Syrien
Christenverfolgung in Syrien
Berichtszeitraum: 1. Oktober 2024 – 30. September 2025
1. Überblick
Seit dem Sturz des al-Assad-Regimes im Dezember 2024 wird Syrien weitgehend von den Truppen der islamistischen Gruppe „Hai’at Tahrir asch-Scham“ (HTS) kontrolliert. Inmitten weit verbreiteter Unruhen und schwacher Regierungsführung berichten Christen von einem Ausmaß der Verfolgung, das seit der Zeit, als der sogenannte „Islamische Staat“ (IS) Teile des Landes kontrollierte, nicht mehr dagewesen ist. Dies schließt eine starke Zunahme von Ermordungen und Angriffen auf Kirchen ein. Die neue Übergangsverfassung, die im März 2025 verabschiedet wurde, zentralisiert die Macht im Präsidentenamt. Sie legt fest, dass die islamische Rechtsprechung die primäre Quelle der Gesetzgebung ist, wobei Minderheiten nicht ausreichend geschützt werden. Gleichzeitig nehmen der soziale Druck und die Spannungen zwischen den Religionen zu, wie die tödlichen Zusammenstöße im März und Juli 2025 zeigen. Betroffen waren hierbei vor allem Alawiten und Drusen, aber auch Christen hatten Opfer zu beklagen.
Das Gefühl der Unsicherheit wird zusätzlich dadurch verstärkt, dass der IS seit Oktober 2024 wieder militärisch aktiv ist. So verübte der IS im Juni 2025 einen tödlichen Anschlag auf eine Kirche in Damaskus. Die internationalen Sanktionen wurden teilweise aufgehoben, was wirtschaftliche Perspektiven eröffnet. Es ist aber noch zu früh, um zu beurteilen, inwiefern sich dies tatsächlich auf die Wiederaufbaumaßnahmen der christlichen Gemeinschaften auswirkt.
Länderprofil als PDF
Das nachfolgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus den ausführlichen Berichten von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Dieses deutsche Länderprofil finden Sie hier auch als PDF zum Download.
2. Hintergrund
Seit Syrien 1946 die Unabhängigkeit erlangte, war das Land immer wieder von politischer Instabilität, Militärputschen und Konflikten geprägt. Von 1970 an regierte die al-Assad-Familie, bis im Dezember 2024 mit der islamistischen Miliz HTS verbündete Truppen unter der Führung des Interimspräsidenten Ahmed al-Sharaa Damaskus einnahmen. Damit endete die jahrzehntelange säkulare Herrschaft der Baath-Partei und eine islamistisch orientierte Regierung kam an die Macht. Dieser Machtwechsel hat die politischen, sozialen und sicherheitspolitischen Bedingungen für religiöse Minderheiten drastisch verändert.
Während des Bürgerkriegs haben die Christen in Syrien unverhältnismäßig stark unter den Kämpfen und Vertreibungen gelitten. Ihre Verwundbarkeit war auf fehlende politische und militärische Macht zurückzuführen, aber auch darauf, dass man den syrischen Christen Verbindungen zum Westen und Nähe zum al-Assad-Regime unterstellte. Unter der neuen Übergangsregierung haben sich diese Risiken noch verschärft, sodass christliche Gemeinschaften gezielter Gewalt, Diskriminierung und sozialer Ausgrenzung ausgesetzt sind.
Die Übergangsverfassung vom März 2025 zentralisiert die Macht beim Präsidenten und legt die islamische Rechtsprechung als wichtigste Quelle der Gesetzgebung fest. Experten weisen darauf hin, dass sie Minderheiten keinen ausreichenden Schutz bietet. Die politische Macht bleibt zersplittert, wobei extremistische und militante Akteure an Einfluss gewinnen. Anhaltende bewaffnete Auseinandersetzungen, darunter Anschläge des IS, wie der Bombenanschlag auf eine Kirche in Damaskus im Juni 2025, haben die Unsicherheit weiter verschärft.
