Gefallen an der zunehmenden Isolation findet. Zuletzt hat sich Kim Jong Un im November 2017 entschlossen, einen hochrangigen chinesischen Gesandten nicht zu empfangen. Dies zeigt ebenfalls, wie sich die Beziehung der beiden Länder abkühlt. Das sichtbarste Zeichen für diese selbstgewählte Isolation ist jedoch der öffentliche Mord an Kim Jong Uns Halbbruder Kim Jong Nam am Flughafen von Kuala Lumpur im Februar 2017. Die internationale Berichterstattung versäumte es, die fatalen Auswirkungen des Attentats auf die Beziehungen mit einem der wenigen Länder aufzuzeigen, mit dem Nordkorea bis dahin ein relativ gutes Verhältnis unterhielt: Malaysia legte bis auf Weiteres alle Beziehungen zu Nordkorea auf Eis.

Obwohl die meisten Nordkoreaner nicht mehr vom Verhungern bedroht sind wie in den 1990er-Jahren, bleibt die Grundversorgung aufgrund der geografischen Lage des Landes und der Witterungsbedingungen eine Herausforderung. Hunger ist ein Feind, der Tag für Tag präsent ist. Ein Großteil der Bevölkerung ist noch immer unterernährt und der Anteil unterentwickelter Kinder ist sehr hoch. Die Situation verschlimmert sich dadurch, dass das Regime sich weigert, mit internationalen Organisationen zu kooperieren und ihnen Zugang zu den am stärksten betroffenen Gebieten zu gewähren. Im Juli 2017 warnte die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, dass die Ernte von Reis, Mais, Kartoffeln und Sojabohnen aufgrund von außergewöhnlich trockenen Wetterbedingungen von April bis Juni sehr schwach ausfallen könnte. Einen weiteren Hinweis auf die schwierige Versorgungslage lieferte ein Soldat, der im November 2017 bei seiner Flucht die innerkoreanische Grenze überquerte und schwer verwundet wurde. Bei einer medizinischen Untersuchung wurden viele Parasiten im Verdauungstrakt des Soldaten gefunden. Da er ein Elitesoldat war, der die wichtige Aufgabe bekommen hatte, die Grenze zu Südkorea zu bewachen, sollte er sich eigentlich in einem körperlich besseren Zustand befinden als der durchschnittliche Bürger. Auf der anderen Seite hat sich die wirtschaftliche Situation des Landes leicht verbessert, da das Regime ein gewisses Maß an Privatwirtschaft zulässt. Natürlich ist dies noch lange keine freie Marktwirtschaft, aber es lässt den Menschen etwas mehr Handlungsspielraum. Ein Bericht, der im August 2017 veröffentlicht wurde, zeigt auf, dass etwa fünf Millionen Menschen – etwa 20 Prozent der Bevölkerung Nordkoreas – direkt oder indirekt auf diese Form der Privatwirtschaft angewiesen sind.

Der siebte Kongress der Koreanischen Arbeiterpartei im Mai 2016 machte jedoch deutlich, dass man nicht zu viel von dieser Entwicklung erhoffen darf. Die von ausländischen Beobachtern erwarteten Ankündigungen von Reformen, insbesondere im Wirtschaftssektor, blieben aus. Angesichts der Tatsache, dass der Parteikongress zum ersten Mal seit 36 Jahren stattfand, lag der Fokus des Regimes darauf, die Ideologie und die vorherrschende Rolle der Partei und des Führers neu zu betonen und führte letztlich dazu, dass wirtschaftliche und andere Themen mehr oder weniger vernachlässigt wurden. Christen würden sehr wahrscheinlich von einer verbesserten wirtschaftlichen Lage profitieren, so wie jeder andere Staatsbürger. Viele Christen haben Mühe, ihre Grundversorgung zu sichern, da sie vornehmlich zu den ärmeren Gesellschaftsschichten gehören. Ein weiteres Problem stellt für sie der allgegenwärtige Einsatz von Bestechungsgeldern dar, da dies gegen ihre christlichen Überzeugungen verstößt.

