Länderprofil Türkei

Türkei

31
Weltverfolgungsindex
2018
Flagge Türkei
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Republik
Platz Vorjahr
37
ISO
TR
Karte Türkei
Karte Türkei
Christen
0,19
Bevölkerung
80.42
Ethnisch begründete Anfeindungen
Diktatorische paranoia
Privatleben: 12.500
Familienleben: 9.700
Gesellschaftliches Leben: 9.800
Leben im Staat: 11.700
Kirchliches Leben: 9.600
Auftreten von Gewalt: 8.700
Länderprofil Türkei

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

62 Punkte / Platz 31 (WVI 2017: 57 Punkte / Platz 37)

Von wem Verfolgung ausgeht:

Die Türkei ist fast ein eigener Kontinent für sich, auch in Bezug auf die Verfolgung von Christen. Es ist das einzige Land der Welt, in dem die Hauptreligion, der Islam, völlig mit leidenschaftlichem Nationalismus vermischt ist. Generell besteht die Ansicht, dass ein wahrer Türke ein sunnitischer Muslim ist. Dieser „Religiös motivierte Nationalismus“ hat nach dem gescheiterten Putschversuch vom 15. Juli 2016 neue Höhen erreicht. Präsident Erdogan hat die Situation genutzt, um seine Macht und Position zu stärken, obwohl sein diktatorisches Verhalten nicht zu einer direkten Verfolgung von Christen geführt hat. Stattdessen tut er dies indirekt, indem er versucht, die Türkei von einem säkularen Staat in einen sunnitisch-muslimischen Staat zu verwandeln, wobei er den Minderheiten wenig Raum lässt. Auf einer eher lokalen Ebene gibt es starken Widerstand von Familien gegen Konvertiten zum Christentum, da das Verlassen des Islam als Verrat an der türkischen Identität, dem Islam und der Familie gesehen wird. Diese Art der Unterdrückung wird als „normal“ angesehen und es wird kaum über sie berichtet, es sei denn, es handelt sich um physische Gewalt.

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen:

Der Religiös motivierte Nationalismus in der Gesellschaft übt großen Druck auf die Christen aus. Die Regierung hat es nicht direkt auf Christen abgesehen, der Nationalismus der Gesellschaft lässt jedoch kaum Raum für Christen, eine andere Botschaft zu verkünden. Insbesondere Christen muslimischer Herkunft stoßen auf gesellschaftlichen Widerstand, obwohl der Wechsel vom Islam zum Christentum rechtlich nicht verboten ist. Konvertiten aus dem Islam werden von ihren Familien unter Druck gesetzt, zum Islam zurückzukehren, und selbst das Verlassen einer christlichen Konfession für eine andere kann problematisch sein. Christen mit muslimischem Hintergrund führen deshalb manchmal ein Doppelleben und verbergen ihre Bekehrung. Obwohl Konvertiten aus dem Islam ihre religiöse Zugehörigkeit auf Ausweiskarten legal zum Christentum ändern können, kann dies ein schwieriger und langwieriger Prozess sein. Wenn der Glaube eines Christen mit muslimischem Hintergrund entdeckt wird, kann ihm Scheidung und der Verlust des Erbrechts drohen.

Die Mischung aus Islam und Nationalismus betrifft auch Christen, die keinen muslimischen Hintergrund haben. Diese stammen zumeist von ethnischen Minderheiten (beispielsweise Griechen, Armeniern oder Syrern) ab. Sie werden nicht wirklich als vollwertige Mitglieder der türkischen Gesellschaft angesehen und stoßen auf alle möglichen rechtlichen und bürokratischen Hindernisse. Christen haben keinen Zugang zu staatlichen Stellen und erleben Diskriminierung bei privaten Arbeitgebern, vor allem dort, wo diese mit der Regierung verbunden sind. Da die Religionszugehörigkeit auf jedem Personalausweis vermerkt ist, ist es sehr einfach, christliche Bewerber zu diskriminieren.