Wirtschaftlich gesehen haben der Zusammenbruch der Infrastruktur, lang anhaltende Sanktionen und Kapitalflucht die Lebensgrundlagen geschwächt und den gesellschaftlichen Zusammenhalt untergraben. Nach mehr als 14 Jahren Konflikt lebten 2024 etwa 90 % der Syrer unterhalb der Armutsgrenze, gegenüber einem Drittel vor dem Krieg. Die teilweise Aufhebung der Sanktionen Mitte 2025 hat den Weg für Wiederaufbau und Handel geebnet, doch ihre Auswirkungen auf die christlichen Gemeinschaften bleiben ungewiss. Die direkten Vorteile für Christen sind begrenzt aufgrund von anhaltender Instabilität, Vermögensverlust, Auswanderung und einer schwachen Rechtsstaatlichkeit.
Die weit verbreitete Hetze in den sozialen Medien verschärft die Unsicherheit und Isolation der Christen. Zugleich wird ihre Freiheit in Bezug auf Bildung, Kleidung und gesellschaftlichen Umgang erheblich eingeschränkt, indem die Gesellschaft Druck ausübt und strikte religiöse Normen durchsetzt. Unter der neuen Regierung wird das syrische Bildungswesen gemäß einer islamischen Ideologie reformiert. Dabei werden die vorislamische Geschichte und die Gleichstellung der Geschlechter gestrichen und Koranauslegungen aufgenommen, welche Juden und Christen negativ darstellen und Feindseligkeit schüren. Kritiker sehen darin einen Versuch, das Bildungswesen zu islamisieren und die syrische Identität neu zu definieren.
Über regionale Wahlkollegien hielt Syrien im Oktober 2025 streng kontrollierte, indirekte Parlamentswahlen ab. Im Ergebnis waren Minderheiten nur minimal vertreten, wobei nur ein Christ gewählt wurde.
Insgesamt ist die christliche Minderheit nun mit schwerwiegender Verfolgung, Unsicherheit und der Aushöhlung bürgerlicher und religiöser Freiheiten konfrontiert und befindet sich damit in einer der schwierigsten Phasen in der modernen Geschichte Syriens.
| Weltanschauungen | Anhänger | % |
| Christen | 300.000 | 1,2 |
| Muslime | 24.645.978 | 96,9 |
| Hindus | 2.430 | < 0,1 |
| Juden | 132 | < 0,1 |
| Bahai | 516 | < 0,1 |
| Atheisten | 20.456 | 0,1 |
| Agnostiker | 456.726 | 1,8 |
| Andere | 122 | < 0,1 |
3. Gibt es regionale Unterschiede?
Der Druck auf Christen in Syrien ist je nach Region sehr unterschiedlich ausgeprägt. Im Nordosten (al-Hasaka, Qamischli) ist die Lage unter kurdischer Herrschaft relativ sicher, während kleinere christliche Gemeinschaften in der Küstenregion in gewissem Maße von der Gesellschaft unter Druck gesetzt werden. In Städten wie Damaskus und Aleppo hat sich der Druck auf Christen durch extremistische Gruppen und konservative muslimische Gemeinschaften erhöht. Am schwierigsten ist die Situation in Idlib und einigen nördlichen Gebieten unter dem Einfluss der Türkei und von Zellen des IS. Hier leben die Christen besonders in Angst, viele sind auf der Flucht. In Zentralsyrien, beispielsweise in Homs und im Gebiet Wadi al-Nasara, ist der Druck aufgrund mangelnder Sicherheit und Einschüchterung durch Extremisten ebenfalls hoch.
4. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?
Islamische Unterdrückung
Seit dem Sturz al-Assads hat sich die islamische Unterdrückung verstärkt. Bereits zuvor war sie die Hauptursache für Verfolgung, insbesondere durch dschihadistische Gruppen. Sie wirkt sich aus, indem Christen zur Annahme des Islam gedrängt und Kirchen angegriffen werden; zudem werden Christinnen von der Gesellschaft zum Tragen von Kopftüchern gedrängt und christliche Symbole werden entfernt. Außerdem werden Christen verbal eingeschüchtert.