Eine wichtige Möglichkeit für die Führung, an ausländische Devisen zu kommen, besteht darin, Gastarbeiter ins Ausland zu entsenden, selbst nach Europa. Diesen Gastarbeitern wird nahezu alles verdiente Geld wieder abgenommen. Wenn dies der Umgang mit dem regimetreuen Teil der Bevölkerung ist, dem genug Vertrauen entgegengebracht wird, ins Ausland gesendet zu werden, kann man sich kaum ausmalen, wie die Führung mit der feindlichen Klasse umgeht, zu der Christen gehören. Aber auch diese Praxis wird eine zunehmende Herausforderung für das Regime, das mit immer härteren internationalen Sanktionen zu kämpfen hat. Die Sanktionen, die 2017 als Reaktion auf die anhaltenden Nuklear- und Raketentests verhängt wurden, zeigen ihre Wirkung, und Nordkorea blickt auf der Suche nach Hilfe zunehmend nach Russland.

Die Flucht aus dem Land selbst wird grundsätzlich schwieriger, weil China seine Grenzen zunehmend mit Zäunen und anderen Schutzmaßnahmen absichert. China nimmt verstärkt nordkoreanische Flüchtlinge fest und bringt sie in das Land zurück. Diese Maßnahme könnte auch Christen gefährden. Die Preise, die Schlepper verlangen, um Flüchtlinge illegal von Nordkorea nach China zu bringen, sind in den vergangenen Monaten sprunghaft angestiegen. Ende 2016 lag der durchschnittliche Preis pro Person bei etwa 8.900 US-Dollar – 2017 mussten Flüchtlinge bis zu 16.000 US-Dollar zahlen. Zudem sind Zeiten der starken Spannungen mit Südkorea immer auch Zeiten erhöhter Propaganda und stärkerer ideologischer Kontrollen. Dies führt immer auch zu erhöhtem Druck auf Christen.

Da das Regime in Nordkorea kommunistisch ist und alle Religionen als „abergläubisch“ angesehen werden, werden sie bekämpft. Asiatischen Religionen wie dem Buddhismus wird etwas mehr Spielraum zugestanden. Sie werden nicht als „westlich“ angesehen und der Ausübung dieses Glaubens kann im Geheimen mit etwas weniger Risiko nachgegangen werden.

5. Betroffene Kategorien von Christen

Da es in Nordkorea weder Gemeinschaften von ausländischen Christen und Arbeitsmigranten noch protestantische Freikirchen gibt, gehören alle Christen zu einer der beiden nachfolgenden Gruppen und erleben die stärkste nur vorstellbare Verfolgung:

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Gemeinschaften entstanden bereits vor dem Koreakrieg (1950 – 1953). Während viele Christen im Krieg starben oder aber in den Süden flohen, sind andere geblieben. Sie und ihre Nachkommen bilden diese Gemeinden. Jeder Bürger wird in ein Klassensystem eingeordnet, das „Songbun“ genannt wird. Nach dieser Einstufung gehören Christen zur „feindlichen Klasse“ und werden nochmals in zwei Unterklassen unterteilt, die „37“ für protestantische Christen und die „39“ für katholische Christen. Diesen Klassen gehören Christen an, von denen bekannt ist, dass ihre Eltern oder Großeltern Christen waren. Als Strafe dafür, das falsche „Songbun“ zu haben, wurden die meisten von ihnen in abgelegene Dörfer verbannt. Nur wenigen dieser historisch gewachsenen christlichen Gemeinden ist es gelungen, ihren Glauben zu verbergen und Untergrundkirchen zu bilden. Wegen des Prinzips der Sippenhaft sind die Nachkommen dieser Christen mit unüberwindbaren gesellschaftlichen und anderen Hindernissen konfrontiert und werden misstrauisch beobachtet.