Beispiele

  • Ein Führungswechsel in der Griechisch-Orthodoxen und der Armenisch-Apostolischen Kirche muss von der Regierung genehmigt werden, auch wenn es sich dabei um Führer von Religionsgemeinschaften handelt, die nicht im Gesetz existieren und deren Amtspositionen im Gesetz nicht anerkannt sind.
  • Die Ausbildung von christlichen Leitern ist rechtlich unmöglich und es ist fast ausgeschlossen, sich als neue Gemeinde registrieren zu lassen. Kleine Gemeinden können sich jedoch als „Vereine“ registrieren lassen.
  • Laut eines Berichts von World Watch Monitor vom Juni 2017 ist US-Pastor Andrew Brunson seit Oktober 2016 inhaftiert und wird als Geisel festgehalten, um politische Zugeständnisse von den Vereinigten Staaten zu erzwingen. Ihm wird vorgeworfen, die Gülen-Bewegung zu unterstützen, die angeblich den gescheiterten Putsch im Juli 2016 durchgeführt haben soll. Nachdem Brunson im Oktober 2017 ein Jahr ohne Anklage im Gefängnis verbracht hatte, wurde ein Lied der Anbetung, das er in seiner Zelle geschrieben hatte, an seine Frau weitergegeben und von World Watch Monitor veröffentlicht.
  • Laut einem Bericht von World Watch Monitor vom Juli 2017 wurde in den letzten fünf Jahren der rechtmäßige Besitz von mindestens 100 antiken syrisch-christlichen Grundstücken im Südosten der Türkei beschlagnahmt und auf die türkische Staatskasse übertragen. Zu den von der Regierung beschlagnahmten Besitztümern gehören zwei aktive Klöster und Grundstücke des Klosters Mor Gabriel aus dem 4. Jahrhundert.

Beiträge zur Türkei

Nachrichten Nachrichten
Gerichtskomplex in Aliaga, in dem Brunsons Anhörung stattfand
Türkei
Nach 22 Monaten in Haft gibt es Anlass zur Hoffnung, der US-amerikanische Pastor Andrew Brunson könnte in naher Zukunft freigelassen werden. Eine türkische Delegation ist für Verhandlungen nach Washington gereist.
Nachrichten Nachrichten
Die Kirche Santa Maria in Trabzon (Bildquelle: WWM)
Türkei
(Open Doors, Kelkheim) – Am 4. Februar wurde auf dem Grundstück einer Kirche in der Hafenstadt Trabzon ein Sprengkörper gefunden. Der Anschlag reiht sich ein in eine Folge von Angriffen auf Kirchen im vergangenen Jahr; die Feindseligkeit gegen die Christen im Land hat merklich zugenommen.
Weltverfolgungsindex
Wo hat die Christenverfolgung am stärksten zugenommen?

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03:18 Minuten
Türkei
Kasachstan

Die weltweite Christenverfolgung ist auch in diesem Jahr nicht zurückgegangen – im Gegenteil:...

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Die Türkei erscheint mit 62 Punkten auf dem Weltverfolgungsindex 2018, ein Anstieg um fünf Punkte im Vergleich zum vergangenen Berichtszeitraum. Das Land hat nach dem Putschversuch im Juli 2016 einen starken Anstieg der Furcht erlebt. Die scharfe Rhetorik der Regierung hat wenig Raum für andere Stimmen gelassen, auch für die christlichen. Vor allem das kirchliche Leben ist schwieriger geworden. Es gibt mehr Misstrauen gegenüber Christen, was die Arbeit in der Öffentlichkeit erschwert.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung/Religiös motivierter Nationalismus

Der heftige, fanatische Nationalismus betrifft alle Christen in der Türkei. Der größte Druck lastet auf christlichen Konvertiten mit muslimischem Hintergrund. Familie, Freunde und ihr Umfeld üben oft starken Druck auf sie aus, zum Islam, dem Glauben der Väter, zurückzukehren. Die generelle Auffassung ist, dass ein wahrer Türke als Muslim geboren wird. Eine Bekehrung zum Christentum ist nicht nur eine Frage der Verletzung der Familienehre, sondern wird auch als „Beleidigung des Türkentums“ gesehen. Dies kann zu Gerichtsverfahren und Freiheitsstrafen führen. Die Mischung aus Islam und Nationalismus betrifft auch andere Christen, die zumeist ethnischen Minderheiten angehören (beispielsweise Griechen, Armenier oder Syrer). Sie gelten nicht als vollwertige Mitglieder der türkischen Gesellschaft und stoßen auf alle möglichen rechtlichen und bürokratischen Hindernisse.