Diktatorische Paranoia
Auch unter dem neuen Regime bleibt diktatorische Paranoia als Triebkraft der Verfolgung wirksam. Religiöse und politische Freiheiten werden durch Unterdrückung, Überwachung und Kontrolle von Kirchen sowie die Verhaftung kritischer Aktivisten eingeschränkt, um die absolute Macht zu erhalten. Zwar werden christliche Veranstaltungen durch Sicherheitskräfte geschützt, doch spiegelt deren Anwesenheit oftmals eher eine umfassende staatliche Kontrolle des religiösen Lebens wider als ein echtes Engagement für den Schutz der Christen.
Unterdrückung durch den Clan oder Stamm
Nach dem Sturz al-Assads hat der Mangel an staatlichen Sicherheitskräften dazu geführt, dass sich die Syrer zunehmend auf den Schutz durch ihre Stämme verlassen. Das Stammesdenken ist insbesondere in den nördlichen kurdischen Gebieten und den zentralen Wüstenregionen eng mit dem Islam verflochten. Die Abwendung vom Islam und Hinwendung zum christlichen Glauben wird aus dieser Perspektive als Verrat betrachtet und führt zu heftigem Widerstand seitens der Familien und lokalen Anführer. Scheichs (Stammes- oder Clanführer) können Strafen verhängen wie die Beschlagnahmung von Eigentum, Schläge oder sogar die Hinrichtung von Konvertiten.
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Die Machtübernahme durch die HTS führte zu Chaos und Gesetzlosigkeit, einschließlich Gefängnisausbrüchen, was angesichts von Armut und einem nicht funktionierenden Justizsystem zu einer hohen Kriminalitätsrate beigetragen hat. Christen sind aufgrund des begrenzten Schutzes durch Stämme oder die Politik besonders gefährdet. Sie sind häufig Opfer von Diebstahl, Erpressung, Entführung und Gewalt. Auch wenn die traditionelle Korruption unter der neuen Regierung weniger sichtbar ist, ermöglichen schwache Institutionen und mangelnde Rechenschaftspflicht bewaffneten Banden, ungestraft und gewaltsam zu agieren.
Konfessioneller Protektionismus
In Syrien behalten die traditionellen Kirchen, insbesondere die griechisch-orthodoxe Kirche, ihren dominierenden Einfluss und schränken oft die Rolle kleinerer oder nicht-traditioneller Konfessionen ein. Letztere werden von Versammlungen ausgeschlossen, man wirft ihnen Ketzerei oder Missionierung vor und ihr Umfeld setzt sie unter Druck. Diese internen Rivalitäten und der institutionelle Protektionismus schwächen den Einfluss der christlichen Gemeinschaften in Syrien zusätzlich. Manche nicht-traditionelle Christen werden beschuldigt, westliche politische Agenden zu unterstützen, was sie für Verfolgung verwundbarer macht.
5. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?
Christen aus traditionellen Kirchen
Zu den traditionellen Kirchen in Syrien gehört insbesondere die orthodoxe Kirche als größte Glaubensgemeinschaft, gefolgt von der melkitisch-katholischen. Christen aus traditionellen Kirchen werden zunehmend unter Druck gesetzt, sowohl seitens der Regierung als auch seitens extremistischer Gruppen. Zu den Schwierigkeiten zählen bürokratische Verzögerungen, welche Aktivitäten oder Renovierungsarbeiten beeinträchtigen. Hinzu kommen die ständige Überwachung und gezielte Drohungen gegen Kirchenleiter und Kirchen. Die Kirchen sind Beleidigungen, Bombenanschlägen und Einschüchterungen ausgesetzt, darunter Flugblätter, in denen die Christen aufgefordert werden, zum Islam zu konvertieren oder die Dschizya zu bezahlen. Die wahrgenommenen historischen Verbindungen zum früheren Regime verschärfen die Risiken, insbesondere für die orthodoxe Kirche.
Christliche Konvertiten
Christen mit muslimischem oder drusischem Hintergrund sind starkem Druck durch ihre Familien und die Gesellschaft ausgesetzt, insbesondere in Gebieten mit sunnitischer Mehrheit, wo ein Glaubenswechsel zu schwerer Gewalt oder Vertreibung führen kann. Die wachsende islamische Radikalisierung hat die Feindseligkeit gegen Konvertiten mit muslimischem Hintergrund verstärkt.