Christliche Konvertiten

Diese Christen haben alle einen kommunistischen Hintergrund oder verehrten zuvor die ehemaligen Staatsführer Kim Il Sung und Kim Jong Il. Viele von ihnen kamen in den 1990er-Jahren zum Glauben, als während der großen Hungersnot unzählige Nordkoreaner die Grenze zu China überquerten und bei chinesischen Kirchen Hilfe fanden. Nachdem sie nach Nordkorea zurückgekehrt waren, blieben sie ihrem neu gefundenen Glauben treu.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 16.700
Familienleben: 16.700
Gesellschaftliches Leben: 16.700
Leben im Staat: 16.700
Kirchliches Leben: 16.700
Auftreten von Gewalt: 10.600

Grafik: Verfolgungsmuster Nordkorea

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen in Nordkorea ist in fast allen Lebensbereichen angestiegen und befindet sich auf einem extrem hohen Level. Der Druck ist von durchschnittlich 16,4 auf den Maximalwert 16,7 gestiegen.
  • Das Verfolgungsmuster reflektiert die Realität eines Staates, der in allen Bereichen der Gesellschaft von Diktatorischer Paranoia beherrscht wird. Es gibt wohl kein anderes Land auf der Welt, für das der Begriff „Paranoia“ zutreffender wäre – in Nordkorea ist alles davon betroffen.
  • Der Wert für Gewalt ist von 9,8 auf 10,6 angestiegen, da nicht nur Häuser von Christen durchsucht wurden, sondern auch Straßenstände und Geschäfte.

Privatleben

Angesichts der geschilderten Situation verwundert es nicht, dass die Verfolgung im Privatleben den Höchstwert erreicht. Es ist äußerst gefährlich, die Bibel zu lesen oder seinen christlichen Glauben auf welche Art auch immer zu zeigen. Bibeln und andere Materialien werden sorgfältig versteckt und nur dann hervorgeholt, wenn man sich absolut sicher sein kann, dass man alleine ist. Christliches Material wird aufgeteilt oder zerstört, nachdem es auswendig gelernt wurde, da es zu gefährlich ist, komplette Exemplare aufzubewahren. Treffen mit anderen Christen sind höchst gefährlich, mit nichtchristlichen Familienmitgliedern oder anderen über den Glauben zu sprechen, ist nahezu unmöglich. Allen Familienmitgliedern wird beigebracht, dass ihre Loyalität zuerst der Kim-Familie gehört. Aufgrund dieser eingeforderten Loyalität und dem großen Druck sind sogar Kinder bereit, ihre Eltern zu verraten (wie es Berichte immer wieder zeigen), sodass die meisten Eltern es nicht einmal wagen, ihren Kindern von ihrem Glauben zu erzählen.

Familienleben

Die extrem hohe Wertung wird durch den folgenden Kommentar sehr gut zusammengefasst: „Kindern wird der Name Kim Il Sung beigebracht, bevor sie die Namen ihrer Eltern lernen.“ Wenn Christen entdeckt werden, verlieren sie alles. Sie werden nicht nur verhört, damit ihre Netzwerke aufgespürt werden können, sondern auch ihre Familien werden aufgrund des Prinzips der Sippenhaft festgenommen und müssen Jahre des Elends in Arbeitslagern erleiden. Familien werden gezielt auseinandergerissen, wird der christliche Glaube eines der Familienmitglieder entdeckt. Sind sowohl Ehemann als auch Ehefrau Christen, werden sie beispielsweise in verschiedene Arbeitslager geschickt. Männer und Frauen werden ohnehin sehr häufig getrennt, in einigen Lagern gibt es jedoch Familienbaracken. Jeder, der in verborgene religiöse Aktivitäten verwickelt ist und entdeckt wird, erlebt Diskriminierung, Inhaftierung, Willkür, Verschleppung, Folter und/oder öffentliche Hinrichtung. Christlichen Eltern ist es schier unmöglich, ihre Kinder im christlichen Glauben zu erziehen. Dies wäre nicht nur sehr gefährlich, die Eltern müssten zudem gegen die wöchentliche Indoktrinierung ankämpfen, die bereits im Kleinkindalter beginnt. Christliche Hochzeiten, Beerdigungen oder das Abendmahl öffentlich zu feiern, ist unmöglich, ebenso wie christliche Taufen.