Ethnisch begründete Anfeindungen

„Ethnisch begründete Anfeindungen“ haben sich im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit dem Kurdenkonflikt verschärft. Syrische Christen im Südosten spüren besonders den Druck des Bürgerkriegs und sind gefangen zwischen kurdischen Stämmen, der Regierung und der kurdischen militanten Gruppe PKK. Die Stammesführer nutzen ihr Gewaltmonopol, um die Syrer aus ihrer Heimat im Südosten zu vertreiben. Dies betrifft jedoch nur die ländliche christliche Bevölkerung. Die meisten Christen in der Türkei leben in Großstädten und sind nicht stark von Ethnisch begründeten Anfeindungen betroffen.

Diktatorische Paranoia

Seit dem gescheiterten Staatsstreich im Juli 2016 hat die Regierung von Präsident Erdogan ihre Maske, die Demokratie zu unterstützen, fallen gelassen und schränkt die Freiheit in der gesamten türkischen Gesellschaft offen ein. Die Medien wurden eingeschränkt und alle Formen der Opposition werden verfolgt. Obwohl Christen derzeit nicht direkt von der Regierung angegriffen werden, hat das Regime den sunnitischen Islam offen zur religiösen Norm im Land erklärt und damit den christlichen Glauben weiter an den Rand gedrängt.

3. Verfolger

Islamische Unterdrückung und Religiös motivierter Nationalismus

  • Regierungsbeamte: Die stärksten Verfolger von Christen sind Regierungsbeamte. Es ist kein Geheimnis, dass Präsident Erdogan die Türkei von einem säkularen Land in ein sunnitisch-muslimisches Land verwandeln will. Bisher wurden die Änderungen in kleinen Schritten umgesetzt. Einer dieser Schritte ist die Änderung der Verfassung nach dem Referendum im April 2017, die dem Präsidenten mehr Befugnisse und die Möglichkeit gibt, bei zwei weiteren Wahlen zu kandidieren. Bis auf eine kleine Anzahl ausländischer Christen hat es die Regierung bisher noch nicht weiter gezielt auf Christen abgesehen. Es gab jedoch Probleme mit Grundstücken von Kirchen, insbesondere in der unruhigen Region im Südosten des Landes. Die Regierung schloss und beschlagnahmte Kirchengebäude aus verschiedenen Gründen. In einigen Fällen sagte die Regierung, dass dies aufgrund überarbeiteter Grundbuchgesetze und der Umstrukturierung von Stadtverwaltungen geschah, in anderen Fällen ergriff die Regierung aus Sicherheitsgründen die Kontrolle über Kirchen. Obwohl es schwierig ist, zu beweisen, ob die Regierung absichtlich christliche Gemeinschaften behindert oder nicht, ist sich ein Feldforscher sicher, dass die Regierung versucht, die ohnehin schon geschwächten historisch-christlichen Gemeinschaften aus der Türkei herauszudrängen.
  • Gesellschaftlicher Druck der Großfamilie und von nichtchristlichen religiösen Führern und gewöhnlichen Bürgern: Der scharfe Nationalismus der Gesellschaft, der von der Regierung angestiftet wurde, lässt den Christen kaum Raum, eine alternative Nachricht zu verkünden. Insbesondere Konvertiten vom Islam zum christlichen Glauben sehen sich mit Widerständen von Gesellschaft und Familienmitgliedern konfrontiert, obwohl der Wechsel vom Islam zum christlichen Glauben rechtlich nicht verboten ist. Christen muslimischer Herkunft werden von ihren Familien und im kommunalen Gemeinwesen unter Druck gesetzt, zum Islam zurückzukehren. Es kann auch problematisch sein, eine christliche Konfession für eine andere zu verlassen. Christen mit muslimischem Hintergrund führen deshalb manchmal ein Doppelleben und verbergen ihre Bekehrung. Einmal bekannt geworden, droht einem Christen mit muslimischem Hintergrund die Scheidung und der Verlust von Erbrechten.
  • Politische Parteien: Im Juli 2017 organisierte die Oppositionspartei, die Republikanische Volkspartei (CHP), einen „Gerechtigkeitsmarsch“ gegen die Regierung, der sich Hunderttausende von Menschen anschlossen. Nichtsdestotrotz scheint keine der Oppositionsparteien die historischen christlichen oder anderen christlichen Gemeinschaften mit ihrer Stimme zu unterstützen, was sie dem ungehinderten Druck der Regierung aussetzt.