Christen aus protestantischen Freikirchen
Baptistengemeinden, evangelikale und pfingstkirchliche Gemeinden haben keine vollständige offizielle Anerkennung und keinen rechtlichen Status. Zudem stehen sie im Ruf, westlich ausgerichtet zu sein, und ihnen wird vorgeworfen, unter Muslimen zu evangelisieren und Christen muslimischer Herkunft aufzunehmen. Aus diesen Gründen werden sie unter erheblichen Druck gesetzt: Ihnen drohen Überwachung, Einschränkungen und die Schließung. Hinzu kommen Spannungen mit den traditionellen Kirchen, weil diese sie als ausländische Konkurrenten betrachten.
6. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?
Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.
Privatleben
Der Wechsel vom Islam zum christlichen Glauben ist in Syrien höchst umstritten und kann zu sozialer Ausgrenzung, Vertreibung, Einschüchterung, körperlicher Gewalt oder sogar Ermordung führen. Seit dem Sturz al-Assads verbergen immer mehr Christen Kreuze und andere christliche Symbole, um Drohungen oder Gewalt durch Extremisten oder Sicherheitskräfte zu vermeiden. Für Konvertiten ist das Zeigen christlicher Symbole sowohl innerhalb der Familie als auch im weiteren Umfeld sehr gefährlich. Im Vergleich dazu ist in Qamischli, das unter kurdischer Verwaltung steht, das offene Zeigen christlicher Symbole sicherer.
Familienleben
Christen muslimischer Herkunft können in Syrien keine anerkannte christliche Ehe eingehen, und ohne eine islamische Eheschließung gelten sowohl die Verbindung als auch die Kinder als illegal. Bei Scheidungen zwischen einem muslimischen und einem christlichen Ehepartner begünstigt die Scharia oft die muslimische Partei und spricht in der Regel dem muslimischen Elternteil das Sorgerecht für die Kinder zu. In öffentlichen Schulen stehen christliche Kinder unter Druck, am Islamunterricht teilzunehmen, insbesondere wenn es keinen christlichen Lehrer gibt. Der Lehrplan Syriens wurde islamisiert, indem nationalistische und aus der al-Assad-Ära stammende Inhalte ersetzt, die Geschichte aus religiöser Sicht neu interpretiert und historisch bedeutsame Frauen aus dem Lehrplan entfernt wurden.
Gesellschaftliches Leben
Der Druck auf Christen in Syrien, ihrem Glauben abzuschwören, wird immer größer. Christen mit muslimischem, alawitischem und drusischem Hintergrund sind am stärksten gefährdet. Sie werden durch Gesellschaft und Familie bedroht, manchmal auch mit Gewalt. In christlichen Vierteln von Damaskus fuhren mit Lautsprechern ausgestattete Fahrzeuge umher und riefen zur Konversion zum Islam auf. Dies hat zu Spannungen und Kontroversen geführt. Christliche Schüler werden diskriminiert und in ihrer Religionsausübung eingeschränkt. Im September 2025 wurden in den Gebieten unter kurdischer Verwaltung 14 assyrische Privatschulen geschlossen, weil sie sich geweigert hatten, den obligatorischen kurdisch-nationalistischen Lehrplan zu übernehmen. Dies hätte den Absolventen der Schulen den Besuch von Universitäten in anderen Teilen Syriens verwehrt.
Leben im Staat
Im März 2025 verabschiedete Syrien eine vorläufige Verfassung, in der die Scharia als primäre Rechtsquelle festgelegt wurde. Obwohl das Land Menschenrechte und religiöse Vielfalt nominell anerkennt, bevorteilt die Scharia Muslime gegenüber anderen Gruppen. Die staatlichen Medien geben islamischen Inhalten Vorrang und ignorieren Christen, während ihnen in lokalen und sozialen Medien Loyalität gegenüber dem früheren Regime vorgeworfen wird. Christen sind sowohl in Bezug auf ihre Sicherheit als auch durch die Gesellschaft großem Druck ausgesetzt: Zu der Angst vor extremistischen Gruppen kommen der allgemeine Mangel an Schutz sowie Einschüchterungen in den sozialen Medien. Infolgedessen ist Selbstzensur weit verbreitet.