Gesellschaftliches Leben

Jeder Nordkoreaner steht unter strikter sozialer Kontrolle, da sich Nordkorea der alten kommunistischen Methode der Nachbarschaftswache, „Inminban“ genannt, bedient. Alles, was in einem Häuserblock geschieht, wird den Behörden von speziell ausgebildeten Nachbarn berichtet, sodass tatsächlich keine Aktivität, kein Besuch, keine Abweichung vom Normalen unbemerkt bleibt. Kinder von Christen wissen daher meist nichts vom Glauben ihrer Eltern, da die meisten Eltern ihre Kinder (wenn überhaupt) erst dann einweihen, wenn diese älter sind. Wenn sie davon wissen, müssen sie sehr vorsichtig sein, den Glauben nicht zu zeigen, da dies schnell zu einer Anzeige führt und davon die ganze Familie betroffen ist. Ähnliche Vorsicht ist am Arbeitsplatz, zu Hause und besonders in allen Selbstkritik-Sitzungen geboten, deren Zahl und Umfang Berichten zufolge zugenommen hat. Dies zeigt den zunehmenden Druck seitens des Staates, der sein Vertrauen auf die Ideologie setzt.

Leben im Staat

Wie bereits erwähnt, folgt Nordkorea der Juche-Ideologie und dem Kimilsungismus/Kimjongilismus und alles steht in Zusammenhang mit diesen Ideologien. Medienberichte über Christen sind verzerrt, wenn es denn überhaupt Berichte gibt. In diesen Berichten der staatlichen Medien werden Christen als Missionare und Terroristen dargestellt und als Gefahr für den Staat bezeichnet. Christen können niemals eine faire Gerichtsverhandlung erwarten. Selbst ausländische Christen haben keine Chance auf eine faire Verhandlung, wenn sie von den Behörden verhaftet werden. Nordkoreanische Polizeibeamte machen regelrecht Jagd auf Bürger, die sich während ihres Aufenthalts in China zum christlichen Glauben bekehrt haben oder christliche Literatur, vor allem Bibelteile, nach Nordkorea zu schmuggeln versuchen. Jeder ertappte und zurück nach Nordkorea gebrachte Flüchtling wird ausführlichen Verhören unterzogen. Allen vorliegenden Berichten zufolge gehören dazu auch Fragen wie: „Hast du in China Christen getroffen?“ und: „Hast du in China eine Kirche besucht?“ Nordkoreanische Agenten waren auf chinesischem Gebiet aktiv, aber 2016 gab es einige Fälle von hochrangigen Überläufern. Solche Fälle sind maßgeblich verantwortlich für eine Zunahme der Paranoia des nordkoreanischen Regimes und erschweren das Leben der nordkoreanischen Christen und anderer Bürger noch mehr, da die staatliche Kontrolle weiter zunimmt. Die Regierung hat als Antwort bereits die Grenzsicherheit weiter verstärkt.

Kirchliches Leben

In Nordkorea können schlichtweg keine Kirchen bestehen. Es gibt vier von der Regierung kontrollierte Kirchen in Pjöngjang, die internationalen Gästen Religionsfreiheit vorspielen sollen. Eine der Kirchen ist katholisch, zwei sind protestantisch und eine ist russisch-orthodox. Die Kirchen können nicht als wirkliche christliche Gemeinden funktionieren, da sie sich nur innerhalb der von der Regierung gesteckten Grenzen bewegen dürfen. Außerhalb dieser Showkirchen ist es nicht möglich, auf legalem Weg christliche Materialien zu produzieren oder zu importieren oder christliche Organisationen ins Leben zu rufen. Eine legale Ausbildung von Leitern und Jugendleitern ist unmöglich.

Auftreten von Gewalt

Die Verfolgung in Nordkorea bleibt sehr gewalttätig. Aufgrund der extrem schwierigen Sicherheitslage können keine Details zu Razzien und Exekutionen von Christen genannt werden. Es ist zudem schwierig, Berichte aus den Arbeitslagern zu erhalten. Der kanadisch-koreanische Pastor Hyeon Soo Lim wurde am 9. August 2017 aus dem Gefängnis entlassen, nachdem er angeblich seine Schuld gestanden haben soll. Pastor Dong Cheol Kim ist noch immer in Nordkorea gefangen. Die koreanisch-amerikanischen Christen und Dozenten der Universität für Wissenschaft und Technik Pjöngjang (PUST) Tony Kim und Hak Song Kim wurden im April und Mai 2017 verhaftet. Nordkorea beschuldigte sie der Aktivitäten gegen die Regierung. Laut Berichten sucht die Universität seitdem explizit nach nichtamerikanischem Personal.

7. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Die Verfolgung, die von den Triebkräften Kommunistische Unterdrückung und Diktatorische Paranoia ausgeht, wird durch eine verstärkte Betonung der Ideologie der Eigenständigkeit des Landes sowie durchzunehmende Isolation geschürt, wie durch die anhaltenden Raketen- und Nuklearwaffentests deutlich wird. Auch das Verhalten des Landes gegenüber dem traditionellen Verbündeten China und das Attentat auf Kim Jong Nam auf einem malaysischen Flughafen zeigen dies.

Die größte Herausforderung für Nordkorea bleibt die Beziehung zu China. Das Land ist wirtschaftlich stark abhängig von China und kann es sich nicht leisten, vom großen Nachbarn aufgegeben zu werden. Obwohl die Unzufriedenheit Chinas mit Nordkorea wächst, gibt es einige Gründe, Nordkorea weiterhin zu unterstützen. Zum einen ist absolut nicht vorhersehbar, was geschieht, wenn das Kim-Regime kollabiert. Des Weiteren stellt sich die Frage, ob die nukleare Bedrohung durch Nordkorea nicht auch für China und die regionale Stabilität eine potentielle Gefahr darstellt. Zudem ist es sehr wahrscheinlich, dass US-amerikanische Truppen direkt an der chinesischen Grenze stationiert würden, wenn es in irgendeiner Form zu einer Wiedervereinigung Koreas kommen sollte.

Kim Jong Un hat noch keine Auslandsreisen unternommen, obwohl er das Land bereits seit mehr als sechs Jahren regiert. Will er der Tradition und der Höflichkeit folgen, müsste er China als Erstes besuchen. Geschähe dies, könnte man auf eine sich verbessernde Beziehung zu China schließen, was für die Christen sehr nachteilig wäre, gerade weil China jeden Flüchtling aus Nordkorea zurückschickt, obwohl China das Flüchtlingsabkommen der Vereinten Nationen unterzeichnet hat und die Flüchtenden ohne Kosten und Mühen weiter nach Südkorea schicken könnte.

Es gibt einige Anzeichen dafür, dass sich die Verfolgung der Christen in Nordkorea in der Zukunft weiter verschlimmern wird:

  • Die Entführungen und Festnahmen von südkoreanischen und chinesischen Christen und Missionaren in China nehmen zu.
  • Die Grenzen werden stärker bewacht und die Bestrafung der nach China geflohenen und zurückgeführten Staatsbürger wird härter.
  • Die Anzahl der koreanischen Missionare, die aus China ausgewiesen werden, nimmt zu.
  • Die Bemühungen des nordkoreanischen Regimes, jede Möglichkeit der Ausbreitung des Christentums auszumerzen, nehmen zu.

8. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Nordkorea

  • Kim Jong Un hat seine Macht weiter gefestigt. Im vergangenen Jahr hat es keine Veränderungen oder Verbesserungen für die Christen gegeben. Bitte beten Sie für Kim Jong Un, damit er Jesus kennenlernt. Beten Sie für Veränderung in der Regierung und dass die Macht des Bösen gebrochen wird.
  • Die Situation der Christen ist sehr gefährlich. Sie erfahren Verfolgung durch die staatlichen Behörden, ihre nichtchristliche Familie, Freunde und Nachbarn. Bitte beten Sie für ihren Schutz. Beten Sie für Christen, die in Gefängnissen, Arbeitslagern und an abgeschiedenen Orten in der Verbannung leiden. Beten Sie, dass Gott den nordkoreanischen Christen Kraft und Durchhaltevermögen schenkt.
  • Nordkorea steht seit vielen Jahren an der Spitze des Weltverfolgungsindex. Bitte beten Sie dafür, dass die Machthaber des Landes Jesus kennenlernen, dass Gott die nordkoreanische Gemeinde beschützt und für Heilung und Wiederherstellung des Landes.

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