Ethnisch begründete Anfeindungen

Anführer ethnischer Gruppen: In den eher ländlichen Gebieten werden konservative Normen und Werte von ethnischen Leitern aufrechterhalten. Im Südosten des Landes scheint es, dass kurdische Anführer versuchen, die historische syrische Gemeinschaft aus dem traditionell christlichen Gebiet zu vertreiben. Die kurdische PKK versucht auch, die Syrer aus nationalistischen Gründen bewusst in den Konflikt mit der türkischen Regierung zu ziehen.

Diktatorische Paranoia

Regierungsbeamte: Die Gegenreaktion auf den Putschversuch vom Juli 2016 hat zu einer verstärkten Polarisierung geführt und macht jeden öffentlich zum Sündenbock, der (angeblich) die Türkei oder Erdogans Vision für die Türkei nicht unterstützt. Die Tatsache, dass Fethullah Gülen, der angebliche Kopf des Putschversuchs, seinen Wohnsitz in Pennsylvania hat und die Vereinigten Staaten ihn bisher nicht ausgeliefert haben (mangels Beweisen, dass er den Putschversuch inszeniert hat), hat die Spannungen zwischen der Türkei und den Vereinigten Staaten verstärkt. Vor allem protestantische Christen haben die Verschlechterung der Beziehungen gespürt. Da die Vereinigten Staaten als christliches Land gesehen werden, werden Christen in der Türkei als Spione des Westens dargestellt. Hassreden und Drohungen gegen protestantische Kirchen haben zugenommen, während andere christliche Gemeinschaften es gewohnt sind, aus Angst vor Gewalt und Verfolgung nicht aufzufallen. Dies hat noch nicht zu Gewalttaten geführt, aber die allgemeine Stimmung ist angespannt.

4. Hintergrund

Seit 2002 versucht die Türkei, ihr inneres und äußeres Selbstbild neu zu definieren. Das Konzept, ein westliches säkulares Land zu sein, ist nicht mehr das Leitprinzip. Stattdessen wird der Islam als das Element betrachtet, das die türkische Gesellschaft festigt. Die Notwendigkeit, an der westlichen Welt festzuhalten, verschwand nach dem Zusammenbruch der UdSSR im Jahr 1991, als sich die Türkei entschieden dem Nahen Osten zuwandte. Ziel der Regierung ist es seither, die Türkei zu einem wichtigen Akteur in der Region und zu einem Vorbild für andere Länder zu machen. Jedoch sind diese Ziele in den letzten Jahren regional sowie international ins Stocken geraten.

Im Jahr 2003 wurde Recep Tayyip Erdogan Premierminister und im Jahr 2014 zum Präsidenten der Türkei gewählt. Bei den Wahlen im Juni 2015 verlor die AKP ihre absolute Mehrheit im Parlament und die Verhandlungen über eine Koalition scheiterten. Bei den Neuwahlen vom 1. November 2015 gewann die AKP ihre absolute Mehrheit zurück. Am 15. Juli 2016 kam es zu einem Staatsstreich, der jedoch scheiterte, und das Regime schlug hart zurück. Es beschuldigte den islamischen Prediger und ehemaligen Verbündeten Fethullah Gülen (im selbst gewählten Exil in den USA), hinter dem gescheiterten Putsch zu stehen.

Nach dem gescheiterten Staatsstreich veränderte sich die Situation in der Türkei dramatisch. Die Regierung übernahm mehr diktatorische Macht und der Nationalismus und die Islamisierung verstärkten sich. Viele Lehrer wurden wegen des Vorwurfs von Verbindungen mit der Gülen-Bewegung entlassen, Schulleiter wurden durch solche ersetzt, die der islamischen AKP-Partei treu ergeben sind, und islamische Imam-Hatip-Schulen wachsen. Der Kampf gegen die militante kurdische Minderheit verschärfte sich, und die Türkei nahm international eine viel energischere Haltung ein, indem sie im benachbarten Syrien und Irak militärisch aktiv wurde (vor allem gegen kurdische Truppen). Aufgrund der neuen strengen Regierungspolitik ist die Intoleranz gegenüber allen, die sich nicht auf Erdogans Seite stellen, gestiegen. Nichtsunnitische Bürger (einschließlich der winzigen christlichen Minderheit) sehen sich einem wachsenden Druck ausgesetzt, der sich zunehmend in gewalttätigen Zwischenfällen äußert.