Kirchliches Leben
Im Jahr 2025 waren Christen in Syrien mit erheblichen Einschränkungen ihres kirchlichen Lebens konfrontiert. Angriffe, Drohungen und die Präsenz gewalttätiger islamistischer Gruppen haben weithin Angst und Traumata verursacht. Oftmals hat dies dazu geführt, dass sowohl Gottesdienste als auch außerplanmäßige oder spontane Aktivitäten wie Versammlungen, Sommercamps und diakonische Projekte nur eingeschränkt durchgeführt oder ganz abgesagt wurden. Kirchliche Organisationen, die sich gegen die Verfolgung aussprechen, riskieren Drohungen, Diffamierung oder Schließung. Politische Instabilität, mangelhafter Schutz und anhaltendes Chaos schaffen innerhalb der christlichen Gemeinschaften ein dauerhaftes Klima der Unsicherheit und Angst.
Beispiele für das Auftreten von Gewalt
Am 18. Dezember 2024 wurde die griechisch-orthodoxe Erzdiözese in Hama von unbekannten Bewaffneten angegriffen. Kircheneigentum und religiöse Symbole wurden zerstört, ein nahegelegener christlicher Friedhof geschändet und Gräber verwüstet. Dies ist Teil einer seit dem 5. Dezember 2024 in Hama zu beobachtenden Zunahme von Gewalt. Die Täter haben mit keinen Strafen zu rechnen.
Am 22. Juni 2025 wurden bei einem Selbstmordattentat auf die griechisch-orthodoxe Mar-Elias-Kirche in Damaskus 22 Christen getötet und 63 verletzt. Das Kirchengebäude wurde schwer beschädigt. Die syrische Regierung schrieb den Anschlag einer IS-Zelle zu.
Im September 2025 schlossen kurdische Behörden 14 christliche Privatschulen im Nordosten Syriens, weil sie sich geweigert hatten, den neuen kurdischen Lehrplan zu übernehmen. Tausende christliche Kinder erhielten dadurch keine Bildung mehr. Diese Entscheidung hat unter den Christen Wut und Angst ausgelöst, da sie als Versuch betrachtet wird, die lokale Geschichte umzuschreiben, und den Zugang zu syrischen Universitäten einschränkt. Einige Familien denken infolgedessen darüber nach, die Region zu verlassen.
7. Entwicklung in den letzten 5 Jahren
| Jahr | Platzierung | Punktzahl |
| 2026 | 6 | 90 |
| 2025 | 18 | 78 |
| 2024 | 12 | 81 |
| 2023 | 12 | 80 |
| 2022 | 15 | 78 |
Die Gesamtpunktzahl Syriens ist um 12 Punkte von 78 auf 90 Punkte gestiegen. Dieser äußerst starke Anstieg ist in erster Linie auf eine erhebliche Zunahme der Gewalt zurückzuführen, die ein extremes Maß erreicht hat. Zu den wichtigsten Faktoren zählen Angriffe auf Kirchen, die Schließung christlicher Schulen im Nordosten und eine Zunahme der Ermordungen von Christen. Auch der Druck auf Christen hat aufgrund der zunehmenden Unsicherheit und Gesetzlosigkeit nach dem Regimewechsel im Dezember 2024 zugenommen. Die Ausbreitung lokaler Milizen und anderer bewaffneter Akteure hat zu einer Zunahme von Einschüchterungen, Erpressungen und gezielten Angriffen geführt. Viele Kirchen haben ihre Aktivitäten aus Sicherheitsgründen eingeschränkt, insbesondere nach dem tödlichen Anschlag auf eine Kirche in Damaskus im Juni 2025. Der Anschlag hat viele Christen dazu veranlasst, nicht mehr zur Kirche zu gehen, während die allgemeine Gefahr weiterer Anschläge und der zunehmende islamistische Extremismus die Christen dazu veranlasst hat, christliche Symbole zu verbergen und jede öffentliche Bekundung ihres Glaubens zu vermeiden, insbesondere in mehrheitlich islamischen Gebieten oder an Kontrollpunkten.
8. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?
Frauen
Vor dem Hintergrund anhaltender Instabilität und Einschränkungen der Religionsfreiheit sind Frauen aus religiösen Minderheiten, darunter auch Christinnen, der Gefahr von Entführungen, sexueller Belästigung und Vergewaltigung durch radikale Gruppen und Einzelpersonen ausgesetzt. Lokale Kontaktpersonen berichten, dass sich Drohungen und versuchte (sexuelle) Übergriffe fortsetzen; auch die Angst vor Entführungen besteht weiterhin, insbesondere während Zusammenstößen und in instabilen Gebieten. Ein Länderexperte stellte fest, dass „es kaum sichere Orte für Frauen und Mädchen gibt“, und hob hervor, dass sie an Kontrollpunkten, am Arbeitsplatz und in öffentlichen Verkehrsmitteln sexueller Gewalt ausgesetzt sind. Kulturelle Stigmatisierung und die Angst vor Repressalien halten die Opfer davon ab, Übergriffe anzuzeigen. Christinnen muslimischer Herkunft sind zudem Gewalt durch ihre eigenen Familien ausgesetzt und können zu einer Ehe mit einem Muslim gezwungen werden. Sind sie bereits verheiratet, droht ihnen die Scheidung und der Entzug des Sorgerechts für ihre Kinder.
Männer
In Gebieten unter Kontrolle der Regierung können christliche Männer weiterhin zum Wehrdienst einberufen werden oder müssen hohe Summen für eine Befreiung zahlen; in der Armee sind sie mit Korruption und Missbrauch konfrontiert. In anderen Regionen wurden einige von bewaffneten Gruppen zwangsrekrutiert. Arbeitslose Christen haben Schwierigkeiten, Arbeit zu finden, und diejenigen, die beschäftigt sind, werden diskriminiert und haben kaum Aussichten auf eine Beförderung. Konvertiten werden bedroht, geschlagen oder von ihren Familien enterbt; christliche Männer mit muslimischem Hintergrund werden unter Druck gesetzt, eine muslimische Frau zu heiraten. Diese kombinierten Belastungen führen zu einer anhaltenden Abwanderung und schwächen die christlichen Gemeinden in Syrien.
9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen
Viele andere religiöse Minderheiten sind in unterschiedlichem Maße Verfolgung ausgesetzt, darunter Schiiten, Alawiten, Drusen, Juden, Jesiden und Zoroastrier. Schiitische, alawitische und drusische Gemeinschaften werden von sunnitischen Dschihadisten ausgegrenzt und verfolgt, nicht nur weil ihr Glaube als ketzerisch gilt, sondern im Falle der Alawiten auch wegen ihrer vermeintlichen Verbindungen zu den al-Assad-Präsidenten. Jesiden und Zoroastrier gehören kurdischen Religionen an, die vom syrischen Regime nicht anerkannt werden. Ihre Kinder werden als sunnitische Muslime registriert und müssen in der Schule am Islamunterricht teilnehmen.
10. Gebetsanliegen
Bitte beten Sie für Syrien:
- Seit dem Sturz al-Assads durch die islamistische Miliz Hay’at Tahrir al-Sham erfahren Christen noch mehr Druck und Gewalt. Beten Sie, dass Gott nach mehr als zehn Jahren Krieg und Zerstörung Frieden ins Land bringt.
- Beten Sie, dass Jesus die Herzen der neuen Machthaber erweicht, damit sie die Schwächsten der syrischen Gesellschaft achten und schützen.
- Beten Sie für die Gemeindeleiter und die Christen mit muslimischem Hintergrund: dass Jesus sie vor Gewalt schützt und ihnen Hoffnung und Zuversicht gibt.
- Beten Sie dafür, dass die syrischen Christen zu ihren Häusern, Familien, Gemeinden und ihrer Lebensgrundlage zurückkehren können, und dass Gott denjenigen hilft, die bereits zurückgekehrt sind.
- Beten Sie für die Christen, dass sie ein Licht der Hoffnung in Syrien sind und denen Trost und Hilfe bringen, die unter einem Trauma oder dem Mangel an Nahrung und anderen lebensnotwendigen Dingen leiden.