Sowohl Regierung als auch Gesellschaft greifen verbal andere religiöse Gruppen wie Aleviten und Juden und ethnische Gruppen wie die Kurden an. Dies wird sich in der Zukunft voraussichtlich fortsetzen.

5. Betroffene Kategorien von Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Es gibt ausländische Christen im Land, aber sie sind nicht unfreiwillig von anderen christlichen Gemeinschaften isoliert. Da diese ausländischen Christen frei mit anderen christlichen Gemeinschaften interagieren können, werden sie nicht als separate Kategorie im Weltverfolgungsindex betrachtet.

Christen aus traditionellen Kirchen

Dazu gehören die Armenisch-Apostolisch Orthodoxen und Griechisch-Orthodoxen Kirchen (die einzigen Kirchen, die 1923 im Vertrag von Lausanne „anerkannt“ wurden), sowie die Assyrischen, Syrisch-Orthodoxen und Syrisch-Katholischen Kirchen, die alle regelmäßig überwacht und von der Regierung kontrolliert und eingeschränkt werden. Ihre Mitglieder gelten in vielen offiziellen Angelegenheiten sowie in der Öffentlichkeit als „fremd“. Sie werden nicht als vollwertige Mitglieder der türkischen Gesellschaft angesehen und stoßen auf alle möglichen rechtlichen und bürokratischen Hindernisse. Beispielsweise benötigen die Armenische und die Griechisch-Orthodoxe Kirche eine Erlaubnis der türkischen Regierung, um neue Gemeindeleiter festzulegen.

Es gibt auch ausländische Christen, die zu den traditionellen christlichen Kirchen gehören. Es gibt russisch-orthodoxe Christen, die eine Aufenthaltsgenehmigung haben. Außerdem gibt es auch römisch-katholische Christen, zumeist Immigranten aus Afrika und den Philippinen. In den vergangenen Jahren sind ihre Reihen mit Zehntausenden von christlichen Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak, die dem Krieg in ihren Heimatländern entkommen sind, gewachsen.

Christen muslimischer Herkunft

Christliche Konvertiten mit muslimischem Hintergrund tragen die Hauptlast der Verfolgung in der Türkei. Der Druck geht von der Familie, Freunden, dem sozialen Umfeld und sogar von lokalen Behörden aus. Sie gelten als Verräter der türkischen Identität. Neben christlichen Konvertiten mit türkischer Herkunft gibt es auch Gemeinschaften von Christen muslimischer Herkunft aus anderen Ländern wie dem Iran.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Baptisten, evangelikale Christen und Pfingstgemeinden existieren meist als kleine Gruppen, denen das Überleben schwerfällt. Einige können sich keine Mietsräume für Gottesdienste leisten. Viele von ihnen treffen sich in ihren Häusern, was zum Widerstand von Nachbarn führen kann.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 12.500
Familienleben: 9.700
Gesellschaftliches Leben: 9.800
Leben im Staat: 11.700
Kirchliches Leben: 9.600
Auftreten von Gewalt: 8.700

Grafik: Verfolgungsmuster Türkei

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster

  • Die Punktzahl für den durchschnittlichen Druck auf Christen in der Türkei hat sich von 9,8 Punkten im Weltverfolgungsindex 2017 auf 10,7 Punkte im aktuellen Berichtszeitraum erhöht. Dies ist vor allem auf die harten Maßnahmen zurückzuführen, die die türkische Regierung nach dem Staatsstreich im Juli 2016 ergriffen hat. Statt einer Deeskalation entschied sich Präsident Erdogan für eine Hexenjagd auf alle mutmaßlichen Putschisten und deren Anhänger. Durch die Auswechslung vieler Beamter im Justizwesen hat Erdogan die Rechtsstaatlichkeit der Türkei untergraben und damit die Stellung der Minderheiten in der Türkei gefährdet.
  • Der Druck blieb im Bereich „Privatleben“ am stärksten, was die schwierige Situation widerspiegelt, in der Christen muslimischer Herkunft in einem Land leben, in dem ein wahrer Türke ein sunnitischer Muslim ist.
  • Die Punktzahl im Bereich Auftreten von Gewalt bleibt weiterhin sehr hoch (8,7 Punkte), wie auch im vergangenen Berichtszeitraum. Dies ist ein weiteres Indiz dafür, dass sich die allgemeine Lage der Christen nicht verbessert hat.

Privatleben

Ein Glaubenswechsel ist gesetzlich nicht verboten. Jedoch gibt es mit hoher Wahrscheinlichkeit gesellschaftliche und familiäre Auswirkungen, wenn sich ein Muslim für den christlichen Glauben entscheidet oder ein Christ zu einer anderen Konfession wechselt. Obwohl das Ausmaß und die Art der Unterdrückung von Familien je nach familiärem Hintergrund sehr unterschiedlich sind, wird die Bekehrung zum Christentum weithin als inakzeptabel gesehen. Christen mit muslimischem Hintergrund führen manchmal ein Doppelleben und verstecken ihre Bekehrung, was bedeutet, dass sie ihr Gebet, das Lesen der Bibel und den Zugang zu christlichen Websites verbergen müssen. Diese Art der Unterdrückung wird als „normal“ angesehen und wird kaum berichtet oder dokumentiert, es sei denn, sie geht mit körperlicher Gewalt einher. Es gibt vonseiten der Familie und Kirche auch auf diejenigen Druck, die von einer traditionellen Kirche zu einer Freikirche wechseln. Auch dies wird nicht erfasst oder berichtet. Diejenigen, die ihre christliche Identität verbergen, haben oft zu viel Angst, um andere Gläubige zu treffen.

Familienleben

Obwohl christliche Konvertiten aus dem Islam ihre Religionszugehörigkeit auf Ausweiskarten legal zum Christentum ändern können, kann dies ein schwieriger und langwieriger Prozess sein. Wenn der Ausweis eine Person als Muslim offenbart, sind die Kinder dieser christlichen Konvertiten verpflichtet, in der Schule Kurse über den Islam zu besuchen. Wenn Christen muslimischer Herkunft nicht die Religionszugehörigkeit auf ihren Ausweisen geändert haben, werden ihre Kinder automatisch als sunnitische Muslime registriert. Sobald eine Bekehrung zum Christentum bekannt wird, können Konvertiten der Gefahr einer Scheidung ausgesetzt sein und ihre Erbrechte verlieren. Sie können auch Schwierigkeiten bei der Durchführung einer christlichen Hochzeit oder Beerdigung haben (wenn beispielsweise die letzten Wünsche eines Christen muslimischer Herkunft nicht respektiert werden und die Beerdigung nach islamischen Riten erfolgt). Anträge auf christliche Friedhöfe wurden in einigen Teilen des Landes abgelehnt. Wo dies geschehen ist, können Christen nur nach christlichen Riten in Abschnitten begraben werden, die allen Nichtmuslimen vorbehalten sind, oder auf einem traditionell christlichen Friedhof begraben werden.

Es ist für Christen fast unmöglich, ein muslimisches Kind zu adoptieren. Kinder von Christen und besonders von Christen mit muslimischem Hintergrund werden oft schikaniert, entweder wegen der religiösen Intoleranz der Gesellschaft oder wegen des nationalistischen Eifers. Ehepartner von Christen muslimischer Herkunft erleben gelegentlich Druck, sich scheiden zu lassen.

Gesellschaftliches Leben

Christen muslimischer Herkunft stehen unter starkem Druck von ihrer Familie, Freunden und Nachbarn, den christlichen Glauben zu widerrufen. Es gibt verbindlichen Islamunterricht im Schulsystem, obwohl nichtmuslimische Kinder die Möglichkeit haben, sich davon abzumelden. Es gibt jedoch Berichte über die Diskriminierung von Lehrern und dem sozialen Umfeld gegenüber den Kindern, die davon abgemeldet wurden. Christliche Schulkinder werden im Unterricht regelmäßig diskriminiert, sowohl von Lehrern als auch von anderen Schülern. Es gibt Christen, die an türkischen Universitäten studieren, aber es ist ihnen verwehrt, höhere Positionen oder Professuren auf Universitätsniveau zu erreichen. Christen haben keinen Zugang zu staatlichen Stellen und erleben Diskriminierung bei privaten Arbeitgebern, vor allem dort, wo diese mit der Regierung verbunden sind. Da die Religionszugehörigkeit auf jedem Personalausweis vermerkt ist, ist es sehr einfach, christliche Bewerber zu diskriminieren. Christen werden in der Türkei ausgegrenzt und von der Gesellschaft als Bürger zweiter Klasse behandelt.

Leben im Staat

Die türkische Verfassung ist in ihrer Haltung gegenüber den Rechten religiöser Minderheiten sehr restriktiv. Christen muslimischer Herkunft (insbesondere diejenigen, die im Südosten oder in ländlichen Gebieten anderswo Kirchenleiter sind) werden von Polizei und Sicherheitskräften wegen ihrer offenen christlichen Identität mitunter respektlos behandelt. Christen haben Schwierigkeiten, Genehmigungen für den Bau von Kirchen oder den Status eines Kirchensitzes zu erhalten. Der Zugang zu Arbeitsplätzen im öffentlichen Sektor, zum staatlichen Sicherheitsapparat und zur Strafverfolgung wird den Christen verwehrt, ebenso wie die Beförderung in der Armee, trotz des vorgeschriebenen Militärdienstes. Obwohl die Religionszugehörigkeit auf den neuen Ausweisen nicht mehr angezeigt wird, ist sie dennoch auf einem Chip in der Karte registriert. Der Anstieg des Nationalismus im Land verursacht Probleme für nichtmuslimische Unternehmer, da Berichten zufolge Vetternwirtschaft unter der regierenden AKP-Partei weit verbreitet ist. Vor allem lokale Medien und Journalisten sind voreingenommen gegenüber Christen. Es gab mehrere Berichte über Intoleranz und Vorurteile gegenüber Christen. Es bestehen auch Bedenken hinsichtlich der Unparteilichkeit der Justiz in Gerichtsverfahren, die christliche Minderheiten betreffen, insbesondere nachdem die Regierung mehr als 4.000 Angehörige der Justiz wegen angeblicher Verbindungen zur Gülen-Bewegung entlassen hat.

Kirchliches Leben

Es ist unmöglich, sich als neue Religionsgemeinschaft als solche zu registrieren. Obwohl es für Kirchen die Möglichkeit gibt, sich als „Verein“ registrieren zu lassen, ist dies auch ein schwieriger Prozess und einige Anträge wurden abgelehnt. Verboten ist auch die Errichtung von Stiftungen zur Unterstützung einer neuen Religionsgemeinschaft. Der türkische Geheimdienst (MIT) beobachtet die christlichen Gruppen und ihre Tätigkeiten genau, obwohl die Sicherheitsdienste auch (sichtbar) die Kirchen während der Gottesdienste schützen, insbesondere nach Drohungen vom „Islamischen Staat“ (IS). Es ist sehr schwierig, behördliche Genehmigungen für die Reparatur oder Renovierung von Kirchengebäuden zu erhalten. Viele Kirchengebäude, Seminare oder Schulen, die beschlagnahmt wurden, sind nicht zurückgegeben worden.

Die Organisation von Aktivitäten außerhalb der kirchlichen Einrichtungen wird im Allgemeinen als Evangelisation angesehen und daher sowohl von den örtlichen Amtsträgern als auch von der Bevölkerung behindert. Dies ist vor allem nach dem Staatsstreich und dem anschließenden, noch immer bestehenden, Ausnahmezustand, in dem jedes vermeintlich verdächtige Verhalten zu Verhaftungen führen kann, schwierig geworden. Die offene Integration von Christen muslimischer Herkunft in bestehende Kirchen wird vor allem durch die Gesellschaft erschwert. Führungswechsel in der Griechisch-Orthodoxen und Armenisch-Apostolischen Kirche müssen von der Regierung genehmigt werden, auch wenn es sich dabei um Führer von Religionsgemeinschaften handelt, die laut Gesetz nicht existieren und deren Amtsposition im Gesetz nicht anerkannt sind. Die Ausbildung christlicher Leiter ist rechtlich nicht möglich. Christliche Materialien sind in der türkischen Sprache verfügbar, aber ihre Verbreitung bleibt heikel, da sie automatisch mit Evangelisation in Verbindung gebracht wird.

Für Kirchenleiter ist es schwierig, ein Visum zu erhalten. Vielen ausländischen religiösen Arbeitern wird entweder ein Visum verweigert oder ihre Aufenthaltsgenehmigung wird einfach nicht verlängert.

Auftreten von Gewalt

Obwohl das Ausmaß der Gewalt im Vergleich zum Weltverfolgungsindex 2017 nicht zugenommen hat, ist es nach wie vor sehr hoch. Berichten zufolge wurden drei libanesische Christen während des Silvesterangriffs in Istanbul getötet. Mehrere Gebäude wurden durch die verschärften Kämpfe im unruhigen Südosten der Türkei beschädigt. In der gleichen Region findet nach der Beschlagnahmung mehrerer Grundstücke durch den türkischen Staat noch immer ein Rechtsstreit um die Eigentumsurkunden kirchlichen Eigentums statt. Außerdem hat die andauernde Inhaftierung von US-Pastor Andrew Brunson Schockwellen in der (protestantischen) christlichen Gemeinschaft in der Türkei ausgelöst. Einige andere Christen fühlten sich gezwungen, das Land zu verlassen. Nicht zuletzt ist die Situation der Konvertiten vom Islam zum christlichen Glauben nach wie vor besorgniserregend. Berichten zufolge mussten sich einige von ihnen aus Angst vor den Auswirkungen vonseiten ihrer Familien im Land verstecken.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Der Wechsel zum christlichen Glauben ist für Frauen schwieriger, da sie in einer islamischen Gesellschaft, in der sie eine untergeordnete Stellung haben, Verfolgung stärker ausgesetzt sind. Das gilt insbesondere für Frauen aus Minderheiten und noch stärker in ländlichen Gebieten.

Männer

Während des Militärdienstes befinden sich Männer in einem Umfeld, in dem sie, wenn in ihrem Ausweis als Religion das Christentum angegeben ist, von ihren Vorgesetzten mit Argwohn betrachtet und von ihren Kollegen schikaniert werden können.

8. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Die wirtschaftliche Zukunft der Türkei sieht nicht sehr positiv aus. Der Wert der türkischen Lira sinkt weiterhin, die Jugendarbeitslosigkeit ist nach wie vor hoch (etwa 20 %) und die instabile politische Situation schreckt Investoren ab. Obwohl das Land seit dem Jahr 2000 ein enormes Wirtschaftswachstum verzeichnet, herrscht heute große Unsicherheit über die Zukunft.

Der Ausnahmezustand bleibt bestehen, und die Sicherheitsdienste gehen hart gegen jede Opposition vor. Gleichzeitig scheint Präsident Erdogan die Türkei von Europa, den Vereinigten Staaten und auch den arabischen Staaten zu isolieren. Der Konflikt mit der kurdischen PKK hat sich verschärft und das Land erwies sich im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2018 als anfällig für Angriffe und Bombenattacken kurdischer Gruppen und Einheiten des IS.

Obwohl Christen keine direkten Angriffsziele der Regierung zu sein scheinen, ist die allgemeine Situation für Christen besorgniserregend. Der Anteil der christlichen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung ist mit 0,15 % sehr klein. Wenn man bedenkt, dass noch vor einem Jahrhundert die Christen 20 % der Bevölkerung des Landes ausmachten, ist die Angst vor dem totalen Aussterben nicht unrealistisch. Besonders besorgniserregend ist die Situation der traditionellen christlichen Gemeinschaften im Südosten der Türkei. Ein großer Teil ihres Eigentums wurde in den vergangenen Jahren von der türkischen Regierung weggenommen, und ihre historische Kultur verschwindet allmählich. Außerdem zeigt die Verhaftung, Inhaftierung und Geiselnahme des amerikanischen Pastors Andrew Brunson deutlich, dass sich die türkische Regierung unter Erdogan zu einem skrupellosen Regime entwickelt hat. Insgesamt müssen Christen vorsichtig vorgehen, vor allem in der Öffentlichkeit.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für die Türkei

  • Die Türkei verstärkt allmählich den islamischen Einfluss und die Diskriminierung von Christen und anderen religiösen Minderheiten nimmt zu. Beten Sie, dass Gott es denjenigen, die Verfolgung erfahren, ermöglicht, alle Hoffnung und jedes Vertrauen auf ihn zu setzen.
  • Beten Sie für Christen mit muslimischem Hintergrund, mit ihren Familien gnädig und weise umzugehen. Sie erfahren oft starken Druck von Familie, Freunden und der Gesellschaft, zum Islam zurückzukehren.
  • Beten Sie für diejenigen, die als Verräter bezeichnet und behandelt werden, nachdem sie den christlichen Glauben angenommen haben. Obwohl ein Glaubenswechsel nach türkischem Recht nicht verboten ist, gibt es schwerwiegende gesellschaftliche und familiäre Auswirkungen.

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